{"id":216,"date":"2008-07-25T20:37:54","date_gmt":"2008-07-25T19:37:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=216"},"modified":"2012-12-27T16:12:41","modified_gmt":"2012-12-27T15:12:41","slug":"unnotige-gentech-forschung-angriff-auf-die-forschungsfreiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/unnotige-gentech-forschung-angriff-auf-die-forschungsfreiheit","title":{"rendered":"Unn\u00f6tige Gentech-Forschung: Angriff auf die Forschungsfreiheit?"},"content":{"rendered":"<p>Dass sogenannte &#8222;Vandalen&#8220; das nicht wirkliche legale Weizen-Versuchsfeld in Z\u00fcrich-Nord am 13. Juni 08 zum Teil zerst\u00f6rt haben, war kein sinnvoller Akt. Was nun Forscher wie Simon Zeller in einem Artikel im Tages-Anzeiger vom 25. Juli 08 (Z\u00fcrich und Region, S. 11, nicht elektronisch verf\u00fcgbar) versuchen, ist aber auch nicht gerade hilfreich. <!--more--><\/p>\n<p>Simon Zeller behauptet zuerst, es handle sich hier um einen Angriff auf die Forschungsfreiheit &#8211; definitiv eine der verfassungsm\u00e4ssig garantierten Rechte. Kurz darauf sagt er aber, dass es sich bei der Gentech-Forschung um einen Auftrag des Staates respektive des Bundesrates handelt. Eine derartige Forschung mit klar vorgegebenen Auftr\u00e4gen ist allerdings kaum mehr unter Forschungsfreiheit abhandelbar.<\/p>\n<p>Die Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer ist nachweislich der Gentechnik gegen\u00fcber negativ eingestellt. Auch Herr Zeller versucht wie viele andere und wie in vielen anderen Technikbereichen, diese Haltung als &#8222;Angst&#8220; abzuqualifizieren. Nun, so lange es der Gentechnik nicht gelungen ist, den Bedarf nachzuweisen, w\u00e4re Angst tats\u00e4chlich ein schlechter Ratgeber. Die Argumente gegen Technologie sind erheblich. Eine ganz kleine Auswahl, bezogen auf den m\u00f6glichen Nutzen: <\/p>\n<ul>\n<li>Solange Nahrungskalorien wegen des Umwegs \u00fcber die Fleischproduktion verpuffen, gibt es wesentlich einfache und vor allem bereits verf\u00fcgbare Methoden, um dem Welthunger wirksam zu begegnen. Gentech braucht es dazu nicht!<\/li>\n<li>Der Mensch hat in seiner gesamten Geschichte die M\u00f6glichkeiten der Pflanzenz\u00fcchtung verwendet. Es ist eine riesige Vielfalt an Kulturpflanzen entstanden, zum Beispiel speziell an die lokalen Witterungsverh\u00e4ltnisse angepasst, zum Teil speziell auf Nutzungen fokussiert (als exemplarisches Beispiel etwa die faszinierende Variationsbreite von K\u00fcrbisgew\u00e4chsen). Dieser Schatz an Menschheitswissen gilt es zu bewahren &#8211; viele der von den Gentech-ForscherInnen herbeigew\u00fcnschten Pflanzeneigenschaften ist bereits verf\u00fcgbar.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Spannend wird es im Interview von Simon Zeller, wenn er behauptet, der Vandalenakt schade den Gentech-GegnerInnen. Etwa dadurch, dass mit diesen Versuchen h\u00e4tte herausgefunden werden sollen, unter welchen Bedingungen es zu Auskreuzungen kommen k\u00f6nne. Nur w\u00e4ren wir wieder bei der &#8222;Huhn und Ei&#8220;-Frage. Denn: diese Frage interessiert eigentlich nur, wenn es Gentech-Pflanzen gibt, und die will ja die Mehrheit nicht. Was hier unter dem Deckmantel &#8222;Forschungsfreiheit&#8220; betrieben wird, ist letztlich nichts als N\u00f6tigung! Da werden Pflanzen, die die grosse Mehrheit gar nicht will, unter juristisch unklaren Bedingungen ausgepflanzt, um etwas zu erfahren, dass die Mehrheit nicht zu wissen braucht. Dabei zeigt die Technologiegeschichte, dass es immer noch Konsequenzen technologischer Eingriffe gibt, die von gar niemandem bedacht wurden. Es mit wie mit einem Computerprogramm: man findet nur immer den zweitletzten Fehler!<\/p>\n<p>Das Festhalten an der Gentechnologie ist nichts anderes als die Wiederbelebung des Glaubens an die Machbarkeit all dessen, was gedacht werden kann, kurz an den Machbarkeitswahn. Und dies, obwohl zum Beispiel bei der Atomtechnologie l\u00e4ngst bewiesen wurde, dass sich die Atomtechnologie nicht mit einer modernen, selbstbestimmten Gesellschaft vertr\u00e4gt. Und sp\u00e4testens da stellt sich die Frage, wo die Grenzen der Forschungsfreiheit w\u00e4ren (wenn man sich bei der Gentechnologie darauf berufen k\u00f6nnte): wie gehen die Forschenden damit um, dass gerade auch engagierte, kluge und informierte Menschen mit vielen Argumenten gegen eine Technologie antreten? L\u00e4sst sich Forschung gegen den Willen der modernen Wissensgesellschaft betreiben? Gerade die ethischen und moralischen Fragestellungen f\u00fchren auch in anderen Lebensbereichen dazu, dass auf interessante, spannende, herausfordernde Aktivit\u00e4ten verzichtet wird. Johann Wolfgang von Goethes <a href=\"http:\/\/de.wikisource.org\/wiki\/Der_Zauberlehrling\" target=\"_blank\">Zauberlehrling<\/a> oder auch Albert Einsteins Sorgen um den Weltfrieden trotz dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus des Dritten Reiches.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass sogenannte &#8222;Vandalen&#8220; das nicht wirkliche legale Weizen-Versuchsfeld in Z\u00fcrich-Nord am 13. Juni 08 zum Teil zerst\u00f6rt haben, war kein sinnvoller Akt. Was nun Forscher wie Simon Zeller in einem Artikel im Tages-Anzeiger vom 25. 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