{"id":3554,"date":"2012-03-19T10:05:37","date_gmt":"2012-03-19T09:05:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=3554"},"modified":"2012-12-27T18:07:35","modified_gmt":"2012-12-27T17:07:35","slug":"apple-samsung-und-fotovoltaik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/apple-samsung-und-fotovoltaik","title":{"rendered":"Apple, Samsung und Fotovoltaik"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Designed by Apple in California &#8211; Assembled in China&#8220; ist auf der R\u00fcckseite von Apple-Produkten zu lesen &#8211; als Hinweis auf eine globalisierte Wirtschaft. Eine Wirtschaft mit realsatirischen Z\u00fcgen: einerseits streiten Unternehmen wie Apple und Samsung vor Gericht, andererseits ist Apple auf Komponenten von Samsung angewiesen, um die USA-Design-Produkte in China zusammenbauen lassen zu k\u00f6nnen &#8211; dies in Unternehmen, die auf der <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/apple-und-syrien\" target=\"_blank\">Watch-Liste von Arbeits- und Kinderrechtsorganisationen<\/a> stehen. Dieses Weltwirtschaftssystem steht f\u00fcr Sozial- und \u00d6kodumping, ist somit sicher nicht nachhaltig und demokratisch. Das hat Auswirkungen auch auf die Photovoltaik (oder Fotovoltaik)!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Rund 1 Billion Euro d\u00fcrfte im Jahr 2012 der Umsatz der IKT-Branche ausmachen. Entsprechende Zahlen der Photovoltaikbranche sind wesentlich schwieriger zu beschaffen, weil dort der Umsatz in Gigawattpeak (GW<sub>p<\/sub> -Spitzenleistung) gemessen wird. Gewisse Hinweise lassen auf einen Umsatz in der Gr\u00f6ssenordnung von etwa 10 Mia Euro schliessen (Tendenz stark steigend). Da die Herstellungsverfahren der eigentlichen Solarzellen eine grosse N\u00e4he zu den Kernkomponenten der IKT-Industrie haben, ist es durchaus angezeigt, die PV-Szene als Nische der IKT-Industrie einzusch\u00e4tzen. Und dies heisst: &#8222;Designed somewhere in Europe or US &#8211; Assembled in an Eco- and Social Dumping Country&#8220; &#8211; und etwas polemisch: genutzt in einem Land mit viel staatlichen Subventionen. Das heisst: die aktuelle Photovoltaikpolitik der reichen L\u00e4nder f\u00fchrt zu einem merklichen Abfluss von Steuergeldern in Wirtschaftsr\u00e4ume, die den Lebensbedingungen und -vorstellungen der Herkunftsl\u00e4nder dieser Gelder bei weitem nicht entsprechen &#8211; und damit letztlich zu einer Zementierung der misslichen Verh\u00e4ltnisse sorgen.<\/p>\n<p>Dass verschiedene Solarfirmen, die in Europa produzierten, \u00f6konomischen Schwierigkeiten unterworfen waren, hat in erster Linie mit den Gesetzm\u00e4ssigkeiten der IKT-Industrie zu tun, allenfalls auch mit Missmanagement und einer gewissen Goldgr\u00e4bermentalit\u00e4t. Einmal mehr wird klar: Subventionen, staatliche F\u00f6rderungen an bestimmte Technologien, haben definitiv nichts mit Energiepolitik zu tun!<\/p>\n<p>Es ist einmal mehr festzuhalten, dass derzeit die Globalisierung der Weltwirtschaft zu einer deutlichen Vergr\u00f6sserung der Ungleichgewichte f\u00fchrt, dass diese Globalisierung zu mehr Ungerechtigkeit und massiv h\u00f6herer Umweltbelastung f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Statt unbesehen Technologien zu subventionieren, sollten Zivilgesellschaft und Politik sich einerseits auf die beabsichtigen Wirkungen etwa der Energiepolitik konzentrieren und andererseits die sozialen und \u00f6kologischen Randbedingungen und ebenfalls Auswirkungen dieser Politik im Griff behalten.