{"id":6763,"date":"2017-04-22T13:26:26","date_gmt":"2017-04-22T11:26:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=6763"},"modified":"2017-04-22T13:26:26","modified_gmt":"2017-04-22T11:26:26","slug":"klimaschutz-es-braucht-auch-den-ausstieg-aus-dem-erdgas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/klimaschutz-es-braucht-auch-den-ausstieg-aus-dem-erdgas","title":{"rendered":"Klimaschutz: Es braucht auch den Ausstieg aus dem Erdgas"},"content":{"rendered":"<p><em>Wollen wir den Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen, wie im Pariser Klimaschutzabkommen versprochen, auf deutlich unter 2 \u00b0C und m\u00f6glichst auf 1,5 \u00b0C begrenzen, m\u00fcssen wir die weltweiten Kohlendioxidemissionen m\u00f6glichst um das Jahr 2040 auf null, also um 100 Prozent reduzieren.<\/em> So startet Professor Volker Quaschning, Hochschule f\u00fcr Technik und Wirtschaft HTW Berlin, Sprecher des Studiengangs Regenerative Energien einen <a href=\"http:\/\/scilogs.spektrum.de\/klimalounge\/schafft-deutschland-seine-klimaschutzziele\/\" target=\"_blank\">Beitrag des Wissenschaftsblogs Klimalounge von Spektrum.de<\/a>. An derartigen Aussagen orientieren sich auch diverse meiner <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/klimaschutz-zwischen-traum-und-resignation-wir-wollen-bis-2040-ausschliesslich-erneuerbare-energien-nutzen\" target=\"_blank\">umweltnetz.ch-Beitr\u00e4ge<\/a>. Wenn wir es wollen, ist dies zu schaffen \u2013 und wir m\u00fcssen es schaffen, um die Auswirkungen des von Menschen gemachten Klimawandels auf ein f\u00fcr die Menschheit ertr\u00e4gliches Mass zu begrenzen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Auch wenn Erdgas nach wie vor mit einem gr\u00fcnen Bl\u00e4ttchen als \u00abfreundliche Energie\u00bb wirbt: Fossiles Erdgas geh\u00f6rt nicht dazu, wenn es um <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/das-fossile-imperium-schlaegt-zurueck-darum-am-21-mai-2017-ja-zur-energiestrategie\" target=\"_blank\">eine neue Energiewelt<\/a> geht, die ausschliesslich mit erneuerbaren, nachhaltig nutzbaren Energien funktioniert.<\/p>\n<p>Wie steht es um die Zukunftsaussichten von Biogas und von \u00aberneuerbaren\u00bb Gasen aus dem Power-to-Gas-Prozess? K\u00f6nnen diese Gase zuk\u00fcnftig eine in vielen Gebieten der Schweiz fl\u00e4chendeckende Gasversorgung rechtfertigen? Die Antwort ist klar und eindeutig: NEIN! Gas als Brenn- und allenfalls Treibstoff wird allenfalls beschr\u00e4nkt in dezentralen Anwendungen genutzt. Alles andere sind Marketing- und Propaganda-Aussagen.<\/p>\n<p>Energie 360\u00b0 AG und das Paul Scherrer Institut experimentieren derzeit damit, <a href=\"https:\/\/magazin.energie360.ch\/2017\/04\/20\/power-to-gas\/\" target=\"_blank\">Biogas und Power-to-Gas zu kombinieren<\/a>. Es geht allerdings in erster Linie darum, dezentral erzeugtes Biogas f\u00fcr die Einspeisung ins Gasnetz aufzubereiten \u2013 PlusBiogas so quasi.