{"id":8011,"date":"2020-06-08T23:25:56","date_gmt":"2020-06-08T21:25:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=8011"},"modified":"2020-09-14T12:41:18","modified_gmt":"2020-09-14T10:41:18","slug":"strommarkt-und-klimaschutz-braucht-es-fuer-den-winter-neue-grosskraftwerke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/strommarkt-und-klimaschutz-braucht-es-fuer-den-winter-neue-grosskraftwerke","title":{"rendered":"Strommarkt und Klimaschutz: braucht es f\u00fcr den Winter neue Grosskraftwerke?"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-7877\" src=\"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/momentaufnahme.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/momentaufnahme.jpg 200w, https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/momentaufnahme-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 85vw, 200px\" \/>Die Stromversorgung \u00e4ndert sich laufend. Statt sehr grosse Kraftwerke entstehen immer mehr dezentrale Klein- und Kleinstkraftwerke. Allein das aussch\u00f6pfbare <a href=\"https:\/\/www.bfe.admin.ch\/bfe\/de\/home\/news-und-medien\/medienmitteilungen\/mm-test.msg-id-74641.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Solar-Strompotenzial<\/a> bei Schweizer Geb\u00e4uden betr\u00e4gt <a href=\"https:\/\/www.umweltperspektiven.ch\/schweizer-energiewende-mittels-solarstrom\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">110 Prozent des Stromverbrauchs der Schweiz<\/a>.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Eine Herausforderung besteht bereits heute, sie wird tendenziell in der Zukunft gr\u00f6sser: Produktion und Verbrauch von Strom sind zeitlich nicht deckungsgleich. Offensichtlich ist etwa, dass im Sommer mehr Solarstrom anf\u00e4llt als im Winter, daf\u00fcr wegen der k\u00fcrzeren Tage und der k\u00e4lteren Aussenbedingungen der Stromverbrauch im Winter h\u00f6her ist als im Sommer.<\/p>\n<p>Gerade weil sich der Strommarkt derzeit von einer ProduzentInnen\/KonsumentInnen-Konstellation hin zu einer Prosumer-Situation ver\u00e4ndert, sind die Winterverh\u00e4ltnisse mit sowohl hohen Stromverbrauchs- als auch Leistungs-Anteilen sehr gut zu beobachten.<\/p>\n<p>Zu beachten ist dabei: Sowohl f\u00fcr den Verkehr wie bei der W\u00e4rmeversorgung von Bauten besteht angesichts der Klimakrise ein Trend hin zu strombetriebenen Fahrzeugen und W\u00e4rmeerzeugungsger\u00e4ten (zum Beispiel W\u00e4rmepumpen mit einem hohen Anteil an genutzter Umweltenergie).<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit dem Aufkommen von mobilen Computern und multifunktionalen Telekommunikationsger\u00e4ten (\u00fcblicherweise als Smart Phones bezeichnet) ist ein altes Dogma ins Wanken gekommen. Im Gegensatz zu fr\u00fcheren \u00dcberlegungen ist bereits heute durchaus davon auszugehen, dass Strom als Strom gespeichert werden kann.<\/p>\n<p>Diese Erkenntnis f\u00fchrt zu erheblichen Entwicklungsanstrengungen \u2013 es ist durchaus absehbar, dass auch gr\u00f6ssere Strommengen \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume gespeichert werden k\u00f6nnen; f\u00fcr W\u00e4rmeanwendungen bieten sich allenfalls auch W\u00e4rmespeichersysteme mit unterschiedlichen Konzepten und damit unterschiedlichen Speicherzeitr\u00e4umen (zum Beispiel Monate, Wochen, Tage, Stunden) an. Es ist davon auszugehen, dass auch erhebliche Verbesserungspotenziale bei den eingesetzten Materialien bestehen, zum Beispiel Minimierung oder gar Verzicht auf den Einsatz von so genannten Konflikt-Mineralien.