{"id":6525,"date":"2016-07-31T21:56:38","date_gmt":"2016-07-31T19:56:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=6525"},"modified":"2016-07-31T23:36:26","modified_gmt":"2016-07-31T21:36:26","slug":"vorausschauen-auch-am-schweizer-nationalfeiertag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/vorausschauen-auch-am-schweizer-nationalfeiertag","title":{"rendered":"Vorausschauen auch am Schweizer Nationalfeiertag"},"content":{"rendered":"<p>Wenn es um Ranglisten im L\u00e4ndervergleich geht, steht die Schweiz h\u00e4ufig meist weit vorne, ausser allenfalls dort, wo es um die schiere Gr\u00f6sse geht. Beim <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Demokratieindex\" target=\"_blank\">Demokratieindex<\/a> und beim <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Liste_der_L%C3%A4nder_nach_Bruttoinlandsprodukt_pro_Kopf\" target=\"_blank\">kaufkraftbereinigten Bruttoinlandsprodukt pro Person<\/a> liegt die Schweiz auf den R\u00e4ngen sechs und acht \u2013 und sogar auf dem zweiten Rang beim <a href=\"http:\/\/worldhappiness.report\/\" target=\"_blank\">World Happiness Ranking<\/a>. Obwohl im Mittel die SchweizerInnen im globalen Vergleich \u00fcber eine hohe Umweltqualit\u00e4t verf\u00fcgen, wird die \u00f6ffentliche Diskussion von nationalkonservativen und neoliberalen JammererInnen gepr\u00e4gt. Gerade am Nationalfeiertag ist allerdings der vision\u00e4re Blick voraus gefragt.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Sowohl in den Medien als auch in den <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/online-stammtische-abschaffen-statt-fremdbemitleidung\" target=\"_blank\">Online-Stammtischen<\/a> hat sich in den letzten Jahren eine Grundhaltung entwickelt, die sich mit \u00abIch bin super, alle anderen sind unbrauchbar und erst noch an meinem Elend schuld\u00bb beschreiben l\u00e4sst. Ausgangspunkt dazu ist unter anderem die SVP mit ihrem immer st\u00e4rker alternden Milliard\u00e4r-Autokraten Christoph Blocher an der Spitze, aber auch die \u00ab<a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/liberal-verkommt-zur-sinnentleerten-worthuelse\" target=\"_blank\">Mehr Freiheit, weniger Staat<\/a>\u00bb-PredigerInnen von der FDP.<\/p>\n<p>Einerseits ignorieren diese Stimmen die mittlere hohe Lebensqualit\u00e4t in der Schweiz, \u00e4ussern andererseits aber sehr direkt den Eindruck, sie w\u00e4hnten sich in der Masse der Zukurzgekommenen. Lebensqualit\u00e4t, Happiness sind komplexe Dinge, es geh\u00f6ren viele Elemente dazu \u2013 und es ist damit durchaus auch die Sorge verbunden, dass es zuk\u00fcnftig nicht mehr so sein k\u00f6nnte. Dies zeigt sich etwa bei Abstimmungen \u00fcber die Feriendauer oder das <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/bedingungsloses-grundeinkommen-ja-nicht-nur-in-der-volksabstimmung-am-5-juni-2016\" target=\"_blank\">bedingungslose Grundeinkommen f\u00fcr alle<\/a>. Ich stelle fest, dass sich immer mehr Menschen \u00fcber den \u00abRest\u00bb der BewohnerInnen der Schweiz (und auch der Welt) nur noch in dritter Person Mehrzahl \u00e4ussern \u2013 egal wie gewagt und ungesichert die vertretenen Positionen sind. Immer mehr Menschen wollen sich offenbar herausnehmen aus dem, was in der Schweiz und in der Welt so alles passiert, exemplarisch etwa <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/blackout-und-mineralwasser-ohne-gas\" target=\"_blank\">Noch-Armeechef Blattmann<\/a>. Eine ganz klare Gegenposition dazu: WIR ALLE sind es, die das menschliche Leben auf diesem Planeten ausmachen. Auch wenn Barack Obama mehr oder weniger ausgepr\u00e4gt in Sachzw\u00e4ngen gefangen war, sein \u00ab<a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/yes-we-can-yes-we-can\" target=\"_blank\">Yes, we can<\/a>\u00bb muss Leitgedanke unseres Handels sein.