{"id":65,"date":"2005-10-04T22:48:33","date_gmt":"2005-10-04T21:48:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/co2-abgabe-dringlich-trotz-hoheren-oelpreisen\/"},"modified":"2005-10-04T22:48:33","modified_gmt":"2005-10-04T21:48:33","slug":"co2-abgabe-dringlich-trotz-hoheren-oelpreisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/co2-abgabe-dringlich-trotz-hoheren-oelpreisen","title":{"rendered":"CO2-Abgabe dringlich trotz h\u00f6heren Oelpreisen!"},"content":{"rendered":"<p>Im SonntagsBlick vom 2. Oktober 2005 wurden wieder einmal diverse eigent&uuml;mliche Aussagen zur CO2-Abgabe ver&ouml;ffentlicht. Mit falschen Angaben &#8211; wahrscheinlich eher mit gezielten Fehlinformationen &#8211; versuchen einige Politiker, einen seit langem f&auml;lligen ersten Schritt hin zur dringlich notwendigen &ouml;kologischen Finanzreform zu verhindern.<!--more--><\/p>\n<p>Die &ouml;kologische Finanzreform ist dringlich, weil nur sie Transparenz schafft &uuml;ber die &ouml;kologischen Belastungen, die jede und jeder einzelne verursacht, und zwar mit einem ganz einfachen Hilfsmittel: Geld! Wer die Umwelt weniger belastet als der Durchschnitt, wird nach einer &ouml;kolgischen Finanzreform mehr im Portemonnaie haben als jemand, der die Umwelt st&auml;rker als der Durchschnitt belastet.<\/p>\n<p>Zu den einzelnen Falschaussagen im SonntagsBlick-Artikel:<\/p>\n<p>Da wird etwa behauptet, mit dem Verzicht auf die CO2-Abgabe k&ouml;nne Geld gespart werden. Diese Aussage ist so falsch, dass nicht einmal das Gegenteil richtig ist. Denn: Die CO2-Abgabe ist eine Lenkungsabgabe: der Bundesrat sieht vor, dass fossile Brennstoffe (vor allem Heiz&ouml;l und Erdgas) &#8211; leider, leider nicht auch die fossilen Treibstoffe Benzin und Diesel &#8211; nach ihrem CO2-Ausstoss einer Abgabe unterstellt werden. Diese Abgabe fliesst aber nicht etwa in die allgemeine Bundeskasse, sondern wird anteilm&auml;ssig an Bev&ouml;lkerung und Wirtschaft zur&uuml;ckverteilt: An die Bev&ouml;lkerung pro Kopf, an die Wirtschaft im Verh&auml;ltnis zur AHV-Lohnsumme eines Unternehmens, Details dazu im <a href=\"..\/co2abgabe\/co2abgcalc.htm\" target=\"_blank\">CO2-Abgabe-Rechner<\/a>.<br \/>Dies f&uuml;hrt dazu, dass Personen und Unternehmen, die im Vergleich zu anderen Personen oder Unternehmen durch ihr Verhalten weniger CO2-Ausstoss verursachen, eine gr&ouml;ssere R&uuml;ckerstattung erhalten, als via CO2-Abgaben abgef&uuml;hrt wurde &#8211; diese Personen und Unternehmen profitieren also von der CO2-Abgabe. Im Gegensatz zu jenen Personen und Unternehmen, die mehr CO2-Ausstossen als der Durchschnitt: f&uuml;r sie ist die CO2-Abgabe ein Verlustgesch&auml;ft. Im Mittel aber &#8211; und dies im Gegensatz zum SonntagsBlick die korrekte Aussage &#8211; muss f&uuml;r die Energie nicht mehr ausgegeben werden als heute (abgesehen von den geringen Mitteln, die f&uuml;r die Administration der CO2-Abgabe erforderlich sind).<\/p>\n<p>Im &uuml;brigen: Die wahrscheinlich eher treffende Motivation f&uuml;r die Absichten von Herr Nationalrat Hegetschweiler zur Verhinderung der CO2-Abgabe, gem&auml;ss SonntagsBlick Ex-Direktor Hauseigent&uuml;merverband: die CO2-Abgabe w&uuml;rde die l&auml;ngst erforderliche Transparenz &uuml;ber die energetische Qualit&auml;t des Schweizerischen Wohneigentums schaffen &#8211; und damit offen legen, wie viel Wert die diesbez&uuml;gliche Politik des HEV tats&auml;chlich hat!<\/p>\n<p>Vermeintlich gewiefte K&ouml;pfe behaupten nun, dabei handle es sich um ein volkswirtschaftliches Nullsummenspiel &#8211; dies w&auml;re im &uuml;brigen zuerst zu &uuml;berpr&uuml;fen. Allerdings ist dies aus &ouml;kologischer Sicht keine relevante Frage, hier geht es n&auml;mlich um eine betriebswirtschaftliche Ueberlegung, die jede Person und jede Unternehmung anhand der eigenen Buchhaltung anstellt: Ist der Saldo der CO2-Abgabe positiv oder negativ? Ist er negativ: &#8222;Freude herrscht!