{"id":2702,"date":"2011-03-20T18:54:54","date_gmt":"2011-03-20T17:54:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=2702"},"modified":"2021-03-11T18:27:30","modified_gmt":"2021-03-11T17:27:30","slug":"nach-nuklear-und-nach-fossil-heute-beginnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/nach-nuklear-und-nach-fossil-heute-beginnen","title":{"rendered":"Nach-nuklear und nach-fossil: heute beginnen!"},"content":{"rendered":"<p>Die verschreckten Reaktionen vieler so genannter EnergiepolitikerInnen insbesondere aus dem &#8222;b\u00fcrgerlichen&#8220; Lager auf den schweren Atomunfall in der japanischen Atomkraftwerke-Grossanlage Fukushima-Daiichi zeigen eines sehr deutlich: in der Schweiz gibt es keine ernsthafte Energie- und Klimaschutzpolitik, es gibt allenfalls Ans\u00e4tze f\u00fcr eine schwache Energiewirtschaftspolitik. Die Impulse, die aufgrund der diversen Erd\u00f6lpreiskrisen seit 1973 und des atomaren Super-Gaus in Tschernobyl (April 1986) feststellbar waren, sind in der Tr\u00e4gheit der Schweizerischen Politik und der Energiewirtschaft geradezu verpufft. Es gibt wenige Ausnahmen: vor allem die gr\u00f6sseren St\u00e4dte sind an den Themen dran geblieben, mit ersten erfreulichen Ergebnissen &#8211; aber auch da bleibt einiges zu tun. Eine fossil- und nuklearfreie Energieversorgung ist grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich &#8211; wie schnell dies machbar ist, h\u00e4ngt ausschliesslich von der Gesellschaft und der Politik ab.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<ul>\n<li>Stadt Z\u00fcrich: nuklearer Anteil in der Stromversorgung etwa ein Viertel,<\/li>\n<li>vom EKZ versorgte angrenzende Gemeinden und St\u00e4dte: Atomstromanteil rund drei Viertel.<\/li>\n<\/ul>\n<p>So pr\u00e4sentierte sich der Stand der Stromqualit\u00e4ten f\u00fcr das Jahr 2009. Die Stadtz\u00fcrcherInnen haben sich gleichzeitig mit dem Entscheid f\u00fcr die 2000-Watt-Gesellschaft am 30. November 2008 f\u00fcr den Ausstieg aus der Atomenergie entschieden, der <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/zurcher-regierungsrat-verstosst-gegen-die-verfassung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Z\u00fcrcher SVP-Regierungsrat Markus K\u00e4gi pl\u00e4dierte Anfang Dezember 2010 f\u00fcr zwei neue Atomkraftwerke in der Schweiz<\/a> (ob er wohl dies nach dem 11.3.2011 immer noch tun w\u00fcrde?). Dermassen offensichtlich pr\u00e4sentieren sich heute die <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/2000-watt-gesellschaft-wenn-physik-energie-und-klimaschutzpolitisch-wird\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Differenzen der Energie- und Klimaschutzpolitik<\/a> zwischen Stadt und Kanton Z\u00fcrich.<\/p>\n<p>Knapp zehn Prozent macht der <a href=\"https:\/\/www.bfe.admin.ch\/bfe\/de\/home\/news-und-medien\/publikationen.exturl.html\/aHR0cHM6Ly9wdWJkYi5iZmUuYWRtaW4uY2gvZGUvcHVibGljYX\/Rpb24vZG93bmxvYWQvNTI1MQ==.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Atomstromanteil<\/a> derzeit am Energieverbrauch der Schweiz aus &#8211; und dieses Atomstrom stammt vorwiegend aus Atom-Reaktoren, die \u00e4hnlich alt oder gar \u00e4lter sind als die Unfall-Reaktoren in Fukushima-Daiichi. Ein m\u00f6glichst schneller Ausstieg ist anzustreben, auch wenn aus <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/pietat-und-ethische-verantwortung-endlich-in-das-post-nukleare-und-post-fossile-zeitalter-eintreten\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ethischer Sicht auch in der Schweiz ein Sofortausstieg aus der Atomenergie<\/a> zu fordern ist. Wenn Politik und Gesellschaft wollen, funktioniert die Stromversorgung der Schweiz sp\u00e4testens in zehn Jahren ohne Atomkraftwerke! Parallel kann auch der Mensch gemachte Treibhausgasausstoss der Schweiz deutlich vermindert werden.