{"id":1173,"date":"2009-01-04T20:46:13","date_gmt":"2009-01-04T20:46:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/horoskope-der-2000-watt-gesellschaft"},"modified":"2019-07-09T20:28:35","modified_gmt":"2019-07-09T18:28:35","slug":"horoskope-der-2000-watt-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/horoskope-der-2000-watt-gesellschaft","title":{"rendered":"&#8222;Horoskope&#8220; der 2000-Watt-Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p>Es geh\u00f6rt offenbar zu den Eigenheiten der Gesellschaft, &#8222;Schubladen&#8220; f\u00fcr die Gruppenbildung zu schaffen (und dazu gibt es dann das Sprichwort, dass mensch dauernd damit besch\u00e4ftigt ist, aus den Schubladen hinauszuklettern, in die mensch von andern hineingesteckt wurde). Horoskope sind eine solche Schubladisierung, mit 12 Hauptschubladen, wobei diese zum Beispiel durch den Aszendenten feiner unterteilt werden k\u00f6nnen &#8211; bis hin zu noch feineren Unterteilungen. Wenn solche Schubladisierungen nicht zur fatalistischen Pr\u00e4gung mit selbsterf\u00fcllenden Prophezeiung verkommen, k\u00f6nnen solche Typisierungen durchaus einen n\u00fctzlichen Beitrag zur Selbsterkenntnis liefern.<!--more--><\/p>\n<p>Bei der 2000-Watt-Gesellschaft geht es vor allem um Konsumfragen und die individuelle Haltung dazu. Konsum, das hat sehr viel mit Marketing zu tun. Soziale Mileus versuchen, die Bev\u00f6lkerung zu segmentieren, zu schubladisieren. Sinus-Milieus sind ein solcher Versuche, beispielsweise f\u00fcr <a href=\"http:\/\/www.sociovision.de\/uploads\/tx_mpdownloadcenter\/infoblatt_d_2009_01.pdf\" target=\"_blank\">Deutschland<\/a> oder die <a href=\"http:\/\/www.publisuisse.ch\/index.cfm?event=showsinus_milieus_schweiz\" target=\"_blank\">Schweiz<\/a> analysiert.<\/p>\n<p>Die Zeitschrift politische \u00f6kologie, Ausgabe 105, Juni 2007 war dem Thema &#8222;Nachhaltiges Design&#8220; gewidmet &#8211; dabei hat <a href=\"http:\/\/www.econcept.org\/index.php?option=com_content&#038;task=view&#038;id=96\" target=\"_blank\">Ursula Tischner von der Firma econcept.org, Agentur f\u00fcr nachhaltiges Design<\/a> \u00dcberlegungen zur Ansprechbarkeit der Zielgruppe Gesellschaft auf \u00f6kologische\/nachhaltige Argumentationen gemacht. Demnach w\u00e4ren aus den 10 deutschen Sinus-Milieus die H\u00e4lfte &#8211; entsprechend einem Bev\u00f6lkerungsanteil von 48 % f\u00fcr Nachhaltigkeitsthemen ansprechbar, wobei jede dieser Milieus einen eigenen Zugang zur Nachhaltigkeit hat:<\/p>\n<ul>\n<li>Exklusivit\u00e4t (&#8222;Nat\u00fcrlich besonders &#8211; gehobene Anspr\u00fcche&#8220;)<\/li>\n<li>Umwelt (&#8222;Nat\u00fcrlich gut &#8211; Haus gleich Natur&#8220;)<\/li>\n<li>Qualit\u00e4t (&#8222;Nat\u00fcrliche Qualit\u00e4t &#8211; zeitloser Stil&#8220;)<\/li>\n<li>Gesundheit (&#8222;Nat\u00fcrlich gesund &#8211; Wohnen zum Wohlf\u00fchlen&#8220;)<\/li>\n<li>Lifestyle-Avantgarde (&#8222;Natural lifestyle &#8211; Individual fashion&#8220;)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nun, das <a href=\"http:\/\/2kwblog.umweltnetz.ch\/index.php?\/archives\/27-Die-StadtzuercherInnen-sagen-Ja-zur-Vision-der-2000-Watt-Gesellschaft.html\" target=\"_blank\">Abstimmungsergebnis zur 2000-Watt-Abstimmung in der Stadt Z\u00fcrich<\/a> vom 30. November 2008 mit einem Ja-Stimmenanteil f\u00fcr die 2000-Watt-Gesellschaft von \u00fcber 75 % l\u00e4sst erahnen, dass grunds\u00e4tzlich auch noch weitere als \u00f6kologische Argumente f\u00fcr derartig vision\u00e4re Ideen massgeblich sind, vielleicht auch, dass StadtbewohnerInnen m\u00f6glicherweise anders ticken als der Durchschnitt der Gesamtbev\u00f6lkerung. Aber trotzdem: soll das Thema der 2000-Watt-Gesellschaft in den K\u00f6pfen, Herzen und H\u00e4nden (also im Bezug auf rationale Argumente, emotionale Bez\u00fcge und der Handlungsbereitschaft) der Menschen Platz finden, braucht es unterschiedlichste Formen der Kommunikation.