{"id":34,"date":"2009-03-22T17:00:33","date_gmt":"2009-03-22T16:00:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/fussball-einige-fragen\/"},"modified":"2009-03-22T18:19:24","modified_gmt":"2009-03-22T17:19:24","slug":"fussball-einige-fragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/fussball-einige-fragen","title":{"rendered":"Fussball &#8211; einige Fragen!"},"content":{"rendered":"<p>Das Begriffspaar &#8222;Panem et circenses&#8220; (Brot und (Zirkus-)Spiele) pr&auml;gte der r&ouml;mische Dichter Juvenal. Fussball hat &#8211; wie das Beispiel der Weltmeisterschaften in Deutschland zeigen &#8211; das Potential, den r&ouml;mischen Zirkus in diesem uralten Wort-Paar zu ersetzen.<\/p>\n<p>&#8222;Panem et circenses&#8220; ist herbe Kritik an der Gesellschaft: wenn ihr Brot und Spiele geboten werden, ist es ihr egal, was rundherum passiert. Brot &#8211; Lohn f&uuml;r Erwerbsarbeit und Spiele &#8211; Unterhaltung. Wenn Brot und Spiele garantiert sind, gibt es scheinbar keine weiteren Themen mehr. Oder anders: &#8222;Brot und Spiele&#8220;, &#8222;Panem et circenses&#8220; ist nichts anderes als kurzfristige Sichtweise, ist von der Hand in den Mund leben.<!--more--><\/p>\n<p>Fussball ist ein popul&auml;res Spiel &#8211; m&ouml;glicherweise darum, weil Fussball in mehrerer Hinsicht einfach ist:<\/p>\n<ul>\n<li>Es braucht ein ball&auml;hnliches Spielobjekt, es braucht zwei bis vier Markierungen f&uuml;r ein oder zwei Tore.\n<li>Die Regeln sind sehr einfach, selbst die Offside-Regeln sind &#8211; bis auf die Schnelligkeit der Abl&auml;ufe im Spiel &#8211; relativ einfach. Gelegentlich allerdings sind die Regeln dermassen einfach, dass sie schlicht der Physik wiedersprechen.\n<li>Weil es beim Fussball immer einen Sieger und einen Verlierer braucht, steht dieses Spiel symbolisch f&uuml;r Wettbewerb, Egoismus und so fort &#8211; und weckt damit die Massen bewegenden Emotionen, die tief in der Steinzeit wurzeln. Gerade Weltmeisterschaften sind Nationalismus oder Chauvinismus pur.\n<li>Bei Fussball als Spiel ist auch die Infrastruktur einfach, es braucht eine mehr oder weniger ebene Fl&auml;che, nicht zwingend rechteckig, nicht zwingend mit Gras bewachsen.\n<li>Und so weiter<\/li>\n<\/ul>\n<p>Leider, leider ist Fussball zumindest in der an den Weltmeisterschaften gezeigten Form l&auml;ngst kein Spiel mehr &#8211; es geht l&auml;ngst nicht mehr ums Spiel, es geht um Geld.<\/p>\n<p>Oder anders: damit &#8222;Spiele&#8220; nach wie vor gilt, hat Fussball sehr viel mit &#8222;Brot&#8220; zu tun.<\/p>\n<p>Es ist durchaus legitim, dass die f&auml;higsten Fussballspieler von ihrer Spielfreude und ihrer Spielintelligenz leben k&ouml;nnen &#8211; allerdings ist der Spielermarkt,  mit dem altr&ouml;mischen Sklavenmarkt zu vergleichen, l&auml;ngst ausser Rand und Band. Da werden Spieler f&uuml;r immense Summen gehandelt. Es ist zu hoffen, dass hier alles mit rechten Dingen zu und her geht, das heisst ohne Schwarzgeld und Geldw&auml;scherei. Es ist insbesondere zu hoffen, dass auch die nationalen und internationalen Fussballorganisationen wie FIFA und UEFA in ihrem Gesch&auml;ftsgebahren nicht ausschliesslich eine Gewinn-Maximierung anstreben, sondern die Sportf&ouml;rderung im Sinne des k&ouml;rperlichen Wohlergehens (und da d&uuml;rfte weder der Profi-Sport noch insbesondere der Fussball besonders gut dastehen). Geradezu abscheulich ist es, wenn sich diese Verb&auml;nde in die Sport-Gesetzgebung der einzelnen L&auml;nder einmischen.