{"id":2662,"date":"2011-03-07T22:46:49","date_gmt":"2011-03-07T21:46:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=2662"},"modified":"2012-01-07T22:39:22","modified_gmt":"2012-01-07T21:39:22","slug":"wenn-e10-axpo-und-vcs-in-die-gleiche-richtung-weisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wenn-e10-axpo-und-vcs-in-die-gleiche-richtung-weisen","title":{"rendered":"Wenn E10, AXPO und VCS in die gleiche Richtung weisen"},"content":{"rendered":"<p>Seit Tagen f\u00fcllt ein Thema Deutschlands Medien &#8211; neben Libyen ist dies E10, 10 Prozent Alkohol aus Biomasse im fossilen Treibstoff. Macht dieser Zusatz die Motoren kaputt? Ist allenfalls die Oekobilanz nicht viel besser als mit Benzin oder Diesel? Auch die AXPO hat von der EMPA eine Studie machen lassen &#8211; es w\u00e4ren zwar auch andere Schlagzeilen m\u00f6glich gewesen, aber die AXPO hat sich f\u00fcr &#8222;<a href=\"http:\/\/www.axpo.ch\/axpo\/de\/home_multi\/medien\/medienmitteilungen\/2011\/februar\/e-mobil-studie_plug-in-hybrideambesten.html\" target=\"_blank\">Plug-in-Hybride am besten<\/a>&#8220; entschieden. &#8222;Elektromobile leisten keinen Beitrag zum Klimaschutz&#8220; steht in einem Hauptartikel der <a href=\"http:\/\/www.autoumweltliste.ch\" target=\"_blank\">VCS-Autoumweltliste 2011<\/a>. Letztlich stehen diese relativ einhelligen Einsch\u00e4tzungen als Symbol f\u00fcr die Sackgasse, in der sich die individuelle Automobilit\u00e4t befindet.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ein erheblicher Teil der Ressourcen wird f\u00fcr Konstruktion und Betrieb von Autos verwendet &#8211; deren Zukunft, w\u00e4ren sie tats\u00e4chlich bloss Massentransportgef\u00e4sse, wesentlich emotionsloser diskutiert werden k\u00f6nnte. Sp\u00e4testens seit den Zeiten der Freiheitspartei, die fr\u00fcher Autopartei hiess, wird nicht nur in der Schweiz das Auto als alles m\u00f6gliche, aber eben nicht als Massentransportgef\u00e4ss behandelt. Selbst Ignoranten vom $VP-Typus realisieren, dass die heutige Form des Autos mit dem konventionellen Verbrennungsmotor f\u00fcr fossiles Benzin, f\u00fcr fossilen Diesel, welches haupts\u00e4chlich als Stehzeug (und eben nicht als Fahrzeug) verwendet wird, sehr schnell zum Auslaufmodell werden k\u00f6nnte: Mensch gemachter Klimawandel, Peak Oil oder gar Peak Everything, die Abh\u00e4ngigkeit von geopolitisch heiklen Weltgegenden (aktuelles Beispiel Nordafrika mit dem Gewaltexzess Libyen), sind Hinweise, dass es so nicht weitergehen kann.<\/p>\n<p>Seit Jahren dauert nun schon die Diskussion \u00fcber Alternative Antriebssysteme. Als Nicht-Autofahrer stehe ich, da ich keine Interessen habe, etwas ausserhalb dieser Diskussion, und kann mich mit etwas Distanz \u00fcber die diversen Debatten am\u00fcsieren. <\/p>\n<p>Aus dieser Distanzschau mein Fazit: Der mit diversen Nachteilen behaftete fossile Treibstoff (Diesel oder Benzin) ist derzeit durch kein Antriebssystem zu ersetzen, welches keine Nachteile h\u00e4tte und gleichzeitig &#8222;Weiterfahren wie bis anhin&#8220; erm\u00f6glichen w\u00fcrde. Oder anders: jede Alternative zu Benzin und Diesel erfordert einen zuk\u00fcnftig wesentlich ge\u00e4nderten Zugang zur individuellen Mobilit\u00e4t. Die Autofahrenden sind allerdings Illusion\u00e4re: sie erhoffen sich das Wunder im Tank! Seit langen Jahren wird schon auf die &#8222;eierlegende Wollmilchsau&#8220; f\u00fcr den Autoantrieb gewartet (erneuerbar, nachhaltig, billig, ger\u00e4uschlos, &#8230;). Kaum gibt es irgendwo eine neue Idee (Stichwort etwa &#8222;<a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/solarbenzin-hype-technologie-statt-gesellschaftspolitik\" target=\"_blank\">Solarbenzin<\/a>&#8222;) hypert die automobile Welt einige Zeit in diese Richtung, um kurz darauf einem neuen Hype nachzurennen. Objektiverweise sind die nobelpreistr\u00e4chtigen bahnbrechenden Entwicklungen nicht in Sicht &#8211; statt auf den absolut problemlosen Autoantrieb zu warten, braucht es endlich einen gesellschaftsvertr\u00e4glichen Umgang mit der Mobilit\u00e4t, respektive dem in Teilen dazu erforderlichen Verkehr.