<\/p>\n<p>Eine der Trendsetter-Lifestyle-Gruppen &#8211; Lebensstile sind nochmals eine andere Schubladisierung &#8211; welche f\u00fcr Nachhaltigkeits\u00fcberlegungen besonders ansprechbar ist, wird als <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/LOHAS\" target=\"_blank\">LOHAS<\/a> bezeichnet: <em>Lifestyle of Health and Sustainability<\/em>. Es ist diese Lifestyle-Gruppe, die einerseits durch ihre Kaufkraft dazu beitr\u00e4gt, dass gewisse \u00f6kologisch orientiere \u00dcberlegungen &#8211; von der Bio-Knospe bei Lebensmitteln \u00fcber Minergie-P-H\u00e4user \u00fcber \u00d6kotourismus &#8211; \u00fcberhaupt eine Marktnische finden. Andererseits ist es auch diese Konsumgruppe, die ebenfalls wegen ihrer Kaufkraft krampfhaft daran festh\u00e4lt, dass die 2000-Watt-Gesellschaft ausschliesslich dank &#8222;bewusstem&#8220; Konsum, aber ohne Verzicht (was immer auch dies bedeutet) m\u00f6glich sei. Auch deshalb finden bei dieser Lifestyle-Gruppe gut gemeinte (was bekanntlich nicht das gleiche ist wie gute) Ans\u00e4tze wie etwa der <a href=\"http:\/\/www.myclimate.ch\" target=\"_blank\">CO2-Kompensierer myclimate<\/a> sehr viel Anklang  &#8211; das schlechte Gewissen l\u00e4sst sich relativ billig wegspenden. <\/p>\n<p>An den LOHAS haben die Marketing-Fachleute ihre helle Freude: kaufkr\u00e4ftig, mit Hinweis auf Nachhaltigkeit (und Gesundheit) sogar zum Kauf von noch teureren Produkten bereit &#8211; schliesslich k\u00f6nnen sie mit &#8222;Geiz-ist-geil&#8220; gl\u00fccklicherweise nicht sehr viel anfangen!<\/p>\n<p>Eine andere Gruppe, die <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/LOVOS\" target=\"_blank\">LOVOS<\/a> &#8211; <em>Lifestyles of Voluntary Simplicity<\/em> &#8211; ist marketingm\u00e4ssig schwieriger zu erreichen, da sie sich im Konsumverzicht \u00fcbt, um beispielsweise den Alltagszw\u00e4ngen aus dem Weg gehen zu k\u00f6nnen. Das heisst: diese Gruppe kauft sich Dinge auch dann nicht, wenn sie sich sogar leisten k\u00f6nnte, weil noch bewusster und gezielter konsumiert wird. Allerdings: LOHAS und LOVOS \u00fcberdecken sich teilweise&#8230;<\/p>\n<p>Solche Haltungen reizen auch die TrendforscherInnen wie beispielsweise <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/zuerich\/stadt\/Man-isst-zunehmend-regionale-Produkte\/story\/12856048\" target=\"_blank\">Mirjam Hauser<\/a> und  <a href=\"http:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/meinungen\/dossier\/kolumnen--kommentare\/Fuer-Lovos-wird-der-Konsumverzicht-zur-Tugend\/story\/23604691\" target=\"_blank\">David Bosshart<\/a> beim Gottlieb-Duttweiler-Institut GDI oder speziell zu <a href=\"http:\/\/www.zukunftsinstitut.de\/verlag\/studien_detail.php?nr=67\" target=\"_blank\">LOHAS Matthias Horx<\/a>.<\/p>\n<p>Auch LOHAS und LOVOS sind letztlich Schubladen. Wenn die 2000-Watt-Gesellschaft erreicht werden soll &#8211; und dies ist zwingend erforderlich, um der Menschheit das \u00dcberleben auf dem Planeten Erde zu erm\u00f6glich &#8211; m\u00fcssen alle Menschen unabh\u00e4ngig von ihren Schubladen in ihrem Verantwortungsbereich, sowohl privat als bei der Erwerbsarbeit, die n\u00f6tigen Handlungen ausl\u00f6sen und ausf\u00fchren.<\/p>\n<p>Zu den Handlungsspielr\u00e4umen:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/private.ecospeed.ch\/private\/\" target=\"_blank\">ECO2-Rechner<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.footprint.ch\/\" target=\"_blank\">\u00d6kologischer Fussabdruck<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es geh\u00f6rt offenbar zu den Eigenheiten der Gesellschaft, &#8222;Schubladen&#8220; f\u00fcr die Gruppenbildung zu schaffen (und dazu gibt es dann das Sprichwort, dass mensch dauernd damit besch\u00e4ftigt ist, aus den Schubladen hinauszuklettern, in die mensch von andern hineingesteckt wurde). 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