{"id":5599,"date":"2013-11-25T19:36:18","date_gmt":"2013-11-25T18:36:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=5599"},"modified":"2013-12-03T23:53:50","modified_gmt":"2013-12-03T22:53:50","slug":"erfahrungsbericht-papierreduziertes-buero","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/erfahrungsbericht-papierreduziertes-buero","title":{"rendered":"Erfahrungsbericht \u201ePapierreduziertes B\u00fcro\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Wie in vielen Lebenslagen gibt es zahlreiche Gr\u00fcnde, die mich vor bald 3 Jahren dazu gebracht haben, es mal mit dem papierreduzierten B\u00fcro zu versuchen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich bin ein ausgepr\u00e4gter Vielleser. Da sich die Stadtz\u00fcrcher Pestalozzi-Bibliothek 2007 aus meiner Wohn-Nachbarschaft im Z\u00fcrcher Friesenberg-Quartier ins Einkaufszentrum Sihlcity verschoben hat, habe ich aus Protest meinen Bibliotheksausweis vernichtet. Die sich daraus ergebenden h\u00e4ufigen Buchneuk\u00e4ufe h\u00e4tten zu Hause einen neuen B\u00fccherschrank erfordert. Als ich mich nach einer Alternative umsah, lag es auf der Hand: B\u00fccher in elektronischer Form brauchen viel weniger Platz und kosten ein bisschen weniger als gedruckte B\u00fccher (und sind mit ziemlicher Sicherheit auch \u00f6kologisch vorteilhaft). Ein ausschliesslich f\u00fcr B\u00fccher bestimmter elektronischer Leser kam nicht in Frage \u2013 aus Effizienzgr\u00fcnden muss ein elektronisches Ger\u00e4t m\u00f6glichst viele Funktionen erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Ein Tablet-Computer \u2013 damit keine falschen Erwartungen geweckt werden, bezeichne ich das Ding als Spielzeug \u2013 stand am Anfang meines deutlichen Schwenks zum papierreduzierten B\u00fcro. <\/p>\n<p>Sowohl im Job wie im B\u00fcro habe ich seit Jahren vieles mit digitalen Hilfsmitteln gemacht: Texte am Bildschirm schreiben statt zuerst auf dem Papier, Berichte lesen, redigieren und kommentieren am Computerarbeitsplatz, Mail statt Fax und Briefpost.<\/p>\n<p>Auch wenn der Wechsel vom gedruckten zum digitalen Buch ein bewusster Entscheid war, auch wenn der Wegfall der eselsohr-f\u00e4higen Papierhaufen mit Neigung zum Versteckspiel eine Erleichterung der Arbeitsabl\u00e4ufe darstellt: es ist so, der weitgehende Wegfall von Papier ver\u00e4ndert die haptischen Erfahrungsm\u00f6glichkeiten am Arbeitsplatz und in der Freizeit. Die Umstellung f\u00e4llt sicher leichter, wenn dies ein freiwilliger Entscheid ist, bei dem weiterhin Ausstiegsm\u00f6glichkeiten bestehen. Darum spreche und schreibe ich vom papierreduzierten, nicht vom papierlosen B\u00fcro! Im papierreduzierten B\u00fcro liegt es auch drin, mal ein Papier genussvoll zu zerkn\u00fcllen und mit Anlauf im Papierkorb zu deponieren.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist der Versuch mit dem \u201epapierreduzierten B\u00fcro\u201c ein Erfolg. Ich berichte hier \u00fcber meine Erfahrungen \u2013 ich kann diesen Selbstversuch ohne Einschr\u00e4nkungen empfehlen. Wenn ich in diesem Bericht auf Apps oder technische L\u00f6sungen hinweise, ist dies nicht als Rezept zu verstehen, denn: Es braucht f\u00fcr jede und jeden eine massgeschneiderte L\u00f6sung, die den eigenen Anspr\u00fcchen und Bed\u00fcrfnissen entspricht, die auch Lust und Laune(n) entgegenkommt. Meine Aussagen gelten ausdr\u00fccklich f\u00fcr meine Art von Job, ich habe viel zu lesen, schreibe einiges selber, benutze regelm\u00e4ssig das Internet als Instrument des Wissensmanagements, nehme h\u00e4ufig an Sitzungen teil, wo es viele Unterlagen braucht.