{"id":6814,"date":"2017-07-24T14:09:02","date_gmt":"2017-07-24T12:09:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=6814"},"modified":"2017-07-24T14:13:50","modified_gmt":"2017-07-24T12:13:50","slug":"wenn-elektro-autos-bloss-verkehrsmittel-waeren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wenn-elektro-autos-bloss-verkehrsmittel-waeren","title":{"rendered":"Wenn (Elektro-)Autos bloss Verkehrsmittel w\u00e4ren"},"content":{"rendered":"<p>Energiepolitik und Verkehr? Klimaschutz und Verkehr? Fehlanzeige! Dies hat einerseits damit zu tun, dass Autos von jeglicher rationalen Betrachtungsweise ausgenommen sind \u2013 Autos sind die \u00abheiligen K\u00fche\u00bb unserer Gesellschaft. Andererseits wird das \u00abRecht auf Mobilit\u00e4t\u00bb nach wie vor mit dem \u00abRecht auf Verkehr\u00bb gleichgesetzt. Dabei ist der Verkehr eine massive gesellschaftliche Last, eindeutig nicht nachhaltig.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>K\u00fcrzlich im Zug: Ein Vater ist mit zwei Teenager-S\u00f6hnen unterwegs. Der j\u00fcngere erkl\u00e4rt: \u00abElektro-Autos sind Scheisse, die t\u00f6nen nicht gut. Wenn ich mal ein Auto will, muss es ein Ferrari, ein Maserati oder ein Renn-BMW sein.\u00bb Alle im Abteil nicken zustimmend. Und f\u00e4hrt ein solcher Wagen mit viel Motorenl\u00e4rm davon, t\u00f6nt es h\u00e4ufig mehrstimmig: \u00abGeil!\u00bb<\/p>\n<p>Auch in politischen Vorst\u00f6ssen, in Leserbriefen oder selbst in wissenschaftlichen Publikationen wird offensichtlich: Es geht um das Auto an und f\u00fcr sich, nicht um das Auto als mehr oder weniger taugliches Verkehrsmittel.<\/p>\n<p>Elon Musk hat mit Tesla eine sanfte Diskussion \u00fcber den Auto-Antrieb lancieren k\u00f6nnen \u2013 allerdings bloss darum, weil er wesentliche Elemente des Auto-Fetischismus \u00fcbernommen hat: grosse, schwere, breite Fahrzeuge, eindeutig Luxussegment. Nach wie vor gibt es keine echte Diskussion \u00fcber Umweltschutz, Klimaschutz und dergleichen.<\/p>\n<p>Autos sind zuerst grosse und schwere Stehzeuge: Selbst wer viel mit dem Auto unterwegs ist, benutzt ein Auto h\u00f6chstens 2 Stunden pro Tag, weniger als 10 Prozent der Zeit also. Die \u00fcbrige Zeit steht das Auto irgendwo herum, und braucht nichtsnutzig ziemlich viel Platz.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens das Herbeisehnen des selbstfahrenden Autos zeigt auf: Autos sind \u00abdumme\u00bb Verkehrsmittel. Es ist nicht nachvollziehbar, warum Menschen ihre Zeit daf\u00fcr hergeben, die eigentlich banale und gleichzeitig hoch riskante Lenkfunktion zu \u00fcbernehmen. Selbst Beifahrende im Auto haben darauf R\u00fccksicht zu nehmen. Ein hoher Preis f\u00fcr Verkehr \u2013 nicht Sch\u00f6nzuschwatzen mit dem Hinweis auf das Recht auf Mobilit\u00e4t.<\/p>\n<p>Seit der Erd\u00f6lpreiskrise 1973 wird immer wieder \u00fcber die beste Antriebsform f\u00fcr Autos debattiert \u2013 eigentlich geht es dabei um die am wenigsten schlechte Form. Denn: Wie bei allen menschlichen Aktivit\u00e4ten gibt es nichts, was ohne \u00f6kologische Folgen w\u00e4re (siehe dazu Alain Veuve, <a href=\"http:\/\/www.alainveuve.ch\/umweltschutz-die-moralische-saettigungsbeilage-des-elektroautos\/\" target=\"_blank\">Umweltschutz, die moralische S\u00e4ttigungsbeilage des Elektroautos<\/a>). Diese Diskussion verl\u00e4uft seit mehr als 40 Jahren in Sackgassen-Endlos-Kreis: Mal hat der Elektroantrieb argumentativ Vorteile, dann \u00abschl\u00e4gt\u00bb die Verbrennungsmotor-Lobby zur\u00fcck, oder die Brennstoffzellen-Fans fassen neuen Mut. <\/p>\n<p>In Deutschland etwa wird der Einsatz von fossilen Energietr\u00e4gern im Verkehr derzeit mit 28.5 Milliarden Euro pro Jahr direkt oder indiorekt subventioniert, ein Betrag, der vor dem G19\/G20-Gipfel in Hamburg Anfang Juli 