{"id":6505,"date":"2016-07-13T23:16:26","date_gmt":"2016-07-13T21:16:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=6505"},"modified":"2016-07-14T17:27:04","modified_gmt":"2016-07-14T15:27:04","slug":"real-existierender-wohnungsmarkt-als-klimaschutzbremse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/real-existierender-wohnungsmarkt-als-klimaschutzbremse","title":{"rendered":"Real existierender Wohnungsmarkt als Klimaschutzbremse?"},"content":{"rendered":"<p>Um Wohnungen und B\u00fcros komfortabel nutzen k\u00f6nnen, braucht es erhebliche Energiemengen f\u00fcr Raumheizung und Wassererw\u00e4rmung. Meistens wird in der Schweiz diese W\u00e4rme von Heizungsanlagen, die mit Heiz\u00f6l oder Erdgas betrieben werden, bereitgestellt. Das angenehm warme Wohnzimmer, die erfrischende Dusche, das komfortable B\u00fcro tragen somit erheblich zum Mensch gemachten Klimawandel bei. Um das Klima zu sch\u00fctzen, ist der Energieverbrauch von Bauten zu senken, und f\u00fcr Raumheizung und Wassererw\u00e4rmung sind ausschliesslich nachhaltig genutzte erneuerbare Energien zu verwenden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Um die Klimaschutzziele zu erreichen, muss die energetische Qualit\u00e4t von H\u00e4usern verbessert werden. W\u00e4nde und D\u00e4cher brauchen eine w\u00e4rmed\u00e4mmende Zusatzschicht, Fenster sind durch W\u00e4rmeschutzfenster zu ersetzen, auch Kellerdecke und Estrichboden k\u00f6nnen zum W\u00e4rmeschutz beitragen. Wird die Heizung ersetzt, kann neu eine W\u00e4rmepumpe, welche Aussenluft als W\u00e4rmequelle nutzt, eingebaut werden. Gut orientierte Dach- und auch Fassadenfl\u00e4chen k\u00f6nnen Sonnenenergie nutzen, sowohl f\u00fcr W\u00e4rme- als auch Stromproduktion. Bei den meisten Geb\u00e4uden kann ein vielf\u00e4ltiger Strauss von Massnahmen umgesetzt werden, um die anspruchsvollen Klimaschutzziele zu erreichen. Vieles davon geh\u00f6rt zum allgemeinen Fachwissen der Baufachpersonen. In der Stadt Z\u00fcrich beispielsweise unterst\u00fctzt das st\u00e4dtische <a href=\"http:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/energie-coaching\" target=\"_blank\">Energie-Coaching<\/a> Geb\u00e4udeeigent\u00fcmerschaften bei den anspruchsvollen Klimaschutzvorhaben.<\/p>\n<p>Vor den ersten Planungs- und Baumassnahmen m\u00fcssen einige grunds\u00e4tzliche Fragen beantwortet werden. Besteht eine grosse bauliche Ausnutzungsreserve und ist das Geb\u00e4ude \u00e4lter als 50 oder 60 Jahre, ist es vorteilhaft, das bestehende Geb\u00e4ude abzubrechen und einen energetisch guten Neubau zu erstellen. Werden Solaranlagen auf das Dach montiert, ist es vorteilhaft, die schon lange gew\u00fcnschte Dachaufstockung endlich zu realisieren. Ideal ist, wenn die Massnahmen aufeinander abgestimmt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Klimaschutzmassnahmen kosten, auch dann, wenn sie mit so oder so f\u00e4lligen Erneuerungsmassnahmen kombiniert werden k\u00f6nnen, vielleicht ist ein neuer Verputz erforderlich oder wegen der Verkehrszunahme werden Schallschutzfenster eingebaut. Investitionen ins Geb\u00e4ude sind aus \u00f6konomischer Sicht herausfordernd: Das, was heute ausgegeben wird, wirkt sich w\u00e4hrend 30 oder mehr Jahren aus, betrifft also m\u00f6glicherweise eine n\u00e4chste Generation von Eigent\u00fcmerschaften und Nutzenden.<\/p>\n<p>In der Schweiz werden die meisten Wohn- und Nutzbauten als Mietobjekte genutzt. Es braucht einiges an Anstrengungen, um bei den zu beachtenden langen Zeitr\u00e4umen eine faire Kostenverteilung auf Eigent\u00fcmerschaften und Mietende zu erreichen. \u00dcblicherweise gilt in der Schweiz das Prinzip der Marktmiete, das heisst, Mietvertr\u00e4ge werden nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage abgeschlossen. Da allerdings das Angebot an B\u00fcro- und Arbeitsr\u00e4umen nicht unbegrenzt ist, ist die Mietgesetzgebung zu einem beachtlichen Teil zum Schutz vor Marktmissbr\u00e4uchen ausgestaltet.