<\/p>\n<p>Die SchweizerInnen werden in n\u00e4chster Zeit eine grosse Zahl von Szenarien zur Energie- und Klimaschutzpolitik zu sehen bekommen. Ich pr\u00e4sentiere hier ein an einem Samstag-Morgen erstelltes Einfach-Szenario. Es zeigt: es gibt zu jedem energie- und klimaschutzpolitischen Ziel einen Weg &#8211; Gesellschaft und Politik m\u00fcssen ihn allerdings auch begehen wollen! Ebenso wird es in diesen Szenariendiskussionen immer wieder heissen: &#8222;Es w\u00e4re besser, man w\u00fcrde Massnahme B statt Massnahme A ergreifen&#8220;. Ganz banal: ein &#8222;Oder&#8220; gibt es nicht mehr, es kann nur noch heissen, &#8222;Sowohl als auch und noch viel mehr!&#8220;.<\/p>\n<p>Einige Aspekte meines Szenarios:<\/p>\n<ul>\n<li>Ich zeige die Szenario-Ergebnisse als &#8222;Pro-Person-Werte&#8220; f\u00fcr die Schweiz, ausgehend von der Energiestatistik des Bundes und der Bev\u00f6lkerungszahl f\u00fcr das 2009. Dies illustriert zwei Dinge: Einzubeziehen sind immer auch Suffizienz-\u00dcberlegungen. So darf etwa die Wohnfl\u00e4che pro Person sicher nicht mehr zunehmen (obwohl eigentlich s\u00e4mtliche Entwicklungsszenarien des Bundes, der Kantone und der St\u00e4dte genau davon ausgehen), idealerweise nimmt sie ab. Eine Zunahme der Bev\u00f6lkerung &#8211; egal ob durch Geburtenrate oder Migration &#8211; hat Auswirkungen auf die Absolutwerte, nicht aber direkt auf die Werte pro Person.<\/li>\n<li>Ich gehe von einer umfassenden Erneuerung des Geb\u00e4udebestandes aus: jedes Geb\u00e4ude wird w\u00e4hrend der Laufzeit des Szenarios umfassend erneuert oder durch einen Ersatzneubau ersetzt. Dies heisst &#8211; und dies hat gar nichts mit Spekulation zu tun: solche energetischen Verbesserungen an den Bauten sind nur zu haben mit umfassenden baulichen Eingriffen, was ebenfalls zur Erhaltung respektive Steigerung des Wohnwertes beitragen. Wohnen wird sicher nicht g\u00fcnstiger &#8211; dies erleichtert m\u00f6glicherweise die Diskussionen um eine Verminderung des <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/mietzinse-sind-ein-spiegelbild-der-wohnflachenanspruche\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wohnfl\u00e4chenanspruchs<\/a>.<\/li>\n<li>Ebenso wird beim n\u00e4chsten Ersatz die Heizungsanlage auf erneuerbare Energien, haupts\u00e4chlich W\u00e4rmepumpen, umgestellt.<\/li>\n<li>Es wird endlich eine ernsthafte Stromeffizienz-Politik verfolgt &#8211; nicht mehr der Marktdurchschnitt, sondern die weltweit bestverf\u00fcgbaren Ger\u00e4te (BAT) sind das Mass bei Neu- und Ersatzinvestitionen. Trotzdem liegen noch einige zus\u00e4tzliche besonders effiziente Ger\u00e4te drin.<\/li>\n<li>Im Verkehr wird davon ausgegangen, dass ein Verkehrssparen erfolgt, verbunden mit einem deutlichen Umstieg von der Strasse auf den \u00f6ffentlichen Verkehr. Ebenso wird der verbleibende MIEF (sorry MIV, motorisierter Individualverkehr) zu 80 % durch kleine Elektrofahrzeuge ersetzt.