2017 <a href=\"http:\/\/www.sonnenseite.com\/de\/wirtschaft\/deutschland-subventioniert-kohle-oel-und-gas-mit-46-milliarden-euro-pro-jahr.html\" tagret=\"_blank>bekannt<\/a> wurde. <\/p>\n<p>Dabei sind nur zwei Dinge klar: Autoverkehr vermeiden hat an erster Stelle zu stehen! Die F\u00fcsse, das Velo (mit oder ohne Elektroantrieb) und schon etwas eingeschr\u00e4nkt der \u00f6ffentliche Verkehr sind die besseren Alternativen! Dies gilt sicher f\u00fcr den Personenverkehr, inklusive selbst grosses Gep\u00e4ck. <\/p>\n<p>Wenn es denn zuk\u00fcnftig Fahrzeuge im Sinne der heutigen Autos braucht, ist unter Ber\u00fccksichtigung sehr vieler Aspekte deutlich, dass Autos mit Elektroantrieb vorteilhaft sind. Solche Fahrzeuge sollten nicht mehr Privatfahrzeuge seinm, sondern gemeinschaftlich genutzt werden, im Sinne der Sharing Economy.<\/p>\n<h3>Fazit<\/h3>\n<ol>\n<li>Wir brauchen endlich eine Verkehrspolitik, die dazu beitr\u00e4gt, die Verkehrsmenge deutlich zu reduzieren: \u201cUm die Mobilit\u00e4t zu erhalten, muss der Verkehr vermindert werden.\u201d (Verkehrs\u00f6kologen Udo J. Becker, Dresden)<\/li>\n<li>Verkehrsmittel sind so rasch als m\u00f6glich ausschliesslich mit erneuerbaren Energien zu betreiben. Unter Ber\u00fccksichtigung vieler Aspekte ist dabei der Elektroantrieb zu bevorzugen.<\/li>\n<li>S\u00e4mtliche direkten und indirekten Subventionen f\u00fcr den motorisieten Individualverkehr (MIEF, sorry MIV) sind so rasch als m\u00f6glich abzuschaffen.<\/li>\n<li>Da nachweislich ein \u00dcbermass an Autos herumsteht und herumf\u00e4hrt, ist per sofort alle Werbung f\u00fcr Autos zu verbieten.<\/li>\n<\/ol>\n<p>PS: Hier geht es ausschliesslich um das Auto als Instrument des Personentransports inklusive ausgedehntes Handgep\u00e4ck.<\/p>\n<hr>\n<p>Der Psychologe und Politikwissenschaftler Thomas Kliche von der Hochschule Magdeburg-Stendal pr\u00e4gt in einem <a href=\"http:\/\/www.mz-web.de\/politik\/forscher-thomas-kliche-globalisierungsschock-bringt-das-ende-der-gemuetlichkeit-23621272\" target=\"_blank\">Interview in der Miteldeutschen Zeitung<\/a> den Begriff der <b>kollektiven Bequemlichkeitsverbl\u00f6dung<\/b> f\u00fcr den gegenw\u00e4rtigen Umgang mit Zeitfragen, etwa der Fl\u00fcchtlingsthematik oder dem Klimawandel. Das Auto als in erster Linie \u00abemotionales\u00bb in der Regel Steh- und selten Fahrzeug ist davon nicht ausgenommen.<\/p>\n<p>Einige Asepkte dazu:<\/p>\n<ol>\n<li>Elektro-Strassenfahrzeuge sind trotz der langen Geschichte eine relativ neue Technologie. Offensichtlich ist, dass wenn schon Elektrofahrzeuge mit Strom aus erneuerbaren Quellen zu betrieben sind \u2013 eine heute \u00fcbliche energiepolitische Haltung. Ebenso sind die Komponenten f\u00fcr diese Fahrzeuge nachhaltig herzustellen. Dabei sind Cradle-to-Cradle-Ans\u00e4tze zu ber\u00fccksichtigen. Werden verschiedene Antriebstechniken verglichen, sind diese Grunds\u00e4tze einheitlich anzuwenden.<\/li>\n<li>F\u00fcr den Verbleib bei den \u00abfossilen\u00bb Verbrennungsmotoren wird auch mit dem Argument pl\u00e4diert, es brauche f\u00fcr die Herstellung von Verbrennungsmotor-Fahrzeugen mehr Arbeitspl\u00e4tze, weil die Technologie komnplexer sei. Mit Arbeitsplatz-Argumenten technologisch bessere L\u00f6sungen zu verhindern, war noch nie ein nachhaltiger Ansatz.<\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Energiepolitik und Verkehr? Klimaschutz und Verkehr? Fehlanzeige! Dies hat einerseits damit zu tun, dass Autos von jeglicher rationalen Betrachtungsweise ausgenommen sind \u2013 Autos sind die \u00abheiligen K\u00fche\u00bb unserer Gesellschaft. Andererseits wird das \u00abRecht auf Mobilit\u00e4t\u00bb nach wie vor mit dem \u00abRecht auf Verkehr\u00bb gleichgesetzt. 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