{"id":2188,"date":"2010-11-15T19:14:24","date_gmt":"2010-11-15T18:14:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=2188"},"modified":"2012-12-27T19:52:19","modified_gmt":"2012-12-27T18:52:19","slug":"bedarf-null","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/bedarf-null","title":{"rendered":"Bedarf: Null"},"content":{"rendered":"<p>Wie nicht anders zu erwarten war, hat das atomenergie-nahe Eidgen\u00f6ssische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI die grunds\u00e4tzliche Standorteignung f\u00fcr drei neue AKW-Standorte best\u00e4tigt. Die ersten Reaktionen der AKW-Lobby lassen bef\u00fcrchten, dass hier einmal mehr eine unsinnige und unn\u00f6tige Energietechnologie herangemurkst werden soll. Denn: l\u00e4ngst ist klar, dass eine saubere, sichere, nachhaltige und preisg\u00fcnstige zuk\u00fcnftige Energieversorgung nur ohne neue und bestehende Atomkraftwerke erreicht werden kann. Wenn dies insbesondere <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/fdp-von-energiepolitik-schlicht-keine-ahnung\" target=\"_blank\">FDP<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/uvek-zur-cvp-versicherung-gegen-ein-unnotiges-akw\" target=\"_blank\">CVP<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/mit-sicherheit-keine-energiepolitik\" target=\"_blank\">SVP<\/a> bestreiten, demonstrieren sie einmal mehr, dass sie nicht Energiepolitik, sondern Wirtschaftspolitik f\u00fcr r\u00fcckst\u00e4ndige Unternehmen betreiben.<!--more--><\/p>\n<p>Wissenschaftlich ist l\u00e4ngst klar: Atomkraftwerke braucht es wirklich nicht, das heisst der Bedarf f\u00fcr neue (und bestehende) Atomkraftwerke in der Schweiz ist und bleibt NULL. Neuestes Zitat: HSG-Professor und Energieexperte Rolf W\u00fcstenhagen, welcher am 10. November 2010 im <a href=\"http:\/\/www.tagblatt.ch\/ostschweiz\/stgallen\/kantonstgallen\/kantonstgallen\/-Es-gibt-viele-falsche-Ueberzeugungen;art140,1638329\" target=\"_blank\">St. Galler Tagblatt<\/a> f\u00fcr den Atomenergieausstieg pl\u00e4diert! Es ist erstaunlich, wie wissenschafts- und wirtschaftsfern FDP, CVP und SVP argumentieren. <\/p>\n<p>FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen m\u00f6chte lieber nach dem Drei-Affen-Prinzip verfahren. Das Thema Tschernobyl beispielsweise m\u00f6chte er <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/schweiz\/standard\/Es-gibt-eine-schweigende-Mehrheit-fuer-AKW-\/story\/24619710\" target=\"_blank\">stillschweigen und ignorieren<\/a>. Von den direkten Folgen dieser Industrie-Katastrophe ist dies zwar verst\u00e4ndlich &#8211; nicht aber im Bezug auf das Thema Sicherheit zuk\u00fcnftiger Anlagen. Einverstanden, Herr Wasserfallen, reden wir in Ihrer Anwesenheit nicht von Tschernobyl. Reden wir aber von Sicherheit &#8211; zum Beispiel von der Versicherung, die f\u00fcr den Betrieb eines Atomkraftwerks n\u00f6tig ist. Im Nationalrat verlangte Martin B\u00e4umle 2005 eine Versicherungsdeckung von 500 Mia Franken f\u00fcr Atomkraftwerke &#8211; die klassische volkswirtschaftliche Absicherung von Risiken. Die FDP hat sich klar gegen diese Vorgabe ausgesprochen. Warum? Die Versicherungswirtschaft ist bekannt f\u00fcr eine realistische Risikoeinsch\u00e4tzung mit entsprechender Pr\u00e4miengestaltung, auch bei sogenannt kleinen Risiken mit potentiell grosser Schadensumme &#8211; typischer Fall eines Atomkraftwerkes. Wenn nun ein AKW nach dem klassischen Versicherungsansatz f\u00fcr den potentiellen Schadenfall versichert werden m\u00fcsste, w\u00fcrden die erforderlichen Pr\u00e4mien aufzeigen, dass Atomstrom derart teuer ist, dass er auf dem Markt schlicht keine Chance h\u00e4tte. Warum, Herr Wasserfallen, beachtet hier die FDP nicht einmal ihre eigenen parteipolitischen Grunds\u00e4tze. Klar ist, und das wurde unl\u00e4ngst auch f\u00fcr Deutschland gezeigt: der Atomstrom wurde und wird durch erhebliche staatliche Subventionen erheblich gef\u00f6rdert! Im F\u00f6rdergelder in einer H\u00f6he, wie sie noch nie f\u00fcr erneuerbare Energien bezahlt wurde (obwohl dort etwa Avenir Suisse in wiederholter Unkenntnis der Sachlage von einem F\u00f6rdergeld-Schlaraffenland spricht).