{"id":6090,"date":"2015-01-10T18:41:25","date_gmt":"2015-01-10T17:41:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=6090"},"modified":"2015-01-10T18:41:25","modified_gmt":"2015-01-10T17:41:25","slug":"suffizienz-marktitis-ist-keine-alternative","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/suffizienz-marktitis-ist-keine-alternative","title":{"rendered":"Suffizienz: \u00abMarktitis\u00bb ist keine Alternative"},"content":{"rendered":"<p>\u00abMarkt\u00bb gilt etwa bei der Redaktion NZZ-Wirtschaft als Allheilmittel f\u00fcr alle schwierigen Fragen des Alltags. Unter dem Titel \u00ab<a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/wirtschaft\/allmachtsphantasien-der-suffizienzler-1.18456518\" target=\"_blank\">Was soll das heissen? Gen\u00fcgsam: Allmachtsphantasien der Suffizienzler<\/a>\u00bb machte sich Sergio Aiolfi am 8. Januar 2015 sehr sehr eigenartige Gedanken zum Verh\u00e4ltnis von Markt und Suffizienz. In ihrer Absurdit\u00e4t k\u00f6nnen diese \u00dcberlegungen nur noch als \u00abMarktitis\u00bb oder als \u00abMarktismus\u00bb bezeichnet werden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die gesamte Menschheit verbraucht deutlich mehr vom Planeten Erde, als ihr zur Verf\u00fcgung steht. Besonders gross sind die \u00f6kologischen Fussabdr\u00fccke der Menschen, die in den reichen L\u00e4ndern von Europa und Nordamerika wohnen. W\u00fcrden sich alle Menschen so verhalten wie die Europ\u00e4erinnen und NordamerikanerInnen, brauchte es mindestens zwei weitere Erden. Angesichts der massiv \u00fcbergrossen \u00f6kologischen Fussabdr\u00fccke der in den \u00abreichen\u00bb L\u00e4ndern lebenden Menschen ist eine nachhaltige Entwicklung derzeit nicht gegeben \u2013 es ist also derzeit nicht gew\u00e4hrleistet, dass anderen Menschen auf diesem Planeten, dass nachfolgenden Generationen ein gutes Leben auf der Erde erm\u00f6glicht werden kann.   Suffizienz \u2013 \u00abD\u00f6rfs es bitzeli weniger sii?\u00bb \u2013 gilt als handlungsleitendes Prinzip der nachhaltigen Entwicklung, zusammen mit den Prinzipien Effizienz und Konsistenz.<\/p>\n<p>Das aktuelle Wirtschaftssystem wird in der Regel als zwar unvollst\u00e4ndiges, aber doch akzeptables Marktsystem verstanden. Dieses Marktsystem war nicht in der Lage, die erhebliche Vergr\u00f6sserung der \u00f6kologischen Fussabdr\u00fccke zu verhindern &#8211; wer also meint, derartige Fragestellungen ausschliesslich mit \u00abMarkt\u00bb anzugehen, leidet an \u00abMarktitis\u00bb. <\/p>\n<p>Herr Aiolfi macht sich Gedanken zu freiwilliger und verordneter Suffizienz, und sieht &#8211; aus lauter Denkfaulheit \u2013 bereits den Plan einer Diktatur hinter den allerersten Suffizienz\u00fcberlegungen (Denkfaulheit, weil gerade die geschm\u00e4hten \u00abSuffizenzler\u00bb bereits sehr viel Gedankenarbeit investiert haben, wie Suffizienz gesellschaftlich verantwortbar umgesetzt werden kann, und Herr Aiolfi diese Bem\u00fchungen nicht zur Kenntnis nehmen will). Herr Aiolfi bezeichnet den Preis als \u00abebenso elegantes wie effizientes Instrument, um Bed\u00fcrfnisse und knappe Ressourcen aufeinander abzustimmen\u00bb. <\/p>\n<p>Wenn denn die Preise Ausdruck der vollen, der tats\u00e4chlichen Kosten eines Marktangebotes w\u00e4ren, dann ist Herrn Aiolfi uneingeschr\u00e4nkt