{"id":2460,"date":"2011-01-08T20:06:17","date_gmt":"2011-01-08T19:06:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=2460"},"modified":"2012-12-27T19:41:00","modified_gmt":"2012-12-27T18:41:00","slug":"zurcher-kantonsrat-wirkungslose-schein-energiepolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/zurcher-kantonsrat-wirkungslose-schein-energiepolitik","title":{"rendered":"Z\u00fcrcher Kantonsrat: wirkungslose Schein-Energiepolitik"},"content":{"rendered":"<p>Zumindest gem\u00e4ss einem <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/nachrichten\/zuerich\/stadt_und_region\/fast_alle_wollen_energetische_sanierungen_erleichtern_1.9023944.html\" target=\"_blank\">Bericht der NZZ<\/a> wird offenbar der Z\u00fcrcher Kantonsrat die <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/fdp-initiative-unuberlegt-und-kontraproduktiv\" target=\"_blank\">unsinnige FDP-Initiative &#8222;Umweltschutz statt Vorschriften&#8220;<\/a> unterst\u00fctzen. Einmal mehr betreibt da der Kantonsrat Schein-Umweltschutz- respektive -Energiepolitik. Da k\u00f6nnen die Kantonsratswahlen nicht weit weg sein.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Geb\u00e4ude der Schweiz weisen einen erheblichen Sanierungsstau auf. Nicht nur die energetische Qualit\u00e4t der meisten Bauten ist lausig, auch der generelle bauliche Zustand ist alles andere als sachgerecht. Eine zukunftsgerichtete Politik scheitert an der Zelebrierung der Eigentumsfreiheit: da es zu den individuellen Freiheiten geh\u00f6rt, ein pers\u00f6nliches Verm\u00f6gen auch schlecht zu bewirtschaften, denkt zwar die <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/fdp-von-energiepolitik-schlicht-keine-ahnung\" target=\"_blank\">FDP ganz langsam an ein Sanierungsobligatorium<\/a>, aber eben, ganz langsam und ganz schwach. Mit der Eigentumsfreiheit ist es eigentlich so schwierig: da Wohnbauten w\u00e4hrend 80 bis 100 Jahren genutzt werden, haben Entscheide zu Massnahmen am Geb\u00e4ude allenfalls Auswirkungen auf mehrere Generationen. Noch unmittelbarer ist dies bei Mietwohnungen: zwar geh\u00f6ren Mietwohnungen nicht den NutzerInnen\/MieterInnen, aber \u00fcber den Mietzins tragen die NutzerInnen\/MieterInnen zur Bewirtschaftung fremden Eigentums bei &#8211; durch den Sanierungsstau finden volkswirtschaftlich problematische Geldumlagerungen statt, die einer nachhaltigen Bewirtschaftung des Liegenschaftenbestandes im Weg stehen. Es braucht endlich eine kantonale Energiepolitik, die sich an der Effizienz- und Klimaschutz-Wirkung orientiert, es braucht f\u00fcr Geb\u00e4ude ein Sanierungsobligatorium mit pr\u00e4zisen Vorgaben <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/mindestens-b-besser-a\" target=\"_blank\">zur baldm\u00f6glichst zu erreichenden energetischen Qualit\u00e4t<\/a>.<\/p>\n<p>Was will die FDP-Initiative? Sie will f\u00fcr Bauvorhaben, die &#8222;keine wesentliche Aenderung des Erscheinungsbildes\u201d eines Geb\u00e4udes bewirken, die Baubewilligungspflicht abschaffen. Dies ist nachweislich kontraproduktiv, dienen doch die energetischen Vorschriften der Qualit\u00e4tssicherung. Oder anders: weil die meisten planenden ArchitektInnen nicht \u00fcber ausreichend Energie-Fachwissen verf\u00fcgen (<a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/fdp-initiative-unuberlegt-und-kontraproduktiv\" target=\"_blank\">siehe dazu nochmals den oben bereits erw\u00e4hnten Blog-Beitrag<\/a>). Somit tr\u00e4gt die beh\u00f6rdliche Umsetzung der Vorschriften in erheblichem Umfang zur Qualit\u00e4tssicherung bei! Wenn dieses Element wegf\u00e4llt, werden bei einer grossen Zahl von Bauvorhaben nur noch minimale energetische Massnahmen ausgef\u00fchrt statt zweckm\u00e4ssige und auch \u00f6konomisch angepasste Erneuerungspakete. Es gibt dazu einen unverf\u00e4nglichen Beleg:  <a href=\"http:\/\/www.dasgebaeudeprogramm.ch\/index.php\/de\/zahlen-a-fakten\/jahr-2010\" target=\"_blank\">DAS Geb\u00e4udeprogramm<\/a>, welches seit Anfang 2010 F\u00f6rderbeitr\u00e4ge an energetische Verbesserungen bei bestehenden Geb\u00e4uden zahlt, wird vor allem f\u00fcr Beitr\u00e4ge an Fenstererneuerungen beansprucht. Nur: Fenster sind die Bauteile am Geb\u00e4ude mit eher kurzen technischen Nutzungsdauern &#8211; Fenster sind