<\/p>\n<p>Weil es beim Profi-Fussball nahezu ausschliesslich um Geld geht, erh&auml;lt ein weiteres Spielelement eine &uuml;bersteigerte Bedeutung: der Schiedsrichter n&auml;mlich. Weil Sieg oder Niederlage &uuml;ber sehr viel Geld entscheiden (siehe zum Beispiel Champions League Qualifikation) &#8211; erh&auml;lt die Schiedsrichterarbeit h&ouml;heres Gewicht. Dies tut allerdings dem Spiel &uuml;berhaupt nicht gut. Fussball ist in Realit&auml;t eben nicht ein Spiel zwischen zwei Mannschaften, sondern eine Geldmaschine mit mindestens vier Teams &#8211; die beiden eigentlichen Mannschaften, das Schiedsrichtergespann und die visuellen Medien. Wichtiger Bestandteil dieser Geldmaschine ist der immense Aufwand f&uuml;r die Aufzeichnung und damit Wiedergabem&ouml;glichkeit der Spielelemente. Selbst ExpertInnen k&ouml;nnen h&auml;ufig erst in der dritten Wiederholung in H&ouml;chstzeitlupe aus der vierten Kameraposition eine Ballbewegung in ihre Einzelteile zergliedern. Der Tatsachenentscheid des Schiedsrichters ist ein wesentliches Element des Spiels Fussball &#8211; mit immer noch mehr Technik verliert das Spiel, es gewinnt daf&uuml;r das Geld. Dazu ein Vorschlag: es w&auml;re von Vorteil, die aufwendige Kameratechnik zu ersetzen durch eine einzige Kamera, n&auml;mlich die Kamera auf dem Kopf des Schiedsrichters, allenfalls erg&auml;nzt mit Kameras aus der Position der Linienrichter. Die kommerzielle Alternative dazu: f&uuml;nf Kameras pro Spieler, die dauernd ein 3D-Bild jedes Spielers erzeugen, kombiniert mit Ber&uuml;hrungs- und Kraftmess-Sensoren.<br \/>\nSo gut gemeint die Aktion &#8222;Fussball gegen Rassimus&#8220; ist: letztlich ist auch diese Aktion im Interesse des Geldes: der Spielermarkt funktioniert n&auml;mlich nur dann, wenn Spieler global einsetzbar sind, also unabh&auml;ngig von Herkunft, Sprache, Hautfarbe usw grunds&auml;tzlich in jeder Mannschaft einsetzbar sind.<\/p>\n<p>Was w&auml;re zu tun, damit Fussball den Spielcharakter zur&uuml;ckerh&auml;lt?<\/p>\n<p>Vorerst: Abschaffung des Profitums in s&auml;mtlichen Sportarten.<br \/>\n<br \/>Abschaffung der Werbung mit Sport: Der Preis f&uuml;r die grossen Finanzbeitr&auml;ge: Sponsoring! Ob Auto, Alkohol, Tabak, Computer, Fastfood, Electronics, Softdrinks, &#8230;: die Liste der offiziellen FIFA-Partner ist ellenlang, gleiches gilt auch f&uuml;r euop&auml;ische Verb&auml;nde wie etwa die UEFA. Stadien und deren Umgebung, Internet-Seiten, Spieler werden immer mehr zu Werbetr&auml;gern reduziert.<br \/>\nDamit Fussball-K&ouml;nnerInnen mit ihrer Spielfreude weiterhin eine gesicherte Existenz haben, braucht es einen gesamtgesellschaftlichen Wechsel: weg von der erwerbsbasierten Lohnarbeit hin zu einem garantierten Existenz-Minimum. Dies w&uuml;rde auch den f&auml;higsten SportlerInnen heutiger sogenannter Randsportarten (alles ausser Fussball \ud83d\ude09 erm&ouml;glichen, ihre F&auml;higkeiten unabh&auml;ngig von Existenzsorgen unter Beweis zu stellen &#8211; Gewinn f&uuml;r den Spielcharakter des Sports. Gleiches gilt auch f&uuml;r Kultur-AkteurInnen &#8211; auch kommerzielle Kunst erfordert heute Geldmaschinen! Stadien f&uuml;r den Sport sind nicht ohne Grund regelm&auml;ssig Arenen f&uuml;r Kunst und Kultur &#8211; aber in erster Linie B&uuml;hnen des Kommerzes. Mehr dazu <a href=\"http:\/\/www.initiative-grundeinkommen.ch\/\" target=\"_blank\">siehe hier<\/a>.