<\/li>\n<li>Unterstellt werden begleitende und flankierende Massnahmen, die dazu beitragen sollen, den Rebound-Effekt zu verhindern oder doch stark zu beschr\u00e4nken (Beispiel Rebound-Effekt: <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/von-minergie-sagen-und-anderen-energie-marchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">energieeffiziente Bauten f\u00fchren h\u00e4ufig zu h\u00f6heren Durchschnittstemperaturen<\/a> &#8211; viele meinen, in gut ged\u00e4mmten Bauten d\u00fcrfe man sich h\u00f6here Raumtemperaturen leisten, obwohl diese zu Einschr\u00e4nkungen des Raumkomforts f\u00fchren.<\/li>\n<li>Das Szenario geht davon aus, dass s\u00e4mtlicher Strom aus erneuerbaren Quellen kommt, sowohl lokal, regional als auch von ausserhalb der Landesgrenzen. Energieautarkie oder 100 % Selbstversorgung wird nicht angestrebt. Dies heisst, dass ein Ausbau der Stromnetze erforderlich ist; es ist zu verlangen, dass immer mehr Hochspannungsleitungen unterirdisch verlegt werden.<\/li>\n<li>Aus diskussionsstrategischen Gr\u00fcnden wird davon ausgegangen, dass der Energieverbrauch des Flugverkehrs &#8211; der Einbezug erfolgt \u00fcber den in der Energiestatistik ausgewiesenen Verbrauch an Flugtreibstoffen &#8211; \u00fcber den gesamten Szenariozeitraum konstant bleibt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Und so sehen Ausgangspunkte und Szenariowerte aus:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/images\/CO2E_PE_EE_2009plusszen.gif\"><\/p>\n<p>Einige Erl\u00e4uterungen dazu:<\/p>\n<ul>\n<li>Methodisch wird die <a href=\"https:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/gud\/de\/index\/umwelt_energie\/2000-watt-gesellschaft\/hintergrund\/Konzept.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Betrachtungsweise der 2000-Watt-Gesellschaft<\/a> verwendet &#8211; Energie und Treibhausgasemissionen des Energieverbrauchs und der grauen Energie dieser Energie. &#8222;CO2e&#8220; steht f\u00fcr die Emission von Treibhausgasen als CO2-Aequivalent, in Kilogramm pro Person und Jahr. &#8222;PE&#8220; ist die mittlere Prim\u00e4renergie-Dauerleistung in Watt pro Person, &#8222;EndE&#8220; steht f\u00fcr die mittlere Endenergie-Dauerleistung, ebenfalls in Watt pro Person. Ein Jahresdatum f\u00fcr das Szenario ist nicht festgesetzt &#8211; weil die Schnelligkeit noch durch Gesellschaft und Politik zu bestimmen ist. &#8222;Sp\u00e4testens 2050, der Verzicht auf Atomenergie sp\u00e4testens 2021&#8220;, w\u00fcrde nicht schlecht passen.<\/li>\n<li>Obwohl vermehrt W\u00e4rmepumpen und Elektroantriebe eingesetzt werden, steigt der absolute Stromverbrauch sehr geringf\u00fcgig; dieses auf den ersten Blick erstaunliche Ergebnis ergibt sich aus der Realisierung des Stromeffizienzpotentials, dem Ersatz von Elektroheizungen im Zusammenwirken mit der Verminderung des Energieverbrauchs auf der Strasse und in Geb\u00e4uden. Eine Ver\u00e4nderung des Auslandanteils (einerseits Wegfall eines grossen Teils der fossilen Brenn- und Treibstoffe, des spaltbaren Urans f\u00fcr Atomkraftwerke und des Imports von unspezifizierten Strom aus dem UCTE-Verbund (Anteil 2009: 20 %), andererseits Import von Strom aus Wind und Sonne und eventuell Biogas) ist kaum absch\u00e4tzbar.<\/li>\n<li>Bemerkenswert auch, alle Aussagen f\u00fcr die Werte pro Person: der Endenergieverbrauch wird um den Faktor 2.24 vermindert, der Prim\u00e4renergieverbrauch um den Faktor 3, w\u00e4hrend der Verminderungsfaktor bei den Treibhausgasen sogar 5.4 betr\u00e4gt. Klimaschutz UND Atomausstieg sind gemeinsam realisierbar &#8211; es braucht keine Atomkraftwerke f\u00fcr den Klimaschutz!