{"id":6950,"date":"2017-10-07T15:40:28","date_gmt":"2017-10-07T13:40:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=6950"},"modified":"2017-10-07T15:43:25","modified_gmt":"2017-10-07T13:43:25","slug":"auch-in-zuerich-fossilfree-und-divest-statt-erdgas-propaganda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/auch-in-zuerich-fossilfree-und-divest-statt-erdgas-propaganda","title":{"rendered":"Auch in Z\u00fcrich: #FossilFree und #Divest statt Erdgas-Propaganda"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/divestfossilfree.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" class=\"alignleft size-full wp-image-6951\" \/>Wenn der Mensch gemachte Klimawandel auf ein f\u00fcr die Menschheit bew\u00e4ltigbares Mass reduziert werden soll, gibt es nur einen Ansatz: Raschm\u00f6glichster Ausstieg aus allen fossilen Energien. In der Stadt Z\u00fcrich beispielsweise ist dies noch nicht angekommen. Da wird immer noch intensiv Erdgas-Propaganda betrieben, was sich auch entsprechend auswirkt. #FossilFree und #Divest sind auch f\u00fcr Z\u00fcrich als raschestm\u00f6glich umzusetzende Strategien angesagt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>2008 haben sich die Stimmberechtigten der Stadt Z\u00fcrich f\u00fcr die 2000-Watt-Gesellschaft ausgesprochen. Auch f\u00fcr den Kliamschutz war dies aus damaliger Sicht vorbildlich: eine Tonne Treibhausgase pro Person und Jahr bis zum Jahr 2050 sollten erreicht werden, ausgehend von 5.5 Tonnen pro Person und Jahr im Jahr 2005. <a href=\"https:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/gud\/de\/index\/departement\/medien\/medienmitteilungen\/2017\/170704a.html\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Die Zwischenbilanz, welche die Stadt Z\u00fcrich Mitte 2017 ver\u00f6ffentlicht hat<\/a>, zeigt allerdings, dass es kaum mehr m\u00f6glich ist, das f\u00fcr das Jahr 2020 vorgesehene Zwischenziel von 4 Tonnen Treibhausgasemissionen pro Person und Jahr zu erreichen. <\/p>\n<p>Bereits <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/klimaschutz-es-braucht-auch-den-ausstieg-aus-dem-erdgas\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">mehrfach zitiert<\/a> habe ich, was zu tun w\u00e4re: <em>Wollen wir den Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen, wie im Pariser Klimaschutzabkommen versprochen, auf deutlich unter 2 \u00b0C und m\u00f6glichst auf 1,5 \u00b0C begrenzen, m\u00fcssen wir die weltweiten Kohlendioxidemissionen m\u00f6glichst um das Jahr 2040 auf null, also um 100 Prozent reduzieren.<\/em> 2017 ist klar, dass die Klimaschutzanforderungen deutlich strenger sind als noch 2008 angenommen. Es braucht also weitergehende Anforderungen an den Klimaschutz als noch vor 10 Jahren angenommen wurde.<\/p>\n<p>Ein Projekt von <a href=\"http:\/\/www.novatlantis.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/novatlantis_Heizungsersatz_170821.pdf\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Energieforschung Stadt Z\u00fcrich<\/a> weist auf eine m\u00f6gliche Ursache hin, warum das Zwischenziel 2020 nicht erreicht werden d\u00fcrfte: es werden noch deutlich zu wenig Heizungen auf erneuerbare Energien umgestellt. Oder anders: Die Propaganda der fossilen Erdgaslobby wirkt &#8211; Erdgas gilt nach wie vor als \u00abfreundliche\u00bb Energie! Allein aufgrund der \u00f6ffentlich wahrnehmbaren Sponsoring-Pr\u00e4senz von Energie 360\u00b0 AG stehen offenbar erhebliche Propaganda-Mittel zur Verf\u00fcgung, und dies in erster Linie f\u00fcr den Verkauf eines fossilen Energietr\u00e4gers! <\/p>\n<p>Dieser