<\/p>\n<p>Bei einer weiteren Kenngr\u00f6sse sind die SchweizerInnen im globalen Vergleich ebenfalls in der Spitzengruppe unterwegs, n\u00e4mlich beim <a href=\"http:\/\/www.footprintnetwork.org\/de\/index.php\/GFN\/\" target=\"_blank\">\u00f6kologischen Fussabdruck<\/a>. Letztlich deckt sich dies mit der Egoismus-Komponente der \u00f6ffentlichen Debatte.<\/p>\n<p>Die globalen Ressourcen sind Allgemeingut, das globale Klima geh\u00f6rt mit dazu. Die Wirtschafts-Nobelpreistr\u00e4gerin <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/sinn-und-ostrom\" target=\"_blank\">Elinor Ostrom<\/a> hat diese globalen Ressourcen als Allmenden bezeichnet. Das passt bestens zum Nationalfeiertag: Lawinenschutzw\u00e4lder beispielsweise gelten ebenfalls als Allgemeing\u00fcter, mit klaren Regeln, wie damit umzugehen ist, inklusive Strafandrohung bei Missachtung dieser Regeln! Es mag sein, dass der Schutz vor Lawinen in den Alpen plausibler ist als der Schutz vor dem Mensch gemachten Klimawandel \u2013 sp\u00e4testens mit dem <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/cop-21-wunder-und-misserfolg-wenn-wir-es-wollen-schaffen-wir-den-klimaschutz\" target=\"_blank\">Klimaschutzabkommen CO21 von Paris<\/a> sind die Verpflichtungen auch der Schweiz zum Klimaschutz klar. Um diesen Verpflichtungen gerecht zu werden, hat die Schweiz bis sp\u00e4testens 2035 aus den fossilen Brenn- und Treibstoffen auszusteigen, parallel zum Ausstieg aus der Atomenergie. Wenn wir es wirklich wollen, ist dies zu schaffen (hier schon wieder das <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wenn-wir-es-wollen-zu-kraftwerk-schweiz-von-anton-gunzinger\" target=\"_blank\">WIR<\/a>!). Allerdings sind es schon wieder FDP und SVP, die mit ausschliesslich absurden und vors\u00e4tzlich falschen Argumenten gegen <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/nach-nuklear-und-nach-fossil-heute-beginnen\" target=\"_blank\">eine fossil- und atomfreie Energieversorgung<\/a> antreten. Dazu passt auch eine Meldung vom 26. Juli 2016: <em><a href=\"https:\/\/www.pik-potsdam.de\/aktuelles\/pressemitteilungen\/klima-desaster-erhoehen-das-risiko-fuer-bewaffnete-konflikte-in-ethnisch-zersplitterten-laendern\" target=\"_blank\">Die zuk\u00fcnftige globale Erw\u00e4rmung durch die von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen wird das Risiko von Naturkatastrophen und damit vermutlich auch von Konflikten und Migration erh\u00f6hen.<\/a><\/em> <\/p>\n<p><em>Die Menschheit lernt aus der Geschichte, dass die Menschheit aus der Geschichte nichts lernt.<\/em> Nicht nur FDP und SVP beschw\u00f6ren am 1. August die Vergangenheit. Trefflicher l\u00e4sst sich nicht illustrieren, dass tats\u00e4chlich nichts aus der Geschichte gelernt wurde. Einige exemplarische Beispiele dazu. Die Schweiz war schon immer eine Exportnation. F\u00fcr den Papst und die franz\u00f6sischen K\u00f6nige hat die Schweiz zu Zeiten des Absolutismus Kriegs-Know-how exportiert \u2013 mit dem Sacco di Roma 1527 und dem Sturm der Pariser Bastille 1789 wurde dieses Exportgut hinf\u00e4llig. Die Schweiz hat konservativ auf die falschen Partner gesetzt! Auch im Zweiten Weltkrieg hat zumindest ein erheblicher Teil der massgeblichen Kr\u00e4fte in diesem Land <a href=\"http:\/\/geschichtedergegenwart.ch\/die-alpen-als-schweizer-mythos\/\" target=\"_blank\">lange Zeit auf Hitler-Deutschland gesetzt<\/a> \u2013 mit der Folge, dass die Schweiz im Nachkriegseuropa lange, eigentlich noch immer, abseits stand (und zum Beispiel keinen Beitrag leisten konnte, um die <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/europaeische-union-eu-zunehmendes-demokratiedefizit\" target=\"_blank\">EU zu demokratisieren<\/a>).