<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ist dieses Szenario realistisch? Ja und Nein! Es zeigt auf der &#8222;Ja&#8220;-Seite den Handlungsspielraum &#8211; und f\u00fchrt damit direkt zur &#8222;Nein&#8220;-Seite: dieses Szenario kann nur erreicht werden, wenn die erforderlichen Massnahmen, und diese gehen deutlich weiter als das, was in den letzten 30 Jahren umgesetzt wurde, realisiert werden. Es ist wie mit allen Szenarien: es geht um die Darstellung von Handlungsm\u00f6glichkeiten im Sinne von &#8222;Was w\u00e4re, wenn &#8230;&#8220;.<\/p>\n<hr>\n<p><strong>Hinweise zu den Massnahmen<\/strong>. Diverse meiner Beitr\u00e4ge auf umweltnetz.ch enthalten bereits eine F\u00fclle von m\u00f6glichen Massnahmen. Ich versuche, hier eine Arrondierung vorzunehmen.<\/p>\n<ul>\n<li>Auch wenn mich die Verwendung der milit\u00e4rnahen Terminologie st\u00f6rt: es braucht eine Anbauschlacht, es braucht einen &#8222;<a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/von-flopenhagen-zu-cancun-luftballons\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Plan Wahlen<\/a>&#8222;.<\/li>\n<li>Auch wenn dies auf den ersten Blick \u00fcberrascht: s\u00e4mtliche Subventionen und F\u00f6rderbeitr\u00e4ge im Energiebereich sind blitzartig abzuschaffen, egal, ob sie Das Geb\u00e4udeprogramm, Einspeiseverg\u00fctung oder Stromsparfonds heissen. F\u00f6rderbeitr\u00e4ge signalisieren, dass es um Aktivit\u00e4ten f\u00fcr Willige, f\u00fcr First Mover, geht. Diese Phase ist in der Energiepolitik nicht erst seit Fukushima-Daiichi vorbei: Energie- und Klimaschutzpolitik geh\u00f6ren zum &#8222;Standardprogramm&#8220; und erfordern keine F\u00f6rderung.<br \/>\nFestzuhalten ist, dass finanzielle F\u00f6rderungen (siehe die fr\u00fcheren Landwirtschaftssubventionen) schlussendlich kontraproduktiv sind, da sie die Entwicklung blockieren: was gef\u00f6rdert wird, darf relativ viel kosten, mit F\u00f6rderung werden h\u00e4ufig die Knowhow-Defizite aller EntscheiderInnen und AkteurInnen zum Beispiel in der Wohnungswirtschaft kompensiert.<\/li>\n<li>Anstelle der Subventionen tritt eine sehr stark lenkende, vollst\u00e4ndig r\u00fcckerstattete Energieabgabe. Das Gejammer von SVP FDP und CVP (z.B. bei den Diskussionen M\u00e4rz 2011 im St\u00e4nderat anl\u00e4sslich der Revision der Bestimmungen des CO2-Gesetzes zur CO2-Abgabe), dies erh\u00f6he die Energiekosten, ist pure Dummheit. Volkswirtschaftlich betrachtet handelt es sich bis auf die Administrativkosten um ein Nullsummenspiel: Jene, die deutlich \u00fcber dem Durchschnitt Energie verbrauchen, haben zwar mehr zu bezahlen; daf\u00fcr werden jene entlastet, die bereits Massnahmen realisiert hat. Wichtig sind auch weitere Lenkungsabgaben &#8211; zum Beispiel eine Wohnfl\u00e4chen-Lenkungsabgabe!<\/li>\n<li>Mit der Freiwilligkeit im Energie- und Klimaschutzbereich wurde in den letzten 30 Jahren ausreichend experimentiert. Klares Fazit: viel zu wenig wirksam, man spricht immer die gleichen Marktsegmente an &#8211; f\u00fcr den Gesamtmarkt braucht es einen klaren gesetzlichen Rahmen. Energieeffizienz und erneuerbare Energien sind wichtige Handlungsebenen f\u00fcr Haushalte und Wirtschaft &#8211; die Erreichung der energie- und klimaschutzpolitischen Ziele wird wesentlich vereinfacht durch den Einbezug der Suffizienz, der Strategie der freiwilligen Einfachheit (<a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/lohas-sind-out-den-lovos-gehoert-die-zukunft\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">LOVOS<\/a>).