<\/p>\n<p>Herr Wasserfallen meint weiter, eine schweigende Mehrheit sei f\u00fcr neue Atomkraftwerke. Das ist schlicht und einfach eine herbeigeschwatzte Argumentationsblase. Die Realit\u00e4t zeigt genau das Gegenteil. Das Elektrizit\u00e4tswerk der Stadt Z\u00fcrich ewz \u00fcberl\u00e4sst den KundInnen die Wahl der Stromqualit\u00e4t. <a href=\"http:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/ewz\/de\/index\/infocenter\/wissen\/stromkennzeichnung.html\" target=\"_blank\">Ergebnis 2009<\/a>: ganze 26.7 % der StromkundInnen haben sich f\u00fcr Kernkraft entschieden &#8211; nur rund ein Viertel der KundInnen. Im Gegensatz dazu bei den Elektrizit\u00e4tswerken des Kantons Z\u00fcrich EKZ: hier k\u00f6nnen die KundInnen ihren Strommix nicht selber bestimmen. Folge 2009: EKZ beliefert die KundInnen zu 73.93 % mit Kernenergie (<a href=\"http:\/\/www.ekz.ch\/content\/ekz\/de\/ueberuns\/portrait\/vorgaben\/stromkennzeichnung.html\" target=\"_blank\">f\u00fcr 2010: 66.88%<\/a>)! Eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr diese Differenz: die Stadt Z\u00fcrich hat sich f\u00fcr den l\u00e4ngerfristigen Ausstieg aus der Atomenergie entschieden, der Kanton Z\u00fcrich als Alleinaktion\u00e4r der EKZ und Mitaktion\u00e4r der AXPO setzt sich f\u00fcr mindestens ein neues Atomkraftwerk ein! Ist dies die schweigende Mehrheit von Herrn Wasserfallen f\u00fcr neue AKW? Dies m\u00fcsste treffender als N\u00f6tigung bezeichnet werden. Denn, auch dies ein Forschungsergebnis von Rolf W\u00fcstenhagen und seinen Mitarbeitenden: <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/stromkundinnen-wollen-strom-aus-erneuerbaren-quellen-nicht-alle-stromproduzentinnen-wollen-ihn-auch-liefern\" target=\"_blank\">Kunden w\u00fcnschen erneuerbare Energien<\/a>! Herr Wasserfallen und seine Lobby-KollegInnen wollen ihnen diese verweigern! Wie kann man dermassen an der Mehrheit der Stimmberechtigten vorbeipolitisieren?<\/p>\n<p>Ein weiteres Element aus der M\u00e4rchenkiste der Atomlobby ist der Hinweis auf den Beitrag der Stromproduktion zur Verminderung des Mensch gemachten Klimawandels. Nun, es gibt auch bei der FDP gen\u00fcgend <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/climate-criminals\" target=\"_blank\">Climate Criminals<\/a> &#8211; irgendwann wird Herr Wasserfallen die FDP dazu zwingen m\u00fcssen, endlich klar Position zu beziehen. Wenn es den Mensch gemachten Klimawandel nach Ansicht der FDP nicht geben sollte, sind daraus abgeleitete Argumente f\u00fcr neue AKWs schlichter Unsinn. <\/p>\n<p>Da es den Mensch gemachten Klimawandel tats\u00e4chlich gibt, ist trotzdem das daraus abgeleitete Pro-AKW-Argument Unsinn. Und zwar aus sehr vielen Gr\u00fcnden. <\/p>\n<p>Vorerst: zwar ist Uran nicht fossil, aber auch nicht erneuerbar. Das heisst: Nachhaltig ist die Atomenergie rein von den Ressourcen her schon mal nicht.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit den Castortransporten in Deutschland sollte auch die FDP gemerkt haben, dass <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/atomenergie-ist-demokratieunvertraglich\" target=\"_blank\">Atomenergie nicht demokratievertr\u00e4glich ist<\/a>. Gerade eine liberale Partei kann den f\u00fcr eine ausgedehntere Atomenergienutzung erforderlichen Polizeistaat w\u00e4hrend mindestens einer Million Jahre &#8211; unter Ber\u00fccksichtigung der erforderlichen sicheren Lagerdauer des Atomm\u00fclls &#8211; sicher nicht wollen. Klar ist auch: eine auf erneuerbare Energien aufbauende Stromversorgung ist letztlich deutlich g\u00fcnstiger als eine Atomstromversorgung, sie ist zudem mit Sicherheit nachhaltig &#8211; und f\u00fchrt zudem zur <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/strom-und-2000-watt-gesellschaft\" target=\"_blank\">2000-Watt-Gesellschaft<\/a>. Wer behauptet, Atomstrom sei ein nachhaltiger Klimaschutzbeitrag, hat sich noch nie ernsthaft und wissenschaftlich abgesichert mit dieser Thematik besch\u00e4ftigt!