<\/p>\n<p>Die Herausforderung dabei: die Geschichte zeigt, dass eine zentrale Einflussgr\u00f6sse die Demokratie ist &#8211; auch wenn Demokratien zu den Staaten mit einem \u00fcberm\u00e4ssigen \u00f6kologischen Fussabdruck geh\u00f6ren. Gerade \u00f6kologische und soziale Aspekte &#8211; typische zivilgesellschaftliche Anliegen &#8211; finden in demokratischen Strukturen einfacheren und gesch\u00fctzten Zugang in die Entscheidungs- und Meinungsfindungsprozesse. Eine Herkulesaufgabe: Japan, ein wichtiges Land in der IKT-Welt, liegt im <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Demokratieindex\" target=\"_blank\">Demokratieindex von &#8222;The Economist&#8220;<\/a> bereits hinter den eher schwachen Demokratien USA und Grossbritannien, w\u00e4hrend Taiwan\/Republik China, ebenfalls ein gewichtiger IKT-Player, als unvollst\u00e4ndige Demokratie eingesch\u00e4tzt wird. China, auch mit grosser Bedeutung f\u00fcr die Fertigung von IKT-Angeboten, ist durch ein autorit\u00e4res Regime gepr\u00e4gt, mit einem sehr leichten Verbesserungstrend in den letzten Jahren. Allerdings: die Visiten der VertreterInnen der obersten Exekutiven der Demokratiemusterl\u00e4nder in China waren eher von Unterw\u00fcrfigkeit als von Demokratieforderung gepr\u00e4gt &#8211; und die zunehmende Bedeutung von China als Investor nicht nur in europ\u00e4ischen Krisenstaaten wie Griechenland oder Portugal weist auch nicht gerade in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung.<\/p>\n<p>Als Minimalprogramm: Photovoltaikmodule m\u00fcssen die \u00fcblichen Labels tragen, die minimale soziale (Stil &#8222;Max Havelaar f\u00fcr Photovoltaik&#8220;) und \u00f6kologische Standards nachweisen. Weiterhin braucht es auch Ratings wie etwa von <a href=\"http:\/\/www.greenpeace.org\/international\/en\/campaigns\/climate-change\/cool-it\/Campaign-analysis\/Guide-to-Greener-Electronics\/\" target=\"_blank\">Greenpeace (f\u00fcr ITK-Firmen)<\/a>! Energiepolitisch braucht es <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/an-die-politik-es-braucht-endlich-energiepolitik-statt-das-gebaudeprogramm-die-kev-und-co\" target=\"_blank\">statt Subventionen wie die KEV st\u00e4ndig steigende Mindestanteile von Strom aus erneuerbaren Quellen am Stromabsatz<\/a>.<\/p>\n<hr>\n<p>Die Photovoltaik-LobbyistInnen in der Schweiz halten eisern an der KEV als Instrument fest &#8211; dies mag f\u00fcr die eigentlich l\u00e4ngst abgeschlossene Pionierphase m\u00f6glicherweise zweckm\u00e4ssig gewesen sein. Der Verweis auf das Scheitern des Quotenmodells etwa in Grossbritannien kann nicht auf die Schweiz \u00fcbertragen werden, da die AkteurInnen-Strukturen sehr unterschiedlich sind. Mit den vielen Stromversorgungsunternehmen in der Schweiz, ein grosser Anteil davon in direkter demokratischer Kontrolle, hat die Schweiz wesentlich andere Voraussetzungen und Traditionen im Umgang mit Ver\u00e4nderungsprozessen. <\/p>\n<p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Designed by Apple in California &#8211; Assembled in China&#8220; ist auf der R\u00fcckseite von Apple-Produkten zu lesen &#8211; als Hinweis auf eine globalisierte Wirtschaft. 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