{"id":186,"date":"2008-03-24T13:40:51","date_gmt":"2008-03-24T12:40:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/olympiade-sport-ist-auch-politik\/"},"modified":"2012-12-27T21:40:34","modified_gmt":"2012-12-27T20:40:34","slug":"olympiade-sport-ist-auch-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/olympiade-sport-ist-auch-politik","title":{"rendered":"Olympiade: Sport ist auch Politik!"},"content":{"rendered":"<p>Im Z\u00fcrcher Kult-Comic von Jaermann\/Schaad (Tages-Anzeiger) vom 11. M\u00e4rz 2008 ging Eva der Frage nach, warum denn die Abk\u00fcrzung EM f\u00fcr &#8222;Europameisterschaft&#8220; durch EURO ersetzt worden sei. Die Antwort von Eva: &#8222;<em>Es geht nur noch um Geld<\/em>&#8222;. <\/p>\n<p>Bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking geht es nicht nur um Sport &#8211; es geht auch dort um Geld, um sehr viel Geld. Und es geht eben doch auch um Politik!<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Beim Sport geht es um viel Geld. Zuerst einmal beim Spitzensport &#8211; die modernen GladiatorInnen sind gewichtige Treibkr\u00e4fte einer gewaltigen Freizeitindustrie. Sportliche H\u00f6chstleistungen bieten Projektionsfl\u00e4chen f\u00fcr das Marketing von Produkten aller Art. Da selbst &#8222;Alltags&#8220;-Sportarten wie Wandern\/Laufen unterdessen technisch aufger\u00fcstet werden (von der Funktionsunterbekleidung \u00fcber Spezialsocken bis zu den Gehst\u00f6cken), setzt der Sport Milliarden um. Davon profitieren viele &#8211; neben diversesten Unternehmen auch die nationalen und internationalen Sportverb\u00e4nde, zum Beispiel auch das Internationale Olympische Komitee IOC.<\/p>\n<p>China als Gastgeber der olympischen Sommerspiele 2008 gilt als diktatorisch und undemokratisch. Minderheiten haben einen schweren Stand, die Menschenrechte sind in keiner Art und Weise gew\u00e4hrleistet. Die Auseinandersetzungen in Tibet sind letztlich eine direkte Folge der Macht- und Unterdr\u00fcckungspolitik der chinesischen F\u00fchrung (darum auch die sture Haltung der Chinesen und anderer \u00e4hnlich strukturierter Staaten im Bezug z.B. auf den Kosovo, <a href=\"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/gazastreifen-kosovo-kurdistan-kanton-jura\/\" target=\"_blank\">mehr dazu<\/a>).<\/p>\n<p>China als Volkswirtschaft mit einem aktuell deutlich zunehmenden Bruttoinlandprodukt gilt in vielen anderen Volkswirtschaften, aber auch bei vielen Unternehmen als Zukunftsmarkt. Aufgrund der Gr\u00f6ssenverh\u00e4ltnisse ist davon auszugehen, dass China zumindest versucht, die Bedingungen f\u00fcr den Handel vorzugeben. Die in den letzten Jahren geh\u00e4uften F\u00e4lle von schadstoffbelasteten G\u00fctern (z.B. Spielzeuge) aus chinesischer Produktion zeigen, dass es einen erheblichen Aufwand braucht, um die Unternehmen in China dazu zu bringen, in den USA und in Europa hart erk\u00e4mpfte Standards &#8211; Stichwort KonsumentInnen-Schutz &#8211; zu respektieren (dahinter steckt die schwierige Frage, ob China als entwickelnde Volkswirtschaft nicht auch das Recht hat, die selben Fehler zu wiederholen, wie sie in den letzten Jahrzehnten wenn nicht gar Jahrhunderten in den USA und in Europa gemacht wurden). Angesichts der Gr\u00f6sse von China ist es durchaus verst\u00e4ndlich, dass auch von \u00f6kologischer Seite Anspr\u00fcche formuliert werden. Denn: auch wenn in China der Pro-Kopf-Energieverbrauch deutlich kleiner ist als in den USA oder in Europa, absolut betrachtet ist China einer der gr\u00f6ssten Emittenten von Treibhausgasen. Auch dies ein Abbild der globalisierten Wirtschaft: viele FachexpertInnen orientieren sich schon lange nicht mehr an Landesgrenzen, sondern an den grossen Herausforderungen und den Aufgaben der Gegenwart, unabh\u00e4ngig davon, wo auf dem Globus die Arbeit zu leisten ist (zum Beispiel <a href=\"http:\/\/www.abinternational.ch\/\" target=\"_blank\">Energie\/Nachhaltigkeit<\/a> oder <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nationalstadion_Peking\" target=\"_blank\">Architektur<\/a>).<\/p>\n<p>China ist Gastgeber der olympischen Bewegung, die teilnehmenden AthletInnen (und damit die hinter ihnen stehenden nationalen Sportverb\u00e4nde) sind somit G\u00e4ste Chinas. Hier kommt es auch zu einer Kultur-Kollision: China und Europa\/USA haben unterschiedliche Vorstellungen dar\u00fcber, welche &#8222;Pflichten und Rechte&#8220; Gastgeber und G\u00e4ste zu respektieren haben &#8211; gerade im Hinblick auf die Menschenrechtsfrage l\u00e4sst China nicht mit sich reden.