<\/p>\n<p>Nach wie vor ist die Schweiz ein Exportland \u2013 die Schweiz setzt haupts\u00e4chlich auf Chemie, legale, aber nicht \u00fcberall als legitim betrachtete Geldbewirtschaftungsdienstleistungen, Luxusg\u00fcter, Waffen und die <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/fossile-schweiz-ist-nicht-einmal-oekonomisch-nachhaltig-unterwegs\" target=\"_blank\">fossile Energiewirtschaft<\/a>. Die Schweiz ist und bleibt offenbar ein konservatives Exportland: Immer mehr Institutionen und St\u00e4dte\/L\u00e4nder distanzieren sich beispielsweise von den fossilen Energien, Stichworte <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/erdoel-erdgas-co-schroetig-und-unnoetig\" target=\"_blank\">Divestment oder Fossil Free<\/a>, somit durchaus ein disruptiver Vorgang. In Analogie dazu k\u00fcndigen sich im Bankenwesen mit Fintech \u00e4hnliche Ver\u00e4nderungen an. Insbesondere FDP und SVP m\u00f6chten da abseits stehen &#8211; die konservativen Kr\u00e4fte setzen einmal mehr auf die falschen Karten: aus der Geschichte nichts gelernt!<\/p>\n<p>Erste Korrekturm\u00f6glichkeiten bieten sich den Stimmberechtigten der Schweiz an den Abstimmungswochenenden vom 25. September und 27. November 2016: <a href=\"http:\/\/www.gruenewirtschaft.ch\/\" target=\"_blank\">JA zur Volksinitiative \u00abF\u00fcr eine nachhaltige und ressourceneffiziente Wirtschaft (Gr\u00fcne Wirtschaft)\u00bb<\/a>, <a href=\"https:\/\/geordneter-atomausstieg-ja.ch\/de\/\" target=\"_blank\">JA zur Volksinitiative \u00abF\u00fcr den geordneten Ausstieg aus der Atomenergie (Atomausstiegsinitiative)\u00bb<\/a>!<\/p>\n<hr>\n<p>BIP, Demokratieindex, \u00f6kologischer Fussabdruck und Happiness-Ranking: Welche Zusammenh\u00e4nge lassen sich aus diesen Zahlenwerten ableiten?<\/p>\n<ul>\n<li>Nur in L\u00e4ndern mit einem sehr tiefen BIP pro Person f\u00fchrt eine Zunahme des BIP auch zu einer Erh\u00f6hung der \u00abHappiness\u00bb. Analoges gilt f\u00fcr den Zusammenhang zwischen Demokratieindex und BIP.<\/li>\n<li>Ebenso gilt: Nur in L\u00e4ndern mit einem sehr tiefen \u00f6kologischen Fussabdruck pro Person f\u00fchrt eine Zunahme des \u00f6kologischen Fussabdruckes auch zu einer Erh\u00f6hung der \u00abHappiness\u00bb. Mit mehr Konsum l\u00e4sst sich also die \u00abHappiness\u00bb in den reichen L\u00e4ndern nicht mehr erh\u00f6hen! <\/li>\n<li>Mehr Demokratie steigert tendenziell die \u00abHappiness\u00bb.<\/li>\n<li>Ein h\u00f6heres BIP f\u00fchrt unmittelbar zu einem h\u00f6heren \u00f6kologischen Fussabdruck.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der Vollst\u00e4ndigkeit halber: <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/laudato-si-fuer-eine-harte-nachhaltigkeit-gegen-das-zynische-bip\" target=\"_blank\">Das BIP ist ein zynischer Indikator<\/a>, aber genau deshalb weiterhin in Benutzung.  <\/p>\n<p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn es um Ranglisten im L\u00e4ndervergleich geht, steht die Schweiz h\u00e4ufig meist weit vorne, ausser allenfalls dort, wo es um die schiere Gr\u00f6sse geht. Beim Demokratieindex und beim kaufkraftbereinigten Bruttoinlandsprodukt pro Person liegt die Schweiz auf den R\u00e4ngen sechs und acht \u2013 und sogar auf dem zweiten Rang beim World Happiness Ranking. 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