{"id":5638,"date":"2013-12-22T14:07:26","date_gmt":"2013-12-22T13:07:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=5638"},"modified":"2014-08-14T19:37:14","modified_gmt":"2014-08-14T17:37:14","slug":"ein-bemerkenswerter-neubau-in-lustenau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/ein-bemerkenswerter-neubau-in-lustenau","title":{"rendered":"Ein bemerkenswerter Neubau in Lustenau"},"content":{"rendered":"<p>Wozu dienen Geb\u00e4ude? In erster Linie dazu, dass sie von Menschen genutzt werden, zum Wohnen, zum Arbeiten, f\u00fcr andere Zwecke. Aus Nachhaltigkeitssicht ist es erforderlich, dass solche Bauten f\u00fcr Erstellung und Betrieb m\u00f6glichst geringen Ressourcen- und Energieverbrauch zur Folge haben. Der Neubau 2226 des Architekturb\u00fcros Baumschlager &#038; Eberle in Lustenau f\u00fchrt zu einigen Bemerkungen &#8211; ein bemerkenswerter Neubau also!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Laut <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Baumschlager_%26_Eberle\" target=\"_blank\">Wikipedia-Eintrag<\/a> besch\u00e4ftigt sich das B\u00fcro Baumschlager &#038; Eberle unter anderem damit, &#8222;<em>\u00fcber die Qualit\u00e4t der H\u00fclle den Einsatz technischer Systeme f\u00fcr die Klimatisierung zu reduzieren<\/em>&#8222;. Ein Tamedia-Artikel nimmt mit dem Titel &#8222;Das Haus ohne Heizung&#8220; (nur im Bezahlteil von Tamedia verf\u00fcgbar) nur einen Teil dieser Aktivit\u00e4ten des Architekturb\u00fcros auf. Dietmar Eberle, Architekt (und ETH-Professor), wird in diesem Artikel mit der Aussage zitiert, der Mensch sei ein St\u00f6rfaktor. Eine bemerkenswert eigenartige Auffassung \u00e4ussert hier ein Architektur-Professor \u00fcber seine eigentlichen KundInnen, die Menschen n\u00e4mlich, f\u00fcr die er H\u00e4user bauen l\u00e4sst: St\u00f6rfaktor sind sie! St\u00f6rfaktoren sind etwa, dass sie einen Computer aufstellen wollen, dass sie diesen mit Strom und einem Netzwerkanschluss versehen haben wollen, dass sie guten thermischen Raumkomfort vorfinden, dass die Raumluft von guter Qualit\u00e4t ist, und so weiter. Zum Menschen als St\u00f6rfaktor in Bauten passt auch, dass in einer <a href=\"http:\/\/www.baunetz.de\/meldungen\/Meldungen-Baumschlager_Eberle_bauen_sich_ein_Buero_in_Lustenau_3382213.html\" target=\"_blank\">Bildserie mit 24 Bildern zu diesem Haus<\/a> Menschen nur als &#8222;Dekoration&#8220; gezeigt werden, nicht aber bei der Nutzung der eigentlich f\u00fcr sie bestimmten R\u00e4ume. <\/p>\n<p>Das Haus ist als W\u00fcrfel gebaut &#8211; nach der Kugel die kompakteste Geb\u00e4udeform. Auch dies bemerkenswert!<\/p>\n<p>Das Haus ist sehr gut w\u00e4rmeged\u00e4mmt, dies wird zwar aus den \u00fcblichen PR-Artikeln \u00fcber dieses Haus nicht erkennbar. Bei der Suche nach den Details werde ich f\u00fcndig: zwei mal 38 cm <a href=\"http:\/\/www.wienerberger.at\/wand\/ueber-porotherm\" target=\"_blank\">Wienerberger-Porotherm-Backsteine<\/a>, ergibt zusammen mit dem Verputz einen U-Wert von etwa 0.1 W\/m<sup>2<\/sup>K &#8211; die W\u00e4nde des Neubaus in Lustenau sind rund 40 % besser ged\u00e4mmt, als es die Energievorschriften im Kanton Z\u00fcrich erfordern, und sie sind 1\/3 besser ged\u00e4mmt, als das entsprechende Minergie-Modul erfordert! Auch der U-Wert der Fenster ist mit 0.5 W\/m<sup>2<\/sup>K zweieinhalb mal besser als von den Vorschriften im Kanton Z\u00fcrich verlangt! Dies ist durchaus bemerkenswert, da andere ETH-Architekturprofessoren die Auffassung vertreten, es sei nicht wichtig, wie viel Energie der Mensch brauche. Energieeffiziente Geb\u00e4ude sind und bleiben dann, wenn Architekten f\u00fcr ihr eigenes B\u00fcro bauen, sehr wichtig. <\/p>\n<p>Beim Geb\u00e4ude in Lustenau f\u00e4llt der geringe Fensteranteil auf &#8211; begr\u00fcndet wird dies mit dem sommerlichen W\u00e4rmeschutz respektive dem Verzicht auf eine Klimaanlage. Angesichts des aktuellen Trends in der Architektur zu fast vollfl\u00e4chig verglasten Bauten ist auch dieser planerische Entscheid des Architekurprofessors Eberle bemerkenswert.