<\/li>\n<li>Gerade im Geb\u00e4udebereich dominiert Massnahmen- statt Wirkungspolitik. Es werden Sonnenkollektorfl\u00e4chen unabh\u00e4ngig von ihrem Ertrag gef\u00f6rdert &#8211; und es interessiert folglich auch niemanden, was die Wirkung dieses Kollektors ist (P.S. Im Mittel aller Anlagen: erschreckend mager!). In den Gesetzen sind Wirkungsziele festzuhalten. Im Geb\u00e4udebereich etwa: <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/fdp-von-energiepolitik-schlicht-keine-ahnung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alle Geb\u00e4ude erreichen bis z.B. 2025 den Energieverbrauchslevel B (besser w\u00e4re sogar A)<\/a>. Bei den elektrischen Ger\u00e4ten ist endlich die Energieetikette so zu gestalten, dass A die besten und C die schlechtesten im Markt verf\u00fcgbaren Ger\u00e4te sind &#8211; die A+-, A++- und A+++-Klassen etwa bei den K\u00fchlger\u00e4ten als kommunikativer Killer (A ist doch am Anfang, also das beste, da ist nicht nachvollziehbar, dass A+++ noch besser sein soll) sind abzuschaffen.<\/li>\n<li>Es braucht eine massive Aus- und Weiterbildungsinitiative: es gibt nicht nur in der Schweiz bei weitem nicht gen\u00fcgend Fachleute, die in der Lage sind, die erforderlichen Massnahmen zur Erreichung der ambiti\u00f6sen Energie- und Klimaschutzpolitik-Ziele zu erreichen. Ein Link aus Deutschland: <a href=\"http:\/\/www.umweltbundesamt.de\/uba-info-presse\/2011\/pd11-011_klimaschutz_fachkraeftemangel_behindert_energetische_gebaeudesanierung.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Klimaschutz: Fachkr\u00e4ftemangel behindert energetische Geb\u00e4udesanierung<\/a> &#8211; wie diverse Untersuchungen belegen, ist die Situation in der Schweiz vergleichbar!<\/li>\n<li>Es braucht Massnahmen zur <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/ich-pendle-also-bin-ich\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Verminderung des PendlerInnen-Verkehrs<\/a>, auch wenn derzeit noch wenig Begeisterung f\u00fcr derartige Ideen vorhanden ist. <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/endlich-mit-dem-bau-neuer-strassen-aufhoren\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ebenfalls ist die Verkehrsfl\u00e4che deutlich zu vermindern<\/a>.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Was kostet diese ernsthafte Energie- und Klimaschutzpolitik? Da es darum geht, die offensichtlichen Risiken von Atomunf\u00e4llen und des Mensch gemachten Klimawandels zu vermeiden oder wenigstens zu verringern, haben Investitionen in eine nicht-nukleare und nicht-fossile Energieversorgung Versicherungscharakter. 2009 gab die Schweiz rund 5.1 Prozent des BIP f\u00fcr Energiekosten aus (rund 27 Mia Franken), darin sind neben den Energietr\u00e4gerkosten auch Abschreibungsbeitr\u00e4ge f\u00fcr die Energieproduktionsanlagen enthalten. Bei einer Fokussierung auf erneuerbare Energietr\u00e4ger sinken tendenziell die Energietr\u00e4gerkosten, daf\u00fcr steigen die Infrastrukturkostenanteile. Dazu kommen energierelevante Investitionen in den Geb\u00e4udepark (max. 1 Mia Franken pro Jahr), und die SchweizerInnen kaufen j\u00e4hrlich Autos im Wert von etwa 10 Mia Franken. Sir Nicolas Stern hat f\u00fcr den Klimaschutz Zusatzkosten <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/eins-oder-funf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">von