{"id":446,"date":"2008-12-30T10:55:45","date_gmt":"2008-12-30T09:55:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=446"},"modified":"2008-12-30T10:56:30","modified_gmt":"2008-12-30T09:56:30","slug":"keine-gewaltanwendungen-aus-gar-keinem-grund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/keine-gewaltanwendungen-aus-gar-keinem-grund","title":{"rendered":"Keine Gewaltanwendungen &#8211; aus gar keinem Grund!"},"content":{"rendered":"<p>Seit ich mich erinnern kann, gelangen regelm\u00e4ssig Berichterstattungen \u00fcber die sich dauernd bewegende Gewaltspirale zwischen Israel und den pal\u00e4stinensischen Gebieten an die Welt\u00f6ffentlichkeit. Von &#8222;<em>nie dagewesener H\u00e4rte<\/em>&#8220; wird nach den Angriffen der israelischen Armee auf den Gazastreifen ab dem 27. Dezember 2008 geschrieben.<!--more--><br \/>\nDie neuere Geschichte wiederholt sich. Aus dem massiv \u00fcberbev\u00f6lkerten Gazastreifen &#8211; seit 60 Jahren vor allem Fl\u00fcchtlingslager &#8211; werden Raketen abgefeuert, die in unregelm\u00e4ssigen Abst\u00e4nden Menschen in S\u00fcdisrael t\u00f6ten. Ohne Wenn und Aber unverzeihlich und dumm. Dann schl\u00e4gt irgendwann die israelische Armee zu, spricht von Terrorismus, Selbstverteidigung, die Welt\u00f6ffentlichkeit reagiert, nimmt entweder f\u00fcr die eine oder andere Seite Partei, oder ersucht um eine Einstellung der Gewaltanwendung von allen Seiten. Irgendwann &#8211; nach Tagen, Wochen, wenn endlich allen Beteiligten klar geworden ist, dass auch dies nicht zu einer wirklichen L\u00f6sung f\u00fchrt, kommt es zu Verhandlungen, kommt es zu einem vermittelten Waffenstillstand, in dessen Verlauf die Bedingungen von beiden Seiten mehr oder weniger schlecht eingehalten werden &#8211; wahrscheinlich k\u00f6nnte man die gesamte Gegend ziemlich dicht mit dem Papier einpacken, auf dem all die gebrochenen und nicht eingehaltenen Vereinbarungen, Resolutionen, Vertr\u00e4ge usw festgehalten sind. Und dann beginnt die Sache wieder von vorne, verursacht unermessliches Leid, vertieft die Gr\u00e4ben, macht eine tats\u00e4chliche L\u00f6sung noch unwahrscheinlicher, l\u00e4sst noch mehr Gewalteskalationen bef\u00fcrchten &#8211; siehe dazu auch <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/gazastreifen-kosovo-kurdistan-kanton-jura\/\" target=\"_blank\">ein Beitrag vom M\u00e4rz 2008<\/a>. <\/p>\n<p>Mit welchen Gr\u00fcnden hier alle Beteiligten dauernd an der Gewaltschraube drehen, ist v\u00f6llig unerheblich. Tatsache ist, dass die aktuelle Situation f\u00fcr gar niemanden, weder lokal noch global, dauerhaft von Nutzen ist. Es braucht endlich L\u00f6sungen, die \u00fcber Gewaltanwendungen hinausgehen &#8211; und es braucht die Bereitschaft einer immer gr\u00f6sseren Zahl von Menschen, sich auch durch gelegentliche R\u00fcckf\u00e4lle nicht vom Verzicht auf Gewaltanwendungen abbringen zu lassen.<\/p>\n<p>Der Konflikt zwischen den Menschen in Israel, im Gazastreifen, in den Westbanks usw hat sehr viele Hintergr\u00fcnde &#8211; alle diese Hintergr\u00fcnde verm\u00f6gen Gewaltanwendungen mit welcher Motivation und von welcher Seite auch immer niemals zu rechtfertigen. Die Geschichte dieser Gegend, das \u00f6konomische und \u00f6kologische Potential dieser Gegend &#8211; sehr deutlich kommen beispielsweise hier die <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/jenseits-der-okologischen-grenzen-gibt-es-keine-nachhaltige-entwicklung\/\" target=\"_blank\">Grenzen des Wachstums<\/a> zum Ausdruck &#8211; machen dies zu einer schwierigen Aufgabe; gerade mit Blick auf Israel und Pal\u00e4stina verlangt beispielsweise Hans K\u00fcng eine <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/jenseits-der-okologischen-grenzen-gibt-es-keine-nachhaltige-entwicklung\/\" target=\"_blank\">K\u00fchnheit der Hoffnung &#8211; f\u00fcr Frieden, Klimaschutz, Vers\u00f6hnlichkeit<\/a>. Im Konflikt zwischen den Menschen in Israel, dem Gazastreifen, den Westbanks usw geht es immer auch um einen &#8222;Krieg um \u00d6l&#8220;, aber auch um einen &#8222;Krieg um Wasser&#8220; &#8211; letztlich geht es um die Existenzm\u00f6glichkeiten einer grossen Zahl von Menschen in dieser Gegend! Bekanntlich l\u00e4sst sich dies am besten gemeinsam angehen &#8211; als Existenzrecht f\u00fcr alle Beteiligten letztlich.