<\/p>\n<p>Ganz zu erst: <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/das-lob-des-kleinen-alltagsradius\" target=\"_blank\">das Lob des kleinen Alltagsradius<\/a>. Das t\u00e4gliche Leben sollte sich so weit als m\u00f6glich in einem Umkreis abspielen, welcher per Velo erfahrbar oder noch besser zu Fuss begehbar ist. Es braucht insbesondere eine neue gesellschaftspolitische Einsch\u00e4tzung des <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/ich-pendle-also-bin-ich\" target=\"_blank\">Pendelns z.B. zwischen Wohn- und Arbeitsort<\/a>.<\/p>\n<p>Weil keine der Alternativen zum mit fossilen Treibstoffen betriebenen Verbrennungsmotor als wirklich nachhaltig bezeichnet werden kann, ist der MIEV (sorry, das muss MIV f\u00fcr motorisierten Individual-Verkehr heissen) deutlich, d.h. um mindestens den Faktor 10 zu vermindern. Nur ein Teil der bisher durch den MIEV abgedeckten Fahrstrecken soll durch das Zufussgehen, das Velofahren und den \u00f6ffentlichen Verkehr ersetzt werden &#8211; auch das Verkehrssparen ist endlich mit Vehemenz voranzutreiben.<\/p>\n<p>Weil Verbrennungsmotoren nur etwa einen Sechstel der eingesetzten Energie in Vortriebsenergie umsetzen, Elektroantriebe aber deutlich mehr, und zudem die M\u00f6glichkeiten zur \u00d6kologisierung bei der Stromproduktion vielf\u00e4ltiger sind als bei der Treibstoffproduktion z.B. aus Biomasse, gehe ich davon aus, dass tendenziell eher der Elektroantrieb favorisiert werden sollte. Da die Stromspeicherung nicht nur f\u00fcr Fahrzeuge von grosser Bedeutung ist, kann ich mir zudem vorstellen, dass der heutige grosse Bedarf an seltenen Erden und anderen Ressourcen f\u00fcr den Speicher- und Antriebsteils eines Elektrofahrzeuges mit relativ einfachen Massnahmen deutlich vermindert werden kann, nicht zuletzt wegen der Preisentwicklung dieser Rohstoffe.<\/p>\n<p>Wie viele unterschiedliche Antriebsstr\u00e4nge eine Gesellschaft entwickeln, produzieren und betreiben kann, ist zwar nicht vorgegeben &#8211; s\u00e4mtliche in den letzten Jahren diskutierten Formen werden kaum in den Massenmarkt vordringen k\u00f6nnen. Dies ist schlicht nicht bew\u00e4ltigbar; allein die Vorstellung, f\u00fcr all die verschiedenen M\u00f6glichkeiten fl\u00e4chendeckende Versorgungsinfrastrukturen aufzubauen, mag dies illustrieren. Der schon fast zyklische Wechsel der gerade im Fokus des \u00f6ffentlichen Interesses stehenden Technologie zeigt, dass sich auch die Autoindustrie noch nicht festlegen mag. Ob der Dreitonnen-Elektro-<a href=\" http:\/\/neuerdings.com\/2011\/03\/05\/rolls-royce-102ex-emily-steht-unter-strom\/\" target=\"_blank\">Rolls-Royce 102EX &#8222;Emily&#8220;<\/a> Episode oder Trend darstellt, wird also erst die Geschichte zeigen.<\/p>\n<p>Das Sackgassen-Zeichen ist im Strassenverkehr ein klarer Hinweis darauf, dass vorteilhaft eine andere Route gesucht wird. Vorerst ist festzuhalten, dass &#8211; zumindest in der Stadt Z\u00fcrich &#8211; regelm\u00e4ssig Sackgassen f\u00fcr zu Fuss gehende und Velofahrende durchl\u00e4ssig sind. F\u00fcr Autos bleiben Sackgassen unabh\u00e4ngig vom Antriebssystem Sackgassen. <\/p>\n<p>Es wird spannend sein, im Markt zu verfolgen, ob es gelingt, den derzeit \u00fcberm\u00e4ssigen Anteil an <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/freude-ist-grenzenlos\" target=\"_blank\">Emotionen bei der Autodebatte<\/a> durch die Erkenntnis zu ersetzen, dass es bei MIEV respektive MIV schlicht und einfach um Massentransportgef\u00e4sse geht &#8230; <\/p>\n<p>P.S. Hier geht es vor allem um Aspekte der Alltagsmobilit\u00e4t. Die \u00dcberland-Ferien- oder Wochenend-Tourenfahrten mit dem Auto geh\u00f6ren nicht in dieses Feld. Allerdings sind auch hier gr\u00f6ssere Ver\u00e4nderungen zu erwarten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Tagen f\u00fcllt ein Thema Deutschlands Medien &#8211; neben Libyen ist dies E10, 10 Prozent Alkohol aus Biomasse im fossilen Treibstoff. Macht dieser Zusatz die Motoren kaputt? 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