einem Prozent des BIP<\/a> ermittelt &#8211; das w\u00e4ren 5 Mia Franken f\u00fcr die Schweiz! Das heisst: die Schweiz kann sich eine nicht-nukleare und nicht-fossile Energiezukunft bestens leisten, und dies besser morgen als erst \u00fcber\u00fcbermorgen! Darum: gerade heute beginnen &#8211; falls noch nicht passiert zum Beispiel mit &#8222;<a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/atomenergie-endlich-abwahlen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Atomstrom abw\u00e4hlen<\/a>&#8222;!<\/p>\n<hr>\n<p>Ein Kommentar: wer hier Fl\u00e4chenberechnungen und Technologieer\u00f6rterungen sucht, wird entt\u00e4uscht sein. Das hat auch damit zu tun, dass die bisherige Energiepolitik &#8211; von &#8222;Atomkraft! Nein Danke!&#8220; bis zu den Windenergieanlagen-Standorten &#8211; eine mehr oder weniger auf Technologiefragen reduzierte Diskussion war und ist. Politik sollte sich um strategische Fragen k\u00fcmmern &#8211; etwa wie viel Wohnfl\u00e4che steht zur Verf\u00fcgung, welche energie- und klimaschutzpolitischen Ziele sollen erreicht werden, wie werden die Kosten und Lasten der Energie- und Klimaschutzpolitik verteilt, wo braucht es Forschungs- und Technologief\u00f6rderung? Es kommt dazu, dass die zuk\u00fcnftige Energieversorgung aus vielen Quellen gespiesen wird &#8211; die schon fast einseitige Abh\u00e4ngigkeit von fossilen und atomaren Energietr\u00e4gern wird vorteilhaft ersetzt durch einen Vielfachansatz aus einem Strauss von M\u00f6glichkeiten. Festzuhalten ist ebenfalls die Bedeutung von Effizienz und Suffizienz im Vergleich mit Energietr\u00e4gerfragen: bei Effizienz und Suffizienz handelt es sich um Gesellschafts- und Energiepolitik, bei den Energietr\u00e4gern geht es priorit\u00e4r um Energiewirtschaftspolitik. Und daran zeigt sich auch, dass die Zukunft der Energiepolitik verlangt, dass die Energiepolitik nicht der Energiewirtschaft \u00fcberlassen wird.<\/p>\n<hr>\n<p>Nachtrag 20.3.2011<\/p>\n<p>Auch wenn der deutsche Strommarkt und der deutsche Kraftwerkspark nicht direkt vergleichbar ist mit der Situation in der Schweiz: Der <a href=\"https:\/\/www.wwf.de\/fileadmin\/fm-wwf\/Publikationen-PDF\/QuantensprungEnergiepolitik.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">WWF Deutschland und das Oeko-Institut<\/a> halten klar fest, dass ein schneller Ausstieg aus der Atomenergie (stufenweise, sofort startend, bis l\u00e4ngstens 2020 abgeschlossen) und positive Impulse f\u00fcr den Klimaschutz gleichzeitig m\u00f6glich sind! Genau dies zeigen auch meine obenstehenden Szenario\u00fcberlegungen.<\/p>\n<hr>\n<p>Nachtrag 20.3.2011<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/tagesanzeiger.ch\/wirtschaft\/unternehmen-und-konjunktur\/AxpoChef-denkt-an-Strategiewechsel\/story\/15087164\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Axpo-Chef (Heinz Karrer) denkt an Strategiewechsel<\/a>, titelt der Tages-Anzeiger (zwar bekanntlich eher als Auto-Anzeiger auftretend) am 20.3.2011. Herr Karrer ist der Ansicht, dass Atomkraftwerke derzeit nicht mehrheitsf\u00e4hig sind &#8211; angesichts dessen, dass f\u00fcr neue Atomkraftwerke definitiv <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/bedarf-null\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">kein Bedarf<\/a> besteht respektive nie bestanden hat, d\u00fcrfte sich allerdings die \u00f6ffentliche Meinung wegen des Atomunfalls in Japan kaum ge\u00e4ndert haben. Auch der Berner BDP-Regierungsrat und BKW-Pr\u00e4sident Urs Gasche sch\u00e4tzt die aktuelle AKW-Stimmung der Schweizerischen Stimmberechtigten \u00e4hnlich ein. P.S. Dann nichts wie los, Axpo und BKW, ziehen Sie endlich die unsinnigen Neu-AKW-Rahmenbewilligungsgesuche zur\u00fcck &#8211; dies schafft Raum, um endlich zielgerichtet an der zukunftsf\u00e4higen Stromversorgung zu arbeiten.