{"id":162,"date":"2008-05-09T16:35:36","date_gmt":"2008-05-09T15:35:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/tamedia-und-klimaschutz\/"},"modified":"2008-08-18T07:51:30","modified_gmt":"2008-08-18T06:51:30","slug":"tamedia-und-klimaschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/tamedia-und-klimaschutz","title":{"rendered":"Tamedia und Klimaschutz"},"content":{"rendered":"<p>Am 4. Dezember 2007 lag dem Tages-Anzeiger eine Verlagsbeilage &#8222;Der Offroad-Boom&#8220; mit dem Untertitel &#8222;Die Schweiz f\u00e4hrt auf Offroader und SUV ab&#8220; bei. Dies ausgerechnet zu Beginn der Klimaschutzkonferenz COP 13 auf Bali. Wie vertragen sich solche verkaufsf\u00f6rdernden Verkaufsbeilagen mit dem Klimaschutz?<!--more--><\/p>\n<p>Die Autos der Schweizerinnen und Schweizer geh\u00f6ren auch im europ\u00e4ischen Vergleich zu den gr\u00f6ssten Benzin- und Dieselschleudern und tragen \u00fcberm\u00e4ssig zum Ausstoss des Treibhausgases CO2 bei. Die SchweizerInnen fahren insbesondere auf Offroader und SUVs ab. Und solche Trends wirken sich sehr direkt auf die vom BAFU erstellte <a href=\"http:\/\/www.news-service.admin.ch\/NSBSubscriber\/message\/attachments\/12466.pdf\" target=\"_blank\">CO2-Bilanz der Schweiz<\/a> aus: noch nie war der CO2-Ausstoss aus dem Verkehr so hoch wie 2006, rund 19 Prozent h\u00f6her als 1990 &#8211; und dies obwohl er eigentlich bis 2010 acht Prozent unter dem Wert von 1990 liegen sollte!<\/p>\n<p>Darf jetzt ein Zeitungsverlag f\u00fcr sich beanspruchen, eine strikte Trennung von redaktionellem Teil und kommerziellem Teil vorzunehmen und darum keine Inserate abzulehnen (ausser den &#8222;heiklen&#8220; politischen Inseraten)? Im Grundsatz ist die Pressefreiheit hochzuhalten. Doch gerade im Autobereich ritzen auch Medien wie der Tages-Anzeiger an diesem Status. Journalisten fahren Autos, die ihnen von der Autowirtschaft (gratis) zur Verf\u00fcgung gestellt werden &#8211; hier wird ganz klar bezahlte Werbung betrieben.<\/p>\n<p>Auch ein Verlag hat eine \u00f6kologische Politik zu verfolgen. Seit 2003 steht im tamedia-Leitbild der Satz: <em>Zum verantwortungsvollen Handeln geh\u00f6rt es, dass wir den Anspr\u00fcchen der Umwelt Rechnung tragen.<\/em> 2003 war es durchaus noch \u00fcblich, dass solche Leitbilder in \u00f6kologischen Fragestellungen bloss <strong>sch\u00f6ne Worte<\/strong> enthielten &#8211; 2007 sind die Anspr\u00fcche h\u00f6her, da braucht es konkrete Handlungen mit Wirkungsnachweis.<\/p>\n<p>Die Umweltpolitik eines Unternehmens darf sich l\u00e4ngst nicht mehr auf die direkten Auswirkungen der Unternehmenst\u00e4tigkeit beschr\u00e4nken. Auch die indirekten Auswirkungen geh\u00f6ren dazu. Zur Illustration: da wird einerseits im redaktionellen Teil mit einer beachtlichen Kompetenz \u00fcber \u00f6kologische Fragestellungen informiert, w\u00e4hrend bei den Inseraten verst\u00e4rkt die grossen Fahrzeuge beworben werden.<\/p>\n<p><em>&#8222;Anspr\u00fcchen der Umwelt Rechnung tragen&#8220;<\/em> &#8211; das heisst nicht erst im Jahr 2007: deutlich weniger Emissionen von Treibhausgasen. Das Gew\u00e4hrenlassen der Inserate-Freiheit auch bei den Autos hat sicher einen Teilbeitrag geleistet, dass die CO2-Emissionen aus dem Verkehr zugenommen haben. Wenn tamedia die eigenen &#8222;sch\u00f6nen Worte&#8220; ernst nimmt, gibt es nur eines: die Inserate-Freiheit bei den Autowerbungen muss geringf\u00fcgig eingeschr\u00e4nkt werden. Es sollten zuk\u00fcnftig nur noch Inserate f\u00fcr Autos mit tiefem CO2-Ausstoss, z.B. nur noch f\u00fcr Autos mit weniger als 120 Gramm CO2-Emissionen pro Kilometer, publiziert werden. Ebenso k\u00f6nnte die redaktionelle Werbung f\u00fcr Fahrzeuge auf die selben Typen beschr\u00e4nkt werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr Verlagsbeilagen wie &#8222;Der Offroad-Boom&#8220; kann die Redaktionsfreiheit so oder so nicht mehr beansprucht werden. Solche Produkte werden vom Verlag eigenst\u00e4ndig in Angriff genommen. Die Themen werden in eigener Verantwortung festgelegt, es werden die Inserenten dazu gesucht &#8211; hier kommt einzig und allein die Unternehmenspolitik zum Tragen.  