{"id":2729,"date":"2011-03-26T11:01:33","date_gmt":"2011-03-26T10:01:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=2729"},"modified":"2011-08-26T16:03:09","modified_gmt":"2011-08-26T14:03:09","slug":"das-gebaudeprogramm-abschaffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/das-gebaudeprogramm-abschaffen","title":{"rendered":"Das Geb\u00e4udeprogramm abschaffen"},"content":{"rendered":"<p>Die Anpassung der F\u00f6rders\u00e4tze bei &#8222;Das Geb\u00e4udeprogramm&#8220; illustriert einmal mehr, dass finanzielle F\u00f6rderbeitr\u00e4ge keinem zweckm\u00e4ssigen Beitrag zur Klimaschutz- und Energiepolitik leisten. Eine stark lenkende, vollst\u00e4ndig zur\u00fcckerstattete Energieabgabe, ein Sanierungsobligatorium f\u00fcr bestehende Bauten in Verbindung mit Vorschriften f\u00fcr den H\u00f6chstanteil nicht-erneuerbarer Energien f\u00fcr Heizung und Warmwasser und eine Weiterbildungsinitiative sind die <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/nach-nuklear-und-nach-fossil-heute-beginnen\" target=\"_blank\">Ans\u00e4tze f\u00fcr ernsthaften Klimaschutz und eine wirkungsvolle Energiepolitik<\/a> &#8211; alles andere ist \u00d6ko-Romantik.<!--more--><\/p>\n<p>Der Stromsparfonds der Stadt Z\u00fcrich f\u00f6rdert seit mehr als 20 Jahren Sonnenkollektoren &#8211; mit diesen Kollektoren wird Wasser vorgew\u00e4rmt und teilweise die Heizung unterst\u00fctzt. Ziel der F\u00f6rderung ist es, die Marktchancen der gef\u00f6rderten Produkte zu verbessern. In einigen Jahren d\u00fcrften die ersten der Sonnenkollektoren ersetzt werden m\u00fcssen &#8211; selbst der Ersatz bestehender Anlagen m\u00fcsste gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<p>F\u00f6rderbeitr\u00e4ge im Geb\u00e4udebereich vermitteln generell eine falsche Botschaft: wer energetische Massnahmen leistet, tut mehr, als sie oder er m\u00fcsste, und wird daf\u00fcr belohnt! Angesichts des Zustandes des Geb\u00e4udebestandes und der damit verbundenen erheblichen Vernichtung von Verm\u00f6genswerten muss demgegen\u00fcber klar festgehalten werden: Geb\u00e4udeigent\u00fcmerschaften dieses Landes, Sie tun viel zu wenig f\u00fcr eine nachhaltige, auf Dauer angelegte Bewirtschaftung Ihrer Liegenschaften &#8211; dabei geht es um mehr als Energie- und Klimaschutzaspekte.<\/p>\n<p>Die Grundkonzeption der durch die Kantone bestimmten Energiepolitik geht von einem angesichts der Erfordernisse des Klimaschutzes viel zu largen zul\u00e4ssigen Energieverbrauchsniveau aus. Um etwa die Klimaschutzziele zu erreichen, m\u00fcssten die Vorgaben in den kantonalen Energiegesetzen sowohl f\u00fcr Neubauten wie f\u00fcr die Erneuerung bestehender Bauten mindestens halbiert werden &#8211; die Vorschriften m\u00fcssten sogar strenger sein als die erforderlichen Werte f\u00fcr Beitr\u00e4ge von &#8222;Das Geb\u00e4udeprogramm&#8220;! <\/p>\n<p>Ich h\u00f6re bereits das Aufschreien der vereinigten Geb\u00e4udelobby von Hauseigent\u00fcmerInnen- und MieterInnenverb\u00e4nden: solche Massnahmen w\u00e4ren viel zu teuer, dies f\u00fchrt zu einer massiven Verteuerung der Mieten &#8211; obwohl die Politik g\u00fcnstigere Mieten verlangt. Und zudem sei dies nicht bei allen Geb\u00e4uden m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Bei Neubauten treffen diese Vorw\u00fcrfe bei kluger Planung nicht zu &#8211; es gibt gen\u00fcgend Beispiele, die belegen, dass