{"id":1159,"date":"2008-02-24T10:27:17","date_gmt":"2008-02-24T10:27:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wohnen-wird-teurer-nicht-nur-wegen-des-klimaschutzes"},"modified":"2014-10-14T08:41:52","modified_gmt":"2014-10-14T06:41:52","slug":"wohnen-wird-teurer-nicht-nur-wegen-des-klimaschutzes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wohnen-wird-teurer-nicht-nur-wegen-des-klimaschutzes","title":{"rendered":"Wohnen wird teurer &#8211; nicht nur wegen des Klimaschutzes!"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem reisserischen Titel KLIMASCHUTZ F\u00dcHRT ZU MASSIV H\u00d6HEREN MIETEN wird in der <a href=\"http:\/\/www.sonntagszeitung.ch\/home\/artikel-detailseite\/?newsid=13229\" target=\"_blank\">Sonntagszeitung vom 24.2.08<\/a> Stimmung gemacht gegen den Klimaschutz &#8211; obwohl die Mieten zuk\u00fcnftig nahezu ausschliesslich wegen der bis jetzt massiv ungen\u00fcgenden Erneuerungsaktivit\u00e4ten steigen werden.    <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Zuerst ein kleiner Abstecher zur &#8222;<a href=\"http:\/\/www.mietrecht.ch\/32.0.html\" target=\"_blank\">parit\u00e4tischen Lebensdauertabelle HEV Schweiz \/ MieterInnenverband<\/a>&#8222;.  Hier sind die technischen Lebensdauern von verschiedenen baulichen Massnahmen aufgef\u00fchrt. Da heisst es beispielsweise:<\/p>\n<ul>\n<li>Badezimmermodernisierung (gesamthaft): 30 Jahre<\/li>\n<li>K\u00fcchenmodernisierung, gesamthaft\n<ul>\n<li>bei hoher Qualit\u00e4t: 25 Jahre\n<li>bei tiefer Qualit\u00e4t: 20 Jahre<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Verputz\n<ul>\n<li>Kunststoffverputze Fassade (auf Mauerwerk): 25 Jahre<\/li>\n<li>Mineralische Fassadenputze (auf Mauerwerk): 40 Jahre<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<p>Eine Lebensdauer von 40 Jahren eines Mineralputzes bedeutet, dass jedes Jahr 2.5 % aller Mineralputze erneuert werden m\u00fcssten, liegt die Lebensdauer bei 20 Jahren, w\u00e4ren in 5 % des Bestandes Massnahmen erforderlich.<\/p>\n<p>Erneuerungsquoten sind recht gut untersucht. So wurde beispielsweise durch das Bundesamt f\u00fcr Wohnungswesen die Studie &#8222;<a href=\"http:\/\/www.bwo.admin.ch\/dokumentation\/00106\/00108\/index.html?download=NHzLpZeg7t,lnJ6IzdeIp96km56VlWZtl5VOqdayYLGH4crdzYam3aiFfm2qsGym162epYbg2c_JjKbNoKOn6A--&#038;lang=de\" target=\"_blank\">Die Renovation der Miet- und Eigent\u00fcmerwohnungen in der Schweiz  2001 \u2013 2003<\/a>&#8220; in Auftrag gegeben. <\/p>\n<p>F\u00fcr K\u00fcchen betr\u00e4gt demnach die j\u00e4hrliche Renovierungsquote 1.5 % (erforderlich w\u00e4ren 4 bis 5 %, je nach Qualit\u00e4t der K\u00fcche). Bei B\u00e4dern betr\u00e4gt die Renovierungsquote 1.6 %, dabei w\u00e4ren etwa 3.3 % erforderlich.    J\u00e4hrlich werden nur 0.8% der Fassaden erneuert, obwohl es 2.5 bis etwa 4 Prozent sein sollten.<\/p>\n<p>Wenn die Lebensdauer von Bauteilen nicht beachtet wird, erfolgt ein Substanzverzehr &#8211; es werden Werte vernichtet. Die Erneuerung eines \u00fcbernutzten Bauteils ist zudem wesentlich aufwendiger und kann weitere Massnahmen an anderen Bauteilen erfordern.<\/p>\n<p>Energetische Massnahmen im Sinne des Klimaschutzes k\u00f6nnen nur aufbauend auf einer umfassenden Erneuerung eines Geb\u00e4udes ergriffen werden. Dies l\u00e4sst sich am Beispiel von Fenstern zeigen.<\/p>\n<p>Fenster, die heute ersetzt werden, sind in der Regel Doppelverglasungen (zwei zusammengeschraubte Fensterfl\u00fcgel) oder Isolierverglasungen (Zwei Scheiben, am Rand in der Regel durch einen Verbundsteg zusammengehalten). Solche Fenster weisen einen U-Wert von etwa 3 W\/(m2K) auf. Werden solche Fenster ersetzt, ist im Kanton Z\u00fcrich aufgrund der kantonalen <a href=\"http:\/\/www.awel.zh.ch\/internet\/baudirektion\/awel\/de\/energie_radioaktive_abfaelle\/energetische_bauvorschriften\/rechtsgrundlagen\/_jcr_content\/contentPar\/downloadlist\/downloaditems\/9_1368626999594.spooler.download.1297151913941.pdf\/waermedaemmvorschriften_2009.pdf\" target=\"_blank\">W\u00e4rmed\u00e4mmvorschriften 2009<\/a> ein maximaler U-Wert von 1.5 W\/(m2K) zul\u00e4ssig. Beim <a href=\"http:\/\/www.minergie.ch\/index.php?standards-7.2\" target=\"_blank\">Minergie-Modul Fenster<\/a> muss der U-Wert unter 1 W\/(m2K) liegen.