{"id":2122,"date":"2010-10-18T23:35:11","date_gmt":"2010-10-18T21:35:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=2122"},"modified":"2010-10-19T00:01:45","modified_gmt":"2010-10-18T22:01:45","slug":"amusante-sprachen-differenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/amusante-sprachen-differenz","title":{"rendered":"Am\u00fcsante Sprachen-Differenz"},"content":{"rendered":"<p>Zwei Sprach- und Sprechakteure haben in den letzten Tagen beste Unterhaltung geboten, und zwar im <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/der-tages-anzeiger-outet-sich-definitiv-als-auto-anzeiger\" target=\"_blank\">Auto-Anzeiger<\/a>, fr\u00fcher Tagesanzeiger. Den Beginn machte Peter von Matt mit dem von ihm verfassten Text &#8222;<a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/kultur\/diverses\/Der-Dialekt-als-Sprache-des-Herzens-Pardon-das-ist-Kitsch-\/story\/12552220\" target=\"_blank\">Der Dialekt als Sprache des Herzens? Pardon, das ist Kitsch!<\/a>&#8220; &#8211; Pedro Lenz reagierte darauf in einem Interview mit dem Titel &#8222;<a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/kultur\/buecher\/Schweizer-haben-in-Deutschland-eine-Sprachbehinderung\/story\/24246926\" target=\"_blank\">Schweizer haben in Deutschland eine Sprachbehinderung<\/a>&#8222;. Es handelt sich dabei sicher um deutlich unterschiedliche Positionen, beide Positionen enthalten bedenkenswerte Aspekte &#8211; aber so individuell wie die eigene Sprache, so unterschiedlich d\u00fcrfte auch die Reaktion der LeserInnen ausfallen.<!--more--><\/p>\n<p>Ein deutlich unterschiedlicher Aspekt: Peter von Matt schreibt, dass die <em>Muttersprache [in der Deutschschweiz] Deutsch in zwei Gestalten ist: Dialekt und Hochdeutsch<\/em>. Pedro Lenz demgegen\u00fcber h\u00e4lt fest, dass die <em>gesprochene Muttersprache die die Mundart ist. Hochdeutsch sei angelernt, sei also eine Fremdsprache<\/em>. Der Feinheit halber: Lenz zitiert von Moos somit nur bedingt richtig, wenn er anf\u00fchrt, von Moos spreche von zwei Muttersprachen. <\/p>\n<p>Wenn Pedro Lenz SchweizerInnen eine Sprachbehinderung zubilligt, so gilt vorerst der schon fast zynische Spruch, behindert sei man nur, wenn man sich behindern lasse: zumindest in der Sprache geht es auch um ein gesundes Mass an Selbstvertrauen.  Pedro Lenz f\u00fchrt als Beispiel f\u00fcr diese Sprachbehinderung Ueli Maurer an, wenn er mit deutschen Kollegen (also Exekutivmitgliedern auf Bundesebene) debattieren m\u00fcsse. Nun, da Herr Maurer ja bekanntlich <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/vier-bundesratinnen-zwei-bundesrate-und-ein-museumsdirektor\" target=\"_blank\">Museumsdirektor<\/a> einer mittelalterlichen Sicherheitsauffassung ist, scheint dieser Vergleich eher untauglich &#8211; bei Doris Leuthard oder auch bei Neu-Bundesr\u00e4tin Simonetta Sommaruga, um nur zwei andere Mitglieder des Bundesrates zu nennen, k\u00e4me niemand auf die Idee, diesbez\u00fcglich Vorbehalte anzubringen. Sprachliche Eloquenz ist nicht eine Frage der Anzahl Muttersprachen oder ihrer Erscheinungsformen!<\/p>\n<p>Zwei- oder gar dreisprachig aufwachsende Kinder seien im Vorteil f\u00fcr den Erwerb zus\u00e4tzlicher Sprachkenntnisse &#8211; aus dieser Sicht w\u00e4re eher die Position von Pedro Lenz zu bevorzugen. Andererseits ist die Ernsthaftigkeit des Spracherwerbs von grosser Bedeutung &#8211; da w\u00e4re Peter von Matt zuzustimmen, dass die Muttersprache in zwei Erscheinungen Platz l\u00e4sst etwa f\u00fcr Fr\u00fch-Englisch, -Franz\u00f6sisch oder -Italienisch. Allerdings steht der Spracherwerb in Konkurrenz mit anderen schulischen F\u00e4higkeiten &#8211; der <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/zuerich\/region\/ExBildungsdirektor-fordert-Leistungstests-fuer-Schulen\/story\/23011061\" target=\"_blank\">fr\u00fchere Z\u00fcrcher Bildungsdirektor Ernst Buschor<\/a> etwa meint, die Mathematik-F\u00e4higkeiten der Sch\u00fclerInnen hingen direkt mit der Anzahl Mathematik-Stunden zusammen (was dann wiederum zu einer guten Pisa-Plazierung f\u00fchre &#8211; respektive zu besseren Zahlenakrobatikf\u00e4higkeiten der Banker, VersicherungsspezialistInnen, Ingenieurinnen &#8211; siehe dazu die Fussnoten).