{"id":7655,"date":"2019-10-11T19:17:54","date_gmt":"2019-10-11T17:17:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=7655"},"modified":"2019-10-11T19:18:09","modified_gmt":"2019-10-11T17:18:09","slug":"klimanotstand-demokratie-und-enkelinnen-zukunft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/klimanotstand-demokratie-und-enkelinnen-zukunft","title":{"rendered":"Klimanotstand: Demokratie und EnkelInnen-Zukunft"},"content":{"rendered":"\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-7653 alignnone alignleft\" src=\"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/neukom_2000watt.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/neukom_2000watt.jpg 300w, https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/neukom_2000watt-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/>Die Stimmberechtigten der Stadt Z\u00fcrich haben sich im November 2008 mit einem Ja-Stimmenanteil von 76.4 Prozent f\u00fcr die zukunftsgerichtete 2000-Watt-Gesellschaft entschieden. Die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft \u2013 eine Tonne Treibhausgasemissionen pro Person und Jahr im Jahr 2050, 2000 Watt mittlere Prim\u00e4renergiedauerleistung pro Person \u2013 galten damals als vision\u00e4r. <!--more--><\/p>\n<p>Der Kanton Z\u00fcrich hat einige Zeit darauf ebenfalls ein Klimaschutzziel in das kantonale Energiegesetz aufgenommen. Absicht ist, \u00ab<em style=\"font-size: inherit;\">bis ins Jahr 2050 den CO<sub>2<\/sub>-Ausstoss auf 2,2 Tonnen pro Einwohnerin und Einwohner und Jahr zu senken<\/em>\u00bb. Dieses Ziel geht&nbsp;deutlich weniger weit als das Klimaschutzziel der Stadt Z\u00fcrich.<\/p>\n<p>\u00abDas Modell der 2000-Watt-Gesellschaft ist veraltet.\u00bb lautet die \u00dcberschrift eines <a href=\"https:\/\/www.moneta.ch\/das-modell-der-2000-watt-gesellschaft\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Interviews in der Zeitschrift <strong>moneta<\/strong><\/a> der Alternativen Bank mit Martin Neukom, seit Mai 2019 Z\u00fcrcher Baudirektor. Die Einsch\u00e4tzung von Martin Neukom zum Klimaschutzziel der Stadt Z\u00fcrich: \u00ab<em>Das Anfang der 1990er-Jahre entstandene Modell der 2000-Watt-Gesellschaft war in der Tendenz richtig, aber heute sind wir tats\u00e4chlich einen Schritt weiter. Jetzt geht es beim Klimaschutz nicht mehr um die Reduktion von Emissionen. Das Ziel ist eine Umstellung von fossilen auf hundert Prozent erneuerbare Energien, so dass gar keine CO<sub>2<\/sub>-Emissionen mehr anfallen<\/em>\u00bb.<\/p>\n<p>Die Klimastreiks\/Klimademos haben in der zweiten H\u00e4lfte 2018 aufgenommen, was interessierten Kreisen schon l\u00e4nger klar war: echter Klimaschutz muss fossile Nullen anstreben, und zwar m\u00f6glichst rasch! Der Z\u00fcrcher Gemeinderat hat im Sommer 2019 eine <a href=\"https:\/\/www.gemeinderat-zuerich.ch\/geschaefte\/detailansicht-geschaeft?gId=e72ab07f-f1a3-4d59-98c0-62ce473862a9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Motion<\/a> \u00fcberwiesen, unter anderem mit der Forderung \u00ab<em>Die Stadt Z\u00fcrich setzt sich im Rahmen ihrer Zust\u00e4ndigkeit das Ziel, bis ins Jahr 2030 eine Reduktion des CO<sub>2<\/sub>-Ausstosses pro Einwohnerin und Einwohner und Jahr auf Netto Null zu erreichen<\/em>\u00bb.