<\/p>\n<p>&#8222;Haus ohne Heizung&#8220; titelte der Tagesanzeiger &#8211; geheizt wird dieses Geb\u00e4ude mit der Abw\u00e4rme der Menschen, der Computer, von weiteren Ger\u00e4ten, m\u00f6glicherweise des Lichts. Menschen werden m\u00f6glicherweise zuk\u00fcnftig zur Reduktion des Energieverbrauchs aus dem PendlerInnenverkehr vermehrt zu Hause arbeiten (&#8222;Home Office&#8220;) &#8211; diese Abw\u00e4rme d\u00fcrfte dann an einem solchen B\u00fcroarbeitsplatz fehlen. Computer brauchen f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung der \u00fcblichen Aufgaben immer weniger Energie &#8211; wie wird sich dies auf den f\u00fcr Heizzwecke in diesem Haus erforderlichen Abw\u00e4rmeanfall auswirken? Und: selbst in einem B\u00fcrohaus braucht es hin und wieder Warmwasser (auch so eine St\u00f6rung, die von den NutzerInnen eingebracht wird): wie sieht dies wohl aus in diesem Geb\u00e4ude?<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist sicher auch, dass klassische Haustechnik zugunsten der Regelungstechnik-Software reduziert wurde &#8211; clevere Regelungstechnik statt Investitionen in Metall und Beton ist in jedem Fall eine gute Sache. Dies allerdings unter der Voraussetzung, dass der &#8222;St\u00f6rfall Mensch&#8220; in einfacher Art und Weise mit der Regelungstechnik umgehen kann!  <\/p>\n<p>Dass ein gut ged\u00e4mmtes und auch im Bezug auf den sommerlichen W\u00e4rmeschutz optimiertes B\u00fcrogeb\u00e4ude f\u00fcr ein Architekturb\u00fcro ohne Heizung und Klimatisierung auskommt, w\u00e4re nicht weiter bemerkenswert &#8211; leider haben dies die wenigsten PlanerInnen bis jetzt gemerkt. P.S. diese Aussage ist nicht automatisch auf andere Nutzungen \u00fcbertragbar, insbesondere nicht auf das Wohnen. <\/p>\n<p>Ob es dazu allerdings je nach Quelle 70 bis 80 cm dicke Backsteinw\u00e4nde braucht, ist klar mit Nein zu beantworten. Entscheidend ist dabei der geringe Fensterfl\u00e4chenanteil und nicht der Aussenwandaufbau &#8211; &#8222;konventionelle&#8220; Bauteile mit eher d\u00fcnnen tragenden Bauteilen, einer guten W\u00e4rmed\u00e4mmung und einer vorgeh\u00e4ngten Fassadenoberfl\u00e4che mit integrierter Photovoltaikanlage erf\u00fcllt den gleichen Zweck. Gleichzeitig erfordert die durchaus auch m\u00f6gliche alternative Konstruktion weniger Aufwand (Energie und Treibhausgase) und weniger Raum &#8211; durch solche Elemente wird ein Geb\u00e4ude noch lange nicht zur Geb\u00e4udemaschine. <\/p>\n<p>Zum Thema Raumbedarf geh\u00f6ren auch die je nach Quelle 3.3 bis 3.5 Meter hohen Normalgeschosse &#8211; bei diesem Geb\u00e4ude h\u00e4tte bei \u00fcblichen Raumh\u00f6hen also ein Geschoss mehr Platz gehabt, Raum ist ein durchaus relevantes Nachhaltigkeitskriterium. Diese hohen R\u00e4ume sind daher mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht erw\u00e4hnenswert im Sinne der Vorbildwirkung.<\/p>\n<p>Die hohen R\u00e4ume f\u00fchren auch zu einer weiteren Frage: das Geb\u00e4ude weist sehr hohe Fenster mit allerdings sehr guten U-Werten auf. Trotzdem stellt sich die Frage, ob der bei wegfallender Sonneneinstrahlung einsetzende Kaltluftabfall bei den Fenstern, welcher zu Zugserscheinungen im Aufenthaltsbereich f\u00fchren kann, komfortm\u00e4ssig unkritisch ist &#8211; davon wird sicher noch zu h\u00f6ren sein.