{"id":2921,"date":"2011-05-28T13:31:14","date_gmt":"2011-05-28T11:31:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=2921"},"modified":"2019-07-09T20:28:40","modified_gmt":"2019-07-09T18:28:40","slug":"fur-eine-starke-energielenkungsabgabe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/fur-eine-starke-energielenkungsabgabe","title":{"rendered":"F\u00fcr eine starke Energielenkungsabgabe"},"content":{"rendered":"<p>Echte Energiepolitik braucht eine Vielzahl von Elementen. Ein wichtiger Aspekt sind die Energiekosten. Nach wie <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/nach-wie-vor-lugen-die-energiepreise-subventionen-fuhren-nicht-weiter\" target=\"_blank\">l\u00fcgen die Energiekosten<\/a> &#8211; mit stark lenkenden, vollst\u00e4ndig an Haushalte und Wirtschaft zur\u00fcckerstatteten Energieabgaben k\u00f6nnen auch \u00f6konomische Signale die energiepolitische Weiterentwicklung hin zu einer <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/nach-nuklear-und-nach-fossil-heute-beginnen\" target=\"_blank\">post-fossilen und post-nuklearen Energieversorgung<\/a> kr\u00e4ftig unterst\u00fctzen. Wenn <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/Lenkungsabgabe-ohne-Chance-\/story\/27423341\" target=\"_blank\">PolitikerInnen dieses Instrument ablehnen,<\/a> zeigt sich einmal mehr: eigentlich w\u00e4re die Gesellschaft zum energiepolitischen Wandel bereit, die Politik ist es noch nicht!<\/p>\n<p><!--more--> <\/p>\n<p>Dies beginnt schon damit, dass v\u00f6llig falsch informiert wird: da wird behauptet, der Strompreis m\u00fcsse um einen Faktor 3 steigen, der Preis f\u00fcr Heiz\u00f6l m\u00fcsse verdoppelt werden, den Preis f\u00fcr Benzin m\u00fcsse man auf vier Franken anheben. Das ist hochgradiger Unsinn &#8211; oder eine L\u00fcge mehr zu den Energiepreisen. Ganz banal: <strong>mit einer vollst\u00e4ndig an Haushalte und Wirtschaft r\u00fcckerstatteten stark lenkenden Energieabgabe ver\u00e4ndert sich im Mittel aller Haushalte und Unternehmen der Energiepreis nicht<\/strong>! Wer bis jetzt verschwenderisch mit der Energie umgegangen ist, zahlt zwar zuk\u00fcnftig tats\u00e4chlich mehr f\u00fcr die Energie, daf\u00fcr zahlen jene weniger, die all die Appelle und freiwilligen Anreize zur Kenntnis genommen haben und eigenverantwortlich gehandelt haben damit den Energieverbrauch vermindert haben. Damit werden unter anderem auch die volkswirtschaftlich erw\u00fcnschten Investitionen in Energieeffizienztechnologien und Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien lohnender. <\/p>\n<p>Zur Illustration des Effekts einer Energielenkungsabgabe habe ich am Beispiel des Stromverbrauchs gleichartiger Haushalte (=gleiche Personenzahl, nur \u00fcbliche Stromanwendungen, ohne Warmwasser, ohne W\u00e4rmepumpe) ein einfaches Modell durchgerechnet. Ich gehe von einem Strompreis von 20 Rappen pro Kilowattstunde (kWh) aus &#8211; die Erfahrungen zeigen, dass solche Haushalte sicher einen Unterschied im Stromverbrauch von Faktor 2 haben &#8211; die verschwenderischen Haushalte brauchen also doppelt so viel Strom wie die sparsamen Haushalte. Bei einer Lenkungsabgabe, die doppelt so hoch wie der heutige Strompreis ist, und bei 2 % Verwaltungskosten f\u00fcr die buchhalterische Bewirtschaftung der Abgabe, ergeben sich die in der Tabelle dargestellten finanziellen Auswirkungen f\u00fcr die verschiedenen Haushalte: <\/p>\n<table border=\"1\">\n<tr>\n<td>Energieeffizienzklasse Haushalte<\/td>\n<td>Anteil solcher Haushalte<br \/>[%]<\/td>\n<td>Jahresstromverbrauch<br \/>[kWh]<\/td>\n<td>Stromkosten heute<br \/>[Franken\/Jahr]<\/td>\n<td>Stromkosten mit r\u00fcckerstatteter