<\/p>\n<p>Grotesk wird die Diskussion, wenn lamentiert wird, erneuerbare Energien m\u00fcsse man aus dem Ausland importieren. Zwei Anmerkungen dazu: erstens ist mir nicht bekannt, dass es sich bei den &#8222;Atombrennstoffen&#8220; (Uran und weitere daraus abgeleitete Stoffe) um Rohstoffe aus Schweizer Boden handelt &#8211; und wie das Beispiel <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/iran-verzicht-auf-atomenergie-ist-zukunftsgerichtet\" target=\"_blank\">Iran<\/a> zeigt, ist die Zug\u00e4nglichkeit zu &#8222;Atombrennstoffen&#8220; eine hoch machtpolitische Fragestellung. Zweitens ist die Schweiz bei fast nichts selbstversorgend (allenfalls beim direktdemokratischen System helvetischer Pr\u00e4gung). Die bereits lange Geschichte der Stromversorgung zeigt: der Standort der stromproduzierenden Anlagen ist nicht zentral &#8211; es gibt bekanntlich ein mindestens europaweites Hochspannungsnetz. Entscheidend ist aber, dass die Schweiz &#8211; egal wo im Bereich Mittel- und Nordeuropa &#8211; in Anlagen f\u00fcr erneuerbare Stromproduktion investiert &#8211; wie das etwa das <a href=\"http:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/ewz\/de\/index\/energie\/stromproduktion\/windkraft\/partner\/hog_jaeren.html\" target=\"_blank\">ewz (Stadt Z\u00fcrich)<\/a> oder die <a href=\"http:\/\/www.iwb.ch\/de\/medien\/mitteilung.php?ID_news=418\" target=\"_blank\">IWB (Basel-Stadt)<\/a> tun. Wenn nun FDP, SVP und allenfalls die CVP die Energiewirtschaft dazu zwingen wollen, im Inland in Atomkraftwerke zu investieren, f\u00fchrt dies dazu, dass die gesamte Branche die wirtschaftliche Chance &#8222;Produktion von Strom aus erneuerbaren Energien&#8220; nicht nutzen kann. Als Hinweis an CVP-Bundesr\u00e4tin Doris Leuthard: Atomenergie hat nichts, aber auch gar nichts mit <a href=\"http:\/\/www.cleantech.admin.ch\/\" target=\"_blank\">Cleantech<\/a> zu tun, ganz im Gegenteil!<\/p>\n<p>Es bleibt dabei: <strong>Strom ohne Atom<\/strong> ist die einzig sinnvolle Strategie f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Stromversorgung der Schweiz!         <\/p>\n<p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie nicht anders zu erwarten war, hat das atomenergie-nahe Eidgen\u00f6ssische Nuklearsicherheitsinspektorat ENSI die grunds\u00e4tzliche Standorteignung f\u00fcr drei neue AKW-Standorte best\u00e4tigt. Die ersten Reaktionen der AKW-Lobby lassen bef\u00fcrchten, dass hier einmal mehr eine unsinnige und unn\u00f6tige Energietechnologie herangemurkst werden soll. Denn: l\u00e4ngst ist klar, dass eine saubere, sichere, nachhaltige und preisg\u00fcnstige zuk\u00fcnftige Energieversorgung nur ohne neue &hellip; <a href=\"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/bedarf-null\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eBedarf: Null\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[4,5],"tags":[665,37,93,556,656,31,151,152,168,118],"class_list":["post-2188","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-energie-und-klimaschutz","category-politik","tag-atomenergie-ist-kein-klimaaschutzbeitrag","tag-energiepolitik","tag-erneuerbar","tag-erneuerbare-energien","tag-keine-atomkraftwerke","tag-klimaschutz","tag-oekostrom","tag-ookostrom","tag-schweiz","tag-strom-ohne-atom"],"aioseo_notices":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2188","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2188"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2188\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4454,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2188\/revisions\/4454"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2188"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2188"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2188"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}