<\/p>\n<p>Dies betrifft insbesondere den Umgang mit baulichen und technischen Erneuerungen. Es wird unterschieden nach werterhaltenden und wertvermehrenden Massnahmen. Nur die Kosten von wertvermehrenden Massnahmen k\u00f6nnen als Begr\u00fcndung f\u00fcr Mietzinsaufschl\u00e4ge herangezogen werden. Nach diesen Regeln gilt eine umfassende Erneuerung \u2013 wie sie etwa als Klimaschutzbeitrag erforderlich ist \u2013 zu 50 bis 70 Prozent als wertvermehrend. Dadurch ergeben sich teilweise erhebliche Mietzinsaufschl\u00e4ge, regelm\u00e4ssig Gegenstand von aufgeregten Berichterstattungen in den Medien. <a href=\"https:\/\/www.news.admin.ch\/message\/index.html?lang=de&#038;msg-id=61244\" target=\"_blank\">Studien des Bundesamtes f\u00fcr Wohnungswesen<\/a> haben ergeben, dass der Mehrwertanteil bei einer grossen Zahl von Erneuerungsvorhaben deutlich kleiner ist, allerh\u00f6chstens 30 bis 50 Prozent. Die damit verbundene Forderung nach einer Verminderung der Mietzinserh\u00f6hung bei umfassenden Erneuerungen wird auch vom Mieterinnen- und Mieterverband unterst\u00fctzt. Werterhaltende Massnahmen haben die Mieterinnen und Mieter bereits mit dem Mietzins w\u00e4hrend Jahren bezahlt; meist werden diese Gelder aber aus steuerlichen Gr\u00fcnden nicht auf einem ans Haus gebundenen Konto angelegt. <\/p>\n<p>Diverse Untersuchungen haben ergeben, dass generell zu wenig in die Erneuerung der Bauten investiert wird. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, m\u00fcssten j\u00e4hrlich zwei bis drei Prozent des Geb\u00e4udebestandes umfassend erneuert werden \u2013 f\u00fcr die gesamte Schweiz wird gesch\u00e4tzt, dass derzeit h\u00f6chstens ein Prozent der Bauten so erneuert wird, wie es erforderlich w\u00e4re.<\/p>\n<p>Welches w\u00e4ren wohl die Auswirkungen auf die Erneuerungsrate, wenn die Mietzins-\u00dcberw\u00e4lzungss\u00e4tze f\u00fcr umfassende Erneuerungen gesenkt w\u00fcrden?<\/p>\n<p>Statistik Stadt Z\u00fcrich hat die Erneuerungspraxis bei Wohnbauten in der Stadt Z\u00fcrich innerhalb der letzten 15 Jahre untersucht. Demnach liegt die Erneuerungsrate bei etwa 1.5 Prozent pro Jahr, also leicht h\u00f6her als im Mittel der Schweiz. In Z\u00fcrich wurde allerdings etwa ein Sechstel der Wohnungen durch Neubauwohnungen ersetzt.<\/p>\n<p>Erhellend wirkt eine der Detailanalyse zu den Eigentumsverh\u00e4ltnissen der erneuerten oder ersetzen Wohnungen, siehe nachfolgende Grafik. Demnach werden Wohnungen im Besitz der \u00f6ffentlichen Hand und von Genossenschaften deutlich \u00fcberdurchschnittlich erneuert. Eine beachtliche Erneuerungsquote weisen auch Wohnungen im Eigentum von privaten Gesellschaften auf. Deutlich weniger werden Wohnungen im Besitz von Privatpersonen und erst recht Eigentumswohnungen erneuert.  <\/p>\n<script type='text\/javascript' src='https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/plugins\/easy-chart-builder\/js\/easy-chart-builder.js'><\/script>\n\r\n<div id=\"easyChartDiv58b98001\" style='width:100%;'  style='text-align:center;' align='center'>\r\n<!