Propagandaeffekt zeigt sich auch der <a href=\"http:\/\/www.gemeinderat-zuerich.ch\/geschaefte\/detailansicht-geschaeft?gId=7bdbd6db-e7a0-490a-83bd-e23d6fa2dd22\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten Antwort des Stadtrates auf eine Anfrage von Markus Kunz (Gr\u00fcne)<\/a> im Z\u00fcrcher Gemeinderat. Markus Kunz erkundigte sich angesichts der Klimaschutzthematik nach Sinn und Zweck von weiteren K\u00e4ufen von Gemeindegasversorgungen durch die st\u00e4dtisch dominierte Energie 360\u00b0 AG, konkret am Beispiel des Gasnetzes der Gemeinde Wiesendangen, etwas mehr als 6&#8217;000 Einwohnende, ost-nord\u00f6stlich der Stadt Winterthur gelegen.<\/p>\n<p>In der Antwort erw\u00e4hnt der Stadtrat zwar den l\u00e4ngerfristig erforderlichen Transformationsprozess weg von \u00abkonventionellen\u00bb hin zu den erneuerbaren Energien \u2013 eine Jahrzahl fehlt dabei allerdings. Dies l\u00e4sst den Eindruck entstehen, dazu bestehe noch unendlich viel Zeit. Am 6. Oktober 2017 hat die Schweiz endlich das Klimaschutz\u00fcbereimkommen von Paris ratifiziert, Zitat aus der <a href=\"https:\/\/www.eda.admin.ch\/eda\/de\/home\/aktuell\/informationen-deseda.html\/content\/eda\/de\/meta\/news\/2017\/10\/6\/68345\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Medienmitteilung des daf\u00fcr verantwortlichen EDA<\/a>: <em>Mit der \u00dcbergabe der Ratifikationsurkunde am 6. Oktober 2017 in New York wird die Schweiz offiziell Mitglied des Klima\u00fcbereinkommens von Paris. Es wird f\u00fcr die Schweiz 30 Tage sp\u00e4ter, also am 5. November 2017, in Kraft treten. Es sieht unter anderem die Begrenzung der globalen Erw\u00e4rmung auf deutlich unter 2 \u00b0C gegen\u00fcber vorindustriellen Werten vor. Die Schweiz hatte sich bei den Verhandlungen zum Klima\u00fcbereinkommen stark engagiert.<\/em><\/p>\n<p>Was dies konkret heisst, l\u00e4sst sich aus einer gleichtags publizierten <a href=\"http:\/\/www.wwf.ch\/de\/aktuell\/medien\/medienmitteilungen\/?2208\/Klimaabkommen-von-Paris-In-20-Jahren-weg-vom-Erdl-und-Erdgas\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Medienmitteilung des WWF<\/a> ableiten: <em>Die Schweiz muss den CO<sub>2<\/sub>-Ausstoss bis 2038 netto auf null senken. Das entspricht einer linearen Reduktion um 3,8 Prozentpunkte pro Jahr. Als Zwischenziel muss der CO<sub>2<\/sub>-Ausstoss 2030 zwei Drittel unter dem Niveau von 1990 liegen. Zum Vergleich: Gem\u00e4ss Vorschlag des Bundesrats soll die Schweiz ihren eigenen Ausstoss im kommenden Jahrzehnt gerade Mal um 1 Prozentpunkt pro Jahr senken. 2030 w\u00e4re er damit gerade Mal 30 Prozent unter dem Stand von 1990.<\/em><\/p>\n<p>Eine Energiewirtschaftspolitik der Stadt Z\u00fcrich, die den Transformationspfad hin zu den erneuerbaren Energien nicht zu einem nicht mehr als 20 bis 25 Jahre entfernten Zeitpunkt terminiert, ist untauglich.<\/p>\n<p>Die Antwort des Stadtrates verweist auf Biogas und auf Gas aus erneuerbarem \u00dcberschussstrom.<\/p>\n<p>Diverse Studien zeigen, dass das lokal verf\u00fcgbare Biogaspotenzial sehr gering ist; auf keinen Fall kann damit ein europaweit ausgedehntes Gasnetz betrieben werden \u2013 Biogas ist m\u00f6glichst nahe am Produktionsort energetisch zu nutzen. Zu beachten ist zudem, dass Biogas nicht zwingend nachhaltig verf\u00fcgbar ist. Biogas erfordert eine ausgepr\u00e4gt tierhaltungsorientierte Landwirtschaft und profitiert offensichtlich von Food Waste. Wenn es \u2013 auch aus Klimaschutzgr\u00fcnden \u2013 gelingt, die Zahl der gehaltenen Nutztiere zu vermindern und Food