{"id":2808,"date":"2011-04-09T11:37:34","date_gmt":"2011-04-09T09:37:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=2808"},"modified":"2012-12-27T19:01:30","modified_gmt":"2012-12-27T18:01:30","slug":"offene-e-mail-an-die-urek-n","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/offene-e-mail-an-die-urek-n","title":{"rendered":"Offene E-Mail an die UREK-N: Klimaschutz und Atomausstieg geh\u00f6ren zusammen"},"content":{"rendered":"<p>Was ist wichtiger, Klimaschutz oder Atomausstieg? Mit dieser absurden Frage scheint sich derzeit die nationale Politik zu besch\u00e4ftigen, etwa im Zusammenhang mit der <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/Benzinabgabe-ohne-Chance--kommt-jetzt-der-Klimafuenfer\/story\/26608430\" target=\"_blank\">Klimaschutz-Gesetzgebung<\/a> auf nationaler Ebene. Jede ernsthafte Energiepolitik ist eine Energiepolitik, die sich auf den Weg macht aus der fossil-nuklearen Sackgasse, die sich bereit macht f\u00fcr eine <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/nach-nuklear-und-nach-fossil-heute-beginnen\" target=\"_blank\">post-nukleare und post-fossile Energiezukunft<\/a>. Die absurde Frage nach dem Primat von Klimaschutz oder Atomausstieg signalisiert, dass die Schweiz keine ernsthafte und glaubw\u00fcrdige Energiepolitik betreibt.<!--more--><\/p>\n<p>Einzelne Mitglieder der UREK-N (nationalr\u00e4tliche Kommission f\u00fcr Umwelt, Raumplanung und Verkehr) erw\u00e4gen offenbar mit Hinweis auf die sich abzeichnenden energiepolitischen Massnahmen aufgrund der politischen Aufarbeitung des schweren Atomunfalls im japanischen Fukushima, den Klimaschutz zu schw\u00e4chen und einmal mehr symbolische Klimaschutzmassnahmen zu beschliessen.<\/p>\n<p>Diverse Studien aus aller Welt zeigen eindeutig, dass nur eine Kombination von Klimaschutzmassnahmen und der Umstellung der gesamten Energieversorgung auf erneuerbare, nachhaltig genutzte Energiefomen zukunftsf\u00e4hig sind. Auf polit-strategischer Ebene zeigt das <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/das-ausmass-des-vor-uns-liegenden-ubergangs-ist-kaum-zu-uberschatzen\" target=\"_blank\">Hauptgutachten 2011 \u201cWelt im Wandel \u2013 Gesellschaftsvertrag f\u00fcr eine Grosse Transformation\u201d des Wissenschaftlichen Beirats der (deutschen) Bundesregierung Globale Umweltver\u00e4nderungen (WBGU)<\/a>, dass ein entschlossenes und zielorientiertes Handeln erforderlich ist, um die sich stellenden globalen Herausforderung bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. All die Studien zeigen zudem: die aktuelle Politik ist das gr\u00f6sste Hemmnis zur Umsetzung einer zukunftsf\u00e4higen Energie- und Klimaschutzpolitik!<\/p>\n<p>Eine ernsthafte und glaubw\u00fcrdige Energie- und Klimaschutzpolitik ist in der Schweiz nicht einmal in Ans\u00e4tzen erkennbar. Die Interessen der Erd\u00f6lwirtschaft, die vermeintlichen Interessen der z\u00f6gerlichen Hauseigent\u00fcmerverb\u00e4nde, die Interessen der vereinigten Lobby der Stromindustrie-Verwaltungsr\u00e4tInnen insbesondere b\u00fcrgerlicher PolitikerInnen, die Interessen der nach wie vor autozentrierten Verkehrspolitik mit ihren vielen in der Regel nicht relevanten Partikul\u00e4ranliegen f\u00fchrt zu grotesken Politikentscheiden. Das Einverst\u00e4ndnis der Erd\u00f6lwirtschaft oder der tr\u00e4gen vorgeblich \u00f6ffentlichen Stromversorgungsunternehmen mit den beschlossenen Massnahmen ist wegen der traditionellen Verflechtung von Politik und Energiewirtschaft wichtiger als die Erreichung der wissenschaftlich begr\u00fcndeten Energie- und Klimaschutzziele. Damit die zivilgesellschaftlichen PionierInnen einer zukunftsf\u00e4higen Energieversorgung und ihre willigen NachahmerInnen einigermassen zufrieden gestellt sind, erfindet die Politik immer wieder Z\u00fcckerchen wie die v\u00f6llig unbrauchbare und unwirksame <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/weg-von-der-subventionitis-keine-forderbeitrage-oder-einspeisevergutungen\" target=\"_blank\">Einspeiseverg\u00fctung<\/a> oder die <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/das-gebaudeprogramm-abschaffen\" target=\"_blank\">kontraproduktive Teilzweckbindung<\/a> der als stark lenkend angedachten CO<sub>2<\/sub>-Abgabe.