{"id":1872,"date":"2010-04-19T18:57:38","date_gmt":"2010-04-19T16:57:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/?p=1872"},"modified":"2010-04-19T20:05:37","modified_gmt":"2010-04-19T18:05:37","slug":"stromwirtschaftspolitik-aus-dem-letzten-jahrhundert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/stromwirtschaftspolitik-aus-dem-letzten-jahrhundert","title":{"rendered":"Stromwirtschaftspolitik aus dem letzten Jahrhundert"},"content":{"rendered":"<p>Wenn der Nicht-wirklich-Bundesrat Ueli Maurer ein <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/schweizer-armee-ist-ein-sicherheitsrisiko\" target=\"_blank\">Armeebild wie aus dem Mittelalter<\/a> pflegt und h\u00e4tschelt, ist dies bestes Grundlagenmaterial beispielsweise f\u00fcr die Satire-Sendung von Giacobbo\/M\u00fcller &#8211; die SVP-L\u00fcgengebilde zur &#8222;besten Armee der Welt&#8220; sind immerhin billige Realsatire. Wenn die SVP auch in der Stromversorgung sich selber etwas vorl\u00fcgt, ist dies f\u00fcr die Zukunftsausrichtung der Schweizerischen Energiepolitik fatal, vor allem darum, weil eine der sich als bedeutend vorkommende politische Gruppierung mit diversen Grundlagenirrt\u00fcmern politisiert.<!--more--><\/p>\n<p>Nach einer <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/mit-sicherheit-keine-energiepolitik\" target=\"_blank\">Resolution im Januar 2010<\/a> folgt bei der SVP jetzt nach das entsprechende <a href=\"http:\/\/www.svp.ch\/g3.cms\/s_page\/80730\/s_name\/newsschlagzeile\/newsContractor_id\/172\/newsID\/2026\/newsContractor_year\/2010\" target=\"_blank\">Positionspapier<\/a>: entgegen jeder vern\u00fcnftigen Argumentation verlangt die SVP ZWEI neue Atomkraftwerke! Dass diese Diskussion \u00fcberhaupt gef\u00fchrt werden muss, hat damit zu tun, dass die haupts\u00e4chlich von SVP-VertreterInnen gepr\u00e4gten Verwaltungsr\u00e4te der vielen spezialrechtlichen, pro forma als \u00f6ffentliche Unternehmungen konzipierte Stromversorgungsunternehmen in erheblichem Umfang versagt haben. Oder anders: dort, wo die SVP in diesen Verwaltungsr\u00e4ten eine gewisse Rolle spielt, sind die Stromversorger in der Atompolitik des letzten Jahrhunderts stehen geblieben. Beispiel EKZ: gerade acht Prozent der KundInnen bestellen Strom aus erneuerbaren Quellen! Wenn die SVP &#8211; wie in den gr\u00f6ssten St\u00e4dten &#8211; bei den Stromversorgern wenig oder nichts zu sagen hat, ist die Politik dieser Unternehmungen zukunftsgerichtet: in der Stadt Z\u00fcrich etwa liefert das ewz 80 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien an die Kundschaft! (Quelle: ein Artikel im gedruckten Auto-Anzeiger (fr\u00fcher Tages-Anzeiger) vom 16. April 2010).<br \/>\nDazu noch ein Zitat aus &#8222;<a href=\"http:\/\/www.wir-klimaretter.de\/nachrichtensep\/energie-nachrichten\/5621-kohlefreier-strom-muss-nicht-teurer-sein\" target=\"_blank\">Europa<\/a>&#8222;: <em>Eine Vollversorgung mit Erneuerbaren sei nicht kostspieliger als ein Energiesystem, das langfristig auf Atomkraft und Kohlekraftwerke mit CO2-Abscheidung (CCS) setzt. Gr\u00f6sster Kostenfaktor sei der Aufbau leistungsstarker Stromnetze zwischen Nord- und S\u00fcdeuropa&#8230;<\/em><\/p>\n<p>Zusammenfassend: <strong>nur weil die SVP bis jetzt die Stromversorgungspolitik verschlafen hat, muss in der Schweiz \u00fcberhaupt \u00fcber Atomkraftwerke gesprochen werden. <\/strong> <\/p>\n<p>Tatsache ist, dass bei den neuen erneuerbaren Energien die Kosten f\u00fcr neu produzierten Strom laufend abnehmen. Demgegen\u00fcber sind die \u00f6konomischen Risiken neuer Atomkraftwerke kaum bew\u00e4ltigbar. Wie das Beispiel USA zeigt, kann sich die Atomenergie nur dank erheblicher <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/hier-irren-obama-sarkozy-merkel-und-co\" target=\"_blank\">finanzieller Beitr\u00e4ge des Staates<\/a> \u00fcberhaupt im Markt halten. Derzeit bestehen erhebliche \u00f6konomische Nachteile zulasten der erneuerbaren Energien. Dass die SVP verlangt, dass erneuerbare Energien &#8222;ohne weitere staatliche St\u00fctzungsmassnahmen&#8220; auskommen m\u00fcssten, zeigt einerseits die Verhaftetheit der SVP in den alten atompolitischen Mustern,ist aber andererseits eine grandiose Frechheit der SVP. Die \u00e4usserst erfolgreiche Solarstromb\u00f6rse des ewz funktioniert haupts\u00e4chlich dadurch, dass energiepolitisch engagierte KonsumentInnen &#8211; sowohl Haushalte und Wirtschaft &#8211; bereit sind, die realen Kosten der Stromproduktion mit Fotovoltaik zu bezahlen. Denn es ist l\u00e4ngst klar: die <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/stromkundinnen-wollen-strom-aus-erneuerbaren-quellen-nicht-alle-stromproduzentinnen-wollen-ihn-auch-liefern\" target=\"_blank\">StromkundInnen<\/a> <strong>wollen<\/strong> Strom aus erneuerbaren Quellen, und sie sind bereit, die entsprechenden Kosten zu bezahlen.