<\/p>\n<p>R&uuml;ckkehr zur Unmittelbarkeit des Sportes &#8211; weniger Gewicht auf die Fernseh&uuml;bertragung von Sportanl&auml;ssen.<br \/>\n<br \/>Als erster Schritt: pro Stadion ist h&ouml;chstens eine Kamera zugelassen, mit Vorteil als Helmkamera beim Schiedsrichter. Dann sehen endlich s&auml;mtliche ZuschauerInnen am TV das gleiche wie der Schiedsrichter.<\/p>\n<p>Abschaffung von Nationalmannschaften &#8211; gute Clubmannschaften sind einer zusammengew&uuml;rfelten Nationalmannschaft spielerisch mindestens ebenb&uuml;rtig. Und da in Clubmannschaften den spielerischen F&auml;higkeiten mehr Gewicht zukommt als der Nationalit&auml;t, h&auml;tten Nationalismus und Chauvinismus weniger N&auml;hrboden.<\/p>\n<p>Abschaffung des Penalty-Schiessens bei K.O.-Runden &#8211; Ersatz z.B. durch 22-fachen M&uuml;nzenwurf. Wenn zwei Mannschaften nach 120 Minuten keine eindeutige Situation geschaffen haben, kann nur der Zufall helfen &#8211; Penalties als Strafstoss haben nach 120 Minuten intensivem Spiel einen willk&uuml;rlichen Charakter. Auch der Sport muss lernen, dass es nicht zwingend Sieger und Verlierer braucht! Darum mit dem mehrfachen M&uuml;nzenwurf signalisieren, dass es bei einem solchen Vorgang ausschliesslich um Zufall geht.<\/p>\n<p>Schaffung einer UNO-Weltorganisation f&uuml;r Sport, um die absolutistischen und reichen Sport-Verb&auml;nde an parastaatlicher Machtballung zu hindern.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Fussball ist nur ein Beispiel &#8211; auch weitere Sportarten, aber auch Kultur!<\/p>\n<p>Der Kantonsrat des Kantons Z&uuml;rich hat sich am 30. Oktober 2006 mit dem Rahmenkredit f&uuml;r das Opern-Haus Z&uuml;rich besch&auml;ftigt. Nur mit Stichentscheid des Ratspr&auml;sidenten wurde diesem Kredit zugestimmt. Ein Aspekt dieses Kredites &#8211; insbesondere die Erh&ouml;hung gegen&uuml;ber dem vorangehenden Rahmenkreidt &#8211; ist die Gagenteuerung, vor allem f&uuml;r die internationalen Stars, die grossen S&auml;ngerinnen und S&auml;nger der Opernwelt. Wie im Sport, wie in der Wirtschaft gibt es eben auch in der Kultur AbzockerInnen, die f&uuml;r ihre &#8211; nicht immer nur sehr gute &#8211; Arbeit Star-Gagen beanspruchen. Auch hier w&uuml;rden Elemente wie <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/bedingungsloses-grundeinkommen-fur-alle-ist-dringend\/\" target=\"_blank\">bedingungslose Grundeinkommen f\u00fcr alle<\/a> wesentliche Erleichterung bringen, und zudem einen erheblichen Beitrag zur Kulturf&ouml;rderung und zur Demokratisierung des Kunstverst&auml;ndnisses leisten: nicht nur die Super-Stars, sondern auch Kulturschaffende in eher randst&auml;ndigen Kulturbereichen k&ouml;nnten unabh&auml;ngig von Erfolgsdruck ihre k&uuml;nstlerischen Talente nutzen!<\/p>\n<hr \/>\n<p>Doping besonders im Radsport geh&ouml;rt auch zur Geldmaschine Sport. Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ist die menschliche Leistungsf&auml;higkeit begrenzt. Irgendwann kommt der Punkt, wo es nicht mehr m&ouml;glich ist, ohne Raubbau am K&ouml;rper immer noch schneller einen Berg hinaufzufahren. Ausser eben: man hilft mit leistungssteigernden Mitteln nach! Dabei spielt gar keine Rolle, ob das einige wenige oder alle tun &#8211; es dient letztlich der Absicht, mit dem Sport Velorennfahren noch mehr Geld f&uuml;r diese Sportart verf&uuml;gbar zu machen, denn dies funktioniert in erster Priorit&auml;t &uuml;ber das Medien- und damit das Publikumsecho. Und dieses Echo ist dann am gr&ouml;ssten, wenn immer neue Rekorde zu verzeichnen sind.