{"id":2473,"date":"2011-01-16T23:41:07","date_gmt":"2011-01-16T22:41:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=2473"},"modified":"2011-01-16T23:41:07","modified_gmt":"2011-01-16T22:41:07","slug":"energiepolitik-klare-vorgaben-auf-dem-weg-zu-100-okostrom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/energiepolitik-klare-vorgaben-auf-dem-weg-zu-100-okostrom","title":{"rendered":"Energiepolitik: klare Vorgaben auf dem Weg zu 100 % \u00d6kostrom!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/atomenergie-endlich-abwahlen\" target=\"_blank\">Die Strom-KundInnen wollen \u00d6kostrom<\/a> &#8211; auch <a href=\"http:\/\/tagesanzeiger.ch\/wirtschaft\/unternehmen-und-konjunktur\/BKW-reduziert-Projekte-fuer-erneuerbare-Energien--drastisch-\/story\/23796024\" target=\"_blank\">die BKW will ihn nur eingeschr\u00e4nkt<\/a> liefern. Gleichzeitig verlangt die EU von der Schweiz <a href=\"http:\/\/tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/Bund-fasst-kostromQuote-fuer-Grossverbraucher-ins-Auge-\/story\/13146369\" target=\"_blank\">mehr Strom aus erneuerbaren Energien<\/a>. Dass dies in der Schweiz nicht funktioniert, liegt an der absurden Atomenergiepolitik der grossen Stromproduzenten Axpo, BKW und Alpiq. Denn: obwohl der <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/bedarf-null\" target=\"_blank\">Bedarf f\u00fcr neue Atomkraftwerke in der Schweiz bei Null<\/a> liegt, wollen diese drei Energiepolitik-Dinosaurier zwei wenn nicht gar drei dieser unn\u00f6tigen, unsicheren, <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/atomenergie-ist-demokratieunvertraglich\" target=\"_blank\">demokratieunvertr\u00e4glichen<\/a>, nicht versicherbaren und unfinanzierbaren nicht-nachhaltigen Grosskraftwerke erstellen.<!--more--><\/p>\n<p>Erneuerbare Energien sind nachhaltig zu nutzen. Ein Aspekt dazu ist die gesellschaftliche Vertr\u00e4glichkeit. Mit den diversen Instanzenz\u00fcgen und den ausgebauten Mitwirkungsrechten von Einzelpersonen und Verb\u00e4nden setzt die Schweiz das Prinzip der direkten Demokratie um. Wenn nun die <a href=\"http:\/\/www.20min.ch\/finance\/news\/story\/23284451\" target=\"_blank\">BKW<\/a> Italien (Stichworte Berlusconi, Mafia, Korruption) und Deutschland (die Wespen-Koalition hat sich etwa in der Frage der unn\u00f6tigen Laufzeitverl\u00e4ngerung der Atomkraftwerke von der <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/machtgames-statt-sachverstand\" target=\"_blank\">Elektrowirtschaft kaufen lassen<\/a>) als Vorbilder f\u00fcr (kritiklose) Bewilligungen versteht, ist dies hochgradig unverst\u00e4ndlich und eine Beleidigung f\u00fcr das System der direkten Demokratie. Oder anders: weil die BKW im Kanton Bern am 13. Februar 2011 unbedingt eine <a href=\"http:\/\/www.stop-neues-akw.ch\/\" target=\"_blank\">Atomenergie-Abstimmung<\/a> gewinnen m\u00f6chte, sind offenbar selbst sehr schnell als PR durchschaubare Argumentationen n\u00f6tig (ganz ehrlich: es gibt KEIN EINZIGES ARGUMENT f\u00fcr neue AKWs &#8211; alle Argumente bringen es sehr schnell auf den Punkt: neue Atomkraftwerke braucht die Schweiz nicht, braucht auch die Welt nicht). <\/p>\n<p>Zur Wiederholung: auch erneuerbare Energien sind nachhaltig zu nutzen. Nur weil das Label &#8222;Erneuerbar&#8220; draufklebt, bekommt dieser Strom keinen &#8222;Heiligenschein&#8220; &#8211; gerade bei erneuerbarem Strom sind die Nachhaltigkeitsaspekte zentral, weil nur eine nachhaltige Stromproduktion zukunftsf\u00e4hig ist. Wenn etwa Naturschutzverb\u00e4nde Einw\u00e4nde gegen z.B. Kleinwasserkraftwerke haben, ist dies nicht gegen erneuerbare Energien generell gerichtet, sondern ist als gesellschaftspolitische Nachhaltigkeitsforderung zu verstehen.<\/p>\n<p>Ich bin kein Fan der EU-Energiepolitik. Ich halte insbesondere die Strommarktliberalisierung f\u00fcr einen der schlimmsten energiepolitischen Fehlentscheide der letzten 30 Jahre. Klar ist, dass die EU insbesondere wegen des hohen Kohleanteils in der Stromproduktion einen dringenden klimaschutzpolitischen Handlungsbedarf hat, darum auch die Forderung nach einer Erh\u00f6hung des \u00d6kostromanteils. Die Schweizerische Stromwirtschaft hat allerdings einen relevanten \u00d6kologievorteil verspielt: wie die <a href=\"http:\/\/www.bfe.admin.ch\/energie\/00588\/00589\/00644\/index.html?lang=de&#038;msg-id=27746\" target=\"_blank\">Berichte des Bundes<\/a> zur Stromkennzeichnung zeigen, wird rund 40 % des in der Schweiz produzierten Wasserkraftstroms ins Ausland verkauft! Daf\u00fcr importiert die Schweiz 19 % Strom aus &#8222;<em>nicht \u00fcberpr\u00fcfbaren Energietr\u00e4gern<\/em>&#8220; &#8211; was fossile und\/oder nukleare