<\/p>\n<p>In meinen Beitrag <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/raumkomfort-for-dummies\" title=\"Raumkomfort for Dummies\" target=\"_blank\">Raumkomfort for Dummies<\/a> habe ich festgehalten, dass ich aus Gr\u00fcnden des Raumkomforts eine L\u00fcftungsanlage in B\u00fcrobauten f\u00fcr zwingend erforderlich halte. Um eine ausreichende Luftqualit\u00e4t zu erm\u00f6glichen, m\u00fcssen auch im Geb\u00e4ude von Baumschlager &#038; Eberle w\u00e4hrend einigen Minuten pro Stunde L\u00fcftungs\u00f6ffnungen offen stehen &#8211; mit an kalten Wintertagen aus Komfortsicht unzul\u00e4ssigen Auswirkungen auf die Menschen, die in unmittelbarer N\u00e4he dieser Austritts\u00f6ffnungen arbeiten. Da die oben verlinkten Architekturbilder des Geb\u00e4udes die &#8222;Normalarbeitsweise&#8220; nicht zeigen, ist nicht abzusch\u00e4tzen, ob hier eine bemerkenswerte L\u00f6sung gefunden wird &#8211; oder einfach einmal mehr die Bed\u00fcrfnisse der Menschen als St\u00f6rfaktor interpretiert wurden. Wie sich zahlreiche selbstst\u00e4ndig \u00f6ffnende L\u00fcftungsklappen insbesondere in den unteren Stockwerken, das Sicherheits- und das Unterhaltskonzept vereinbaren lassen, wird die n\u00e4chste Zukunft zeigen &#8211; in diesem Sinne ebenfalls noch nichts bemerkenswertes.   <\/p>\n<p>Fazit: eine gute W\u00e4rmed\u00e4mmung, ein guter sommerlicher W\u00e4rmeschutz &#8211; inklusive Blendschutz &#8211; sind f\u00fcr Bauten zwingend. M\u00f6glichst wenig Technik, und wenn schon solche mit hohem Cleverheits-Faktor, ist anzustreben. Ein sowohl im Sommer wie im Winter guter thermischer Raumkomfort, eine gute Luftqualit\u00e4t geh\u00f6ren zu den Normalanforderungen an ein Geb\u00e4ude. Diese Aspekte d\u00fcrfen von ArchitektInnen, selbst wenn es sich um ETH-Architektur-ProfessorInnen handelt, nicht als St\u00f6rfaktor wahrgenommen werden. Das Geb\u00e4ude 2226 des B\u00fcros Baumschlager &#038; Eberle ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Da einiges offen bleibt, wird es weiterhin eine Auseinandersetzung mit der Thematik brauchen, um Bemerkenswertes festzuhalten.  <\/p>\n<p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wozu dienen Geb\u00e4ude? In erster Linie dazu, dass sie von Menschen genutzt werden, zum Wohnen, zum Arbeiten, f\u00fcr andere Zwecke. Aus Nachhaltigkeitssicht ist es erforderlich, dass solche Bauten f\u00fcr Erstellung und Betrieb m\u00f6glichst geringen Ressourcen- und Energieverbrauch zur Folge haben. Der Neubau 2226 des Architekturb\u00fcros Baumschlager &#038; Eberle in Lustenau f\u00fchrt zu einigen Bemerkungen &#8211; &hellip; <a href=\"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/ein-bemerkenswerter-neubau-in-lustenau\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eEin bemerkenswerter Neubau in Lustenau\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1,4],"tags":[1433,532,666,402,1430,1431,1429,1432],"class_list":["post-5638","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-energie-und-klimaschutz","tag-d-arch","tag-energieeffizienz","tag-eth","tag-gebaude","tag-haustechnik","tag-minimale-haustechnik","tag-niedrigenergie","tag-ohne-heizung"],"aioseo_notices":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5638","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5638"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5638\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5851,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5638\/revisions\/5851"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5638"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5638"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5638"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}