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Noch etwas. W&auml;re der FC Basel in der Schweizer Fussballmeisterschaft 2006\/2007 Meister geworden, wenn es denn &#8222;Fall Muntwiler&#8220; nicht gegeben h&auml;tte? Das w&uuml;rde voraussetzen, dass s&auml;mtliche Spiele gleich geendet h&auml;tten wie mit dem &#8222;Fall Muntwiler&#8220; &#8211; da davon auszugehen ist, dass auch beim Fussball ein gewisser Zufall herrscht, ist dies sehr unwahrscheinlich.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Als Gedankenexperiment: ist auszuschliessen, dass im Schweizer Fussball Spielresultate nicht k&auml;uflich sind? Was w&auml;re, wenn sie es doch w&auml;ren? Wie sind beispielsweise die eigenartigen Tore im Spiel FC Basel gegen Young Bern vom 24. Mai 2007 erkl&auml;rbar? Und wie ein Penalty-Entscheid in der letzten Minute des Finalspiels des Schweizer Cups FC Basel gegen FC Luzern am 28. Mai 2007, der auf ein Ereignis zur&uuml;ckgeht, das die Schiedsrichterin wahrscheinlich nicht direkt gesehen hat? Es handelt sich um eine Tatsachenentscheidung, aber um eine solche, die schlicht die Frage in den Raum stellt: was w&auml;re, wenn hier ziemlich viel Geld f&uuml;r die Beteiligten im Einsatz gewesen w&auml;re? Um solche Spekulationen zum Vorneherein auszuschliessen, ist es zwingend erforderlich, den Sport zu entkommerzialisieren!<\/p>\n<hr \/>\n<p>Nachtrag 22.3.09<\/p>\n<p>Zuerst im Cupspiel gegen den FC Basel einen eindeutig falschen Penalty, dann auch im Meisterschaftsspiel gegen YB gerade zwei eindeutig falsche Penalties: innerhalb von wenigen Tagen hat der FC Z\u00fcrich durch krasse Schiedsrichterfehlleistungen zwei zentrale Spiele verloren. Offenbar ist es im Schweizer Fussballsport m\u00f6glich, Spielergebnisse zu kaufen! H\u00e4misch reden dann jeweils die Verantwortlichen der anderen Mannschaften, die Medien und die Fans von schlechten Verlierern. Wie gesagt, w\u00e4re Fussball bloss ein Spiel, k\u00f6nnte man dies so sehen. Da leider leider Fussball ein Gesch\u00e4ft ist, sinkt der Marktwert sowohl der missbr\u00e4uchlich verlierenden Mannschaft als auch ihrer Spieler erheblich &#8211; neben den sportlichen Aspekten verf\u00e4lschen also derart massive Schiedsrichterfehler auch den Markt. Auch dies ist nur damit erkl\u00e4rbar, dass da Kr\u00e4fte am Werk sind, die \u00f6konomische Interessen an diesen Marktgewinnen und -verlusten haben. Nachdem die Gierigen schon das Finanzsystem korrumpiert und damit erheblich gest\u00f6rt haben, versuchen sie es jetzt offenbar auch im Sport. Da gibts nur wenige L\u00f6sungen: <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/bedingungsloses-grundeinkommen-fur-alle-ist-dringend\/\" target=\"_blank\">bedingungsloses Grundeinkommen f\u00fcr alle<\/a> und v\u00f6llige Entkommerzialisierung des Fussballs wie des gesamten Sports.  <\/p>\n<hr \/>\n<p>Erste Fassung w8.5.2007<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Begriffspaar &#8222;Panem et circenses&#8220; (Brot und (Zirkus-)Spiele) pr&auml;gte der r&ouml;mische Dichter Juvenal. 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