{"id":23,"date":"2008-06-30T10:48:33","date_gmt":"2008-06-30T09:48:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/iran-verzicht-auf-atomenergie-ist-zukunftsgerichtet\/"},"modified":"2012-12-27T15:45:08","modified_gmt":"2012-12-27T14:45:08","slug":"iran-verzicht-auf-atomenergie-ist-zukunftsgerichtet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/iran-verzicht-auf-atomenergie-ist-zukunftsgerichtet","title":{"rendered":"Iran: Verzicht auf Atomenergie ist zukunftsgerichtet!"},"content":{"rendered":"<p>Nicht erst seit der Wahl des iranischen Pr&auml;sidenten Mahmoud Ahmadinejad sind die globalen, weltpolitischen Diskussionen &uuml;ber das iranische Atomprogramm sehr eigenartig.<!--more--><\/p>\n<p>Die Geschichte der Atomkraft &#8211; oder der Kernkraft je nach politischem Lager &#8211; besteht immer aus den zwei Teilen: &#8222;friedliche Nutzung&#8220; und &#8222;Massenvernichtungswaffen&#8220;. Sehr klar ist, dass beide Teile unn&ouml;tig sind. Es w&auml;re gut, die Menschheit k&ouml;nnte sich dazu entschliessen, die ganzen Manipulationen an Atomkernen aufzugeben und diese eindeutig als Fehlentwicklung zu bezeichnen!<\/p>\n<p>Massenvernichtungswaffen stehen symbolisch daf&uuml;r, wie die Menschheit mit Konflikten umgeht. Nach wie vor ist ein grosser Teil der Menschheit der Ansicht, Konflikte d&uuml;rften und k&ouml;nnten mittels Gewalt gel&ouml;st werden. Dabei stellt sich der amerikanische Pr&auml;sident George W. Bush auf die gleiche Stufe wie jene, die er als Terroristen und Schurken bezeichnet.<\/p>\n<p>Genauso ist es mit der sogenannt friedlichen Nutzung der Atomenergie: es gibt schlicht keine Notwendigkeit, diese schmutzige, r&uuml;ckst&auml;ndige Technologie mit der konstanten und nicht-durchbrechbaren Verbindung zur Massenvernichtungswaffe Atom-Bombe weiterhin zu betreiben. Atomenergie ist weder geeignet, einen Beitrag zur Verminderung des menschgemachten Klimawandels zu leisten, noch handelt es sich dabei um eine selbst in der weichsten Definition nachhaltige Energieversorgungsm&ouml;glichkeit. Dies gilt sowohl auf globalem Niveau als auch auf nationalem Niveau, beispielweise Schweiz, <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/die-schweiz-braucht-keine-neuen-akws-oder-gaskraftwerke-und-kann-und-soll-die-bestehenden-kernkraftwerke-so-rasch-als-moglich-stilllegen\/\" target=\"_blank\">mehr dazu<\/a>.<\/p>\n<p>Die sogenannten Industriestaaten halten aus finanzmarktlichen und unternehmenspolitischen Gr&uuml;nden an der Atomenergie fest: die klassische Wirtschaft betrachtet Energien als ganz normale Wirtschaftsg&uuml;ter, und setzt daher auf eine weitere Steigerung des Energieverbrauchs. Nur damit l&auml;sst sich die Erstellung von extrem teuren Grossanlagen &ouml;konomisch rechtfertigen. In einem Markt, der mit der Energieeffizienz Ernst macht, sind derartige Investitionen unsinnig, weil es attraktiver ist, einerseits in Effizienztechnologien, andererseits in eher kleine, dezentrale und einfache Technologien zu investieren.<\/p>\n<p>Auch in den EU-Staaten Frankreich, Deutschland und Grossbritannien sind diese Fakten bestens bekannt. Diese L&auml;nder sind &#8211; wie die meisten eher &uuml;berentwickelten Industriestaaten &#8211; weit davon entfernt, eine Energieversorgung zu betreiben, die einerseits ausschliesslich auf erneuerbare Quellen aus dezentraler Nutzung beruht und andererseits der Energieeffizienz das n&ouml;tige Gewicht zukommen l&auml;sst. Eine solche Energieversorgung ist machbar, wobei Energien pro Einheit in der Tendenz mehr kosten (was gleichzeitig zu einer verst&auml;rkten F&ouml;rderung der Energieeffizienz f&uuml;hrt). Auf den ersten Blick sieht es global danach aus, als ob der &uuml;berm&auml;ssige Wohlstand in den Industriestaaten auch von Elementen wie der Atomenergie-Nutzung abh&auml;ngt. Wenn nun L&auml;nder wie Frankreich, Deutschland und Grossbritannien, deren Energieversorgung zu einem deutlichen Anteil von Atomenergie abh&auml;ngt, dem Iran die Nutzung der Atomenergie verbieten wollen, so ist dies eine ausgesprochen neo-imperialistische Haltung. Zum Vergleich: Stromverbrauch &#8222;Nordwesteuropa&#8220; um die 6000 kWh pro Person und Jahr (Angabe f&uuml;r das Jahr 2000), Iran 1203 kWh (f&uuml;r das Jahr 2004). Selbst wenn der Stromverbrauch in Iran in der Zwischenzeit angestiegen ist, ist davon auszugehen, dass der iranische Pro-Kopf-Stromverbrauch nach wie vor um Faktoren unter jenem in Nordwesteuropa liegt.