<\/p>\n<p>Da ja im Geb\u00e4ude bereits Fenster eingebaut waren, ist ein Teil der Ersatzkosten unter dem Titel &#8222;Werterhaltung&#8220; zu verbuchen &#8211; bei Mietobjekten enth\u00e4lt der Mietzins einen Anteil f\u00fcr die Werterhaltung, damit der oder die VermieterIn laufend den urspr\u00fcnglichen gebrauchsf\u00e4higen Zustand sicherstellen kann. <\/p>\n<p>Die verbesserte W\u00e4rmed\u00e4mmung (verbunden mit der erh\u00f6hten Luftdichtigkeit) stellt einen eindeutigen Mehrwert dar. In einer <a href=\"http:\/\/www.mieterverband.ch\/fileadmin\/alle\/Dokumente\/Merkblaetter\/Mietzins\/Erhoehung\/mb_beisp_ersatzinvest_wertverm.pdf\" target=\"_blank\">Brosch\u00fcre zum Anteil wertvermehrender Investitionen<\/a>  h\u00e4lt der Schweizerische Mieterverband fest, dass dieser Mehrwert beim gesetzeskonformen Fenster 20 und beim Minergie-Modul 25 % der investierten Kosten betr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Hier ist eine weitere Nebenbemerkung erforderlich. Die Kantone sind in der Schweiz zust\u00e4ndig f\u00fcr die W\u00e4rmed\u00e4mmvorschriften. Allerdings sind die Vorschriften nicht auf die Erfordernisse des Klimaschutzes ausgerichtet; die Festsetzung der Grenzwerte erfolgt vielmehr aus polit-opportunistischen Gr\u00fcnden: nicht die bestverf\u00fcgbaren Techniken sind Richtschnur f\u00fcr die Vorschriften, sondern mit den Vorschriften sollen die schlimmsten Fehler verhindert werden.<\/p>\n<p>Erst durch diese Differenz zwischen Erfordernissen und gesetzlichen Vorgaben entsteht der Bedarf nach finanziellen Beitr\u00e4gen &#8211; nach anerkannten ordnungspolitischen Grunds\u00e4tzen darf n\u00e4mlich nur subventioniert werden, was nicht gesetzlich vorgeschrieben ist! Wenn nun der Mehrwert eines Minergie-Fensters gegen\u00fcber einem &#8222;gesetzeskonformen&#8220; Fenster nur 5 % betr\u00e4gt, sind die Hebelwirkungen von finanziellen Beitr\u00e4gen sehr bescheiden. <\/p>\n<p>Dies zeigt sich auch daran, dass der Energieeffizienz-Aktionsplan des Bundes bei aktuell j\u00e4hrlich 40 Milliarden Franken Hochbauinvestitionen 200 Millionen Franken F\u00f6rderbeitr\u00e4ge f\u00fcr Klimaschutzmassnahmen vorsieht. Mit diesen 0.5 % zeigt sich einerseits, dass Klimaschutz-Massnahmen nur zu einem geringen Anteil f\u00fcr die Steigerung der Mieten herangezogen werden k\u00f6nnen. Andererseits ist eine ausreichende Werterhaltung und  Wertvermehrung an den Bauten eine zwingende Voraussetzung, um die Klimaschutzziele erreichen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Auch hier gilt: die heutigen Wohnkosten sind nicht wahre Kosten, weil an vielen Orten Substanzverzehr betrieben wird. Werden diese &#8222;l\u00fcgenden&#8220; Wohnkosten durch nachhaltige und kostenwahre Preise ersetzt (&#8222;preiswert&#8220; statt &#8222;billig&#8220;), so wird ersichtlich, dass zwar Wohnen teurer ist als heute angenommen wird, dass aber die Mehrkosten f\u00fcr zukunftsf\u00fchrendes klimaschutz-gerechtes  Wohnen relativ bescheiden sind!      <\/p>\n<p><small>Aus 2kwblog.umweltnetz.ch<\/small> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem reisserischen Titel KLIMASCHUTZ F\u00dcHRT ZU MASSIV H\u00d6HEREN MIETEN wird in der Sonntagszeitung vom 24.2.08 Stimmung gemacht gegen den Klimaschutz &#8211; obwohl die Mieten zuk\u00fcnftig nahezu ausschliesslich wegen der bis jetzt massiv ungen\u00fcgenden Erneuerungsaktivit\u00e4ten steigen werden.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[1,4,5],"tags":[103,215,213],"class_list":["post-1159","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-energie-und-klimaschutz","category-politik","tag-2000-watt-gesellschaft","tag-energiekosten","tag-wohnen"],"aioseo_notices":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1159","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1159"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1159\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5917,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1159\/revisions\/5917"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1159"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1159"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.umweltnetz.ch\/content\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1159"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}