&#8220; (Zitat ehemaliger Bundesrat Ogi) &#8211; f&uuml;r viele endlich auch eine finanzielle Belohung f&uuml;r &ouml;kologisch vorbildliches Verhalten &#8211; und ein Ansporn, diesen Verbesserungsprozess weiter zu treiben. Saldo negativ? Dann gibts zu tun! Aber guter Rat ist nicht teuer: seit Jahrzehnten ist bekannt, was getan werden kann, um den Energieverbrauch dauerhaft zu senken. Fragen? Hier die <a href=\"http:\/\/www.energieantworten.ch\/\" target=\"_blank\">Antworten<\/a>!<\/p>\n<p>Weiter wird behauptet, die Steigerung des Oelpreises in den letzten Monaten sei st&auml;rker als die vorgesehene Belastung der CO2-Abgabe. Das stimmt zwar rein zahlenm&auml;ssig. Und es ist nicht auszuschliessen, dass die erh&ouml;hten Oel- und Gaspreise soagr eine leicht d&auml;mpfende Wirkung auf den Heiz&ouml;l-und Erdgas-Verbrauch haben. Nur: das macht die CO2-Abgabe nicht &uuml;berfl&uuml;ssig, im Gegenteil. H&ouml;here Energiepreise treffen alle gleichm&auml;ssig &#8211; wer letztes Jahr f&uuml;r 1000 Franken Heiz&ouml;l gebraucht hat, zahlt dieses Jahr 2000 Franken. Dies ist zwar doppelt so viel &#8211; das trifft aber auch f&uuml;r jemanden in einer kleinen sanierten Minergie-Wohnung zu: wenn diese Person letztes Jahr 250 Franken bezahlt hat f&uuml;r die Energiekosten der Heizung, bezahlt sie dieses Jahr auch doppelt so viel. Der Heiz&ouml;lpreis hat sich f&uuml;r alle verdoppelt; die R&uuml;ckerstattung der CO2-Abgabe zahlt sich nach wie vor f&uuml;r jene aus, die im Durchschnitt weniger brauchen als der Durchschnitt. H&ouml;here Energiepreise sind also kein Argument gegen die CO2-Abgabe!<\/p>\n<p>Als Alternative zur CO2-Abgabe wird der Klimarappen angepriesen, kombiniert mit einem Subventionsprogramm f&uuml;r energetische Sanierungen. Dazu ist einiges anzuf&uuml;gen:<\/p>\n<ul>\n<li>Subventionen sind immer dann erforderlich, wenn der Markt versagt. Und dies tut der Energiemarkt definitiv, weil er von l&uuml;genden Preisen ausgeht. Diese enthalten nicht die vollen Kosten, weder die Kosten der endlichen fossilen Energieressourcen, noch die Kosten der Auswirkung des &uuml;berm&auml;ssigen Energieverbrauchs auf Mensch und Umwelt. Werden Subventionen ausgesch&uuml;ttet, wird der politische und gesellschaftliche Druck zur Realisierung der Kostenwahrheit bei den Energiepreisen erheblich vermindert: wer Subventionen f&uuml;r eine Umwelttat erh&auml;lt, fasst diese als verdiente Streicheleinheit auf. Wer trotzdem immer noch nicht handelt, profitiert weiterhin von den viel zu tiefenden l&uuml;genden Energiepreisen. Subventionen m&ouml;gen als Streicheleinheiten und zur Gewissensberuhigung dienen, eine echte L&ouml;sungsstrategie sind sie nicht.<\/li>\n<li>Erd&ouml;l war real (=teuerungskorrigiert) vor rund 20 Jahren sogar teurer als selbst im Oktober 2005. Wer die Zeichen der Zeit verstanden hat, hat in diesen 20 Jahren reichlich Gelegenheit gehabt, das dank den zu tiefen Energiepreisen nicht ausgegebene Geld f&uuml;r  eine Verbesserung der energetischen Qualit&auml;t, f&uuml;r die Steigerung der Energieeffizienz, f&uuml;r den Einsatz erneuerbarer Energien, f&uuml;r die Angew&ouml;hnung an den &ouml;ffentlichen Verkehr, &#8230; zu verwenden. Mit Subventionen wird energiepolitische Unt&auml;tigkeit w&auml;hrend 20 Jahren belohnt. Zudem: um einigermassen Gerechtigkeit walten zu lassen, m&uuml;ssten gleichartige Subventionen w&auml;hrend der &uuml;blichen Lebensdauer von Geb&auml;uden ausgesch&uuml;ttet werden &#8211; irgendwo zwischen 80 und 120 Jahren.