{"id":8061,"date":"2020-08-20T11:41:31","date_gmt":"2020-08-20T09:41:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=8061"},"modified":"2020-08-20T11:48:49","modified_gmt":"2020-08-20T09:48:49","slug":"auch-die-verkehrtpolitik-braucht-einen-systemchange","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/auch-die-verkehrtpolitik-braucht-einen-systemchange","title":{"rendered":"Auch die Verkehrtpolitik braucht einen #SystemChange"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-8060\" src=\"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/veloparkplatz.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/veloparkplatz.jpg 300w, https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/veloparkplatz-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/>Politik und Wirtschaft setzen derzeit alles daran, den Auto- und Flugverkehr massiv zu f\u00f6rdern und nachhaltige Unterwegs-Formen wie Fussverkehr, Velos und e-Bikes zu schikanieren \u2013 Verkehrtpolitik eben. Die Zukunft braucht weniger Verkehr!<!--more-->Schon lange ist klar: erhebliche Teile der Mobilit\u00e4tsbed\u00fcrfnisse der Menschen sind nicht auf das Auto als motorisiertes individuelles Verkehrsmittel angewiesen. Mit Benzin, Diesel oder Gas angetriebene Fahrzeuge sind l\u00e4rmig, verursachen Luftschadstoffe und treiben den Klimawandel an. Auch wenn Elektroautos gewisse Vorteile bieten, sind auch diese wegen ihres Gewichts und ihrer Gr\u00f6sse offensichtliche Verkehrshindernisse.<br><br>Allerdings: Die Autos werden immer mehr, sie werden zudem laufend noch gr\u00f6sser und noch schwerer. Dies merken jene, die zu Fuss und mit dem Velo (auch in der Form e-Bike) unterwegs sind. F\u00fcr diese nachhaltigen Unterwegsformen dominieren insbesondere in der Gesetzgebung die Schikanen. Oder anders: die Politik setzt sich gegen s\u00e4mtliche Vernunft daf\u00fcr ein, dass immer noch mehr Auto gefahren wird!<br><br>Autos gelten nicht nur in der Schweiz als \u00abheilige K\u00fche\u00bb. Mit unz\u00e4hligen Formen \u2013 etwa massivste Werbung, dauernde Rabatte bis hin zu Wettbewerbspreisen \u2013 werden Menschen geradezu gen\u00f6tigt, sehr viel Geld f\u00fcr die Anschaffung und den Betrieb dieses unsinnigen motorisierten individuellen Verkehrsmittel auszugeben. FDPSVPCVP sehen die Verkehrtpolitik als einen Schwerpunkt ihrer Politik \u2013 L\u00e4rm, Luftverschmutzung und Klimasch\u00e4den werden in geradezu satirischer Weise als liberale Anspr\u00fcche des MIV (als MIEF zu lesen) verstanden.<br><br>Wenn neue Technologien etwa beim Velo zur Anwendung kommt, setzt die Politik alles daran, die Nutzung dieser neuen M\u00f6glichkeiten so unattraktiv wie m\u00f6glich zu machen. Aktuelles Beispiel: schnelle e-Bikes, also solche, die in der Schweiz mit einer elektrisch angetriebenen Geschwindigkeit von maximal 45 Kilometern pro Stunde unterwegs sein k\u00f6nnen. <br><br>Ich selber fahre seit mindestens 45 Jahren Velo, lange Jahre mit von der K\u00f6rperkraft (und bei Abw\u00e4rtsfahrten von der Schwerkraft) angetriebenen Zweir\u00e4dern, seit wenigen Jahren mit einem \u00abschnellen\u00bb e-Bike. <br><br>Eine eindeutige Erfahrung aus dieser Zeit: das Velo erh\u00e4lt im \u00f6ffentlichen Raum viel zu wenig Platz. Dies f\u00fchrt dazu, dass sich andere Verkehrsteilnehmende \u00fcber die VelofahrerInnen \u00e4rgern. Leider ist dadurch Velofahren auch relativ gef\u00e4hrlich! Die Politik reagiert darauf mit Schikanen, etwa mit einer Strassenverkehrsgesetzgebung, die sich ausschliesslich am Auto orientiert. Klar ist: auch unter zukunftsf\u00e4higen Verkehrsgesetzen erleichtert eine vorausschauende und defensive Fahrweise das Velofahren. <br><br>Eine zukunftsf\u00e4hige, eine enkelInnen- und urenkelInnen-taugliche Verkehrspolitik erfordert deutlich weniger Autos und dadurch viel mehr Platz f\u00fcr das Velo! Fussg\u00e4ngerInnen und \u00f6ffentlicher Verkehr erhalten parallel dazu ebenfalls mehr Raum.