Waste zu reduzieren, sinkt das Biogaspotenzial deutlich. <\/p>\n<p>Das heutige Biogas-Angebot von Energie 360\u00b0 AG setzt zu einem erheblichen Teil auf Biogas aus einer Anlage bei der Zuckerfabrik im ungarischen Kaposv\u00e1r. Nur etwa 16 Prozent der in Zuckerr\u00fcben enthaltenen Stoffe wird f\u00fcr die Zuckerproduktion verwendet \u2013 f\u00fcr eine Zuckerproduktion zudem, welche f\u00fcr die menschliche Ern\u00e4hrung nicht n\u00f6tig ist: Menschen konsumieren derzeit zu viel Zucker. Dazu kommt, dass etwa in der Schweiz die bei der Zuckerprdouktion anfallenenden Reststoffe, R\u00fcbenschnitzel beispielsweise, als Futtermittel f\u00fcr Rinder und Pferde Verwendung finden. Kaposv\u00e1r liegt mehr als 1&#8217;000 km \u00f6stlich von Z\u00fcrich. In Z\u00fcrich wird somit bestenfalls buchhalterisch Biogas verbrannt, nicht aber physisch. Je weniger Erdgas konsumiert wird, desto unwahrscheinlicher ist, dass dieses Biogas auch virtuell in Z\u00fcrich ankommt. Wenn derzeit etwa beim Kantonsrat versucht wird, dieses Biogas als Alternative zu vom Gesetz vorgegebenen L\u00f6sungen zuzulassen, ist auch dies einmal mehr Propaganda des fossilen Imperiums. Interessant noch dies: In der Antwort des Stadtrates auf die Anfrage von Markus Kunz steht: <em>Die Gasbranche hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil von erneuerbaren Gasen im Gasnetz bis ins Jahr 2030 auf 30 Prozent zu steigern.<\/em> Ein erheblicher Teil dieses Biogas ist zertifiziertes Biogas. Bei der Ver\u00f6ffentlichung der kommunalen Energieversorgungsplanung der Stadt Z\u00fcrich enthielt die <a href=\"https:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/dib\/de\/index\/das_departement\/medienmitteilungen\/mitteilung1\/2017\/170511a.html\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Medienmitteilung<\/a> die Aussage, dass 45 % des Erdgasabsatzes im Jahr 2050 aus Biogas stammen werde &#8211; was sicher nicht funktioniert, wenn gem\u00e4ss Pariser Klimaschutz-\u00dcbereinkommen bis sp\u00e4testens 2040 der Ausstieg aus den fossilen Energien zu erfolgen hat.<\/p>\n<p>Die Antwort des Stadtrates sieht ein Potenzial f\u00fcr \u00abGas aus erneuerbarem \u00dcberschussstrom\u00bb. Vorerst weist der Begriff \u00ab\u00dcberschussstrom\u00bb auf einen fudamentalen Denkfehler hin: Es geht wenn schon darum, dass Stromproduktion und Stromnachfrage (aus welchen Gr\u00fcnden auch immer) zeitlich nicht zusammenpassen. Es ist seit Urzeiten so, dass sich die Energiewirtschaft damit besch\u00e4ftigt, den aktuellen Energiebedarf mit speicherbaren Energien abzudecken (letztlich ist das in einem Heiz\u00f6ltank gelagerte Heiz\u00f6l oder das Gas in der Gasleitung \u00dcberschussenergie aus fossilen Vorzeiten, auch Holz ist gespeicherte Sonnenenergie). Da die Stromspeichertechnologien technisch, \u00f6kologisch und \u00f6konomisch derzeit erhebliche Entwicklungsschritte durchmachen, besteht keinerlei Notwendigkeit, Strom mit hohen Verlusten in Gas umzuwandeln. Das macht allenfalls lokal Sinn, aber sicher nicht zum Betrieb eines fl\u00e4chendeckenden Gasnetzes. Dazu gibt es auch <a href=\"https:\/\/www.sh.ch\/News.316.0.html?&#038;no_cache=1&#038;tx_ttnews%5Btt_news%5D=3179&#038;cHash=056054f93fd8969aed85feac6f121681\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">eine Studie aus dem Kanton Schaffhausen<\/a>.