gleichzeitig auch auff\u00e4llig, weil diese regelm\u00e4ssig ge\u00f6ffnet und geschlossen werden (analog zum fast gleichnamigen Computer-Betriebssystem) und damit allf\u00e4llige Sch\u00e4den sehr schnell sichtbar werden. Nur: ein Fensterersatz kann eine zuk\u00fcnftige Erneuerung der Fassade vorbestimmen! Denn: wird ein Fenster weiterhin an der Innenseite der Aussenwand angeschlagen, wird eine W\u00e4rmed\u00e4mmung der Fensterleibungen kaum bauphysikalisch korrekt ausgef\u00fchrt, es ergeben sich sonst sogenannte Schiessscharten mit einer Einschr\u00e4nkung der optischen Fenstergr\u00f6sse. <\/p>\n<p>Energetische Massnahmen an einem Geb\u00e4ude machen nur im Rahmen eines Gesamtkonzeptes Sinn, man weiss seit etwa 30 Jahren, dass isolierte Energieeffizienzmassnahmen an der Geb\u00e4udeh\u00fclle Unsinn sind und nur Probleme verursachen. Zus\u00e4tzlich zum obigen Fensterleibungsproblem betrifft dies etwa das Dach: bei vielen Bauten sind wegen der durch die Bau- und Zonenordnung gef\u00f6rderten innere Verdichtung erhebliche Ausbauten im Dachbereich m\u00f6glich (zus\u00e4tzlicher Wohnraum in den heutigen Dachr\u00e4umen, Aufstockungen um 1 bis 2 Stockwerke). Wird nun, entsprechend auch der Subventionspraxis von Das Geb\u00e4udeprogramm, nur der Estrichboden oder allenfalls die Dachschr\u00e4ge mit einer W\u00e4rmed\u00e4mmung versehen, wie dies dem Terminus &#8222;keine wesentliche Aenderung des Erscheinungsbildes&#8220; entspricht, so wird \u00fcber Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte die Chance zu einer umfassenden energetischen Qualit\u00e4tsverbesserung des oberen Geb\u00e4udeabschnittes verbaut; gleichzeitig werden die Chancen zum Einbau einer Sonnenenergieanlage (f\u00fcr Solarw\u00e4rme oder Solarstrom) h\u00e4ufig nicht genutzt. Ist jedoch eine Baubewilligung erforderlich, werden die baulichen Potentiale in der Regel deutlich st\u00e4rker in die Massnahmenplanung einbezogen.<\/p>\n<p>Dies heisst: die FDP-Initiative f\u00fchrt zu tieferer energetischer Qualit\u00e4t der Massnahmen und behindert die Umsetzung der baulichen Verdichtungspotenziale. Ein weiteres klassisches Beispiel daf\u00fcr, dass &#8222;gut gemeint&#8220; das exakte Gegenteil von &#8222;gut&#8220; ist! Oder anders: die unbewiesene Behauptung, eine Baubewilligung f\u00fchre zu einer Behinderung von Energieeffizienzmassnahmen an der Geb\u00e4udeh\u00fclle (nochmals, das Gegenteil ist wahr, Vorschriften sind derzeit eine dringend notwendige Qualit\u00e4tssicherungsmassnahme). Und auch dies als Wiederholung: <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/mindestens-b-besser-a\" target=\"_blank\">es f\u00fchrt nichts an einem Sanierungsobligatorium f\u00fcr bestehende Geb\u00e4ude verbunden mit Anforderungen an die zu erreichende energetische Qualit\u00e4t vorbei<\/a>! <\/p>\n<p>Es wird spannend sein, wie die verschiedenen Parteien ihr allf\u00e4lliges Ja zu dieser wirkungslosen Schein-Massnahme begr\u00fcnden. P.S. Dass die $VP diese Massnahme ebenfalls ablehnt, ist f\u00fcr mich keine Begr\u00fcndung, diese Initiative zu unterst\u00fctzen. <\/p>\n<p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zumindest gem\u00e4ss einem Bericht der NZZ wird offenbar der Z\u00fcrcher Kantonsrat die unsinnige FDP-Initiative &#8222;Umweltschutz statt Vorschriften&#8220; unterst\u00fctzen. Einmal mehr betreibt da der Kantonsrat Schein-Umweltschutz- respektive -Energiepolitik. Da k\u00f6nnen die Kantonsratswahlen nicht weit weg sein.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[4,3],"tags":[37,13,402,8],"class_list":["post-2460","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-energie-und-klimaschutz","category-politik-kanton-zurich","tag-energiepolitik","tag-fdp","tag-gebaude","tag-kanton-zurich"],"aioseo_notices":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2460","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2460"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2460\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4449,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2460\/revisions\/4449"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2460"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2460"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}