energiegerechte Neubauten nicht teurer sein m\u00fcssen als &#8222;Standardneubauten&#8220;. Dass energetische und klimasch\u00fctzende Sanierungen Kosten zur Folge haben, ist unbestritten. Andererseits ist klar: mit Subventionen lassen sich die Kosten NICHT vermindern, im Gegenteil! Denn Subventionen signalisieren, dass hier etwas gemacht werden soll, was \u00fcber den Standard, das Normale hinausgeht, somit ist die Kostenfrage bez\u00fcglich der Teilaufgabenstellung energetische Massnahmen ein Aspekt dritter oder gar vierter Priorit\u00e4t. Analogie dazu: Die Warteschlangen bei der Lancierung eines neuen Gadgets wie iPhone oder iPad! Im Markt der Geb\u00e4udeerneuerung wird in der Schweiz derzeit etwa 14 Mia Franken pro Jahr ausgegeben &#8211; mit rund 300 Mio Franken werden derzeit energetische Massnahmen gef\u00f6rdert, die rund 1 bis 1.5 Mia Franken Kosten verursachen. Mit diesen insgesamt bescheidenen Impulsen kann es nicht gelingen, die tr\u00e4ge Bauwirtschaft dazu zu bewegen, sich auf die Realisierung kosteng\u00fcnstiger, wirksamer Energieeffizienzmassnahmen zu fokussieren. Oder anders: die aktuellen Subventionen tragen zur Strukturerhaltung in der alles andere als zukunftsorientierten Bauwirtschaft bei.<\/p>\n<p>Illustrieren l\u00e4sst sich dies am Beispiel der Fenster. Fenster haben die k\u00fcrzeste technische Nutzungsdauer der Bauteile an der Fassade. Somit m\u00fcssen Fenster h\u00e4ufig ersetzt werden, bevor Massnahmen an der Fassade erforderlich sind. Bei einem solchen Ersatz ist allerdings bereits zu \u00fcberlegen, wie zuk\u00fcnftig die energetische Qualit\u00e4t der Fassade verbessert wird &#8211; die Fensterleibung etwa wird zur bauschadentr\u00e4chtigen Energieschleuder, wenn diese bei der W\u00e4rmed\u00e4mmung der Fassade nicht mitged\u00e4mmt wird, was aber das Fensterlicht verkleinert. Mit F\u00f6rderbeitr\u00e4gen f\u00fcr den Fensterersatz allein werden solche Aspekte nicht ber\u00fccksichtigt, was dazu f\u00fchrt, dass zuk\u00fcnftig energetisch bessere L\u00f6sungen verhindert werden &#8211; da verkehrt sich Klimaschutz ins Gegenteil. <\/p>\n<p>Die Geb\u00e4udewirtschaft ist gefordert: damit Klimaschutz zum Normalprogramm der Geb\u00e4udebewirtschaftung wird, ist ein massiver Innovationsschub erforderlich, dazu braucht es eine kr\u00e4ftige <strong>Weiterbildungsinitiative<\/strong>. Vertr\u00e4ge zwischen Bauherrschaften und AkteurInnen der Bauwirtschaft haben nicht nur die Kosten zu betreffen, sondern auch die zu erreichenden energetischen Qualit\u00e4ten &#8211; nur so kann erreicht werden, dass pro investierten Franken m\u00f6glichst viel Klimaschutz resultiert.  <\/p>\n<p>Die Teilzweckbindung der CO<sub>2<\/sub>-Abgabe, welche f\u00fcr die Finanzierung von &#8222;Das Geb\u00e4udeprogramm&#8220; eingesetzt wird, ist ein weiterer kritischer Punkt. Die Grundidee der CO<sub>2<\/sub>-Abgabe ist bestechend: wer weniger CO<sub>2<\/sub>-Ausstoss als der Durchschnitt der Bev\u00f6lkerung und der Wirtschaft verursacht, soll f\u00fcr das vorbildliche Verhalten belohnt werden &#8211; wer mehr CO<sub>2<\/sub>-Ausstoss als der Durchschnitt der Bev\u00f6lkerung und der Wirtschaft verursacht, soll dies im Portemonnaie sp\u00fcren. Mit den viel zu tiefen Ans\u00e4tzen des CO<sub>2<\/sub>-Gesetzes und der Teilzweckbindung des Abgabenertrags (=Steuer!) wird diese Idee geradezu ins Gegenteil verdreht. Deshalb: <strong>es muss so rasch als m\u00f6glich eine stark lenkende, vollst\u00e4ndig an Haushalte und Wirtschaft zur\u00fcckerstattete Energieabgabe auf alle Energietr\u00e4ger eingef\u00fchrt werden<\/strong>! <\/p>\n<p>Die bisherige eher episodische und \u00f6koromantisch ausgerichtete Energiepolitik ist eine Massnahmenpolitik und nicht auf die Optimierung der Wirkung ausgerichtet. Dies f\u00fchrt dazu, dass der Rebound-Effekt voll zuschl\u00e4gt. Wer in einem energetisch guten Geb\u00e4ude wohnt, hat den Eindruck, dass die Raumtemperatur doch sicher deutlich h\u00f6her liegen d\u00fcrfe &#8211; in den letzten 20 Jahren ist die typische Raumtemperatur in Wohnbauten um zwei bis drei Kelvin gestiegen, mit der Folge eines 10 bis 15 % h\u00f6heren Energiebedarfs. Oder anders: allein mit der komfortm\u00e4ssig ausreichenden Beschr\u00e4nkung der Raumtemperatur auf 21 Grad Celsius k\u00f6nnten die bescheidenen Kyotoziele im Geb\u00e4udebereich bereits erf\u00fcllt werden! Wir brauchen endlich eine wirkungsorientierte Energiepolitik &#8211; im Geb\u00e4udebereich ist die Vorgabe einer energetischen Qualit\u00e4t von Bauten zwingend: <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/fdp-von-energiepolitik-schlicht-keine-ahnung\" target=\"_blank\">bis 2025 haben alle Bauten mindestens Energieetikette B, besser A zu erreichen<\/a>. Weil eine solche Massnahme alle Eigent\u00fcmerschaften betrifft und nicht nur die Willigen, kann ohne Schwierigkeiten auf die finanzielle F\u00f6rderung verzichtet werden. Festzuhalten ist zudem: F\u00f6rderabgaben werden aus Geldern bezahlt, die von der Allgemeinheit erwirtschaftet werden &#8211; es tragen somit auch jene bei, die ihre klimaschutzpolitischen Hausaufgaben bereits erf\u00fcllt haben. <\/p>\n<p>Diese Massnahmen kosten &#8211; dabei werden aber bereits heute entstehende gesellschaftliche Kosten internalisiert. Wohnen wird teurer, was aber eine erw\u00fcnschte lenkende Wirkung hat: die pro Person beanspruchte Wohnfl\u00e4che hat au Nachhaltigkeitssicht deutlich zu sinken &#8211; insbesondere ist davon abzukommen, eine hohe Wohnfl\u00e4che als w\u00fcnschbaren Luxus zu bezeichnen. Es sei hier wiederholt: <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/mietzinse-sind-ein-spiegelbild-der-wohnflachenanspruche\" target=\"_blank\">die Mietzinssteigerungen der letzten Jahrzehnte sind direkt verursacht durch den Fl\u00e4chenanspruch pro Person<\/a>!<\/p>\n<p>Noch zum Stichwort \u00d6koromantik: gerade die PolitikerInnen aus der \u00f6kologischen Gr\u00fcnderzeit scheinen in dieser Gr\u00fcnderzeit zu verharren. Nicht nur die sogenannten First Movers und die grunds\u00e4tzlich Willigen m\u00fcssen \u00f6kologisch relevante Massnahmen realisieren, um die erforderliche Wirkung zu erzielen, sondern alle Haushalte und die gesamte Wirtschaft &#8211; die \u00f6kologische Pionierzeit ist vorbei. Dies braucht v\u00f6llig andere Ans\u00e4tze &#8211; F\u00f6rdergelder sind nachweislich kontraproduktiv f\u00fcr eine Marktdurchdringung, auch wenn sie politischen Aktivismus suggerieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Anpassung der F\u00f6rders\u00e4tze bei &#8222;Das Geb\u00e4udeprogramm&#8220; illustriert einmal mehr, dass finanzielle F\u00f6rderbeitr\u00e4ge keinem zweckm\u00e4ssigen Beitrag zur Klimaschutz- und Energiepolitik leisten. 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