{"id":1992,"date":"2010-08-15T19:41:21","date_gmt":"2010-08-15T17:41:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=1992"},"modified":"2015-05-17T18:22:05","modified_gmt":"2015-05-17T16:22:05","slug":"das-buch-relikt-oder-renaissance-eines-luxus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/das-buch-relikt-oder-renaissance-eines-luxus","title":{"rendered":"Das Buch &#8211; Relikt oder Renaissance eines Luxus?"},"content":{"rendered":"<p>Das Buch und sein Stellenwert &#8211; angesichts diverser E-Book-Leseger\u00e4te inklusive iPad und <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Epub\" target=\"_blank\">ePUB<\/a> (dem offenen Standard f\u00fcr elektronische Publikationen, inklusive digitalem Rechtemanagement DRM) stellt sich die Frage nach der Zukunft des Buches immer neu. Angesichts der Aussage von <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/leben\/gesellschaft\/Utopische-Zukunft-wirkt-heute-retro\/story\/18695370\" target=\"_blank\">Trend-Forscher Matthias Horx &#8222;<em>Utopische Zukunft wirkt heute retro<\/em>&#8222;<\/a> werde ich keine Aussage zur Buch-Zukunft machen, sondern aus meiner Sicht formulieren, wie ich heute selber mit Lesestoff, sei es Literatur, sei es Unterhaltung, sei es Fachwissen, umgehe, wie ich selber zuk\u00fcnftig lesen m\u00f6chte.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Als Vielleser &#8211; ich lese pro Woche zwischen 500 und 1&#8217;000 Druckseiten (ohne Tages- und Gratiszeitungen, da diese Drucksachen mehr oder weniger werbefinanziert sind, z\u00e4hlt dies nicht als Lekt\u00fcre) &#8211; und von der <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/pestalozzi-bibliothek-zurich-pbz\" target=\"_blank\">unqualifizierten Politik der \u00f6ffentlichen Bibliothek in der Nachbarschaft beraubt<\/a> besch\u00e4ftigte ich seit langer Zeit mit der Frage der guten Medientechnik.<\/p>\n<p>Schon nur aus Platzgr\u00fcnden: Diese 500 bis 1&#8217;000 Seiten pro Woche ergeben im Jahr 50 bis 100 Taschenb\u00fccher, das B\u00fcchergestell vor einer Zimmerwand einer typischen Mehrfamilienhaus-Wohnung (3.5 m lang, 2.4 m hoch) w\u00e4re damit in 9 bis 18 Jahren aufgef\u00fcllt, fast 1000 B\u00fccher, 350 kg Papier. Mit Bibliotheken k\u00f6nnte man diese Menge etwas reduzieren &#8211; wenn es sie denn gibt, siehe oben! Im \u00fcbrigen: der Profi-Sprachler und Autor <a href=\"http:\/\/bazonline.ch\/kultur\/buecher\/Hugo-Loetschers-10000BuecherErbe-\/story\/17450912\" target=\"_blank\">Hugo Loetscher vererbte 10&#8217;000 B\u00fccher &#8211; 35 Meter B\u00fccherw\u00e4nde<\/a>!<\/p>\n<p>B\u00fccher kann man in die Hand nehmen, die Buchstaben sind drucktechnisch nahezu untrennbar mit dem Papier verbunden. Es lassen sich ganz einfach Notizen im Buch anbringen &#8211; aber: darf man denn das? Mit B\u00fcchern sind Emotionen verbunden &#8211; oder sind es doch eher die Inhalte der B\u00fccher? Es gibt sch\u00f6ne B\u00fccher, wertvolle B\u00fccher &#8211; B\u00fccher sind und bleiben aber Hilfsmittel, um Inhalte zu transportieren.<\/p>\n<p>Gerade Texte sind sehr einfach elektronisch speicherbar, als direkten Nutzen des knappen Zeichensatzes des lateinischen Alphabets. Ein typisches Buch braucht inklusive \u00fcblicherweise grafisch gestaltetem Titelblatt im ePUB-Format zwischen 2 und 4 Megabyte &#8211; die 100 B\u00fccher meines Jahreslesebedarfs beanspruchen maximal 0.4 Gigabyte Speicherplatz, deutlich weniger als die gleiche Menge digitaler Fotografien (ein Bild sagt zwar mehr als 1000 Worte, braucht aber auch mindestens so viel Speicherplatz wie ein Buch, welches mehr als 100&#8217;000 Worte enth\u00e4lt). Ein Standard-USB-Datenstick, regelm\u00e4ssig ein schon fast nicht mehr zeitgem\u00e4sses Werbegeschenk ersetzt mit minimalstem Platzbedarf das riesige, wohnungspr\u00e4gende B\u00fcchergestell!<\/p>\n<p>Digitale B\u00fccher am Bildschirm, am Computer lesen? Von vielen KollegInnen h\u00f6re ich diese emp\u00f6rte Frage. Doch, es funktioniert bestens. Ich gebe zu, dass die immense Menge an beruflichem Lesestoff, Stichwort <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/tag\/2000-watt-gesellschaft\" target=\"_blank\">2000-Watt-Gesellschaft<\/a> verbunden mit meinem Hang zum Chaotismus mich darin best\u00e4rkt hat, es einmal mit dem papierreduzierten B\u00fcro zu versuchen &#8211; und ich geniesse es, den Chaos-Datenhaufen auf den von mir benutzten Computern durchsuchen zu lassen. Anmerkungen, Kommentare oder Bemerkungen lassen sich einfach (und vor allem leserlich) direkt in die elektronischen Dokumente einf\u00fcgen &#8211; und so auch weiterversenden.