<\/p>\n<p>Im Lead des Artikels \u00ab<a href=\"https:\/\/www.powernewz.ch\/2019\/eth-klimaforscher-knutti\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">In der Schweiz wird es sechs Grad w\u00e4rmer<\/a>\u00bb im Blog powernewz des Elektrizit\u00e4tswerks der Stadt Z\u00fcrich (ewz) heisst es: \u00ab<em>Reto Knutti gilt als einer der weltweit f\u00fchrenden Klimaforscher. Der Professor f\u00fcr Klimaphysik an der ETH Z\u00fcrich h\u00e4lt es f\u00fcr richtig, dass sich die Stadt Z\u00fcrich energiepolitisch Ziele setzt, die \u00fcberambitioniert scheinen. Zum Beispiel, bis 2030 den CO<sub>2<\/sub>-Austoss auf Netto Null zu reduzieren. \u00abWir stehen vor einem Systemwechsel\u00bb, sagt der 46-J\u00e4hrige<\/em>\u00bb.<\/p>\n<p><strong>Kompromist<\/strong>, bewusst falsch geschrieben \u2013 das ist offenbar das, was die Politik eines demokratischen Rechtsstaates ausmacht. Konkret: Die Wissenschaft macht klare Aussagen zum zwingend notwendigen Ausstiegspfad aus den fossilen Energien. Die Politik interessiert dies nicht, sondern als demokratisch gilt nur, was von den PolitikerInnen als Kompromist zusammengekleistert wird \u2013 selbst dann, wenn der fossile Absenkpfad um Jahre oder gar um Jahrzehnte von den Vorgaben der Wissenschaft abweicht. Meist werden diese Kompromiste der Anforderung \u00abschnelle, weitreichende und beispiellose Ver\u00e4nderungen in allen Bereichen der Gesellschaft\u00bb des Weltklimarats IPCC nicht gerecht. Das interessiert die Politik nicht, die Willk\u00fcr des Kompromists geht vor. &nbsp; &nbsp;<\/p>\n<p>Die politische Willk\u00fcr des Kompromists steht vor den wissenschaftlichen Erkenntnissen. Oder anders gesagt: meist kurzsichtige und kurzfristige Egoismen von Einzelnen oder Gruppen haben mehr Gewicht als Gemeinschaftsinteressen, als das gemeinsame Interesse Weltklima.&nbsp;<\/p>\n<p>Erd\u00f6lvereinigung, Erdgaswirtschaft, Automobilwirtschaft, Flugunternehmen, die Werbewirtschaft, der HEV (ausgeschrieben offenbar Heiz\u00f6l- und Erdgas-Verein) werden st\u00e4rker ber\u00fccksichtigt als die Wissenschaft.<\/p>\n<p>Dazu passt auch, dass in der politische Debatte vermehrt Fakes und L\u00fcgen verwendet werden, offensichtlich bei der \u00d6l-Lobby-Partei SVP, durchaus auch sozialromantischer Stuss, etwa bei der AL.<\/p>\n<p>Wenn die Demokratie eine Zukunft haben soll,<\/p>\n<ul>\n<li>ist sofort mit dem Ausstieg aus den fossilen Energien zu beginnen (parallel zum Ausstieg aus der Atomenergie),<\/li>\n<li>ist m\u00f6glichst rasch eine echte fossile Null zu erreichen,<\/li>\n<li>hat auch in der Klimapolitik das <a href=\"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wenn-wir-es-wollen-zu-kraftwerk-schweiz-von-anton-gunzinger\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Wollen<\/a> im Vordergrund zu stehen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Konkret:<\/p>\n<ul>\n<li>F\u00fcr eine nachhaltige, Enkelinnen-gerechte Entwicklung sind Suffizienz, Effizienz und Konsistenz als handlungsleitende Prinzipien zu konkretisieren. Am Beispiel Geb\u00e4ude: &nbsp;\n<ul>\n<li>Lebensabschnittsgerecht ist ein gutes Leben mit m\u00f6glichst wenig Raumvolumen zu erm\u00f6glichen. &nbsp;<\/li>\n<li>Wenn Geb\u00e4ude erneuert oder neu gebaut werden, ist f\u00fcr einen m\u00f6glichst geringen Energieverbrauch f\u00fcr Heizung, Wassererw\u00e4rmung &nbsp;und weitere Zwecke zu sorgen.