<\/p>\n<p>Auf umweltnetz.ch sind bereits mehrfach die Hauptstr\u00e4nge einer zukunftsgerichteten Energie- und Klimaschutzpolitik f\u00fcr das post-fossile und post-nukleare Zeitalter, beispielsweise zur Konkretisierung der <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/2000-watt-gesellschaft-wenn-physik-energie-und-klimaschutzpolitisch-wird\" target=\"_blank\">Vision der 2000-Watt-Gesellschaft<\/a>, dargelegt worden &#8211; als Copy-Paste aus dem Beitrag <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/nach-nuklear-und-nach-fossil-heute-beginnen\" target=\"_blank\">post-nukleare und post-fossile Energiezukunft<\/a>. Als Quintessenz: Klimaschutz und Atomausstieg geh\u00f6ren zusammen &#8211; wie schnell sich die angestrebten Ziele erreichen lassen, wird durch die Vorgaben der Politik bestimmt:<\/p>\n<ul>\n<li>Auch wenn mich die Verwendung der milit\u00e4rnahen Terminologie st\u00f6rt: es braucht eine Anbauschlacht, es braucht einen &#8222;<a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/von-flopenhagen-zu-cancun-luftballons\" target=\"_blank\">Plan Wahlen<\/a>&#8222;.<\/li>\n<li>Auch wenn dies auf den ersten Blick \u00fcberrascht: s\u00e4mtliche Subventionen und F\u00f6rderbeitr\u00e4ge im Energiebereich sind blitzartig abzuschaffen, egal, ob sie Das Geb\u00e4udeprogramm, Einspeiseverg\u00fctung oder Stromsparfonds heissen. F\u00f6rderbeitr\u00e4ge signalisieren, dass es um Aktivit\u00e4ten f\u00fcr Willige, f\u00fcr First Mover, geht. Diese Phase ist in der Energiepolitik nicht erst seit Fukushima-Daiichi vorbei: Energie- und Klimaschutzpolitik geh\u00f6ren zum &#8222;Standardprogramm&#8220; und erfordern keine F\u00f6rderung.<br \/>Festzuhalten ist, dass finanzielle F\u00f6rderungen (siehe die fr\u00fcheren Landwirtschaftssubventionen) schlussendlich kontraproduktiv sind, da sie die Entwicklung blockieren: was gef\u00f6rdert wird, darf relativ viel kosten, mit F\u00f6rderung werden h\u00e4ufig die Knowhow-Defizite aller EntscheiderInnen und AkteurInnen zum Beispiel in der Wohnungswirtschaft kompensiert.<\/li>\n<li>Anstelle der Subventionen tritt eine sehr stark lenkende, vollst\u00e4ndig r\u00fcckerstattete Energieabgabe. Das Gejammer von SVP FDP und CVP (z.B. bei den Diskussionen M\u00e4rz 2011 im St\u00e4nderat anl\u00e4sslich der Revision der Bestimmungen des CO2-Gesetzes zur CO2-Abgabe), dies erh\u00f6he die Energiekosten, ist pure Dummheit. Volkswirtschaftlich betrachtet handelt es sich bis auf die Administrativkosten um ein Nullsummenspiel: Jene, die deutlich \u00fcber dem Durchschnitt Energie verbrauchen, haben zwar mehr zu bezahlen; daf\u00fcr werden jene entlastet, die bereits Massnahmen realisiert hat. Wichtig sind auch weitere Lenkungsabgaben &#8211; zum Beispiel eine Wohnfl\u00e4chen-Lenkungsabgabe!<\/li>\n<li>Mit der Freiwilligkeit im Energie- und Klimaschutzbereich wurde in den letzten 30 Jahren ausreichend experimentiert. Klares Fazit: viel zu wenig wirksam, man spricht immer die gleichen Marktsegmente an &#8211; f\u00fcr den Gesamtmarkt braucht es einen klaren gesetzlichen Rahmen. Energieeffizienz und erneuerbare Energien sind wichtige Handlungsebenen f\u00fcr Haushalte und Wirtschaft &#8211; die Erreichung der energie- und klimaschutzpolitischen Ziele wird wesentlich vereinfacht durch den Einbezug der Suffizienz, der Strategie der freiwilligen Einfachheit (<a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/lohas-sind-out-den-lovos-gehoert-die-zukunft\" target=\"_blank\">LOVOS<\/a>)<\/li>\n<li>Gerade im Geb\u00e4udebereich dominiert Massnahmen- statt Wirkungspolitik. Es werden Sonnenkollektorfl\u00e4chen unabh\u00e4ngig von ihrem Ertrag