<\/p>\n<p>Aus eigener Erinnerung: &#8222;Fremd&#8220; waren die Sprache der Mittagsnachrichten, die Texte in den Zeitungen, in den B\u00fcchern nicht, aber sie waren auch nicht Muttersprache &#8211;  ganz genau gleich wie (aus der Sicht des Zugerlandes) die Sprache der Grosseltern, Onkel, Tanten, Cousinen aus dem Bernbiet. Weder Muttersprache noch Fremdsprache also &#8211; mit der Erfahrung, dass auch das Verstehen wollen wichtig ist, dass dazu die R\u00fcckfrage geh\u00f6rt, wenn etwas nicht verstanden worden ist, dass auch ein &#8222;Fehler&#8220; drin liegt, weil die wohlwollende Verbesserung einen grossen Lerneffekt hat. Und dass &#8211; wie zu den Menschen &#8211; auch zur Sprache die Ecken und Kanten geh\u00f6ren. Helvetismen geh\u00f6ren zur Sprache, es gilt \u00e4hnliches f\u00fcr die verschiedenen Regionen in Deutschland und in \u00d6sterreich (heissen tun diese <em>Austriazismen<\/em> und <em>Teutonismen<\/em>, was f\u00fcr W\u00f6rter \ud83d\ude42 )- oder, wie dies Peter von Matt an einigen Beispielen der Dialekte illustriert, auch innerhalb des deutschschweizer Sprachraums. Zentral bleibt, auch dies unabh\u00e4ngig von der Frage Mutter- oder Fremdsprache: es braucht den Willen zur Verst\u00e4ndigung, zum gegenseitigen Austausch. Esperanto &#8211; f\u00fcr alle Menschen Fremdsprache &#8211; hat es bis jetzt nicht geschafft, zur internationalen Verst\u00e4ndigungssprache zu werden &#8211; trotzdem darf Sprache keine Barriere sein, wenn es darum geht, Hoffnung, Verst\u00e4ndigung, Frieden und Freiheit in diese Welt zu tragen, so wie es eine Inschrift auf dem Esperanto-Platz in <a href=\"http:\/\/bildergalerien.umweltnetz.ch\/content\/?p=87\" target=\"_blank\">Graz<\/a> illustriert:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/bildergalerien.umweltnetz.ch\/content\/wp-content\/gallery\/graz10\/twp303_9834.jpg\" width=\"580\"> <\/p>\n<p>Darum: die sprachlichen Differenzen von Peter von Matt und Pedro Lenz sind am\u00fcsante Unterhaltung &#8211; sie sollen aber nicht davon ablenken, dass die Sprache &#8211; gesprochen und geschrieben &#8211; das Medium f\u00fcr Verst\u00e4ndigung und Austausch zwischen Menschen ist &#8211; hoffentlich auch in Situationen, in denen sie sich (noch) nicht verstehen. Denn: F\u00e4uste (statt Worte) <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/sport\/weitere\/Klitschkos-Gegner-muss-operiert-werden\/story\/11012623\" target=\"_blank\">f\u00fchren zu Verletzungen<\/a>! <\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>Fussnote 1:<\/strong> Dazu wird folgende Story erz\u00e4hlt: Lehrer M. gibt die Mathematikpr\u00fcfung zur\u00fcck und sagt dazu: 70 % der Sch\u00fclerInnen und Sch\u00fcler dieser Klasse haben das Prozentrechnen immer noch nicht begriffen. Da meldet sich Sch\u00fcler X: Ja, Herr Lehrer, sind wir dann \u00fcberhaupt so viele in unserer Klasse?<\/p>\n<p><strong>Fussnote 2:<\/strong> Und da hat sich auch noch <a href=\"http:\/\/pressetext.at\/news\/101018008\/an-primzahlen-ist-nichts-besonderes-sie-sind-einfach-zu-knacken\/\" target=\"_blank\">K\u00fcnstler und Philosoph Felix Stoffel<\/a> zu Wort gemeldet, welcher ein ganz einfaches Rechenschema zur Ermittlung von Primzahlen erster und zweiter Ordnung ver\u00f6ffentlichte. Denn: <em>die Arbeit mit Primzahlen sei ein geeignetes Mittel zum Zweck der Installation eines neuen Weltbildes, dass seiner Meinung nach l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig ist, um den technologischen Sprung in die Zukunft zu erm\u00f6glichen<\/em>. Das heisst: neben Sprachen und Mathematik braucht der\/die Sch\u00fclerIn auch noch mehr Kunst und Philosophie &#8211; kein Problem, der Tag hat bekanntlich 24 Stunden, und wenn dies nicht reicht, kann man ja auch noch die Nacht dazu nehmen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Sprach- und Sprechakteure haben in den letzten Tagen beste Unterhaltung geboten, und zwar im Auto-Anzeiger, fr\u00fcher Tagesanzeiger. Den Beginn machte Peter von Matt mit dem von ihm verfassten Text &#8222;Der Dialekt als Sprache des Herzens? Pardon, das ist Kitsch!&#8220; &#8211; Pedro Lenz reagierte darauf in einem Interview mit dem Titel &#8222;Schweizer haben in Deutschland &hellip; <a href=\"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/amusante-sprachen-differenz\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eAm\u00fcsante Sprachen-Differenz\u201c <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[646,647,644,648,645,650,649,325],"class_list":["post-2122","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-deutsch","tag-dialekt","tag-fremdsprache","tag-mundart","tag-muttersprache","tag-pedro-lenz","tag-peter-von-matt","tag-sprache"],"aioseo_notices":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2122","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2122"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2122\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2125,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2122\/revisions\/2125"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2122"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2122"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2122"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}