<\/li>\n<li>Die Erfahrungen zeigen, dass musterg&uuml;ltige energetische Massnahmen an Geb&auml;uden mittelfristig finanziell lohnend sind, ein Teil des Nutzens stammt aus den verminderten Energiekosten, ein Teil aus direkten und indirekten nicht-energetischen Nutzen (z.B. mehr Wohnkomfort, bessere Werterhaltung, geringeres Bauschadenrisiko, bessere Luftqualit&auml;t, geringerer Bedienungsaufwand, geringere Gesundheitskosten wegen besserer Aussenluftqualit&auml;t, und so weiter und so fort). Das eigentliche Problem ist: die energetische Qualit&auml;t von Bauten kann nur in ausreichendem Mass verbessert werden, wenn an einem Geb&auml;ude auch aus anderen Gr&uuml;nden (z.B. Werterhaltung) kr&auml;ftig gebaut wird &#8211; f&uuml;r gute energetische L&ouml;sungen braucht es eine minimale Eingriffstiefe. Und diese derartige Massnahme kostet mit oder ohne energetische Massnahmen sehr viel Geld. Geld, das bei Mietwohnungen von den Eigent&uuml;merschaften investiert werden muss, aber im Lauf der Lebensdauer von den Mietenden zur&uuml;ckbezahlt wird. Ein realer L&ouml;sungsbedarf besteht: wie k&ouml;nnen die f&uuml;r energetische Massnahmen erforderlichen baulichen Eingriffstiefen finanziert werden, und zwar sowohl bez&uuml;glich des &#8222;Peak&#8220; w&auml;hrend den Bauarbeiten und dann die R&uuml;ckzahlung w&auml;hrend der Nutzungszeit. Es ist nicht davon auszugehen, dass sich mit energetisch motivierten Subventionen, die einige wenige Promille der Bausumme ausmachen, mehr bewirken l&auml;sst als Mitnahmeeffekte &#8211; es d&uuml;rfte vor allem subventioniert werden, was so oder so geplant ist. <br \/>P.S. Im Jahr 2004 wurden in der Schweiz 34.6 Mia Franken in den Hochbau investiert &#8211; 200 bis 300 Mio Franken sollen an Subventionen f&uuml;r diesen Markt zur Verf&uuml;gung stehen, dies w&auml;ren 5.7 bis 8.7 Promille des Hochbau-Volumens. Fazit: zwar gut gemeint, aber dies ist bekanntlich das Gegenteil von gut! Im Vergleich dazu: EndverbraucherInnen-Ausgaben f&uuml;r Energie im Jahr 2004: 24.52 Mia Fr.<\/li>\n<li>Offen ist zudem die Frage, wie gross der zur Erreichung einer hohen energetischen Qualit&auml;t erforderliche Zusatzmittelbedarf ist. Eine klare Aussage dazu: je mehr Subventionen, desto h&ouml;her! Bauherrschaften, Planende und Ausf&uuml;hrende wollen einen m&ouml;glichst hohen Anteil der Gesamtkosten auf die zus&auml;tzlichen Massnahmen abw&auml;lzen, weil dies weniger Fragen und juristische Verfahren bei der Ueberw&auml;lzung auf die Mieterschaft verursacht. So werden komplizierte, aufw&auml;ndige L&ouml;sungen realisiert &#8211; Subventionen f&ouml;rdern &uuml;berteuerte, hochkomplexe L&ouml;sungen, die kaum bedient und genutzt werden k&ouml;nnen (eine Vermeidung dieses Effektes bedingt einen sehr hohen Aufwand f&uuml;r ein externes Projektcontrolling &#8211; wahrscheinlich mit mehr Aufwand, als an Subventionen ausbezahlt wird)!<br \/>\nMit einer CO2-Abgabe haben Bauherrschaften und Planende ein anderes Interesse: M&ouml;glichst tiefe Zusatzkosten, um m&ouml;glichst sparsam von der R&uuml;ckerstattung profitieren zu k&ouml;nnen. Dies f&ouml;rdert einfache, wirkungsvolle, schlanke Massnahmen durch eigenverantwortliches Handeln! Da einfachere Massnahmen zudem ein &#8222;besseres Alter&#8220; haben (sie k&ouml;nnen einfacher bedient werden, sind einfacher zu reparieren, sind einleuchtender, brauchen in der Regel weniger Ressourcen), sind auch aus &ouml;kologischen Gr&uuml;nden einfachere Massnahmen vorzuziehen.<\/p>\n<\/li>\n<li>Im &uuml;brigen: eine dieser &#8222;einfachen&#8220; Massnahmen: Absenkung der gesetzlich erforderlichen Grenzwerte f&uuml;r den Energieverbrauch der Bauten auf den aktuellen Level von Minergie!\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><b>Fazit: die CO2-Abgabe auf fossile Brennstoffe (und idealerweise gerade auch auf fossile Treibstoffe) ist so rasch als m&ouml;glich einzuf&uuml;hren.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im SonntagsBlick vom 2. Oktober 2005 wurden wieder einmal diverse eigent&uuml;mliche Aussagen zur CO2-Abgabe ver&ouml;ffentlicht. 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