{"id":6388,"date":"2016-01-10T13:00:33","date_gmt":"2016-01-10T12:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=6388"},"modified":"2016-01-10T13:00:33","modified_gmt":"2016-01-10T12:00:33","slug":"energiesklaven-oder-die-grosszuegigkeit-der-wohlhabenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/energiesklaven-oder-die-grosszuegigkeit-der-wohlhabenden","title":{"rendered":"Energiesklaven oder die Grossz\u00fcgigkeit der Wohlhabenden"},"content":{"rendered":"<p>Nicht nur in den USA ist es \u00fcblich, die Steuern m\u00f6glichst tief zu halten. Steuern sind allerdings dazu, die gemeinschaftlichen Aufgaben an den <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/sinn-und-ostrom\" target=\"_blank\">Commons<\/a>, den Allmenden zu erm\u00f6glichen. Einzelne Wohlhabende wie Bill Gates oder Mark Zuckerberg spenden einen grossen Teil ihres \u00fcberm\u00e4ssigen Wohlstandes f\u00fcr (vermeintlich) gute Taten. Was allerdings im Interesse der Allgemeinheit zu tun w\u00e4re in dieser Welt, darf nicht der Willk\u00fcr der Wohlhabenden \u00fcberlassen sein, sondern ist durch die Direktbetroffenen zu bestimmen. Energiesklaven beispielsweise sind kaum eine zukunftsgerichtete Entwicklung.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der US-Gesch\u00e4ftsmann Manoj Bhargava, urspr\u00fcnglich aus Indien stammend, verkauft mit seinem Unternehmen 5 Hour Energy koffeinhaltige Energy Drinks im Wert von einer Milliarde Dollars. Er spendet 99 Prozent seines Gewinns, um das Wohlbefinden der weniger Gl\u00fccklichen zu verbessern.<\/p>\n<p>Seine Absicht ist, dass Menschen in Gebieten mit schlechter Stromversorgung mit einem Hometrainer-artigen Ger\u00e4t den ben\u00f6tigten Strom selber herstellen. Er behauptet, dass mit einer Stunde Hometrainer-Generator-Arbeit pro Tag der n\u00f6tigste Strombedarf bereitgestellt werden kann. Als grobe Absch\u00e4tzung: Ein sehr gut trainierter Mensch schafft etwas mehr als 100 Watt Dauerleistung \u2013 in einer Stunde kommt so (falls der Generator einen m\u00f6glichst hohen Wirkungsgrad hat), eine Strommenge von 0.1 kWh zusammen. Zum Vergleich: ein typischer 4-Personen-Haushalt in der Schweiz braucht etwa 10 kWh Strom pro Tag, also das Hundertfache! Bereits dieser Vergleich zeigt, dass es sich dabei nicht um eine zukunftsgerichtete L\u00f6sung handeln kann. Bei dieser statischen Betrachtung sind die Aufw\u00e4ndungen f\u00fcr die Zwischenspeicherung des produzierten Stroms nicht einbezogen.<\/p>\n<p>Nehmen wir an, ein solcher Hometrainer-Generator w\u00fcrde in der Schweiz betrieben. Ein solches Ger\u00e4t kostet auch bei grossen Produktionsmengen um die 500 Franken, und d\u00fcrfte 10 Jahre genutzt werden k\u00f6nnen. Rein statisch betrachtet macht der Ger\u00e4te-Anteil 14 Rappen pro Kilowattstunde aus. Wenn wir allerdings noch ber\u00fccksichtigen, dass ein Minimalstundenlohn von 25 Franken dabei f\u00e4llig wird, ergibt sich allein daraus ein Kilowattstundenpreis von 250 Franken, zusammen also 250.14 Franken. P.S. Ich erachte es als legitim, diese Betrachtung f\u00fcr die Schweiz darzustellen, auch wenn Manoj Bhargava diese L\u00f6sung zum Beispiel f\u00fcr Indien vorschl\u00e4gt.<\/p>\n<p>Bei der angenommenen Dauerleistung von etwas mehr als 100 Watt ist es parallel zum Pedalen kaum m\u00f6glich, etwa einen Text zu schreiben oder vergleichbare produktive T\u00e4tigkeiten auszu\u00fcben; auch Freizeitbesch\u00e4ftigungen wie Krimilesen oder Fernsehserienschauen sind allenfalls erschwert m\u00f6glich. <\/p>\n<p>250.14 Franken pro Kilowattstunde Strom, das funktioniert so nicht. Somit m\u00fcssen jene Menschen, die den Hometrainer-Generator nutzen, als Energiesklaven bezeichnet werden. \u00dcbrigens: dient der Hometrainer-Generator als Werkzeug f\u00fcr die k\u00f6rperliche Fitness, sieht die Sache leicht anders aus. Allerdings w\u00fcrde mit einer Stunde Fitnessarbeit nicht einmal die Energie f\u00fcr die Erw\u00e4rmung des Wassers f\u00fcr die nachfolgende Kurz-Dusche bereitgestellt werden k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>Das heisst: Auch wenn die Absicht, die Stromversorgung zu verbessern, uneingeschr\u00e4nkt zu unterst\u00fctzen ist, taugt der Umsetzungsvorschlag des grossz\u00fcgigen Wohlhabenden Manoj Bhargava beim besten Willen nicht.<\/p>\n<p>Um Menschen nicht zu Energiesklaven zu machen, ist es deutlich vorteilhafter, den Strom mit Solarzellen oder Kleinwindkraftwerken zu produzieren zu stellen. Da kann mit geringeren Investitionskosten und deutlich weniger Zeitaufwand der gleiche Stromnutzen erzielt werden.<\/p>\n<p>Grossz\u00fcgiger Wohlstand ist also keine Gew\u00e4hr f\u00fcr nachhaltige, zukunftsgerichtete L\u00f6sungen!<\/p>\n<p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht nur in den USA ist es \u00fcblich, die Steuern m\u00f6glichst tief zu halten. Steuern sind allerdings dazu, die gemeinschaftlichen Aufgaben an den Commons, den Allmenden zu erm\u00f6glichen. Einzelne Wohlhabende wie Bill Gates oder Mark Zuckerberg spenden einen grossen Teil ihres \u00fcberm\u00e4ssigen Wohlstandes f\u00fcr (vermeintlich) gute Taten. 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