{"id":7124,"date":"2018-02-03T11:55:10","date_gmt":"2018-02-03T10:55:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=7124"},"modified":"2018-02-03T11:55:10","modified_gmt":"2018-02-03T10:55:10","slug":"biogas-vor-allem-greenwash-propaganda-fuer-fossiles-erdgas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/biogas-vor-allem-greenwash-propaganda-fuer-fossiles-erdgas","title":{"rendered":"Biogas: vor allem \u00abGreenwash\u00bb-Propaganda f\u00fcr fossiles Erdgas"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/divestfossilfree.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"alignleft size-full wp-image-6951\" \/><\/p>\n<p>Rekordmeldungen erfordern gerade im Energie- und Klimaschutzbereich ein sehr genaues Hinschauen. Das gilt insbesondere f\u00fcr Meldungen zu Biogas. Denn: Biogas wird unabh\u00e4ngig vom tats\u00e4chlichen Potenzial von der Erdgaswirtschaft als \u00abgr\u00fcnes\u00bb Alibi-Bl\u00e4ttchen zum Verkauf von fossilem Erdgas genutzt, als klassische \u00abGreenwash\u00bb-Propaganda. Klar ist bloss dies: um 2040 bis sp\u00e4testens 2050 muss zum Schutze des Klimas aus den fossilen Energien ausgestiegen werden, auch aus dem Erdgas. Biogas wird zuk\u00fcnftig bestenfalls lokal in geringem Umfang eine energiepolitische Bedeutung haben.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Am 1. Februar 2018 hat Energie 360\u00b0 AG \u00fcber einen <a href=\"https:\/\/magazin.energie360.ch\/2018\/02\/01\/produktion-von-biogas-den-eigenen-rekord-gebrochen\/?utm_source=facebook&#038;utm_medium=post%20ad&#038;utm_campaign=Biogas-Rekord%20Biogas%20Z%C3%BCrich\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Rekord berichtet<\/a>: Die Biogasanlage im Z\u00fcrcher Werdh\u00f6lzli hat 2017 mehr Biogas produziert als je zuvor, etwa 3.5&nbsp;Prozent mehr als im Jahr zuvor.<\/p>\n<p>Gemessen am Gesamtabsatz von Energie 360\u00b0 AG von 7&#8217;371 Gigawattstunden (GWh) machen die \u00abrund 68 GWh\u00bb Werdh\u00f6lzli-Biogas einen Anteil von 0.9&nbsp;Prozent aus, von den auf Stadtgebiet Z\u00fcrich abgesetzten etwa 2&#8217;200 GWh sind dies etwa 3&nbsp;Prozent.<\/p>\n<p>Da Erdgas von der F\u00f6rderung bis zur Verbrennung einiges an Treibhausgasen verursacht, ist der Verbrauch von Erdgas so rasch als m\u00f6glich auf Null zu reduzieren. Bis 2030 m\u00fcsste mindestens eine Halbierung des gesamten Gasabsatzes erreicht werden \u2013 die CH-Gaswirtschaft will bis dahin einen Biogas-Anteil von 30&nbsp;Prozent erreichen. Dazu w\u00e4ren f\u00fcr Z\u00fcrich etwa 330 GWh Biogas erforderlich, also etwa f\u00fcnf mal mehr als heute.<\/p>\n<p>Angesichts des lokalen Biomasse-Potenzials in der Grossregion Z\u00fcrich ist dies schlicht unm\u00f6glich. Zudem ist selbst das vorhandene Potenzial nicht nachhaltig &#8211; in der \u00abRekord\u00bb-Mitteilung ist n\u00e4mlich festgehalten, dass die Zunahme der Biogasproduktion auf immer mehr angelieferte Speisereste zur\u00fcckzuf\u00fchren sei. Speisereste gelten gem\u00e4ss der heutigen Sprachpraxis als \u00abFood Waste\u00bb, als Verschwendung von Lebensmitteln. Seit einigen Jahren ist es ein erkl\u00e4rtes Ziel der Politik, solchen \u00abFood Waste\u00bb zu vermindern. Mit ein Grund daf\u00fcr ist, dass die heutige Produktion von Lebensmitteln ebenfalls kr\u00e4ftig zum von Menschen gemachten Klimawandel beitr\u00e4gt. Wenn die Verminderung des \u00abFood Waste\u00bb gelingt, wird somit das Biomasse-Potenzial erheblich vermindert. Selbst die mit einem \u00abPrix Watt d&#8217;Or 2018\u00bb ausgezeichnet Power-To-Gas-L\u00f6sung erm\u00f6glicht bestenfalls kosmetische Potenzialverbesserungen.