<\/p>\n<p>Zusammenfassend: <strong>wer wie die SVP neue Atomkraftwerke verlangt, kann dies nur tun, wenn die massiven \u00f6konomischen Verzerrungen im Strommarkt ausgeblendet werden.<\/strong>        <\/p>\n<p>Geradezu l\u00e4cherlich macht sich die SVP, wenn sie Atomstrom als einheimisch betrachtet. Das f\u00fcr den Betrieb von Atomkraftwerken ben\u00f6tigte Uran stammt aus verschiedenen L\u00e4ndern. Wie zudem das Beispiel Iran &#8211; dort gibt es nicht nur erhebliche Roh\u00f6lvorkommen, sondern auch beachtliche Lagerst\u00e4tten mit einem abbauw\u00fcrdigen Urangehalt &#8211; zeigt, ist dieser Uranmarkt bereits in erheblichem Umfang globalpolitisch betrachtet in einem kritischen Zustand &#8211; neben dem &#8222;Krieg um Oel&#8220; ist ein &#8222;Krieg um Uran&#8220; nicht auzuschliessen. Zudem kommt dazu, dass Uran eine endliche Ressource darstellt &#8211; es gibt auch einen Peak Uranium. <\/p>\n<p>Zusammenfassend: <strong>Atomenergie ist weder erneuerbar noch aus schweizerischer Sicht als einheimisch zu betrachten.<\/strong>    <\/p>\n<p>Die Schweiz ist stromversorgungsm\u00e4ssig keine Insel &#8211; das Stromnetz ist europaweit schon sehr lange Zeit verbunden. Der Ausbau des Stromnetzes wird EU-weit vorangetrieben (hoffentlich umwelt- und gesellschaftsvertr\u00e4glich). Zentral dabei ist: die zweckm\u00e4ssig nutzbaren Wasser-, Sonnen-, Biomasse- und Windenergiepotenziale in der Schweiz reichen bei weitem nicht aus, um die Schweiz v\u00f6llig autonom mit Strom zu versorgen. Die Schweiz kann trotzdem eine aktive Rolle sowohl beim europaweiten Energie- wie Leistungsmanagement wahrnehmen. Dazu geh\u00f6rt aber auch, dass sich die Schweiz sowohl kapitalm\u00e4ssig wie technisch bei der Nutzung sowohl der inl\u00e4ndischen wie ausl\u00e4ndischen Strompotentiale engagiert, aber auch bei Aufbau und Betrieb der Stromversorgungsnetze. Wer neue Atomkraftwerke baut, verh\u00e4lt sich in dieser Hinsicht nach dem Drei-Affen-Prinzip: nichts h\u00f6ren, nichts sehen, nichts sagen. Das von der SVP propagierte Abseitsstehen f\u00fchrt in die Sackgasse &#8211; beispielhaft haben etwa die Stimmberechtigten der St\u00e4dte Z\u00fcrich und Winterthur dem aktiven Engagement ihrer Elektrizit\u00e4tswerke bei der Realisierung von Windkraftwerken zugestimmt (<a href=\"http:\/\/www.stadt-zuerich.ch\/ewz\/de\/index\/ewz\/aktuell\/aktuell2009\/windenergie-rahmenkreditmit804angenommen.html\" target=\"_blank\">200-Mio-Franken Windenergie-Rahmenkredit Stadt Z\u00fcrich am 17. Mai 2009 mit 80.4 % Ja-Stimmen-Anteil<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.stadt.winterthur.ch\/info\/news\/news-detail\/article\/abstimmung-ueber-beteiligung-an-windenergiepark\/?tx_ttnews%5Byear%5D=2010&#038;tx_ttnews%5Bmonth%5D=01&#038;tx_ttnews%5Bday%5D=13&#038;cHash=c7f0464fad\" target=\"_blank\">Stadt Winterthur am 7. M\u00e4rz 2010 59.2 % Ja-Anteil f\u00fcr 4.5 Mio Investitionen in ein Nordsee-Windprojekt <\/a>; anzumerken dabei ist, dass die SVP Nein gesagt hat &#8211; in den St\u00e4dten ist diese Politik bei weitem nicht mehrheitsf\u00e4hig).     <\/p>\n<p>Zusammenfassend: <strong>da das europaweite Stromnetz technisch betrachtet Realit\u00e4t ist, ist unabh\u00e4ngig vom politischen Status der Schweiz innerhalb der EU ein aktives Mitwirken der Schweiz (sowohl technisch wie kapitalm\u00e4ssig) in der Nutzung der inl\u00e4ndischen und ausl\u00e4ndischen Stromenergiepotentiale erneuerbarer Quellen und des Stromtransports zwingend.<\/strong> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn der Nicht-wirklich-Bundesrat Ueli Maurer ein Armeebild wie aus dem Mittelalter pflegt und h\u00e4tschelt, ist dies bestes Grundlagenmaterial beispielsweise f\u00fcr die Satire-Sendung von Giacobbo\/M\u00fcller &#8211; die SVP-L\u00fcgengebilde zur &#8222;besten Armee der Welt&#8220; sind immerhin billige Realsatire. 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