<br><br><strong>Wie sieht eine sinnvolle Verkehrspolitik aus?<\/strong> (Hier ohne Luftverkehr) <\/p>\n<ul>\n<li>Autos (und schwere T\u00f6ffs) nur noch als <strong>Sharing-Angebote<\/strong>. Da Autos fast ausschliesslich Stehzeuge sind, macht privater Besitz aus verschiedenen Gr\u00fcnden keinen Sinn.<\/li>\n<li>Es sind autofreie Innenst\u00e4dte einzuf\u00fchren; noch besser w\u00e4re <strong>Autofreiheit auf dem gesamten Stadtgebiet<\/strong> (gilt auch f\u00fcr T\u00f6ffs).<\/li>\n<li>Angesichts der <strong>Klimakrise<\/strong> ist so rasch als m\u00f6glich, sp\u00e4testens 2025, die Neuanschaffung und der Occasionshandel von Fahrzeugen, die mit fossilen Treibstoffen betrieben werden, zu verbieten. Parallel dazu ist daf\u00fcr zu sorgen, dass Fahrzeuge ausschliesslich mit nachhaltig nutzbaren erneuerbaren Energien betrieben werden. PS: Diese Bestimmungen haben ausdr\u00fccklich auch f\u00fcr Oldtimer-Fahrzeuge zu gelten.<\/li>\n<li><strong>Keine Abstellpl\u00e4tze<\/strong> f\u00fcr Autos und T\u00f6ffs im Strassenraum.<\/li>\n<li>Auf jeder Strasse braucht es neben dem Trottoir f\u00fcr beide Fahrtrichtungen <strong>einen mindestens zwei Meter breiten Velobereich<\/strong>. Verbleibender Platz ist priorit\u00e4r f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Verkehr zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/li>\n<li><strong>Fl\u00e4chendeckend ist innerorts Tempo 25 einzuf\u00fchren<\/strong> (allenfalls mit Ausnahmen f\u00fcr abw\u00e4rts fahrende Velos). Schnelle e-Bikes sind f\u00fcr den Innerorts- und Ausserortsbetrieb umschaltbar einzurichten, mit von Dritten wahrnehmbarer Anzeige des Betriebsmodus, z. B. gr\u00fcnes Blinklicht beim \u00abschnellen\u00bb Modus. Allenfalls kann dies unter Beachtung des L\u00e4rmschutzes kombiniert werden mit einem frei schwingenden \u00abGeissen\u00bb-Gl\u00f6cklein am Velo. Diese Innerorts-Beschr\u00e4nkung des Tempos f\u00fcr schnelle e-Bikes erachte ich nicht als Schikane. Meine Erfahrungen zeigen, dass h\u00f6here Geschwindigkeiten innerorts nur auf breiten Hauptstrassen und Transitrouten erreichbar sind. <\/li>\n<\/ul>\n<hr>\n<p>PS: Auch wenn viele das Velo betreffende gesetzliche Vorgaben schikan\u00f6s sind, halte ich mich aus prinzipiellen Gr\u00fcnden an diese Bestimmungen. Selbst wenn ich \u00fcber andere Verhaltensweisen den Kopf sch\u00fcttle, interpretiere ich behauptetes Fehlverhalten von Velofahrenden als Beleg f\u00fcr die aktuell dominierende Verkehrtpolitik. Als ein \u00e4rgerliches &nbsp;Beispiel: die Respektierung des seitlichen Abstandes von der Velofahrspur am rechten Fahrbahnrand ist f\u00fcr die meisten Autofahrenden offensichtlich unbekannt. Leider weichen daher viele Velofahrenden auf das Trottoir aus. <br><br>PPS: Immer mehr Autos: Vom Jahr 2000 bis 2019 nahm in der Schweiz die Zahl der immatrikulierten motorisierten Strassenfahrzeuge um 34 Prozent zu. Die Zahl der Einwohnenden in der Schweiz nahm im gleichen Zeitraum&nbsp; um etwa 18 Prozent zu.<\/p>\n<p>PPPS: Ein aktuelles Beispiel f\u00fcr die Autof\u00f6rderung von FDPSVPCVP stellt der <a href=\"https:\/\/gruene.ch\/medienmitteilungen\/wirtschaftskommission-befeuert-klimakrise-gruene-werden-referendum-pruefen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Antrag der nationar\u00e4tlichen Wirtschaftskommission zur Treibstoffverbilligung<\/a> dar \u2013 die Klimakrise wird von FDPSVPCVP offensichtlich nach wie vor ignoriert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politik und Wirtschaft setzen derzeit alles daran, den Auto- und Flugverkehr massiv zu f\u00f6rdern und nachhaltige Unterwegs-Formen wie Fussverkehr, Velos und e-Bikes zu schikanieren \u2013 Verkehrtpolitik eben. 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