<\/p>\n<p>Energie 360\u00b0 AG bietet derzeit standardm\u00e4ssig einen Biogasanteil von 10&nbsp;Prozent im gelieferten Brenngas an. Das lokale Potenzial reicht bei weitem nicht aus, um diesen Biogas-Anteil zu erreichen. Energie 360\u00b0 AG kauft dementsprechend Biogas-Zertifikate ein. 230 GWh Biogas, deutlich mehr als aus dem Werdh\u00f6lzli, stammt aus der Biogasanlage einer Zuckerfabrik im ungarischen Kaposv&aacute;r, etwa 1&#8217;000&nbsp;Kilometer \u00f6stlich von Z\u00fcrich. Auch diese Anlage nutzt industriellen \u00abFood Waste\u00bb \u2013 in Schweizer Zuckerfabriken werden die 5\/6 nicht f\u00fcr die Zuckerproduktion nutzbare Biomasse zu Futterschnitzeln f\u00fcr Rinder und Pferde weiterverarbeitet. Die Biogasproduktion in Kaposv&aacute;r ist zwar \u00abnaturemade star\u00bb-zertifiziert, sp\u00e4testens dann, wenn kein fossiles Erdgas mehr im Netz transportiert wird, gibt es keine physische Gas-Leitungs-Verbindung mehr, die solche Zertifikate legitimiert. PS: Darin besteht der Unterschied zur Zul\u00e4ssigkeit von Zertifikatsl\u00f6sungen im Strombereich.  <\/p>\n<p>Hier geht es um den kategorischen oder kant&#8217;schen Imperativ: <em>Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.<\/em> Es ist keine nachhaltige L\u00f6sung, Biogas aus weit entfernten Gegenden virtuell zu importieren, wenn die echte Klimaschutz-Wirkung durch Biogasnutzung am Produktionsort dadurch verunm\u00f6glicht wird. Dies wird erg\u00e4nzt durch die deklarierte Haltung des Gesetzgebers. Die <a href=\"http:\/\/www.endk.ch\/\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">kantonalen EnergiedirektorInnen<\/a>, zust\u00e4ndig f\u00fcr die Konkretisierung der Energie- und Klimaschutzpolitik im Geb\u00e4udebereich, halten n\u00e4mlich in den \u00abMustervorschriften der Kantone im Energiebereich 2014\u00bb (MuKEn 2014) fest: <em>Die [gesetzlichen] Anforderungen sind mit Massnahmen am Standort zu erf\u00fcllen. Eine vertragliche Verpflichtung f\u00fcr den Bezug von &#8230; Biogas kann f\u00fcr den Projektnachweis im Rahmen des Bewilligungsverfahrens nicht ber\u00fccksichtigt werden.<\/em>  <\/p>\n<p>Somit ist offensichtlich, dass die f\u00fcr 2030 oder dar\u00fcber hinaus versprochenen Biogasanteile reine Propaganda-Aussagen sind, eigentliche \u00abalternative Fakten\u00bb. <\/p>\n<p>Die Interessen der Erdgaswirtschaft nach \u00abvirtuellem\u00bb Biogas und der St\u00e4dte, der Kantone und des Bundes an einer zukunftsf\u00e4higen Klimaschutzpolitik lassen <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/energieplanungsbericht-kanton-zuerich-tschuess-klimaschutz\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">sich nicht vereinbaren<\/a>.<\/p>\n<p>Wenn St\u00e4dte eine mit dem Pariser Klimaschutz-\u00dcbereinkommen vereinbare Klimaschutzpolitik betreiben, ist unabh\u00e4ngig von der Rechtsform ein st\u00e4dtisches Mitwirken an der Gasversorgung ausgeschlossen. Fossilfrei bedeutet somit auch f\u00fcr St\u00e4dte Divestment, und zwar so rasch als m\u00f6glich.<\/p>\n<p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rekordmeldungen erfordern gerade im Energie- und Klimaschutzbereich ein sehr genaues Hinschauen. Das gilt insbesondere f\u00fcr Meldungen zu Biogas. Denn: Biogas wird unabh\u00e4ngig vom tats\u00e4chlichen Potenzial von der Erdgaswirtschaft als \u00abgr\u00fcnes\u00bb Alibi-Bl\u00e4ttchen zum Verkauf von fossilem Erdgas genutzt, als klassische \u00abGreenwash\u00bb-Propaganda. 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