-- Easy Chart Builder by dyerware -->\r\n<img id=\"easyChartDiv58b98001_img\" style='text-align:center;float:center;' alt='dyerware.com' title=''  align='center' border='0' \/>\r\n\r\n<\/div>\r\n<script type=\"text\/javascript\">\r\n\/\/<![CDATA[\r\nwpEasyChart.wpNewChart(\"easyChartDiv58b98001\", {\"type\":\"vertbar\",\"width\":\"80\",\"height\":\"80\",\"title\":\"J\\u00e4hrliche Erneuerungsquoten in Prozent nach Eigent\\u00fcmerart\",\"minaxis\":\"\",\"groupnames\":\"Erneuerungsquote\",\"groupcolors\":\"0070C0,FFFF00,FF0000,00CC00,A3A3A3,007070,00FFFF,CC7000,00CC70,CC0070,7000CC,A370CC\",\"valuenames\":\"\\u00f6ffentlich,Genossensch.,Andere Gesellsch.,Privatp.,Stockwerkeigentum,Total\",\"group1values\":\"2.18 %,1.99 %,1.65 %,1.19 %,0.62 %, 1.48 %\",\"group2values\":\"0,0,0\",\"group3values\":\"0,0,0\",\"group4values\":\"0,0,0\",\"group5values\":\"0,0,0\",\"group6values\":\"0,0,0\",\"group7values\":\"0,0,0\",\"group8values\":\"0,0,0\",\"group9values\":\"0,0,0\",\"group10values\":\"0,0,0\",\"group11values\":\"0,0,0\",\"group12values\":\"0,0,0\",\"group1markers\":\"\",\"group2markers\":\"\",\"group3markers\":\"\",\"group4markers\":\"\",\"group5markers\":\"\",\"group6markers\":\"\",\"group7markers\":\"\",\"group8markers\":\"\",\"group9markers\":\"\",\"group10markers\":\"\",\"group11markers\":\"\",\"group12markers\":\"\",\"markercolor\":\"FFFF00\",\"imagealtattr\":\"dyerware.com\",\"imagetitleattr\":\"\",\"hidechartdata\":true,\"chartcolor\":\"FFFFFF\",\"chartfadecolor\":\"DDDDDD\",\"datatablecss\":\"hentry easyChartDataTable\",\"imgstyle\":\"text-align:center;float:center;\",\"watermark\":\"\",\"watermarkvert\":\"\",\"watermarkcolor\":\"A0BAE9\",\"currency\":\"\",\"currencyright\":false,\"precision\":\"\",\"grid\":false,\"axis\":\"both\"});\r\n\/\/]]>\r\n<\/script>\n<p><a href=\"https:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/prd\/de\/index\/statistik\/publikationen-angebote\/publikationen\/Analysen\/A_001_2016.html\" target=\"_blank\">Quelle: Statistik Stadt Z\u00fcrich, Bauliche Erneuerung in Zahlen, 2016<\/a><\/p>\n<p>Bei Wohnungen der \u00f6ffentlichen Hand und von Genossenschaften gilt nicht die Markt-, sondern die Kostenmiete; diese als gemeinn\u00fctzig erachtete Berechnungsform scheint also Erneuerungen zumindest aus finanzieller Sicht zu beg\u00fcnstigen. Auch private Gesellschaften, in der Regel professionell organisiert, k\u00f6nnen einigen Erneuerungserfolg vorweisen. Die finanziellen Aspekte der Geb\u00e4udebewirtschaftung scheinen bei Privatpersonen als Eigent\u00fcmerschaften, egal ob Miete oder Stockwerkeigentum, nicht wirklich im Griff zu sein. Es fehlen nur schon die R\u00fccklagen, um die werterhaltende Erneuerung finanzieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Sollte nun der Gesetzgeber die Regeln f\u00fcr die \u00dcberw\u00e4lzung der Kosten von umfassenden Erneuerungen auf die Mietzinsen so ver\u00e4ndern, dass ein geringerer Anteil der Kosten als wertvermehrend gilt, ist davon auszugehen, dass die Erneuerungsquote zum Teil drastisch sinkt, was die Erreichung der Klimaschutzziele erheblich gef\u00e4hrdet.<\/p>\n<p>Um den Klimaschutz voranzubringen, sind diverse politische Schritte angezeigt, etwa der Wechsel zur Kostenmiete bei allen Eigentumsformen, die Erh\u00f6hung des Genossenschaftsanteils oder die M\u00f6glichkeit zur geb\u00e4udegebundenen Reservebildung f\u00fcr die Finanzierung werterhaltender Massnahmen. Von grosser Bedeutung ist insbesondere eine Erh\u00f6hung der Energiekosten \u00fcber eine kr\u00e4ftige, vollst\u00e4ndig an Haushalte und Wirtschaft r\u00fcckerstattete <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/energielenkungsabgaben-raschmoeglichst-einfuehren\" target=\"_blank\">Energielenkungsabgabe<\/a>.<\/p>\n<p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um Wohnungen und B\u00fcros komfortabel nutzen k\u00f6nnen, braucht es erhebliche Energiemengen f\u00fcr Raumheizung und Wassererw\u00e4rmung. Meistens wird in der Schweiz diese W\u00e4rme von Heizungsanlagen, die mit Heiz\u00f6l oder Erdgas betrieben werden, bereitgestellt. Das angenehm warme Wohnzimmer, die erfrischende Dusche, das komfortable B\u00fcro tragen somit erheblich zum Mensch gemachten Klimawandel bei. 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