Quellen bedeutet. Dies heisst: w\u00fcrde der Schweizer Wasserkraftstrom auch tats\u00e4chlich in der Schweiz verbraucht, h\u00e4tte die Schweiz das EU-Ziel f\u00fcr erneuerbaren Strom l\u00e4ngst erreicht. Das dies m\u00f6glich ist, zeigt das Elektrizit\u00e4tswerk der Stadt Z\u00fcrich ewz: 68.9 % des <a href=\"http:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/content\/dam\/stzh\/ewz\/Deutsch\/Infocenter\/Publikationen%20und%20Broschueren\/Stromkennzeichnung_ZH_2009.pdf\" target=\"_blank\">an Haushalte und Wirtschaft gelieferten Stroms<\/a> stammte 2009 aus erneuerbaren Quellen, siehe auch <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/2000-watt-gesellschaft-wenn-physik-energie-und-klimaschutzpolitisch-wird\" target=\"_blank\">2000-Watt-Gesellschaft: wenn Physik energie- und klimaschutzpolitisch wird<\/a>. <\/p>\n<p>Viel gravierender ist es allerdings, dass die aktuelle EU-Energiepolitik derzeit daran ist, eine weitere vermeintliche St\u00e4rke der Schweizerischen Stromwirtschaft zu pulverisieren, n\u00e4mlich die Pumpspeicherkraftwerke. Auch wenn derzeit etwa die Axpo 2.1 Mia Franken in ihr 1000-Megawatt-Projekt \u00abLinthal 2015\u00bb mit der Pumpspeicher- und Spitzenkraftwerk-Kombination Limmernsee und Muttsee steckt, ist davon auszugehen, dass sich m\u00f6glicherweise diese Investition nie lohnen wird (abgesehen davon, dass die Pumpspeicheridee auch bez\u00fcglich Energieeffizienz mehr als fragw\u00fcrdig ist). Denn: Pumpspeicherkraftwerke waren eine gute Idee, als es darum ging, den variierenden Strombedarf mit zum Teil schnell reagierenden Wasserkraftwerken abzudecken. Der erh\u00f6hte Anteil an erneuerbaren Energien mit stark variabler Charakteristik verlangt nach einem v\u00f6llig neuen Umgang mit der Uraltweisheit &#8222;Strom ist nicht speicherbar &#8211; aller momentan gebrauchte Strom muss auch momentan produziert werden&#8220;. Eine der M\u00f6glichkeiten stellt &#8211; allerdings mit einem kleinen Anteil &#8211; weiterhin die Pumpspeicherung dar. Gleichzeitig mit den Stichworten &#8222;Smart Metering&#8220; und &#8222;Smart Grid&#8220; werden derzeit fast im Wochenintervall neue Ideen vorgestellt, wie eine Entkoppelung von Stromproduktion und -verbrauch erreicht werden kann &#8211; von Plugin-Speichern (vom Elektroauto bis zum Handy) bis zur Methanisierung des aktuell \u00fcbersch\u00fcssigen Stroms und der R\u00fcckverstromung bei Strombedarf. Neben den Wirkungsgrad-Diskussionen spielen auch geographische Aspekte (Verortung Produktion und Verbrauch) und Ueberlegungen zur Verf\u00fcgbarkeit der H\u00f6chstspannungsnetze eine Rolle. Angesichts der zunehmenden Diversifizierung der Stromproduktion &#8211; sowohl bez\u00fcglich Energiequellen als auch der Kraftwerksgr\u00f6sse &#8211; nimmt die Relevanz der sogenannten Stromdrehscheibe Schweiz drastisch ab. Die Schweiz wird auch strompolitisch zur Rundungsgr\u00f6sse im europaweiten Stromverbund. <\/p>\n<p>Wenn die Schweizerische Energiewirtschaft tats\u00e4chlich beabsichtigen sollte, pro AKW mindestens etwa 10 Mia Franken, mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer Bandbreite von 3 bis 5 Mia Franken nur nach oben, zu investieren, ist das eine f\u00fcr die Schweizerische Stromwirtschaft und insbesondere die KonsumentInnen letztlich unbezahlbare Hypothek. Es darf dabei nie vergessen gehen, dass die Schweiz im europ\u00e4ischen Vergleich <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/strommarktliberalisierung-strompreise-sind-politisch-gewollt\" target=\"_blank\">sehr tiefe Strompreise<\/a> hat (unter anderem darum, weil relativ viel Strom in l\u00e4ngst abgeschriebenen Wasserkraftwerken produziert wird, dessen \u00f6kologischer Mehrwert zudem im Ausland verkauft wird). Soll die Schweizer Stromwirtschaft eine Zukunftschance haben, muss sie endlich zum Innovationsmotor werden &#8211; Atomkraftwerke erf\u00fcllen diese Anforderung definitiv nicht. Erneuerbare Energien erf\u00fcllen diese Anforderung &#8211; aber nur, wenn sie nachhaltig genutzt werden. Die Haltung etwa der BKW zu erneuerbaren Energien &#8211; und zum politischen Entscheidungsprozess f\u00fcr solche Anlagen &#8211; ist weder nachhaltig noch zukunftsf\u00e4hig. Da sind noch einige Lernprozesse erforderlich!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Strom-KundInnen wollen \u00d6kostrom &#8211; auch die BKW will ihn nur eingeschr\u00e4nkt liefern. Gleichzeitig verlangt die EU von der Schweiz mehr Strom aus erneuerbaren Energien. Dass dies in der Schweiz nicht funktioniert, liegt an der absurden Atomenergiepolitik der grossen Stromproduzenten Axpo, BKW und Alpiq. 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