<\/p>\n<p>Vorerst: f\u00fcr mich ist das Tablet \u2013 derzeit bei mir ein iPad &#8211; kein Alleincomputer. Im B\u00fcro steht ein Laptop, auch zu Hause brauche ich einen Computer. Gerade in gemischten Produktewelten \u2013 und das ist die Mehrzahl der Situationen \u2013 fehlen die gleichen oder mindestens gleichartigen Apps und Tools. Am konkreten Beispiel: ein Textdokument, welches auf dem Computer mit dem Microsoft-Produkt Word erstellt wurde, l\u00e4sst sich (derzeit?) auf dem Tablet nicht 1:1 weiterbearbeiten. Auch umgekehrt: Ein Pages-Dokument, auf dem Tablet begonnen, braucht einiges, bis es auf dem Computer zum Fertigprodukt wird. Mag sein, dass dies noch \u00e4ndert \u2013 aber derzeit braucht das \u201eSurfen\u201c zwischen den Welten einiges an Improvisation und Kompromissbereitschaft.<\/p>\n<p>F\u00fcr mehr oder weniger knappe Notizen reicht das Tablet, ebenso f\u00fcr die Durchsicht eines PDF-Dokuments und nicht zu umfangreiche Anmerkungen dazu. F\u00fcr das Schreiben l\u00e4ngerer Texte oder eher komplizierter Mails verwende ich lieber einen Computer mit Tastatur! Mag sein, dass ein Tablet mit Zusatztastatur dazu geeignet w\u00e4re \u2013 derzeit passen Tablet und separate Tastatur f\u00fcr mich nicht zusammen.<\/p>\n<p>Ich habe einiges an umfangreichen Texten im PDF-Format kommentiert, hin und wieder braucht es dazu l\u00e4ngere Anmerkungen. Das funktioniert auch beim plattform\u00fcbergreifenden Austausch bestens. Ich gehe allerdings davon aus, dass diverse Empf\u00e4ngerInnen der von mir so papierlos kommentierten Dokumente als ersten Schritt vor der Redaktion des Schlusstextes einen Papierausdruck erstellen. Daraus die Schlussfolgerungen: Textanmerkungen und -kommentare sollten im papierreduzierten B\u00fcro im Textbearbeitungswerkzeug erfolgen. Bei diesen Programmen gibt es Tools, um die Kommentare und Anmerkungen verschiedener AutorInnen in einem Dokument zusammenzuf\u00fchren und weiterbearbeiten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Neben den tats\u00e4chlichen und vermuteten haptischen Verlusten (auch ein Tablet bietet haptische Erfahrungen) wird von meinen Gespr\u00e4chspartnerInnen h\u00e4ufig die Diskussionen auf die Augen gelenkt, also auf die Frage, ob Lesen am Bildschirm nicht wesentlich strenger sei als Lesen auf dem Papier. Ich bin bereits seit den Kinderjahren Brillentr\u00e4ger, die optischen Eigenschaften meiner Augen haben sich in dieser Zeit kr\u00e4ftig ver\u00e4ndert, was regelm\u00e4ssig Anpassungen am Brillenrezept erfordert. Beim letzten Plus-50-Augenuntersuch hat die Augen\u00e4rztin keinerlei Einschr\u00e4nkungen zum Gesundheitszustand meiner Augen gemacht. Ich empfehle \u2013 sowohl am Bildschirm wie auch bei anderen T\u00e4tigkeiten &#8211; aktive Augenspiele, wechselndes Fokussieren auf nahe und ferne, helle und dunkel Objekte. Auch wenn mit dem Wort \u201ePalmieren\u201c auch Heilsversprechen verbunden sind, kann ich eine daran angelehnte \u00dcbung sehr empfehlen. Zwei, drei Mal die H\u00e4nde aneinander reiben \u2013 wie beim Einseifen, einfach ohne Wasser. Dann \u00fcber jedem Auge eine Handh\u00f6hle errichten, ziemlich dicht, Augen mal geschlossen, mal