{"id":2098,"date":"2010-10-15T15:08:00","date_gmt":"2010-10-15T13:08:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=2098"},"modified":"2011-09-04T23:05:20","modified_gmt":"2011-09-04T21:05:20","slug":"bauen-statt-verkehrspolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/bauen-statt-verkehrspolitik","title":{"rendered":"Bauen statt Verkehrspolitik"},"content":{"rendered":"<p>Dass die Gotthard-NEAT bautechnisch zu realisieren ist, war schon zu Beginn der politischen Diskussionen \u00fcber dieses Grossvorhaben klar. Trotzdem Gratulation zum Durchstich und viel Erfolg beim Innenausbau. Nur: verkehrspolitisch macht diese Parforce-Leistung je l\u00e4nger je weniger Sinn.<!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<br \/>Regional, saisonal, vegi, bio: dies die Botschaften an Menschen, die sich klimavertr\u00e4glich ern\u00e4hren wollen. Verkehrspolitisch ist die Situation ebenso klar: WENIGER VERKEHR lautet die Devise. Eine neue Alpentransversale durch den Gotthard, selbst wenn es sich um ein Schienenangebot handelt, signalisiert das Gegenteil: ja, der Verkehr ist willkommen! Neue Strassen f\u00fchren zu noch mehr Strassenverkehr, dies gilt in gleicher Art auch f\u00fcr den Schienenverkehr. Es ist zwar so, dass der Schienenverkehr deutlich umwelt- und menschenvertr\u00e4glicher als der MIEV ist, aber auch hier bleibt die Ausgangslage klar: <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/ist-der-ov-2000-watt-fahig\" target=\"_blank\">nur weniger Verkehr ist zukunftsgerichtet<\/a>! Leider werden Bahnprojekte, auch die NEAT, nur immer als Folge von Neubauten auf der Strassenseite in Angriff genommen. <\/p>\n<p>Bei allem Respekt vor der Leistung der internationalen Bauwirtschaft und den vielen Menschen, die an der NEAT gebaut haben: Bauen ist eben nicht Verkehrspolitik. Nicht nur die Schweiz verwechselt allerdings Bauen mit Verkehrspolitik. <\/p>\n<p>Was ist zu tun?<\/p>\n<p>Zwingend ist Verkehrssparen. In der Schweiz deckt der Verkehr insgesamt, aber auch der G\u00fcterverkehr auf der Schiene die Kosten nicht. Dazu das <a href=\"http:\/\/www.are.admin.ch\/dokumentation\/00121\/00224\/index.html?lang=de&#038;msg-id=35596\" target=\"_blank\">Bundesamt f\u00fcr Raumentwicklung ARE<\/a> am 14. Oktober 2010: <em>Aufgrund der vorliegenden Ergebnisse ist f\u00fcr die kommenden Jahre davon auszugehen, dass der Schwerverkehr die von ihm verursachten externen Kosten nicht vollst\u00e4ndig decken wird<\/em>. Verkehr ist also alles andere als erstrebenswert &#8211; insbesondere der G\u00fcterverkehr ist deutlich zu vermindern. G\u00fctertourismus, das Just-in-Time-Lager auf Strasse und Schiene, hat der Vergangenheit anzugeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Was auch in anderen Konsumbereichen gilt: es braucht endlich endlich eine <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/fragwurdige-energiepolitische-fehlkonstruktion\" target=\"_blank\">stark lenkende, vollst\u00e4ndig r\u00fcckerstattete Energieabgabe<\/a> &#8211; damit sich \u00f6kologisches Verhalten auch im Portemonnaie zeigt.     <\/p>\n<p>Jede zus\u00e4tzliche Verkehrskapazit\u00e4t ist zwingend zu kompensieren &#8211; die NEAT erfordert, dass die alpenquerenden Autobahnen stillgelegt oder zumindest erheblich in ihrer Kapazit\u00e4t reduziert werden. Ein zweiter Autobahntunnel &#8211; <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/horror-oder-zukunftschance\" target=\"_blank\">die 5. R\u00f6hre<\/a> &#8211; am Gotthard ist kategorisch abzulehnen. Den l\u00e4ppischen Forderungen von <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/economiesuisse-und-tcs-outen-sich-als-climate-criminals\" target=\"_blank\">economiesuisse und TCS<\/a> nach noch mehr Strassen ist durch alle Politikebenen eine deutliche Absage zu erteilen.<\/p>\n<p>Da die Verkehrspolitik mehr ist als das Bauen neuer Verkehrsinfrastruktur, ist das historische und emotionale Ereignis des NEAT-Durchstichs unter Sedrun als Anlass zu nehmen, endlich eine Verkehrspolitik zu realisieren, die den Anforderungen an eine harte Nachhaltigkeit gen\u00fcgt, die auch einen Beitrag zur Minderung des Mensch gemachten Klimawandels leistet.<\/p>\n<hr \/>\n<p>P.S. Ich habe vor langer Zeit Referendums-Unterschriften gegen die NEAT gesammelt. Auch wenn die Abstimmung vom 27.9.1992 mit einem Ja-Anteil von 63.6 % verloren ging: die damaligen Vorbehalte gegen dieses verkehrspolitisch unsinnige Vorhaben wurden mehr als best\u00e4tigt in dieser Zeit. Auch wenn die direkte Zugsfahrt von Z\u00fcrich ins Wallis deutlich k\u00fcrzer geworden ist, wenn dies bis in einigen Jahren auch von Z\u00fcrich ins Tessin m\u00f6glich wird: die Aussage &#8222;um die Mobilit\u00e4t zu erhalten, muss der Verkehr vermindert werden&#8220; bleibt erhalten! Die ausschliessliche Fokussierung auf die bauliche Leistung anl\u00e4sslich des Durchstichs am 15.10.2010 kommt einer Verabschiedung aus der Verkehrspolitik gleich. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass die Gotthard-NEAT bautechnisch zu realisieren ist, war schon zu Beginn der politischen Diskussionen \u00fcber dieses Grossvorhaben klar. Trotzdem Gratulation zum Durchstich und viel Erfolg beim Innenausbau. 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