&nbsp;<\/p>\n<p>PS: Power-To-X-To-Power, also zum Beispiel Produktion von speicherbarem Wasserstoff (X) mit Strom (Power) und bei Bedarf die Produktion von Strom (Power) aus Wasserstoff (X) wird eher nicht zu den zuk\u00fcnftigen Speichersystemen f\u00fcr Geb\u00e4ude geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Aus Klimaschutzsicht leider und aus Versorgungssicht zum Gl\u00fcck werden sich die Ver\u00e4nderungen sowohl beim Verkehr wie bei der W\u00e4rmeversorgung nicht von heute auf morgen ergeben. Neuere Zahlen zeigen, dass etwa beim <a href=\"https:\/\/www.srf.ch\/sendungen\/trend\/oelheizung-was-sonst?ns_source=web&amp;srg_sm_medium=tw?ns_source=web&amp;srg_sm_medium=tw\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ersatz von f\u00fcnf Heizungen<\/a>, die heute mit \u00d6l oder Gas betrieben werden, nach wie vor vier der neuen Anlagen wieder \u00d6l oder Gas als Energietr\u00e4ger funktionieren. [Diese umst\u00e4ndliche Formulierung verwende ich statt der einfachen, aber semantisch falschen Aussage \u00abVier von f\u00fcnf bestehenden fossilen Heizungen werden durch eine fossile Heizung ersetzt.\u00bb]<\/p>\n<p>Dies bedeutet: Wir m\u00fcssen uns ziemlich beeilen, dass bis sp\u00e4testens 2050 keine fossilen Brenn- und Treibstoffe mehr verbraucht werden, daf\u00fcr erfolgt der Wechsel hin zu einer Stromversorgung ausschliesslich aus erneuerbaren Energien in einem kontinuierlichen, zwanzig bis dreissig Jahre andauernden Prozess, verbunden mit einer zunehmenden Bedeutung der Strom-Prosumer.<\/p>\n<p>Somit: Die Entwicklung muss gut beobachtet und analysiert werden \u2013 und erfordert derzeit noch keine Auftr\u00e4ge zur Erstellung von Grosskraftwerken.<\/p>\n<p>Es braucht aber f\u00fcr die diversen Marktteilnehmenden eindeutige Botschaften.<\/p>\n<p>Als ein Beispiel: Bei Geb\u00e4uden sind sowohl bei Neubauten wie bei Bestandesbauten so rasch als m\u00f6glich Plusenergiebauten anzustreben, Geb\u00e4ude also, bei denen im Jahresverlauf mehr Energie produziert als verbraucht wird. Ebenso sind Speichermedien zu verwenden, um zum Beispiel im Sommer die den Energiebedarf \u00fcbersteigende Energieproduktion abpuffern zu k\u00f6nnen und m\u00f6glichst weit in den Winter hinein zu \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Es ist zudem anzuregen, dass zivilgesellschaftliche Institutionen die saisonalen, monatlichen, w\u00f6chentlichen, t\u00e4glichen und st\u00fcndlichen Bilanzen von Produktion und Verbrauch von Strom intensiv beobachten und die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen der \u00d6ffentlichkeit und der Politik mitteilen. Bei Bedarf sind auch die Botschaften f\u00fcr die Marktteilnehmenden anzupassen.<\/p>\n<p>Der Strommarkt ist umzubauen \u2013 die haupts\u00e4chlich stromproduzierenden und stromhandelnden Unternehmen, die ihre Produktion und ihre Eink\u00e4ufe m\u00f6glichst zu den markth\u00f6chsten Preisen verkaufen wollen, sollten sich zu PartnerInnen-Unternehmen f\u00fcr die vielen kleinen und mittleren Strom-Prosumenten weiterentwickeln, die dazu beitragen, die produzierten und konsumierten Strommengen unter Einbezug der bestverf\u00fcgbaren Speicherm\u00f6glichkeiten klug zu bewirtschaften. Es ist allerdings davon auszugehen, dass die Marktfixierung auf nachweislich l\u00fcgende Strompreise nicht zukunftsf\u00e4hig ist.<\/p>\n<p>Wenn ein echter Prosumer-Markt gelingt, wird es keine neuen Grosskraftwerke brauchen! Wer bereits heute nach solchen Grosskraftwerken ruft, betont die eindimensionale ProduzentInnensicht mit der Hoffnung auch auf weiterhin l\u00fcgende Strompreise \u2013 nicht wirklich eine zukunftsf\u00e4hige Optik!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stromversorgung \u00e4ndert sich laufend. Statt sehr grosse Kraftwerke entstehen immer mehr dezentrale Klein- und Kleinstkraftwerke. 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