gef\u00f6rdert &#8211; und es interessiert folglich auch niemanden, was die Wirkung dieses Kollektors ist (P.S. Im Mittel aller Anlagen: erschreckend mager!). In den Gesetzen sind Wirkungsziele festzuhalten. Im Geb\u00e4udebereich etwa: <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/fdp-von-energiepolitik-schlicht-keine-ahnung\" target=\"_blank\">Alle Geb\u00e4ude erreichen bis z.B. 2025 den Energieverbrauchslevel B (besser w\u00e4re sogar A)<\/a>. Bei den elektrischen Ger\u00e4ten ist endlich die Energieetikette so zu gestalten, dass A die besten und C die schlechtesten im Markt verf\u00fcgbaren Ger\u00e4te sind &#8211; die A+-, A++- und A+++-Klassen etwa bei den K\u00fchlger\u00e4ten als kommunikativer Killer (A ist doch am Anfang, also das beste, da ist nicht nachvollziehbar, dass A+++ noch besser sein soll) sind abzuschaffen.<\/li>\n<li>Es braucht eine massive Aus- und Weiterbildungsinitiative: es gibt nicht nur in der Schweiz bei weitem nicht gen\u00fcgend Fachleute, die in der Lage sind, die erforderlichen Massnahmen zur Erreichung der ambiti\u00f6sen Energie- und Klimaschutzpolitik-Ziele zu erreichen. Ein Link aus Deutschland: <a href=\"http:\/\/www.umweltbundesamt.de\/uba-info-presse\/2011\/pd11-011_klimaschutz_fachkraeftemangel_behindert_energetische_gebaeudesanierung.htm\" target=\"_blank\">Klimaschutz: Fachkr\u00e4ftemangel behindert energetische Geb\u00e4udesanierung<\/a> &#8211; wie diverse Untersuchungen belegen, ist die Situation in der Schweiz vergleichbar!<\/li>\n<li>Es braucht Massnahmen zur <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/ich-pendle-also-bin-ich\" target=\"_blank\">Verminderung des PendlerInnen-Verkehrs<\/a>, auch wenn derzeit noch wenig Begeisterung f\u00fcr derartige Ideen vorhanden ist. <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/endlich-mit-dem-bau-neuer-strassen-aufhoren\" target=\"_blank\">Ebenfalls ist die Verkehrsfl\u00e4che deutlich zu vermindern<\/a>. <\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p>Als Idee: ein <a href=\"mailto:jacques.bourgeois@sbv-usp.ch,aamstutz@bluewin.ch,elvira.bader@parl.ch,martin.baeumle@parl.ch,elmar.bigger@parl.ch,brunner@svp.ch,sep@cathomas.com,laurent.favre@parl.ch,bastien.girod@parl.ch,hans.grunder@grunder.ch,beat.jans@ecos.ch,hans.killer@parl.ch,filippo.leutenegger@neue-ideen.ch,ruedilustenberger@bluewin.ch,werner.messmer@messmer.ch,cn@roger-nordmann.ch,enussbaumer@vtxmail.ch,guyparmelin@bluewin.ch,hr@rutschmann.ch,roberto.schmidt@parl.ch,doris.stump@parl.ch,f.teuscher@bluewin.ch,christian.vansinger@parl.ch,christian@cewe.ch,info@walter-wobmann.ch,info@ursulawyss.ch,UREK.CEATE@parl.admin.ch?subject=Klimaschutz%20und%20Atomausstieg%20geh&ouml;ren%20zusammen\">E-Mail an die Mitglieder der UREK-N<\/a> als Hinweis darauf, dass Klimaschutz und Atomausstieg zusammengeh\u00f6ren!   <\/p>\n<hr \/>\n<p>Im \u00fcbrigen: Der Computer und die IT-Infrastruktur zur Erstellung dieser Internet-Seite werden mit <a href=\"http:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/content\/ewz\/de\/index\/energie\/stromprodukte-zuerich\/stromprodukte_zuerich_2013\/energie_privat\/ewz_solartop_2013\/preiskomponenten_privat.html\" target=\"_blank\">ewz.solartop, dem Solarstromangebot von ewz<\/a>, betrieben &#8211; als ein pers\u00f6nlicher Beitrag zur <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/atomenergie-endlich-abwahlen\" target=\"_blank\">Abwahl der Atomenergie<\/a>!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist wichtiger, Klimaschutz oder Atomausstieg? Mit dieser absurden Frage scheint sich derzeit die nationale Politik zu besch\u00e4ftigen, etwa im Zusammenhang mit der Klimaschutz-Gesetzgebung auf nationaler Ebene. Jede ernsthafte Energiepolitik ist eine Energiepolitik, die sich auf den Weg macht aus der fossil-nuklearen Sackgasse, die sich bereit macht f\u00fcr eine post-nukleare und post-fossile Energiezukunft. 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