<\/p>\n<p>Iran hat mehrfach deklariert, dass es beim iranischen Atomprogramm ausdr&uuml;cklich nur um die Sicherstellung der Stromversorgung gehe. Wenn Frankreich, Deutschland und Grossbritannien die iranischen Absichten respektieren, gibt es eine relativ einfache L&ouml;sung f&uuml;r das internationale Problem &#8222;iranisches Atomprogramm&#8220;:<\/p>\n<p>Es braucht ein glaubw&uuml;rdiges Projekt, welches aufzeigt, wie die iranische Stromversorgung in den n&auml;chsten Jahren deutlich gest&auml;rkt werden kann:<\/p>\n<ul>\n<li>Ein politisches Programm f&uuml;r die nachhaltige Energieversorgung des Irans, das sich an der 2000-Watt-Gesellschaft orientiert (dreimal tieferer Energieverbrauch vorwiegend durch Effizienz und Effektivit&auml;t im Vergleich zu Nordwesteuropa). Ein solches Programm sollte sich innerhalb einer Generation realisieren lassen.<br \/>\nDazu geh&ouml;rt auch ein Programm, um sowohl den Menschen in Nordwesteuropa als auch in Iran klar zu machen, dass der Stromverbrauch in Westeuropa &uuml;berm&auml;ssig ist und dass es f&uuml;r Iran keinen Sinn macht, den Verschwendungslevel von Nordwesteuropa zu erreichen.<\/li>\n<li>Ein Programm zur Stromproduktion f&uuml;r den Bedarf des Irans ausschliesslich aus erneuerbaren Quellen aus dezentraler Nutzung, inklusive Sicherstellung des Investitionsbedarfs.<br \/> Aus einem solchen Programm lassen sich n&uuml;tzliche Aussagen auch f&uuml;r die Energiepolitik der Staaten in Nordwesteuropa ableiten.<\/li>\n<li>Eine verbindliche Zusage der Staaten nicht nur in Nordwesteuropa, mittel- bis l&auml;ngerfristig auf die Nutzung der Atomenergie zu verzichten. Die rot-gr&uuml;ne Regierung in Deutschland hat klare Vorgaben gemacht, es ist einfach zu hoffen, dass die schwarz-rote Regierung daran nicht r&uuml;ttelt (soviel zur Glaubw&uuml;rdigkeit von Deutschland als Verhandlungspartner des Irans&#8230;).<\/li>\n<\/ul>\n<hr>\n<p>Diese Aussagen werden unterst\u00fctzt durch die Dissertation \u201e<em>Szenarien eines diversifizierten Energieangebots in OPEC-Staaten am Beispiel Irans \u2013 Strategien eines auf klimaschonenden<br \/>\nEnergietr\u00e4gern basierenden Umstiegs<\/em>\u201c von Nikolaus Supersberger am Wuppertal-Institut. Im Reader &#8222;<em><a href=\"http:\/\/wupperinst.org\/de\/info\/details\/wi\/a\/s\/ad\/681\/\" target=\"_blank\">Der unn\u00f6tige Atomkonflikt in Iran &#8211; Gr\u00f6\u00dfere Chancen durch alternativen Energiepfad<\/a><\/em>&#8220; wird unter anderem festgehalten:<\/p>\n<p><em>Iran ist eines der gr\u00f6\u00dften Erd\u00f6lf\u00f6rderl\u00e4nder und verf\u00fcgt \u00fcber riesige Erdgasreserven \u2013 und hat doch ein Energieproblem: Unter Trendbedingungen steigt der iranische Energieverbrauch weiter stark an. Daher wird Iran bald zu einem Energieimporteur: Der Wandel von einem der gr\u00f6\u00dften \u00d6lexporteure zu einem Importeur h\u00e4tte gravierende Folgen f\u00fcr die Welt\u00f6lm\u00e4rkte und auch auf Irans Handelsbilanz. <\/p>\n<p><strong>Es gibt L\u00f6sungen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Kernenergie ist in Iran f\u00fcr eine langfristig sichere Energieversorgung nicht notwendig \u2013 sie ist verzichtbar. Systemzw\u00e4nge zu ihrem Einsatz liegen nicht vor. <\/li>\n<li>Die au\u00dferordentlich gro\u00dfen Potenziale zur Nutzung erneuerbarer Energien k\u00f6nnen eine vollregenerative Stromerzeugung in Iran gew\u00e4hrleisten. <\/li>\n<li>Der Einsatz erneuerbarer Energien und von Energieeffizienz w\u00fcrde die \u00d6lexporte Irans sowie der anderen OPEC-Staaten deutlich strecken. Dies h\u00e4tte umfangreiche Folgen f\u00fcr die internationalen Energiem\u00e4rkte und gro\u00dfe positive finanzielle Effekte auf die Staatshaushalte der Exporteure. <\/li>\n<\/ul>\n<p><\/em><\/p>\n<p>Erste Version: 15.01.2006, ge\u00e4ndert 28.10.2007<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nicht erst seit der Wahl des iranischen Pr&auml;sidenten Mahmoud Ahmadinejad sind die globalen, weltpolitischen Diskussionen &uuml;ber das iranische Atomprogramm sehr eigenartig.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[40,104,105],"class_list":["post-23","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-atomenergie","tag-iran","tag-zukunft"],"aioseo_notices":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=23"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4337,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/23\/revisions\/4337"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=23"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=23"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=23"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}