{"id":7499,"date":"2019-06-02T10:43:46","date_gmt":"2019-06-02T08:43:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=7499"},"modified":"2022-01-14T19:33:05","modified_gmt":"2022-01-14T18:33:05","slug":"klimaschutz-die-zukunft-beginnt-ab-jetzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/klimaschutz-die-zukunft-beginnt-ab-jetzt","title":{"rendered":"Klimaschutz: Die Zukunft beginnt ab jetzt"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-7498\" src=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/absendpfadepfeile.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/absendpfadepfeile.jpg 300w, https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/absendpfadepfeile-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/>\u00abNettoNull2030\u00bb ist eine der Klimastreik-Forderungen von Fridays4Future, konkretisiert von den <a href=\"https:\/\/info-de.scientists4future.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Scientists4Future<\/a>: <strong>die Nettoemissionen von Treibhausgasen (insbesondere CO<sub>2<\/sub>) m\u00fcssen sehr rasch sinken und in den n\u00e4chsten 20 bis 30 Jahren weltweit auf null reduziert werden<\/strong> (um mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Erw\u00e4rmung von 1,5 \u00b0C nicht zu \u00fcberschreiten). Dies stimmt \u00fcberein mit den am 8. Oktober 2018 vom Weltklimarat IPCC ver\u00f6ffentlichten Schlusssfolgerungen: <strong>Die Begrenzung der globalen Erw\u00e4rmung auf 1,5 \u00b0C erfordert schnelle, weitreichende und beispiellose Ver\u00e4nderungen in allen Bereichen der Gesellschaft<\/strong>. Schnell, weitreichend, beispiellos: dies ist eine echte Herausforderung f\u00fcr alle Bereiche der Gesellschaft, wie insbesondere die Reaktionen der \u00abErwachsenen\u00bb auf die Klimastreik-Forderungen der Kinder, Jugendlichen und (jungen) Erwachsenen zeigen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Vorgabe ist seit den Siebziger-Jahren des letzten Jahrhunderts klar: Wenn die Menschheit auf dem Planeten Erde eine Zukunft haben soll, ist \u2013 beispielsweise ausformuliert als nachhaltige Entwicklung \u2013 die Nutzung fossiler Energiequellen wie Erd\u00f6l, Erdgas und Kohle baldm\u00f6glichst einzustellen. Es geht hier um einen neuen Gesellschaftsvertrag, um einen fundamentalen Ver\u00e4nderungsprozess. Im Werk \u00ab<a href=\"https:\/\/www.orellfuessli.ch\/shop\/home\/artikeldetails\/A1047209652\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Grosse Transformation. Eine Einf\u00fchrung in die Kunst gesellschaftlichen Wandels<\/a>\u00bb \u2013 herausgegeben von Uwe Schneidewind, begleitet von der Internetsite <a href=\"https:\/\/www.zukunftskunst.eu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zukunftskunst<\/a> \u2013 werden die erforderlichen Ver\u00e4nderungen als \u00abmoralische Revolution\u00bb (nach Appiah, 2011) bezeichnet. Zu vergleichen ist dies mit der Einf\u00fchrung der Demokratie, der Abschaffung der Sklaverei oder der <a href=\"https:\/\/www.frauenstreik19.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Einf\u00fchrung des Frauenwahl- und -stimmrechts<\/a>. Eine solche \u00abmoralische Revolution\u00bb l\u00e4uft (nach Appiah, zitiert in die \u00abGrosse Transformation\u00bb) \u00fcblicherweise in f\u00fcnf Phasen ab:<\/p>\n<ol>\n<li>Ignoranz \u2013 Problem wird nicht gesehen<\/li>\n<li>Anerkennung, aber kein pers\u00f6nlicher Bezug<\/li>\n<li>Anerkennung des pers\u00f6nlichen Bezugs, aber Nennung von Gr\u00fcnden, warum kein Handeln m\u00f6glich ist<\/li>\n<li><strong>Handeln<\/strong><\/li>\n<li>Im R\u00fcckblick: Unverst\u00e4ndnis, dass die alte Praxis je bestehen konnte<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die ersten Ans\u00e4tze f\u00fcr diese grosse Transformation liegen rund f\u00fcnfzig Jahre zur\u00fcck. Es ist daher nicht verwunderlich, dass eigentlich derzeit individuell alle f\u00fcnf Phasen dieser \u00abmoralischen Revolution\u00bb anzutreffen sind.