offen, die Augen tats\u00e4chlich oder auch nur im Geiste wandern lassen, ein, zwei, drei Minuten. Und dann langsam die Handh\u00f6hle entfernen, sich wieder an den Alltag ann\u00e4hern. <\/p>\n<p>Wenn ich Menschen beobachte, die am Bildschirm oder auf Papier lese, vermute ich eher, dass die Erm\u00fcdung nicht wegen der Augen, sondern wegen der K\u00f6rperhaltung erfolgt. Beim Lesen eines auf dem Tisch liegenden Blattes scheint sich der Kopf in einer muskelspannungsarmen Neigehaltung zu befinden, w\u00e4hrend das Lesen am korrekt eingestellten Bildschirm eine wesentlich aufrechtere und gespannte K\u00f6rperhaltung erfordert. Wie bei vielen Fragestellungen d\u00fcrften variable K\u00f6rperhaltungen und gelegentliche Platzver\u00e4nderungen, gelegentlich sitzende, liegende oder stehende Positionen von Bedeutung sein. Dies scheint mir besonders wichtig bei der Tablet-Benutzung.<\/p>\n<hr>\n<p>Mail, Kalender, Fotodarstellung, Pendenzenliste und Internet-Browser geh\u00f6ren zu den Standardanwendungen auf dem iPad-Tablet. F\u00fcr das Lesen und Kommentieren von PDF-Dokumenten verwende ich GoodReader (kostenpflichtig). Mir entsprechend Mindmaps; zur Erstellung und Bearbeitung verwende ich die Bezahl-App iThoughtsHD. Als Notizblock dient mir die App Chronicle, f\u00fcr einfachere Arbeiten an Textdokumenten, Datentabellen und Pr\u00e4sentationsdateien nutze ich Quickoffice (beide kostenpflichtig). Zum Lesen von B\u00fcchern gef\u00e4llt mir derzeit der Bluefire Reader am besten (bei den Apps handelt sich dabei um eine Momentaufnahme Ende November 2013 \u2013 da sind jederzeit Ver\u00e4nderungen m\u00f6glich). <\/p>\n<p>Und noch dies: kategorisch \u201eNo Games\u201c &#8211; trotz der Deklaration, dass das Tablet eigentlich ein Spielzeug ist! Es wird kaum zu vermeiden sein, dass zum Beispiel bei einer Sitzung mal eine App offen ist, die nicht direkt mit den Sitzungserfordernissen zu tun hat. Wer an einer Sitzung einen Tablet-Computer verwendet, muss damit umgehen k\u00f6nnen, dass der Rest der Sitzungsrunde alle m\u00f6glichen Nebenaktivit\u00e4ten vermutet \u2013 darum am besten gar keine Game-Apps installieren!<\/p>\n<p>Und zum Schluss eine Ermutigung: auf dem Weg zum papierreduzierten B\u00fcro sind alle Lernende.<\/p>\n<p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie in vielen Lebenslagen gibt es zahlreiche Gr\u00fcnde, die mich vor bald 3 Jahren dazu gebracht haben, es mal mit dem papierreduzierten B\u00fcro zu versuchen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1,4],"tags":[1416,1418,1415,1414,1412,1413,1417],"class_list":["post-5599","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-energie-und-klimaschutz","tag-erfahrungsbericht","tag-ipad","tag-papierarmes-buero","tag-papierloses-buero","tag-papierreduziertes-buero","tag-sans-papier","tag-tablet"],"aioseo_notices":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5599","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5599"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5599\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5611,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5599\/revisions\/5611"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5599"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5599"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5599"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}