<\/p>\n<p>Lassen sich auch &#8222;sch\u00f6ne&#8220; Literatur und &#8222;leichte&#8220;, unterhaltende Literatur am Computerbildschirm, dem Inbegriff des Arbeitsplatzes, lesen? Ja, selbstverst\u00e4ndlich &#8211; und da ja die Dinger immer transportabler werden, funktioniert dies auch ausserhalb des klassischen Arbeitsplatzes, mit e-Book-Readern diverser Generationen geht dies noch viel besser &#8211; der iPad hat gerade etwa die Abmessungen eines aufgeschlagenen Taschenbuchs. Einverstanden, die haptische Wahrnehmung eines &#8222;richtigen&#8220; Buches ist anders &#8211; so lassen sich etwa bei elektronischen Lesern schlecht respektive gar nicht die Seiten einknicken, um die Stelle zu markieren, wo man gerade gelesen hat, dazu braucht es elektronische Lesemarken.<br \/>\nP.S. im Zusammenhang mit der Work-Life-Balance ist auch die Trennung von Arbeitsplatz und Freizeitbesch\u00e4ftigung einem st\u00e4ndigen Wandel unterworfen, siehe auch <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/das-lob-des-kleinen-alltagsradius\" target=\"_blank\">Home Office<\/a>! <\/p>\n<p>Ohne Stromanschluss respektive mit leerem Akku lassen sich elektronische B\u00fccher nicht lesen &#8211; ohne Lesel\u00e4mpchen geht dies h\u00e4ufig allerdings auch bei einem gedruckten Buch nicht! Auch die Oeko- und Sozialbilanz l\u00e4sst sich nicht f\u00fcr oder gegen die eine oder andere Technik ausnutzen &#8211; die mir bekannten Bilanzen sind derzeit noch ausschliesslich interessengef\u00e4rbt. Oder anders: mit solchen Bilanzen kann man je nach Annahmen alles oder nichts erkl\u00e4ren!<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig von der Form der Pr\u00e4sentation, also ob als physisches oder elektronisches Buch, die Inhalte dieses Mediums werden immer noch von Menschen erarbeitet! Der Wert des Mediums wird durch den Inhalt und nicht durch die Form bestimmt. Die Aufforderung zur Gewalt bleibt Aufforderung zur Gewalt, egal ob auf Papier oder auf einem Computerbildschirm &#8211; auch die Einladung f\u00fcr den Frieden bleibt sowohl auf Papier wie auf dem Bildschirm eine Einladung, diese Einladung muss von Menschen umgesetzt werden! Die AutorInnen bestimmen die Inhalte, <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/literatur\/0,1518,711904,00.html\" target=\"_blank\">G\u00fcnter Grass<\/a> fordert zu Recht, dass sich AutorInnen politisch \u00e4ussern und sich nicht in privater Distanz halten!<\/p>\n<p>In einem eigenartigen Kontext steht die Haltung von G\u00fcnter Grass zu elektronischen B\u00fcchern &#8211; er verlangt zuerst &#8222;<em>ein die Autoren sch\u00fctzendes Gesetz<\/em>&#8222;. G\u00fcnter Grass will also bei all jenen, die sich aus diversen Gr\u00fcnden f\u00fcr elektronische Medien entschieden haben, nicht zu Wort kommen &#8211; er verweigert das Gespr\u00e4ch mit Menschen, die die digitale Lekt\u00fcre bevorzugen. Wenn G\u00fcnter Grass auch &#8222;modernen&#8220; Menschen etwas zu sagen haben will, kommt er nicht darum herum, auch digitale Publikationen zuzulassen. Festzuhalten ist: digitale Publikationen sind rechtlich und physikalisch mindestens gleich gut gesch\u00fctzt wie &#8222;analoge&#8220; B\u00fccher (diese lassen sich mit b\u00fcro\u00fcblichen Scannern elektronisch erfassen und in bearbeitbaren Text umwandeln, dies ist verboten, genau wie auch das Knacken eines DRM-Schutzes verboten ist). Es ist nun mal so: Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnen auch AutorInnen nur bewirken, wenn sie ihre Arbeit der Welt mitteilen, und analog zur &#8222;SchwarzfahrerInnen-Quote&#8220; gibt es halt auch bei den UrheberInnen-Schutzrechten einen Teil der Menschheit, welcher sich nicht an Regeln h\u00e4lt. Im \u00fcbrigen: der elektronische Musik-Markt hat nicht zur Einkommenslosigkeit der Stars gesorgt, und f\u00fcr die vielen bestenfalls lokal bekannten guten MusikerInnen war auch vor dem elektronischen Zeitalter ihre Kunst eher brotlos. \u00c4ndern l\u00e4sst sich dies erst durch ein <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/tag\/bedingungsloses-grundeinkommen-fur-alle\" target=\"_blank\">bedingungsloses Grundeinkommen f\u00fcr alle<\/a>! <\/p>\n<p>Selbst ein 80-j\u00e4hriger Literatur-Nobelpreis-Tr\u00e4ger wie G\u00fcnter Grass kann das elektronische Buch als Marktrealit\u00e4t nicht verhindern!    <\/p>\n<p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Buch und sein Stellenwert &#8211; angesichts diverser E-Book-Leseger\u00e4te inklusive iPad und ePUB (dem offenen Standard f\u00fcr elektronische Publikationen, inklusive digitalem Rechtemanagement DRM) stellt sich die Frage nach der Zukunft des Buches immer neu. 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