<\/p>\n<p>Dazu soll aus \u00ab\u00fcbersch\u00fcssigem Strom\u00bb erzeugter Wasserstoff dienen. Allein der Begriff \u00ab\u00fcbersch\u00fcssiger Strom\u00bb dokumentiert den Grundlagenirrtum dieser Arbeiten. \u00ab\u00dcbersch\u00fcssigen Strom\u00bb gibt es nicht, wie alle Energien ist auch Strom z. B. aus Fotovoltaik und Sonnenenergie zu bewirtschaften, damit Angebot und Nachfrage in \u00dcbereinstimmung gebracht werden k\u00f6nnen. Strom aus erneuerbaren Quellen ist volatil, gleich wie viele andere Energien. Die Speicherung von Energie, in welcher Form auch immer, geh\u00f6rt seit den fossilen Vorzeiten der Erde zu den Gesch\u00e4ftsmodellen der Energiewirtschaft. Eine effiziente Energienutzung erfordert auch effiziente Speichervorg\u00e4nge. Bereits die Kette von Strom zu Wasserstoff weist beachtliche Energieverluste auf, auch die Methanisierung (Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas) f\u00fchrt zu weiteren Energieverlusten. Sollte dann sogar aus Methan wieder Strom produziert werden, steigen die Verluste massiv. Es gibt andere Speicherverfahren f\u00fcr Strom, die deutlich weniger Verluste als die Methanisierung aufweisen. Power-to-Gas ist letzte Wahl! Dies wird auch durch eine durch den <a href=\"http:\/\/www.sh.ch\/fileadmin\/Redaktoren\/Dokumente_nicht_im_Formularpool\/Energiefachstelle\/8_Publikationen-und-Berechnungsprogramme\/Schlussbericht-Power-to-Gas-Schaffhausen-20161209-final.pdf\" target=\"_blank\">Kanton Schaffhausen erstellte Studie<\/a> best\u00e4tigt. Power-to-Gas ist demnach ein Spezialthema f\u00fcr wenige spezielle Anwendungen!<\/p>\n<p>Biogas ist direkt verlinkt mit Foodwaste und einer tierhaltungsorientierten Landwirtschaft. Es ist davon auszugehen, dass Foodwaste zuk\u00fcnftigt erheblich reduziert wird. Ebenfalls mit Klimaschutzargumenten ist davon auszugehen, dass zuk\u00fcnftig die Zahl der Nutztiere (Rinder, Schweine, &#8230;) deutlich vermindert wird. Das Biogaspotenzial wird dadurch sicher nicht gr\u00f6sser.<\/p>\n<p>Der Internet-Artikel zum Projekt von Energie 360\u00b0 AG und Paul Scherrer Institut nennt ein in das Gasnetz einspeisbares PlusBiogas-Potenzial von 1&#8217;400 Gigawattstunden (GWh), gegen\u00fcber 308 GWh, die heute eingespeist werden. Zur Einordnung: die 1&#8217;400 GWh entsprechen etwa vier Prozent des 2015 in die Schweiz eingef\u00fchrten Erdgases (ca 33&#8217;172 GWh gem\u00e4ss Energiestatistik des Bundes). Da Power-to-Gas allein (also ohne Biogas) wegen den absehbaren Entwicklungen im Strom(speicher)bereich mittel- bis langfristig kaum relevante Mengen an erneuerbaren Gasen bereit stellen kann, ist bei einem Ausstieg der Schweiz auch aus fossilem Erdgas ein Weiterbetrieb des heutigen Gasnetzes l\u00e4ngerfristig nicht m\u00f6glich. Biogas und PlusBiogas, allenfalls erg\u00e4nzt mit geringen erneuerbaren Power-to-Gas-Mengen, werden demnach sehr beschr\u00e4nkt zum Transformationspfad zu einer fossil- und nuklearfreien, ausschliesslich auf erneuerbaren Energien aufbauenden Energieversorgung beitragen.<\/p>\n<p>Einmal mehr: Es braucht eine Energiepolitik von unten \u2013 W\u00e4rme-, Strom- und Mobilit\u00e4tsantriebs-Energien werden zuk\u00fcnftig in erster Linie dezentral bereitgestellt! Somit ist es an der Zeit, aus Erdgas-Investments mit dem Motto \u00abGo Fossilfree\u00bb auszusteigen, Divestment also auch bei Erdgas!<\/p>\n<p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wollen wir den Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen, wie im Pariser Klimaschutzabkommen versprochen, auf deutlich unter 2 \u00b0C und m\u00f6glichst auf 1,5 \u00b0C begrenzen, m\u00fcssen wir die weltweiten Kohlendioxidemissionen m\u00f6glichst um das Jahr 2040 auf null, also um 100 Prozent reduzieren. 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