<\/p>\n<p>Sowohl Herr Karrer wie Herr Gasche vertreten allerdings umweltpolitische Positionen, die eher als Geisterfahrer-Positionen verstanden werden m\u00fcssen. Herr Karrer will f\u00fcr allf\u00e4llige Erdgas-Kombikraftwerke das CO2-Gesetz ausser Kraft setzen, und Herr Gasche m\u00f6chte bei Wasserkraftwerken auf den ehr als n\u00f6tigen Umweltschutz verzichten. Sorry, meine Herren, v\u00f6llig daneben, zur\u00fcck auf Platz 1!<\/p>\n<p>Denn: Herr Karrer sagt gleichzeitig, dass an einem kalten Wintertag die Schweiz zu 70 bis 80 % von Atomkraftwerken abh\u00e4nge. Falls diese Aussage wirklich zutrifft, heisst dies nichts anderes, als dass zu viel Strom in Direkt-Elektroheizungen verschwendet wird! Wenn die Bewilligung von Gas-Kombikraftwerken mit der Auflage versehen wird, dass diese nur dann betrieben werden k\u00f6nnen, wenn die Elektroheizungen durch W\u00e4rmepumpen ersetzt werden (W\u00e4rmepumpen brauchen f\u00fcr den gleichen Raumkomfort auch ohne Massnahmen an der Geb\u00e4udeh\u00fclle drei bis vier Mal weniger Strom als Elektroheizungen), ergibt sich eine deutliche Verbesserung der Gesamt\u00f6kobilanz eines Gas-Kombikraftwerks im Vergleich mit einem Atomkraftwerk. Weil zudem mindestens 2\/3 des bisher f\u00fcr Elektroheizungen verwendeten Stroms f\u00fcr weitere W\u00e4rmepumpen, die bisherige Oel- oder Gasheizungen ersetzen, eingesetzt werden k\u00f6nnen, ergibt sich eine weitere Entlastung der Oekobilanz &#8211; es braucht also keine Aufweichung des CO2-Gesetzes. Und Herr Gasche sollte schon lange wissen, dass Wasserkraft nur nachhaltig genutzt werden kann, wenn weitgehende Umweltauflagen ber\u00fccksichtigt werden (P.S. Das in der heutigen Form unsinnige Grimselwasserkraftausbauprojekt wird nicht durch die Verbr\u00e4mung mit dem Atomausstieg zu einem Superprojekt). Dies zeigt, dass der Ausstieg aus der Atomenergie zwingend neue F\u00fchrungskr\u00e4fte in der Stromwirtschaft erfordert &#8211; wer bis jetzt den Pro-AKW-Kurs gepr\u00e4gt hat, ist nicht wirklich glaubw\u00fcrdig, wenn es darum geht, einen wesentlichen Beitrag zur \u00d6kologisierung der Stromwirtschaft und zum Ausstieg aus der Atomenergie zu leisten.<\/p>\n<hr>\n<p>Nachtrag 19.3.2011<\/p>\n<p>Zusammengest\u00fcckelte Zitate von Frau Bundesr\u00e4tin Doris Leuthard, seit etwas mehr als 100 Tagen Schweizerische Energie-Ministerin und damit verantwortlich f\u00fcr die Konkretisierung der Schweizerischen Energiepolitik (Aussagen an der Delegiertenversammlung der CVP-Frauen Schweiz, <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.sf.tv\/Nachrichten\/Archiv\/2011\/03\/19\/Schweiz\/Leuthard-fuer-faktenbasierte-AKW-Diskussion\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Quelle<\/a>):<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Energieministerin Doris Leuthard warnt davor, in der Atomdiskussion \u00abunreflektierte Forderungen\u00bb aufzustellen.<\/li>\n<li>Bundesr\u00e4tin Leuthard pl\u00e4dierte daf\u00fcr, zuerst Fakten und Konzepte abzuwarten, um \u00abfaktenbasiert\u00bb dar\u00fcber zu diskutieren, was eine Zukunft ohne Atomenergie f\u00fcr die Stromversorgung in der Schweiz bedeuten w\u00fcrde.