Lenkungsabgabe<br \/>[Franken\/Jahr]<\/td>\n<\/tr>\n<tr bgcolor=\"009933\">\n<td align=\"center\">A+++<\/td>\n<td align=\"right\">3<\/td>\n<td align=\"right\">2350<\/td>\n<td align=\"right\">470<\/td>\n<td align=\"right\">28<\/td>\n<\/tr>\n<tr bgcolor=\"#339933\">\n<td align=\"center\">A++<\/td>\n<td align=\"right\">4<\/td>\n<td align=\"right\">2611<\/td>\n<td align=\"right\">522<\/td>\n<td align=\"right\">185<\/td>\n<\/tr>\n<tr bgcolor=\"#99cc33\">\n<td align=\"center\">A+<\/td>\n<td align=\"right\">8<\/td>\n<td align=\"right\">2872<\/td>\n<td align=\"right\">574<\/td>\n<td align=\"right\">342<\/td>\n<\/tr>\n<tr bgcolor=\"#ffff00\">\n<td align=\"center\">A<\/td>\n<td align=\"right\">15<\/td>\n<td align=\"right\">3133<\/td>\n<td align=\"right\">627<\/td>\n<td align=\"right\">498<\/td>\n<\/tr>\n<tr bgcolor=\"#ff9900\">\n<td align=\"center\">B<\/td>\n<td align=\"right\">20<\/td>\n<td align=\"right\">3394<\/td>\n<td align=\"right\">679<\/td>\n<td align=\"right\">655<\/td>\n<\/tr>\n<tr bgcolor=\"#cc6600\">\n<td align=\"center\">C<\/td>\n<td align=\"right\">20<\/td>\n<td align=\"right\">3656<\/td>\n<td align=\"right\">731<\/td>\n<td align=\"right\">812<\/td>\n<\/tr>\n<tr bgcolor=\"#cc0000\" style=\"color:#FFFFFF;\">\n<td align=\"center\">D<\/td>\n<td align=\"right\">15<\/td>\n<td align=\"right\">3917<\/td>\n<td align=\"right\">783<\/td>\n<td align=\"right\">968<\/td>\n<\/tr>\n<tr bgcolor=\"#cc0000\" style=\"color:#FFFFFF;\">\n<td align=\"center\">E<\/td>\n<td align=\"right\">8<\/td>\n<td align=\"right\">4178<\/td>\n<td align=\"right\">836<\/td>\n<td align=\"right\">1125<\/td>\n<\/tr>\n<tr bgcolor=\"#cc0000\" style=\"color:#FFFFFF;\">\n<td align=\"center\">F<\/td>\n<td align=\"right\">4<\/td>\n<td align=\"right\">4439<\/td>\n<td align=\"right\">888<\/td>\n<td align=\"right\">1282<\/td>\n<\/tr>\n<tr bgcolor=\"#cc0000\" style=\"color:#FFFFFF;\">\n<td align=\"center\">G<\/td>\n<td align=\"right\">3<\/td>\n<td align=\"right\">4700<\/td>\n<td align=\"right\">940<\/td>\n<td align=\"right\">1438<\/td>\n<\/tr>\n<\/table>\n<p>In Worten: die energieeffizientesten Haushalte zahlen kaum mehr etwas f\u00fcr den Strom, w\u00e4hrend die Stromschleuderhaushalte rund 50 % mehr f\u00fcr den Strom bezahlen. Und wie von mir vorausgesagt: Beim Durchschnittshaushalt &#8211; in der Tabelle zwischen den Effizienzklassen B und C gelegen &#8211; gibt es keine Ver\u00e4nderung der Stromkosten. VielverbraucherInnen (egal ob wegen ineffizienten Ger\u00e4ten oder energetisch suboptimalen Verhaltensweisen) zahlen mehr f\u00fcr den Strom, sparsame NutzerInnen (mit sowohl effizienten Ger\u00e4ten als auch energieoptimiertem Verhalten) werden finanziell belohnt. Im Mittel aller Haushalte gibt es keine Ver\u00e4nderung der Stromkosten &#8211; zur Beeinflussung des &#8222;mittleren Marktes&#8220; braucht es also weitere Massnahmen, etwa strengere Energieeffizienzvorgaben f\u00fcr Ger\u00e4te, z.B. nach dem Top-Runner-Ansatz.    <\/p>\n<p>Dieses Beispiel wurde aus illustrativen Gr\u00fcnden allein f\u00fcr den Stromverbrauch vergleichbarer Haushalte erstellt. Wie der Titel zeigt, geht es nicht ausschliesslich um eine Stromlenkungsabgabe, sondern eben um eine Energieabgabe (darum oben die Klammer mit dem Hinweis darauf, dass in diesen vergleichbaren Haushalten weder ein elektrischer Wassererw\u00e4rmer steht noch eine W\u00e4rmepumpe eingesetzt wird). Damit die Energielenkungsabgabe nicht zu unerw\u00fcnschten Verbrauchsverlagerungen f\u00fchrt &#8211; es ist zweckm\u00e4ssig, zuk\u00fcnftig f\u00fcr Raumheizung und Wassererw\u00e4rmung auf W\u00e4rmepumpen mit elektrischem Antrieb zu setzen und gleichzeitig energetische Verbesserungen am