<\/p>\n<p>Wie diverse Beispiele der Weltgeschichte &#8211; seien es Israel, Irak, Iran, Kosovo, China &#8211; zeigen, gibt es noch keine globale Strategie zur Entwicklung gemeinsamer Werte (z.B. in Anwendung\/Weiterentwicklung des <a href=\"http:\/\/www.weltethos.org\/\" target=\"_blank\">Weltethos<\/a>) und der dazu erforderlichen Umsetzungsarbeiten. Nur so ist zu erkl\u00e4ren, wie hilfslos die Welt\u00f6ffentlichkeit im allgemeinen, aber auch die Sport\u00f6ffentlichkeit im speziellen auf die schlimmen Gewaltexzesse der chinesischen Machthaber in Tibet reagiert.<\/p>\n<p>Es handelt sich dabei um ein klassisches Dilemma:<\/p>\n<ul>\n<li>Gewalt im allgemeinen ist generell abzulehnen &#8211; Gewaltanwendende m\u00fcssen ger\u00fcgt und aufgefordert werden, solches Tun zu unterlassen.<\/li>\n<li>auch wenn es um Sport, um den olympischen Gedanken geht: wie sollen SportlerInnen damit zu recht kommen, dass jene, die verantwortlich sind f\u00fcr die Gewaltanwendungen, die gleichen sind, die letztlich die Gastgeber-Verantwortung f\u00fcr die olyampischen Sommerspiele tragen?<\/li>\n<li>Wie kann an einem solchen Anlass im Wissen um das Blutvergiessen im Umfeld Freude aufkommen?<\/li>\n<li>Was ist wichtiger: das Festhalten an den eigenen Vorstellungen (auch ethischen Ueberlegungen wie beispielsweise den kantschen Imperativ) wie Demokratie, Rechtsstaat, Menschenrechte &#8211; oder das Intakthalten der \u00f6konomischen Hoffnungen der eigenen Volkswirtschaft?<\/li>\n<li>Wie kann bei allem Respekt vor der Souver\u00e4nit\u00e4t eines anderen Staates Einfluss genommen werden, damit in diesem Staat Missst\u00e4nde abgebaut werden (dies schafft wiederum Bez\u00fcge zum Konflikt \u00fcber die Bedeutung von Steuerhinterziehung in Deutschland, Liechtenstein und der Schweiz)?<\/li>\n<li>Oder ist es das Schicksal der Menschheit, dass &#8222;<em>zuerst das Fressen, dann die Moral<\/em>&#8220; (Brecht) kommt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es ist davon auszugehen, dass es keine L\u00f6sung gibt (darum Polylemma), die wirklich gut ist, bei denen es nur Gewinnerinnen gibt. Auf jeden Fall ist &#8211; unabh\u00e4ngig von den olympischen Spielen &#8211; lauter Protest n\u00f6tig (siehe zum Beispiel die <a href=\"http:\/\/www.admin.ch\/aktuell\/00089\/index.html?lang=de&#038;msg-id=17833\" target=\"_blank\">Medienmitteilung<\/a> des eidgen\u00f6ssischen Departements f\u00fcr ausw\u00e4rtige Angelegenheiten vom 15.3.08), von Staaten, von Unternehmen, die in China aktiv sind, von Verb\u00e4nden wie dem Internationalen Olympischen Komitee. Aber auch KonsumentInnen sollten Firmen mit China-Engagement daran erinnern, dass sich diese bei ihren Gesch\u00e4ftspartnern f\u00fcr  Menschenrechte und Demokratie engagieren. Denn: wer schweigt, macht sich an den Verst\u00f6ssen gegen die Menschenrechte zumindest moralisch mitschuldig. Dass beispielsweise am Sonntag, 16. M\u00e4rz 2008 kein Protest auf der <a href=\"http:\/\/www.olympic.org\/\" target=\"_blank\">IOC-Internet-Seite<\/a> zu finden ist, ist unverst\u00e4ndlich und nicht akzeptabel.  immerhin hat der Chef von Swiss Olympic, J\u00f6rg Schild, das IOC \u00f6ffentlich zu einer Intervention aufgefordert! Was seit dem <a href=\"http:\/\/www.olympic.org\/uk\/news\/media_centre\/press_release_uk.asp?release=2520\" target=\"_blank\">23. M\u00e4rz 2008<\/a> zu den Menschenrechten auf der Internet-Seite des IOC steht, ist geradezu verantwortungslos &#8211; Geld und gedankenlose Verherrlichung des Sports steht f\u00fcr Jacques Rogge, den Pr\u00e4sidenten des Internationalen Olympischen Komitees, nach wie vor an erster und eigentlich einziger Position.  <\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"http:\/\/www.rsf.org\/article.php3?id_article=2293\" target=\"_blank\">Petition der Reporter ohne Grenzen<\/a> &#8211; Quelle des Bildes der Olympiaringe aus Handschellen.<\/p>\n<p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Z\u00fcrcher Kult-Comic von Jaermann\/Schaad (Tages-Anzeiger) vom 11. M\u00e4rz 2008 ging Eva der Frage nach, warum denn die Abk\u00fcrzung EM f\u00fcr &#8222;Europameisterschaft&#8220; durch EURO ersetzt worden sei. Die Antwort von Eva: &#8222;Es geht nur noch um Geld&#8222;. 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