{"id":2329,"date":"2010-12-20T20:17:38","date_gmt":"2010-12-20T19:17:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=2329"},"modified":"2010-12-20T20:17:38","modified_gmt":"2010-12-20T19:17:38","slug":"wikileaks-und-nationalbank-von-optimistinnen-und-pessimistinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wikileaks-und-nationalbank-von-optimistinnen-und-pessimistinnen","title":{"rendered":"Wikileaks und Nationalbank: von OptimistInnen und PessimistInnen"},"content":{"rendered":"<p>Die Angst der M\u00e4chtigen dieser Erde vor <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wikileaks-fordert-die-staaten-heraus-transparenz-statt-unsinnige-geheimnisse\" target=\"_blank\">Wikileaks<\/a> liegt vor allem darin, dass ihre &#8222;Untertanen&#8220; erfahren k\u00f6nnten, dass die schlimmstm\u00f6glichen Bef\u00fcrchtungen \u00fcber das unentschuldbare Fehlverhalten ihrer eigenen Regierung durch die Realit\u00e4t noch \u00fcbertroffen werden &#8211; M\u00e4chtige sind nur so lange m\u00e4chtig, wie ihnen eine Mehrheit vertraut! Dabei ist allen klar: was schief gehen kann, kann tats\u00e4chlich schief gehen &#8211; angewandtes Gesetz von Murphy. Andererseits: auch wer nichts tut, macht Fehler! <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/wirtschaft\/konjunktur\/Eurokurs-von-50-Rappen-In-der-Schweiz-steigt-die-Nervositaet\/story\/10380950\" target=\"_blank\">Philipp Hildebrand, Pr\u00e4sident der Schweizerischen Nationalbank<\/a>, hat sich offenbar (best\u00e4tigt wurde dies nicht) vertraulich gegen\u00fcber dem Bundesrat Gedanken gemacht, welche Auswirkungen ein Euro-Kurs von 50 Rappen h\u00e4tte &#8211; die Aussage w\u00e4re \u00fcbrigens genauso beachtenswert, wenn statt 50 von 99 Rappen die Rede gewesen w\u00e4re. Es geht auch dabei wieder um Vertrauen.<!--more--><\/p>\n<p>Die Nationalbank \u00e4rgert sich um die Ver\u00f6ffentlichung eines vertraulichen Gedankenspiels, weil \u00d6konomie als Wissenschaft mit metaphysischen Anteilen stark von der mentalen Verfassung der Marktteilnehmenden betroffen ist. Wenn Herr Hildebrand sich Gedanken macht, was passieren w\u00fcrde, wenn ein Euro nur noch 50 Rappen wert ist &#8211; im Sinne von Szenario-\u00dcberlegungen , hat dies f\u00fcr sehr viele Marktteilnehmende bereits den Charakter einer Prognose \u00fcber die Marktentwicklung &#8211; und nur schon darum die Tendenz, zur selbsterf\u00fcllenden Prophezeihung zu werden! So irrational funktionieren Finanzm\u00e4rkte, Murphy at it&#8217;s best! es gab deshalb auch schon \u00d6konomInnen, die gefordert haben, nur noch positive Meldungen und Trends zu ver\u00f6ffentlichen. Damit ist auch eine Prophezeihung verbunden: die Welt w\u00e4re besser mit lauter OptimistInnen! Denn dann w\u00fcrde all das, was schief laufen k\u00f6nnte, mit kleinerer Wahrscheinlichkeit schief laufen, Murphy w\u00e4re zwar nicht gerade ausser Kraft, aber doch handhabbarer, so quasi gesellschaftspolitisches Mentaltraining. Dazu eine kleine Episode: die Fernsehanstalten zeigten vor Beginn des Fussball-WM-Spieles Argentinien-Mexiko an der WM 2010 in S\u00fcdafrika zwei kleine Sequenzen: der sich bekreuzigende argentinische Coach Diego Maradona, danach der mexikanische Coach Javier Aguirre mit der gleichen Handlung &#8211; beide ihren, den gleichen Gott anrufend um Unterst\u00fctzung. Da selbst im auf Bestechlichkeit anf\u00e4lligen Fussball zwei Sieger des gleichen Spiels nicht m\u00f6glich sind, war dieser Gott schlicht \u00fcberfordert, trotz allen mentalen Positivismen. P.S. Argentinien gewann das Spiel mit 3 zu 1 Toren &#8230;<\/p>\n<p>Auch ich habe f\u00fcr umweltnetz.ch eine selbsterf\u00fcllende Prophezeihung festgelegt: sp\u00e4testens im dritten Absatz eines Beitrages muss in irgend einer Form die Nachhaltigkeit zur Sprache kommen! Ohne weitere \u00dcberpr\u00fcfung: f\u00fcr diesen Beitrag gilt dies definitiv, auch wenn es erst im n\u00e4chsten Absatz konkreter wird.      <\/p>\n<p>Wie bereits mit dem Hinweis auf das Fussballspiel Argentinien-Mexiko angedeutet: positive Meldungen sind sehr sehr relativ. W\u00e4hrend sich die erd\u00f6lexportierenden L\u00e4nder und die Erd\u00f6lgesellschaften dar\u00fcber freuen, dass an der Weltklimakonferenz von <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/von-flopenhagen-zu-cancun-luftballons\" target=\"_blank\">Canc\u00fan<\/a> (auch das: Mexiko) keine ernstlich bindende globale Klimaschutzvereinbarung zustande brachte, \u00e4rgern sich die VertreterInnen kleiner Inselstaaten im Meer wie etwa <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/tuvalu-an-der-langstrasse\" target=\"_blank\">Tuvalu<\/a>, weil der Mensch gemachte Klimawandel den Meeresspiegel nun st\u00e4rker ansteigt, als es die Anpassungsgeschwindigkeit menschlicher Gesellschaften ertr\u00e4gt. Die \u00dcberbetonung des Optimismus, der positiven News ist in dieser Situation alles andere als nachhaltig, weil etwa vorausschauendes Handeln erheblich erschwert wird. Denn: gem\u00e4ss Murphys Gesetz ist tats\u00e4chlich davon auszugehen, dass der Mensch gemachte Klimawandel deutlich wahrscheinlicher ist als die Hoffnungen der <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/climate-criminals\" target=\"_blank\">Climate Criminals<\/a>, zumal dieser Mensch gemachte Klimawandel nur <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/klimawandel-2-0\" target=\"_blank\">ein Aspekt des vorausschauenden Handelns<\/a> ist. <\/p>\n<p>Die \u00f6kologischen Grossf\u00fcsse nicht nur in Europa pflegen im Durchschnitt einen deutlich nicht nachhaltigen Lebensstil. Statt von den Zinsen zu leben, verzehren nicht nachhaltige Volkswirtschaften das Verm\u00f6gen anderer Gegenden und von zuk\u00fcnftigen Generationen (sinngem\u00e4ss nach Monet, dem Nachhaltigkeitsmonitoring des Bundes). Die \u00d6ko-Grossfuss-Indikatoren weisen eindeutig auf diese Nichtnachhaltigkeit hin. Dass nun L\u00e4nder wie <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/zu-lasten-spaterer-generationen-und-anderer-weltgegenden\" target=\"_blank\">Griechenland<\/a>, Island oder Portugal in \u00f6konomische Schieflage geraten sind, ist bei allem Positivismus und Optimismus ein Hinweis darauf, dass auch bei der volkswirtschaftlichen Dimension Nachhaltigkeit erreicht ist &#8211; und dass durch den Euro-Raum gerade immer eine ganze Reihe von Volkswirtschaften in den Strudel einbezogen sind und damit das Versagen weitr\u00e4umiger sichtbar wird. 50 oder 99 Rappen f\u00fcr einen Euro scheinen in einer rationalen Betrachtungsweise nicht unm\u00f6glich &#8211; oder anders: unabh\u00e4ngig davon, ob Philipp Hildebrand sich vertraulich oder \u00f6ffentlich zu dieser Frage \u00e4ussert, handelt es sich dabei um potentielle Szenarien, um m\u00f6gliche Entwicklungspfade. Ob die Wahrscheinlichkeiten dieser Pfade angesichts der Dynamik der Ereignisse noch beeinflusst werden k\u00f6nnen, ist mehr als fraglich. <\/p>\n<p>Objektiverweise bestehen individuelle Handlungsm\u00f6glichkeiten  &#8211; eine davon: der Wechsel zum Lebensstil der freiwilligen Einfachheit <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/lohas-sind-out-den-lovos-gehoert-die-zukunft\" target=\"_blank\">LOVOS<\/a> (<strong>L<\/strong>ifestyle <strong>o<\/strong>f <strong>vo<\/strong>luntary <strong>s<\/strong>implicity). <\/p>\n<p>P.S. Dass der Hinweis auf <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/tag\/lovos\" target=\"_blank\">LOVOS<\/a> im letzten oder zweitletzten Absatz meiner Blogbeitr\u00e4ge sehr h\u00e4ufig vorkommt, k\u00f6nnte ich eigentlich auch noch in meine Liste der selbsterf\u00fcllenden Prophezeihungen aufnehmen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Angst der M\u00e4chtigen dieser Erde vor Wikileaks liegt vor allem darin, dass ihre &#8222;Untertanen&#8220; erfahren k\u00f6nnten, dass die schlimmstm\u00f6glichen Bef\u00fcrchtungen \u00fcber das unentschuldbare Fehlverhalten ihrer eigenen Regierung durch die Realit\u00e4t noch \u00fcbertroffen werden &#8211; M\u00e4chtige sind nur so lange m\u00e4chtig, wie ihnen eine Mehrheit vertraut! 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