<\/p>\n<p>Viele SVP- und auch FDP-VertreterInnen stagnieren in Phase 1, mit ganz leichten Bewegungen Richtung Phase 2. Stark gepr\u00e4gt wird dies von der fossilen Mafia bei Geb\u00e4uden und im Verkehr. Oder anders: stillschweigend profitieren insbesondere die reichen L\u00e4nder von den fossilen Renten, von den vor Jahrmillionen abgespeicherten fossilen Energietr\u00e4gern. Und es gibt noch erhebliche Anteile von PolitikerInnen, die den Verbrauch von fossilen Energien mit Menschenrechten oder gar Freiheit in Verbindung bringen, absurder gehts nicht mehr. Geradezu l\u00e4cherlich wird es, wenn von Phase-1-VertreterInnen der geringe Anteil der Schweiz an den Treibhausgas-Emissionen und die scheinbare Unt\u00e4tigkeit anderer L\u00e4nder geltend gemacht wird. Tatsache ist, dass die Schweiz zu den L\u00e4ndern mit einem \u00fcberm\u00e4ssig grossen \u00f6kologischen Fussabdruck geh\u00f6rt. Daraus leitet sich ein entsprechender eigenverantwortlicher Handlungsbedarf ab.<\/p>\n<p>Seit langen langen Jahren gibt es zahlreiche realisierte Beispiele f\u00fcr Phase 4: <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/klimastreik-weil-seit-jahrzehnten-zu-wenig-energie-umwelt-und-klimapolitik-gemacht-wird\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sehr viele Menschen haben gehandelt; leider reicht dies nicht aus, um die \u00abmoralische Revolution\u00bb zu schaffen<\/a>. Mit diesem Wissen, gepr\u00e4gt durch einen Teil der Eltern- und Grosselterngeneration, fordern die Klimastreikenden die schnelle und konsequente Umsetzung von Phase 4, fordern schnelles und wirksames Handeln.<\/p>\n<p>Was zu tun ist, ist bestens bekannt. Gewisse Publikationen dazu sind eher plump, zum Beispiel <a href=\"https:\/\/interaktiv.tagesanzeiger.ch\/2019\/75-ideen-den-klimawandel-zu-stoppen\/?nosome\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">75 Ideen, wie Sie den Klimawandel stoppen k\u00f6nnen. Eine Anleitung zur Rettung der Welt.<\/a> Wichtig dabei, darum eben Phase 4: Klimaschutz betrifft uns alle, betrifft uns in allen Situationen, in allt\u00e4glichen und speziellen Situationen \u2013 wenn wir es wollen, ist dies zu schaffen.<\/p>\n<p>Als zusammenfassende Auswahl:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00dcberall m\u00fcssen wir von den fossilen Energien weg:\n<ul>\n<li>Die Heizung und die Warmwasserversorgung unserer H\u00e4user ist so schnell als m\u00f6glich auf dezentral genutzte erneuerbare Energien umzustellen. Die beanspruchten Wohn- und Arbeitsfl\u00e4chen sind lebensabschnittsgerecht m\u00f6glichst zu minimieren.\n<ul>\n<li>Auch die Gasversorgung ist schnellstm\u00f6glich stillzulegen (<a href=\"http:\/\/priceofoil.org\/2019\/05\/30\/gas-is-not-a-bridge-fuel\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Burning the Gas \u2018Bridge Fuel\u2019 Myth: Why Gas Is Not Clean, Cheap, or Necessary<\/a>).<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Alle Verkehrsmittel sind ausschliesslich mit erneuerbaren Energien zu betreiben \u2013 mag sein, dass f\u00fcr Schiffe und Flugzeuge zumindest in einer \u00dcbergangsphase Power-to-Liquid-Technologien anzuwenden sind.