<\/p>\n<p>Die Antwort des Stadtrates suggeriert, Energie 360\u00b0 AG k\u00f6nne den heutigen Gaskunden im Rahmen des Transformationsprozesses Alternativl\u00f6sungen anbieten. Es ist durchaus denkbar, dass an gewissen Orten Energieverbundl\u00f6sungen realisiert werden k\u00f6nnen, die ausschliesslich mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Solche L\u00f6sungen brauchen eine minimale \u00dcberbauungsdichte \u2013 in Wiesendangen ist diese gem\u00e4ss <a href=\"http:\/\/maps.zh.ch?topic=AwelGEBVOLZH&#038;scale=21190&#038;x=2701034.9&#038;y=1264026.6&#038;srid=2056&#038;offlayers=bezirkslabels\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">kantonaler GIS-Karte nicht gegeben<\/a>, hier wird als zuk\u00fcnftig die W\u00e4rmeversorgung mit dezentralen L\u00f6sungen zu funktionieren haben. Der Energie 360\u00b0 AG d\u00fcrfte es somit vor allem zukommen, irgendwann in absehbarer Zeit das Gasnetz in Wiesendangen stillzulegen. <\/p>\n<p>Nicht zu vermeiden war offenbar, dass in dieser Antwort auch die Dividenden der Energie 360\u00b0 AG &#8211; haupts\u00e4chlich an die 96-Prozent-Aktion\u00e4rin Stadt Z\u00fcrich \u2013 angesprochen werden. Fast 30 Mio CHF pro Jahr, bei einem Aktienkapital von etwa 70 Mio CHF. Nein, eine Rendite ist dies definitiv nicht. Es handelt sich um einen Mittelzufluss im Sinne der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Renten%C3%B6konomie\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Rentier-Staaten<\/a> (von franz\u00f6sisch rentier), mit Charakter eines Schweigegeldes, damit sich die Politik nicht wirklich mit der Zukunft der Gasversorgung besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Diese 30 Mio CHF als Dividende an die Stadtkasse sind zudem zu relativieren. Im November 2015 war im <a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/wissen\/technik\/milliarden-subventionen-fuer-das-treibhaus-erde\/story\/16441313\" rel=\"noopener\" target=\"_blank\">Tages-Anzeiger<\/a> zu lesen: <em>Rund 490 Milliarden Dollar gaben Staaten im Jahr 2014 aus, um die Preise f\u00fcr Kohle, \u00d6l und Erdgas mit Subventionen k\u00fcnstlich zu verbilligen.<\/em> Es kann hier offen bleiben, was genau mit Subventionen gemeint ist. Diese 490 Mia Dollar lassen sich \u00fcber den Be\u00f6lkerungsanteil auf die Stadt Z\u00fcrich umrechnen, was j\u00e4hrliche Subventionen von etwas mehr als 25 Mio CHF ausmachen w\u00fcrde. Wird zudem ber\u00fccksichtigt, dass in Z\u00fcrich weniger als 30 % des Erdgasabsatzes im Einzugsgebiet von Energie 360\u00b0 AG verkauft werden, entspricht der auf die Stadt entfallende Dividendenteil fast 9 Mio CHF. Auch die Dividenden von Energie 360\u00b0 AG f\u00fcr die Stadt Z\u00fcrich sind also kein Grund, auf Divestaktivit\u00e4ten oder einen ambitionierten Transformationspfad der Stadt Z\u00fcrich zu erneuerbaren Energien zu verzichten.<\/p>\n<p>Offensichtlich ist, dass die Antwort des Stadtrates den Anforderungen des Pariser Klimaschutz-\u00dcbereinkommens bei weitem nicht gen\u00fcgt. Erdgas hat keinen Platz im Transformationspfad f\u00fcr eine zukunftsf\u00e4hige Energieversorgung. Biogas und eventuell erneuerbares Gas zur Zwischenspeicherung von Strom spielen bestenfalls lokal\/dezentral eine Rolle. Darum: <strong>Auch in Z\u00fcrich: #FossilFree und #Divest statt Erdgas-Propaganda!<\/strong> Nur so gelingt ein klimafreundlicher Transformationspfad.  <\/p>\n<p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn der Mensch gemachte Klimawandel auf ein f\u00fcr die Menschheit bew\u00e4ltigbares Mass reduziert werden soll, gibt es nur einen Ansatz: Raschm\u00f6glichster Ausstieg aus allen fossilen Energien. In der Stadt Z\u00fcrich beispielsweise ist dies noch nicht angekommen. 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