<\/p>\n<p>Der Gazastreifen sei massiv \u00fcberbev\u00f6lkert, schreibe ich oben. Zwar sind St\u00e4dte wie Berlin oder M\u00fcnchen \u00e4hnlich dicht besiedelt; nur haben diese ein sehr grosses Umland; zudem leben in diesen St\u00e4dten die meisten Menschen von der Erwerbsarbeit im Dienstleistungssektor. Mit der eher an den Grundbed\u00fcrfnissen orientierten Wirtschaftsweise l\u00e4sst sich also der Gazastreifen nicht mit diesen hochentwickelten Zentrumsst\u00e4dten vergleichen &#8211; ohne Hilfslieferungen (oder eben der ganz normalen G\u00fcterversorgung einer Zentrumsstadt) l\u00e4sst sich keine Siedlung dieser Dichte auf die Dauer bewirtschaften.<\/p>\n<p>Warum bis jetzt kein Hinweis auf die religi\u00f6sen Aspekte dieses Konfliktes? Schlicht und einfach darum, weil sich mindestens drei religi\u00f6se Kulturen in diesem Schmelztiegel treffen, und jede dieser Kulturen beruft sich auf die goldene Regel der Ethik &#8222;<em>Was du nicht willst, das man dir tu, das f\u00fcg auch keinem andern zu<\/em>&#8222;. Diese Regel verbietet direkt und ohne Einschr\u00e4nkungen die Anwendung von Gewalt gegen\u00fcber Menschen &#8211; somit sind s\u00e4mtlichen religi\u00f6sen Bez\u00fcge zur Legitimierung von Gewalthandlungen &#8211; siehe dazu wiederum die bereits oben zitierten Aussagen von <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/jenseits-der-okologischen-grenzen-gibt-es-keine-nachhaltige-entwicklung\/\" target=\"_blank\">Hans K\u00fcng<\/a> beispielsweise zum Weltethos &#8211; unglaubw\u00fcrdig.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Nachtrag 28.12.2008: Kommentar aus dem <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/der-tages-anzeiger-outet-sich-definitiv-als-auto-anzeiger\/\" target=\"_blank\">Auto-Anzeiger<\/a>, fr\u00fcher <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/meinungen\/dossier\/kolumnen--kommentare\/Israels-toedliche-Verzweiflung\/story\/15533990\" target=\"_blank\">Tages-Anzeiger von Luciano Ferrari<\/a>, mit dem Schlusssatz &#8222;<em>So imponierend die Milit\u00e4roffensive im Gazastreifen erscheinen will, sie offenbart nicht die St\u00e4rke, sondern die Schw\u00e4che Israels. Mehr denn je braucht das Land internationale Hilfe, um aus dieser selbst verschuldeten Krise zu finden.<\/em>&#8222;. Oder auch der <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/nachrichten\/international\/bomben_statt_politik_1.1610787.html\" target=\"_blank\">NZZ-Kommentar &#8222;Bomben statt Politik&#8220;<\/a> vom 29.12.08 von Reinhard Meier. <\/p>\n<p><strong>Klarer kann man die Sackgasse Gewaltanwendung nicht darstellen.<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p>Nachtrag 29.12.2008: <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/ausland\/naher-osten-und-afrika\/Zweistaatenloesung-kann-man-vergessen\/story\/27226422\" target=\"_blank\">Interview mit dem Wiener Nahostexperte John Bunzl<\/a> vom \u00d6sterreichischen Institut f\u00fcr Internationale Politik f\u00fcr den Bereich Nahostkonflikt &#8211; zu den Hintergr\u00fcnden dieser erneuten Eskalation, u.a. mit dem Bezug zu den bevorstehenden Wahlen in Israel, und dem Hinweis darauf, dass trotz Waffenstillstand die gezielten T\u00f6tungen von f\u00fchrenden Hamas-Mitarbeitenden durch Israel weiterhin ausgef\u00fchrt wurden &#8211; Todesstrafe ohne rechtsstaatliches Verfahren! <\/p>\n<hr \/>\n<p>Nachtrag 30.12.08:<br \/>\nWas zu beachten ist: wenn seit Jahrzehnten &#8222;Krieg&#8220; gef\u00fchrt wird, ist PROPAGANDA von allen Beteiligten, also gefilterte gezielte und vors\u00e4tzliche parteiische Information, die zentrale Art der Wissensvermittlung \u00fcber diesen Konflikt. Wie bei allen Konflikten ist Parteinahme aufgrund dieser Propaganda-Arbeit Unsinn. Die einzig m\u00f6gliche Haltung: alle Beteiligten haben sofort mit jeglicher Form von physischer und psychischer Gewalt aufzuh\u00f6ren &#8211; und es ist unter Einbezug von Dritten eine einvernehmliche L\u00f6sung zu suchen, die ein Existenzrecht f\u00fcr alle Beteiligten erm\u00f6glicht. <\/p>\n<p>Erste Fassung 27.12.08<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit ich mich erinnern kann, gelangen regelm\u00e4ssig Berichterstattungen \u00fcber die sich dauernd bewegende Gewaltspirale zwischen Israel und den pal\u00e4stinensischen Gebieten an die Welt\u00f6ffentlichkeit. Von &#8222;nie dagewesener H\u00e4rte&#8220; wird nach den Angriffen der israelischen Armee auf den Gazastreifen ab dem 27. 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