Wie sich die Leitbild-Aussage &#8222;<em>Zum verantwortungsvollen Handeln geh\u00f6rt es, dass wir den Anspr\u00fcchen der Umwelt Rechnung tragen.<\/em>&#8220; mit der Verlagsbeilage &#8222;Der Offroad-Boom&#8220; vereinbaren l\u00e4sst, wird das Geheimnis von tamedia bleiben.<\/p>\n<p>Im \u00fcbrigen &#8211; und dies ohne Honorar als potentieller Verlagsberater: Kommerziell steht die &#8222;Offroad-Verlagsbeilage&#8220; quer in der Landschaft. Zu Beginn des Klimagipfels auf Bali w\u00e4re es wenn schon knapp passend gewesen, eine Verlagsbeilage mit den Fahrzeugen zu erstellen, die heute schon weniger als 120 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren &#8211; neben den Aspekten des Klimaschutzes w\u00e4re dies auch jenen entgegenkommen, die angesichts der aktuell sehr hohen Benzin- und Diesel-Preisen eine sparsamere Fahrzeugversion suchen.<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnten denn Medien tun, um einen ernsthaften Beitrag zur Verminderung der CO2-Emissionen zu leisten?<\/p>\n<ul>\n<li>keine Inserate mehr f\u00fcr Autos, die mehr als 120 g CO2 pro km emittieren.<\/li>\n<li>keine redaktionellen Beitr\u00e4ge mehr \u00fcber Fahrtests mit Autos &#8211; diese k\u00f6nnen als Publireportagen (unter obiger Einschr\u00e4nkung) abgedruckt werden.<\/li>\n<li><em>Um die Mobilit\u00e4t zu erhalten, muss der Verkehr vermindert werden<\/em> &#8211; eine Aussage des Dresdener Verkehrs\u00f6kologen Udo J. Becker: geistige Mobilit\u00e4t statt autobetriebene Unterwegsheit ist angesagt. Damit ist eine geistige Haltung verbunden &#8211; diese ist auch durch die Medien zu f\u00f6rdern.\n<p>Zitat dazu vom deutschen Bundespr\u00e4sidenten Horst K\u00f6hler: <em>Mit einer nachhaltigeren Gestaltung unseres Lebensstils im Sinne von <strong>\u0082gut leben<\/strong>\u0092 statt \u0082<strong>viel haben<\/strong>\u0092 und einem fairen Miteinander der reichen und armen Staaten dieser Welt k\u00f6nnen wir daf\u00fcr sorgen, dass die Erde auch f\u00fcr unsere Kinder und Enkel wohnlich bleibt.<\/em> (anl\u00e4sslich der Verleihung des Deutschen Umweltpreises am 28.10.2007).<\/li>\n<li>Die Zeit des &#8222;alles ist m\u00f6glich und erlaubt&#8220; ist definitiv vorbei &#8211; es gilt, von der Verschwendungssucht Abschied zu nehmen &#8211; siehe dazu der <a href=\"http:\/\/www.kath.ch\/skz\/seite.php?kzteid=1754&amp;dr=y\" target=\"_blank\">Beitrag des Ethikers Otto Sch\u00e4fer<\/a>. Gerade die Medien haben sowohl im redaktionellen Teil als auch im kommerziellen Bereich eine besondere Verantwortung wahrzunehmen.<\/li>\n<li>und als erstes kleines Zeichen: die Wettbewerbspreise &#8222;Autos&#8220; bei den Werbekampagnen der Schweizer Presse sind schon seit Jahren nicht mehr zeitgem\u00e4ss &#8211; und sind bestenfalls durch Phantasielosigkeit zu entschuldigen.<\/li>\n<\/ul>\n<hr \/>\n<p>Einmal mehr verh\u00f6hnt eine Verlagsbeilage des Tages-Anzeiger die sch\u00f6nen Verlags-Worte zum Umweltschutz: am Freitag, 9. Mai 2008 liegt CABRIO-TRENDS dem Tages-Anzeiger bei &#8211; mit 60 der absolut \u00fcberfl\u00fcssigsten Autos der Welt, unversch\u00e4mt teuer, unversch\u00e4mt klimasch\u00e4dlich. Die meisten mit CO2-Emissionen von 200 Gramm und mehr &#8211; Dinosaurier, nur antreibbar wegen des Raubbaus an den fossilen, endlichen Erd\u00f6l-Ressourcen dieses Planeten. Und dies ausgerechnet am gleichen Tag, als der <a href=\"http:\/\/www.news.admin.ch\/message\/?lang=de&#038;msg-id=18667\" target=\"_blank\">Bund bekannt<\/a> gibt, dass insbesondere der Strassenverkehr die externen Kosten von 8.5 Mia Franken (2005) bei weitem nicht deckt, dass diese konservativ, vorsichtig ermittelten externen Kosten seit 2000 um 24 % angestiegen sind! Gleichzeitig auch bei einem neuen (relativen) Oelpreismaximum, welches weltweit als Anzeichen daf\u00fcr gewertet wird, dass die maximalen Produktionsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Erd\u00f6l ersch\u00f6pft sind, dass also dringend Massnahmen &#8222;Weg von Oel&#8220; erforderlich sind. Warum verh\u00e4lt sich ein einflussreicher Verlag derart gedankenlos?       <\/p>\n<hr \/>\n<p>Erste Fassung 9. Dezemer 2007<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 4. 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