Geb\u00e4ude vorzunehmen, was den Stromverbrauch geringf\u00fcgig erh\u00f6ht, den Verbrauch an fossilen Brennstoffen deutlich vermindert -, ist diese f\u00fcr alle Energietr\u00e4ger einzuf\u00fchren. Die <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/das-gebaudeprogramm-abschaffen\" target=\"_blank\">heutige nicht-lenkende CO<sub>2<\/sub>-Abgabe mit teilweiser Zweckbindung f\u00fcr &#8222;Das Geb\u00e4udeprogramm&#8220;<\/a> ist durch eine stark lenkende Energieabgabe auch auf die fossilen Brenn- und Treibstoffe zu ersetzen. <\/p>\n<p>Weil s\u00e4mtliche inl\u00e4ndischen Unternehmungen in das System der stark lenkenden Energieabgaben einbezogen sind, braucht es keine Sonderregelungen f\u00fcr sogenannt energieintensive Branchen &#8211; auch hier sollen jene bevorzugt werden, die eigenverantwortlich bereits gehandelt haben. Was es allerdings braucht, ist eine Entlastung von Exportprodukten und eine Belastung von Importprodukten. Dies kann \u00fcber den Preis der Produkte und die branchentypischen Energieintensit\u00e4ten parallel zu den Verzollungsgeb\u00fchren abgewickelt werden &#8211; es handelt sich um ein klassisches Buchhaltungsthema.<\/p>\n<p>Aus meiner langj\u00e4hrigen Besch\u00e4ftigung mit diesem Thema hat sich auch herausgestellt, woher der Widerstand gegen die stark lenkende, vollst\u00e4ndig an Haushalte und Wirtschaft zur\u00fcckerstattete Energieabgabe kommt: es gibt unabh\u00e4ngig von der politischen Haltung sehr viele Menschen, die die Transparenz scheuen, welche eine solche Abgabe bewirkt &#8211; je nach Geldbilanz (Abgabenbetrag gr\u00f6sser oder kleiner als R\u00fcckerstattung) w\u00fcsste man sogar selber, ob man als &#8222;Klimaschweinchen&#8220; oder als &#8222;\u00d6kosternchen&#8220; lebt. Und genau diese Transparenz m\u00f6chten viele, die zwar viel \u00fcber \u00d6kologie und Vorbild und so weiter schwatzen, schlicht nicht haben. Dies hat damit zu tun, dass die grosse Mehrheit der SchweizerInnen sich selber als umweltfreundlicher einsch\u00e4tzt als den Rest der Bev\u00f6lkerung &#8211; diese Lebensl\u00fcge w\u00fcrde im individuellen Bereich durch eine solche Abgabe schonungslos aufgedeckt. <\/p>\n<hr \/>\n<p>Auch an dieser Stelle deshalb der Hinweis auf freiwillige Transparenz-Tools in Sachen \u00d6ko-Rating des eigenen Verhaltens:<\/p>\n<ul>\n<li>Im Strombereich bietet <a href=\"http:\/\/www.energybox.ch\" target=\"_blank\">energybox<\/a> ein Ratingtool zur Beurteilung des Haushalt-Stromverbrauchs &#8211; eine <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/oekostrom\/stromcalc.htm\" target=\"_blank\">einfache und uralte Version ist auch hier<\/a> zu finden.<\/li>\n<li>Zur Gesamtbeurteilung kann der <a href=\"https:\/\/private.ecospeed.ch\/private\/\" target=\"_blank\">ECOPRivate-Rechner<\/a> mit vergleichbarer Methodik wie die <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/2000-watt-gesellschaft-wenn-physik-energie-und-klimaschutzpolitisch-wird\" target=\"_blank\">2000-Watt-Gesellschaft<\/a> verwendet werden, ebenso die Idee des <a href=\"http:\/\/www.footprint.ch\" target=\"_blank\">\u00f6kologischen Fussabdrucks<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Echte Energiepolitik braucht eine Vielzahl von Elementen. Ein wichtiger Aspekt sind die Energiekosten. Nach wie l\u00fcgen die Energiekosten &#8211; mit stark lenkenden, vollst\u00e4ndig an Haushalte und Wirtschaft zur\u00fcckerstatteten Energieabgaben k\u00f6nnen auch \u00f6konomische Signale die energiepolitische Weiterentwicklung hin zu einer post-fossilen und post-nuklearen Energieversorgung kr\u00e4ftig unterst\u00fctzen. 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