{"id":59,"date":"2005-11-15T22:48:33","date_gmt":"2005-11-15T21:48:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/kampagne-game-over-abzocken-statt-kulturforderung\/"},"modified":"2011-12-25T23:37:11","modified_gmt":"2011-12-25T22:37:11","slug":"kampagne-game-over-abzocken-statt-kulturforderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/kampagne-game-over-abzocken-statt-kulturforderung","title":{"rendered":"Kampagne &#8222;Game over&#8220;: Abzocken statt Kulturf\u00f6rderung!"},"content":{"rendered":"<p>Geistiges Eigentum ist zum Beispiel eine gute Idee, ist eine musikalische Komposition, ist die Interpretation eines Kunstwerkes. Es ist prinzipiell korrekt, dass die Urheberrechtsgesetzgebung geistiges Eigentum sch&uuml;tzt.<!--more--><\/p>\n<p>Wenn nun die IFPI Schweiz, die Schweizer Landesgruppe der &#8222;International Federation Of Producers Of Phonograms And Videograms&#8220;, die Kampagne &#8222;Game over&#8220; gegen das &#8222;private Raubkopieren&#8220; startet, geht es dabei allerdings in erster Linie um Geld, um sehr viel Geld sogar. Geld, das insbesondere die InterpretInnen der Mainstream-Stilrichtungen millionenweise scheffeln, Geld, das zu wucherartigen Eigenkapitalrenditen bei der Unterhaltungsindustrie f&uuml;hrt (im Kanton Z&uuml;rich wird ein Kreditgesch&auml;ft als Wucher bezeichnet, wenn ein Jahreszins von mehr als 13.5 % verlangt wird). &#8211; Nochmals: geistiges Eigentum ist tats&auml;chlich zu sch&uuml;tzen, aber es kann nicht sein, dass damit &uuml;berm&auml;ssige Gewinne und Einkommen generiert werden.<\/p>\n<p>Das Internet respektive auf der Internet-Verbindungstechnologie aufbauende Tauschb&ouml;rsen (z.B. Peer-to-Peer-Netzwerke) haben &#8211; anerkanntermassen unter teilweiser Missachtung der Urheberschaft z.B. von Musikst&uuml;cken &#8211; einen gewissen Ausgleich zur geldscheffelnden Unterhaltungsindustrie geschaffen. Angesichts des Gesch&auml;ftsvolumens und des Gewinnpotential ist daher verst&auml;ndlich, dass diese Branche auf diesen interkulturellen Gratis-Austausch sehr empfindlich reagiert &#8211; und mit Bussenandrohungen operiert, die existenziell bedrohlich sind.<\/p>\n<p>Nicht mit Kultur, sondern mit eher minderwertiger Software, ebenfalls durch Urheberrechts-Gesetze gesch&uuml;tzt, hat es Microsoft-Gr&uuml;nder Bill Gates zu einem der reichsten M&auml;nner der Erde geschafft &#8211; und seine KundInnen &auml;rgern sich regelm&auml;ssig &uuml;ber die nicht wirklich brauchbare Windows-Software, f&uuml;r die sie vor allem wegen des Urheberrechtsschutzes zudem viel zu viel bezahlt haben. Vergleichbar ist es mit der Unterhaltungsindustrie &#8211; insbesondere Mainstream-K&uuml;nstlerInnen, und parallel dazu die Tontr&auml;gerindustrie, verdienen sich mit nicht immer besonders herausragenden Machwerken erhebliche Verm&ouml;gen und Renditen. &#8211; Leer gehen all jene aus, die entweder ihre geistigen Eigent&uuml;mer zum Beispiel zu Gunsten der Oeffentlichkeit investieren, zum Beispiel im Interesse des Schutzes der Umwelt, oder die eigenst&auml;ndiges Kulturgut neben dem Mainstream pflegen. Nur: diese investieren voraussichtlich wesentlich mehr pers&ouml;nliches Engagement, mehr eigenes Herzblut in ihr geistiges Eigentum als die windschl&uuml;pfrigen Mainstream-Produkte. Letztendlich verhindert also die vor allem auf Gewinnmaximierung ausgerichtete Urheberrechts- oder Copyright-Politik das breite Kulturschaffen und f&ouml;rdert den seichten Einheitsmix der kommerzialisierten Unterhaltungsindustrie. Und dies ist nichts anderes als Abzockerei.<\/p>\n<p>Unterdessen gibt es Alternativen zu den privaten, kostenlosen Musik-Tauschb&ouml;rsen im Internet &#8211; allerdings sind diese Angebote extrem teuer und setzen den Besitz einer Kreditkarte voraus (wiederum ein Kommerz-Abzock-Produkt). Statt einer aufw&auml;ndigen und vor allem auf Repression basierenden Kampagne gegen das sogenannte &#8222;private Raubkopieren&#8220; t&auml;te die Unterhaltungsindustrie besser daran, ihre Gesch&auml;ftspraktiken zu ver&auml;ndern und damit tats&auml;chliche Kulturf&ouml;rderung zu betreiben. Einige Stichworte dazu:<\/p>\n<ul>\n<li>Gagen und Eigenkapitalrenditen in der Unterhaltungsindustrie, besondern von Mainstream-Produkten oder &#8222;Big Shots&#8220;, sind schlicht unanst&auml;ndig und stehen in keinem Verh&auml;ltnis zu den erbrachten Leistungen. Hier ist dringend Ver&auml;nderungsbedarf angesagt.<\/li>\n<li>Die Kosten f&uuml;r den Kauf von Musikst&uuml;cken im Internet sind um Faktoren zu vermindern. Der Kauf von Musikst&uuml;cken soll auch ohne Kreditkarte m&ouml;glich sein.<\/li>\n<li>Wenn Gagen und Eigenkapitalrenditen auf ein existenzsicherndes Mass &#8211; statt der aktuellen Abzockerei &#8211; gesenkt werden, &ouml;ffnet sich erheblicher Spielraum: die verminderten Copyright-Geb&uuml;hren werden kompensiert durch den Absatz legal gekaufter Produkte &#8211; erst dann erf&uuml;llt die Urheberrechtsgesetzgebung ihre eigentliche Aufgabe.<\/li>\n<li>Die Unterhaltungsindustrie muss wegkommen von der Gewinnmaximierung f&uuml;r die Superstars hin zu einer Erm&ouml;glichung einer existenzsicherenden Entl&ouml;hnung s&auml;mtlicher ernsthafter Kulturschaffenden.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geistiges Eigentum ist zum Beispiel eine gute Idee, ist eine musikalische Komposition, ist die Interpretation eines Kunstwerkes. 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