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das bekannte Logo <strong>Atomkraft? Nein Danke! <\/strong> <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/6\/63\/Atomkraft_Nein_Danke.svg\/220px-Atomkraft_Nein_Danke.svg.png\" height=\"35\"> gibt es seit 1975, also seit den Entstehungszeiten der Anti-Atom-Bewegung, einer der wichtigeren gesellschaftlichen Bewegungen der letzten 40 Jahre. Frau Leuthard, sind 40 Jahre ein gen\u00fcgend langer Zeitraum, um reflektierte Forderungen aufzustellen? Ich meine sehr wohl! Zumindest die offizielle Schweizer Politik mitsamt der Unterabteilung Energiewirtschaftspolitik hat mindestens seit 1986 (Tschernobyl!) vor allem laviert und geschlafen &#8211; die Zeit der Reflexion ist vorbei, jetzt sind Entscheide angesagt, und es ist schnell zu handeln. Der Atomausstieg bis 2020\/2021 ist problemlos m\u00f6glich &#8211; Sie und Ihre PolitikkollegInnen m\u00fcssen nur noch &#8222;Ja Danke!&#8220; zu Strom aus erneuerbaren Energien sagen! Dazu geh\u00f6rt auch: Fakten und Konzepte zum Thema atomenergiefreie Stromversorgung gibt es ausreichend, solche m\u00fcssen auf keinen Fall neu erstellt werden. Bei Bedarf erstelle ich f\u00fcr Frau Bundesr\u00e4tin Doris Leuthard gerne eine Linkliste mit den aktuellsten Studien, damit keine Zeit verloren geht, um die l\u00e4ngst f\u00e4lligen Entscheide f\u00fcr eine nuklear- und fossilfreie Energiezukunft zu fassen!<\/p>\n<p>Erste Fassung: 19.3.2011<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die verschreckten Reaktionen vieler so genannter EnergiepolitikerInnen insbesondere aus dem &#8222;b\u00fcrgerlichen&#8220; Lager auf den schweren Atomunfall in der japanischen Atomkraftwerke-Grossanlage Fukushima-Daiichi zeigen eines sehr deutlich: in der Schweiz gibt es keine ernsthafte Energie- und Klimaschutzpolitik, es gibt allenfalls Ans\u00e4tze f\u00fcr eine schwache Energiewirtschaftspolitik. Die Impulse, die aufgrund der diversen Erd\u00f6lpreiskrisen seit 1973 und des atomaren &hellip; <a href=\"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/nach-nuklear-und-nach-fossil-heute-beginnen\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eNach-nuklear und nach-fossil: heute beginnen!\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1,4,757],"tags":[103,769,37,780,770,656,31,420,118,210,779],"class_list":["post-2702","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-energie-und-klimaschutz","category-reihe-zweitausendundeinwatt","tag-2000-watt-gesellschaft","tag-atomkraft-nein-danke","tag-energiepolitik","tag-energieverbrauch","tag-kein-bedarf-fur-neue-und-bestehende-atomkraftwerke","tag-keine-atomkraftwerke","tag-klimaschutz","tag-lovos","tag-strom-ohne-atom","tag-suffizienz","tag-szenarien"],"aioseo_notices":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2702","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2702"}],"version-history":[{"count":25,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2702\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8281,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2702\/revisions\/8281"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2702"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2702"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2702"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}