{"id":6531,"date":"2016-08-02T21:45:21","date_gmt":"2016-08-02T19:45:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=6531"},"modified":"2016-08-02T21:45:21","modified_gmt":"2016-08-02T19:45:21","slug":"mobilitaet-ist-nicht-verkehr-ist-nicht-mobilitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/mobilitaet-ist-nicht-verkehr-ist-nicht-mobilitaet","title":{"rendered":"Mobilit\u00e4t ist nicht Verkehr ist nicht Mobilit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>Weil nicht nur in der Schweiz Mobilit\u00e4t dauernd mit Verkehr verwechselt oder gar gleichgestellt wird, sind Nachhaltigkeitsperspektiven und damit Zukunftsvisionen des Verkehrs nicht einfach zu er\u00f6rtern. Das zeigt sich am Beispiel der wirren Diskussionen um das nur so genannte Mobility-Pricing bestens.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Mobilit\u00e4t ist ein Recht \u2013 deshalb passiert dies im Kopf. Mobilit\u00e4t ist das Wissen, dass sich Menschen (auch gedanklich) nach ihren W\u00fcnschen und M\u00f6glichkeiten bewegen k\u00f6nnen. Ein Recht auf Verkehr und insbesondere freie Verkehrsmittelwahl l\u00e4sst sich daraus allerdings nicht ableiten, weil beispielsweise <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/verkehrspolitischer-paradigma-wechsel-zeichnet-sich-ab\" target=\"_blank\">ethische Aspekte zu ber\u00fccksichtigen<\/a> sind. Verkehr ist nicht ein Zweck der Gesellschaft, sondern eine Folge von Sachzw\u00e4ngen, die sich aus diversen anderen Sachpolitiken ergeben.<\/p>\n<p>Werkt\u00e4gliches Pendeln zum Beispiel zwischen Wohn- und Arbeitsort ist eindeutig als Zwangsverkehr, allenfalls als Zwangsmobilit\u00e4t zu bezeichnen. Die \u00d6kologisierung des PendlerInnen-Verkehrs durch \u00f6ffentliche Verkehrsmittel oder durch mit Strom aus erneuerbaren Quellen angetriebene Elektrofahrzeuge ist somit in erster Linie Symptombek\u00e4mpfung.<\/p>\n<p>Alltagsverkehr ist dann gew\u00e4hrleistet, wenn der allt\u00e4gliche Weg zum Beispiel zwischen Wohn- und Arbeitsort mit den t\u00e4glich sieben- bis zehntausend Schritten \u2013 die als Beitrag zum k\u00f6rperlichen Wohlbefinden empfohlen sind \u2013 abgedeckt werden kann. Zehntausend Schritte, das entspricht zwei Mal t\u00e4glich einem 25-min\u00fctigen Fussmarsch, das entspricht aber auch zwei Mal t\u00e4glich einer viertelst\u00fcndigen z\u00fcgigen Velofahrt. Eine solche vision\u00e4re Verkehrsminimierung als Sicherung des Alltagsverkehrs erfordert eine erhebliche Umgestaltung unserer Alltagslebensr\u00e4ume: All das, was wir t\u00e4glich nutzen wollen \u2013 Wohnen, Arbeiten, Schule, Einkaufen, Studium, Weiterbildung, Sport, Erholung, Spass, Unterhaltung, und so weiter \u2013, muss n\u00e4her zusammenr\u00fccken. Mit hoher Wahrscheinlichkeit vertr\u00e4gt sich dies nicht mit der dezentralen Besiedelung der Schweiz.<\/p>\n<p>Dass die Fahrzeuge von TESLA MOTORS so begehrt sind, hat mehrere Gr\u00fcnde. Der konsequente Elektroantrieb ist ein wichtiger Aspekt, auch die Fokussierung auf die Fahrzeug-Ober- und Mittelklasse. Zentral aber ist, dass die TESLA-Fahrzeuge mittel- bis l\u00e4ngerfristig autonom unterwegs sein werden. Dies weist darauf hin: Verkehr in der heutigen Form schr\u00e4nkt die Mobilit\u00e4t ein. Menschen wollen nicht Tag f\u00fcr Tag ihre Intelligenz, ihre Emotionen und Gef\u00fchle dazu verwenden, ein Auto zu steuern \u2013 sie wollen die Unterwegszeit f\u00fcr wichtigere T\u00e4tigkeiten nutzen k\u00f6nnen. Beim Zehntausendschritte-Verkehr ist dies \u00fcbrigens ebenfalls inbegriffen.<\/p>\n<p>Derzeit ist die Vision des Zehntausend-Schritte-Verkehrs \u00fcberhaupt noch nicht akzeptiert, der Fokus liegt einerseits bei einer Optimierung der betriebs- und volkswirtschaftlichen Kosten, andererseits bei einer Minimierung der \u00f6kologischen Auswirkungen. \u00abBesserer Verkehr\u00bb ist derzeit die Devise, weniger Verkehr wird kaum gefordert \u2013 dies hat sehr viel mit der bewussten Vermischung des Rechts auf Mobilit\u00e4t mit dem Verkehr zu tun. \u00abBesserer\u00bb Verkehr ist allerdings noch nicht nachhaltiger Verkehr. Mit der Digitalisierung, Stichwort Home-Office, sind erstmals Ans\u00e4tze erkennbar, die eine Verminderung der Verkehrsnachfrage erwarten lassen.<\/p>\n<p>Schon mehrfach zitiert habe ich die zentrale Aussage \u00abUm die Mobilit\u00e4t zu erhalten, muss der Verkehr vermindert werden.\u201d von Udo J. Becker, Verkehrs\u00f6kologe an der Technischen Universit\u00e4t Dresden. Daran f\u00fchrt kein Weg vorbei. Dies funktioniert nur, wenn die Verkehrsteilnehmenden die wahren Verkehrskosten zu bezahlen haben. Derzeit ist festzustellen, dass kein gesellschaftlicher Konsens \u00fcber Verkehrs-Kostenwahrheit besteht. Ein erster Schritt dazu ist, Verkehr und Mobilit\u00e4t deutlich zu unterscheiden.   <\/p>\n<p>Der Bedarf der Gesellschaft an Waren, G\u00fctern und Dienstleistungen erfordert ebenfalls einiges an Verkehr \u2013 es f\u00e4llt wesentlich leichter, diesen Verkehr nachhaltig bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen, wenn der Alltags-Pendelverkehr deutlich reduziert werden kann.  <\/p>\n<p>Wenn es gelingt, den Alltagsverkehr zu vermindern, bieten sich daf\u00fcr beschr\u00e4nkte Freir\u00e4ume zur Erm\u00f6glichung eines nachhaltigen Reiseverkehrs.<\/p>\n<p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weil nicht nur in der Schweiz Mobilit\u00e4t dauernd mit Verkehr verwechselt oder gar gleichgestellt wird, sind Nachhaltigkeitsperspektiven und damit Zukunftsvisionen des Verkehrs nicht einfach zu er\u00f6rtern. 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