<\/li>\n<li>Wenn eine Heizung zu ersetzen ist, hat die neue Heizung ab sofort ausschliesslich mit erneuerbaren Energien zu funktionieren, idealerweise ohne Verbrennungstechnologien \u2013 Gase in aller Form, Holz usw. geh\u00f6ren nicht zu den Zukunftsenergien.<\/li>\n<li>So viel als m\u00f6glich Energie, in erster Linie Sonnenenergie, ist an und auf den Geb\u00e4uden zu gewinnen.&nbsp;<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/auch-in-zurich-weniger-verkehr-zur-erhaltung-der-mobilitat\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Um die Mobilit\u00e4t zu erhalten, ist der Verkehr zu reduzieren<\/a>.<\/li>\n<li>Wir haben uns von der Wegwerfgesellschaft zu entfernen \u2013 zum Beispiel durch die Abschaffung der Abfallentsorgung und die Stilllegung aller Kehrichtverbrennungsanlagen.<\/li>\n<li>Es braucht neue Formen der Existenzsicherung, zum Beispiel das bedingungslose <a href=\"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/grosse-transformation-ein-argument-mehr-fuer-bedingungsloses-grundeinkommen-fuer-alle\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Grundeinkommen<\/a> f\u00fcr alle.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Einverstanden, das sind grosse Ver\u00e4nderungen, die hier gefordert werden \u2013 &nbsp;\b<em>\u00abWir stehen vor einem Systemwechsel\u00bb<\/em>, sagt ETH-Professor Reto Knutti (siehe oben). Darum ruft die Strasse derzeit \u00ab<a href=\"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/klimanotstand-system-change-statt-warmluft-wahlpropaganda\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">System Change not Climate Change<\/a>\u00bb. Es braucht Technik, es braucht weitere Entwicklungen und Forschungen, es braucht auch Verzicht. Es braucht hunderte von Einzelmassnahmen \u2013 im Wissen darum, dass jede und jeder hin und wieder auch liebgewordene Gewohnheiten zumindest in Frage stellen muss. Zum Verst\u00e4ndnis der nachhaltigen Entwicklung geh\u00f6ren immer auch soziale und \u00f6konomische Aspekte. Dabei ist zu beachten, dass neben dem Klimaschutz auch die Klimaanpassung erhebliche Mittel erfordert.<\/p>\n<p>Stichwort \u00abMuss\u00bb respektive \u00abM\u00fcssen\u00bb: Der Handlungsbedarf ist so riesig, dass es als zentrales Handlungsfeld des demokratischen Rechtsstaates klare Vorschriften braucht. Egoismusfreier, altruistischer oder ethisch getragener Liberalismus reicht wie auch der Appell zur Eigenverantwortung nicht aus, dies aus den Erfahrungen der letzten 30 bis 40 Jahren Energie- und Klimapolitik.<\/p>\n<p>Wenn wir es wollen, ist eine demokratische Umsetzung des Klimanotstandes im Interesse der EnkelInnen und UrenkelInnen m\u00f6glich.<\/p>\n<hr>\n<p>Das einleitende Plakat mit dem Zitat von Martin Neukom aus moneta verwendet den Schriftsatz <a href=\"https:\/\/page-online.de\/typografie\/greta-grotesk-schreiben-wie-greta-thunberg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">GRETA GROTESK<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stimmberechtigten der Stadt Z\u00fcrich haben sich im November 2008 mit einem Ja-Stimmenanteil von 76.4 Prozent f\u00fcr die zukunftsgerichtete 2000-Watt-Gesellschaft entschieden. 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