zuzustimmen. Nur ist es leider eben auch die Redaktion NZZ-Wirtschaft, die regelm\u00e4ssig gegen die Kostenwahrheit von G\u00fctern und Dienstleistungen anschreibt! <\/p>\n<p>Einige Beispiele dazu, bei denen die NZZ Gegenpositionen vertritt:<\/p>\n<ul>\n<li>Greenpeace hat Ende 2014 f\u00fcr die Atomkraftwerke in der Schweiz ermitteln lassen, dass Atomstrom zwei-, drei- oder oder auch f\u00fcnfmal so teuer sein m\u00fcsste, wenn jene Kosten in Schritten ber\u00fccksichtigt w\u00fcrden, die heute gar nicht oder von der Allgemeinheit heute oder in Zukunft getragen werden m\u00fcssen!\n<\/li>\n<li>Ich habe bereits mehrfach auf die generell <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/fur-eine-nachhaltige-energiepolitik-gegen-lugende-energiepreise\" title=\"F\u00fcr eine nachhaltige Energiepolitik \u2013 gegen l\u00fcgende Energiepreise\" target=\"_blank\">l\u00fcgenden Energiepreise<\/a> der nicht-erneuerbaren Energien hingewiesen &#8211; die seit Herbst 2014 deutlich gesunkenen \u00d6lpreise best\u00e4tigen diese Aussagen.<\/li>\n<li>Wenn wir Produkte kaufen, die in Billigstlohnl\u00e4ndern hergestellt werden \u2013 und gerade Zeitgeistprodukte wie Computer, Tablet, Smartphones, aber auch Photovoltaik werden meist in Billiglohnl\u00e4ndern hergestellt &#8211; profitieren wir von Sozial- und \u00d6kodumping, von nachweislich nicht nachhaltiger Produktion. Die wahren, die vollst\u00e4ndigen Kosten w\u00fcrden um Faktoren h\u00f6her liegen. Entsprechende Aussagen sind allerdings in den von der Redaktion NZZ-Wirtschaft publizierten Medienbeitr\u00e4gen nicht zu finden \u2013 ausser bei gelegentlichen Beitr\u00e4gen von entsprechend angek\u00fcndigten GastautorInnen.<\/li>\n<li>als aktuelles Zitat von einer <a href=\"http:\/\/www.facebook.com\/zuletztgelacht\" target=\"_blank\">Facebook-Seite<\/a>: <em>In Deutschland hat man kein Geld f\u00fcr fair gehandelten Kaffee zu 20 Euro je kg, deshalb kauft man Kapselkaffee zu 80 Euro je kg.<\/em><\/li>\n<li>Diese Auflistung kann beliebig fortgesetzt werden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Redaktion NZZ-Wirtschaft pl\u00e4diert f\u00fcr einen Markt mit l\u00fcgenden Preisen. Ein solcher Markt kann aber genau das nicht leisten, was Herrn Aiolfi anstrebt, n\u00e4mlich Preise, die \u00abebenso elegant wie effiziente Bed\u00fcrfnisse und knappe Ressourcen aufeinander abstimmen\u00bb! Da muss sich nicht nur die NZZ irgendwann mal entscheiden, da muss sich auf globaler Basis die Menschheit darauf verst\u00e4ndigen, mit welchen Instrumenten sie eine nachhaltige Entwicklung vorantreiben will. Aufgrund langj\u00e4hriger Erfahrungen meine ich, dass es sowohl den Markt mit umfassend wahren Kosten als auch (zusammen mit Effizienz und Konsistenz) die Suffizienz als handlungsleitendes Prinzip der nachhaltigen Entwicklung braucht.<\/p>\n<p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abMarkt\u00bb gilt etwa bei der Redaktion NZZ-Wirtschaft als Allheilmittel f\u00fcr alle schwierigen Fragen des Alltags. Unter dem Titel \u00abWas soll das heissen? Gen\u00fcgsam: Allmachtsphantasien der Suffizienzler\u00bb machte sich Sergio Aiolfi am 8. Januar 2015 sehr sehr eigenartige Gedanken zum Verh\u00e4ltnis von Markt und Suffizienz. 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