\n<ul>\n<li>Dazu geh\u00f6rt, dass weniger Verkehr mobilit\u00e4tsf\u00f6rdernd ist. Der Alltag sollte mit 7&#8217;000 Schritten pro Tag abdeckbar sein \u2013 ein Teil davon auch per Velo, sicher weniger als eine Stunde pro Tag.<\/li>\n<li>Nicht zuletzt aus Gerechtigkeits\u00fcberlegungen sind insbesondere Flugreisen deutlich zu vermindern.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Die gesamte Stromversorgung hat mit erneuerbaren Energietr\u00e4gern, m\u00f6glichst dezentral genutzt, stattzufinden (eine Schlagzeile vom 15. April 2019 dazu: <a href=\"https:\/\/www.swissolar.ch\/services\/medien\/news\/detail\/n-n\/bfe-studie-schweizer-solarpotenzial-groesser-als-benoetigt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">BFE-Studie: Schweizer Solarpotenzial gr\u00f6sser als ben\u00f6tigt<\/a>).\n<ul>\n<li>Atomenergie ist wie seit bald f\u00fcnfzig Jahren bekannt kein zukunftsf\u00e4higer Ansatz.<\/li>\n<li>Es braucht einen \u00dcbergang von den fossilen Energiespeichern zu ressourcenoptimierten und menschenrechtsvertr\u00e4glichen Tages-, Wochen-, Monats- und Saison-Energiespeichern. Immer h\u00e4ufiger funktionieren solche Speicher bereits heute auch ohne \u00abseltene Erden\u00bb.<\/li>\n<li>Eine nachhaltige Landwirtschaft kommt mit deutlich geringeren Tierbest\u00e4nden aus \u2013 weniger Fleisch, weniger Milchprodukte, saisonale und regionale Produkte sind zukunftsf\u00e4hig, FlexitarierInnen werden zahlreicher, vegetarische und vegane Gerichte geh\u00f6ren immer h\u00e4ufiger zum Alltag. Da werden auch Migros und Coop ihre absurden Grill-Kampagnen anzupassen haben.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Es geht um nachhaltige Entwicklung \u2013 neben den \u00f6kologischen geh\u00f6ren zukunftsgerichtete soziale und \u00f6konomische Aspekte selbstverst\u00e4ndlich mit dazu.\n<ul>\n<li>Zu beachten sind die priorit\u00e4tssetzenden handlungsleitenden Nachhaltigkeitsprinzipien Suffizienz, Effizienz und Konsistenz.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Verschiedentlich wurde gezeigt, dass fossilfreie Technologien in einer Gesamtbetrachtung g\u00fcnstiger sind als konventionelle Technologien \u2013 allerdings wird dies durch <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/nicht-nur-lugende-energiepreise-auch-politikerinnen-sind-unehrlich\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">massiv l\u00fcgende Energiepreise<\/a> verf\u00e4lscht. Energielenkungsabgaben sind daher dringlich.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nein, die Reduktion des \u00abBev\u00f6lkerungswachstums\u00bb geh\u00f6rt nicht zu dieser \u00abmoralischen Revolution\u00bb. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass eine gerechte globale Wohlstandsverteilung eine nachhaltige und vom Planeten bew\u00e4ltigbare Bev\u00f6lkerungsentwicklung erm\u00f6glicht. Gepr\u00e4gt wird der zu grosse \u00f6kologische Fussabdruck von den reichen L\u00e4ndern; diese haben im Sinne der Klima-Gerechtigkeit die \u00abmoralische Revolution\u00bb beschleunigt umzusetzen.<\/p>\n<p>Ein <strong>Klimanotstand<\/strong> wird von den Klimastreikenden und den sie unterst\u00fctzenden Kreisen verlangt. Nach rund f\u00fcnfzig Jahren ist Klimaschutz endlich dringlich umzusetzen. \u00abNotstand\u00bb ist auf Verfassungs- und Gesetzesstufe zum Teil bereits besetzt. Wenn nun \u2013 <a href=\"https:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/gud\/de\/index\/departement\/medien\/medienmitteilungen\/2019\/mai\/190522a.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wie etwa in der Stadt Z\u00fcrich<\/a> \u2013 dringliches Handeln mit derartigen Wortklaubereien abgelehnt wird, ist dies nicht zukunftsf\u00e4hig. Wenn Kanton und Bund ihre Verpflichtungen zur schnellen und wirksamen Absenkung der Treibhausgasemissionen nicht wahrnehmen, haben St\u00e4dte subsidi\u00e4r die notwendigen Schritte zu unternehmen. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise Verbote von (neuen) \u00d6l- und Gasheizungen oder Fahrverbote f\u00fcr Fahrzeuge, die mit fossilen Treibstoffen betrieben werden.<\/p>\n<p>Echter und ernsthafter Klimaschutz verlangt (siehe oben), dass <em>die Nettoemissionen von Treibhausgasen (insbesondere CO<sub>2<\/sub>) sehr rasch sinken und in den n\u00e4chsten 20 bis 30 Jahren weltweit auf null reduziert werden<\/em>. Dabei handelt es sich um eine Tatsache, einen Fakt \u2013 und nicht einfach eine Meinung. Demokratische Prozesse haben der zwingenden Notwendigkeit des schnellen und wirksamen Klimaschutzes Rechnung zu tragen. Es ist daf\u00fcr zu sorgen, dass es nicht mehr m\u00f6glich ist (wie 2018\/2019 in den Kantonen Bern und Solothurn), dass die fossile Mafia Stimmen-Mehrheiten gegen den Klimaschutz kaufen kann.<\/p>\n<p>Seit rund f\u00fcnfzig wird bei der \u00abmoralischen Revolution\u00bb in erster Linie auf Freiwilligkeit gesetzt. Nach wie vor gilt vieles, was mit einem erheblichem Ausstoss an (fossilen) Treibhausgasen verbunden ist, aus sozio-psychologischer Sicht als \u00abnormal, n\u00fctzlich und notwendig\u00bb. Wer gegen diese Mehrheitstrends handelt, verh\u00e4lt sich h\u00e4ufig als AussenseiterIn. Es ist mit f\u00fcnfzig Jahren Erfahrung offensichtlich, dass Appelle an freiwilliges vorbildliches Handeln nicht tauglich sind. Gerade liberal ausgerichtete demokratische Rechsstaaten haben daf\u00fcr zu sorgen, dass zur Zukunftskunst Regelwerke geh\u00f6ren, die den zum Handeln erforderlichen neuen Verhaltens- und Gef\u00fchlsmustern entsprechen, Stichwort zum Beispiel <a href=\"https:\/\/www.oekoroutine.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00d6koroutine<\/a>.<\/p>\n<p>Ich, du, sie, er, wir ihr, sie: Klimaschutz geht uns alle an, ab sofort, schnell und wirksam. <strong>Nur ein solcher Klimaschutz ist zukunftstauglich, ist enkelInnen- und urenkelInnentauglich.<\/strong> Dazu geh\u00f6rt auch: <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/jetzt-die-gletscher-initiative-unterschreiben-bringen-wir-die-schweiz-auf-klimakurs\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gletscher-Initiative unterschreiben!<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-7498\" src=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/absendpfadepfeile.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/absendpfadepfeile.jpg 300w, https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/absendpfadepfeile-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 85vw, 300px\" \/><i>Die Zeichnung illustriert m\u00f6gliche Absenkpfade.<\/i><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abNettoNull2030\u00bb ist eine der Klimastreik-Forderungen von Fridays4Future, konkretisiert von den Scientists4Future: die Nettoemissionen von Treibhausgasen (insbesondere CO2) m\u00fcssen sehr rasch sinken und in den n\u00e4chsten 20 bis 30 Jahren weltweit auf null reduziert werden (um mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Erw\u00e4rmung von 1,5 \u00b0C nicht zu \u00fcberschreiten). 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