Das gute Beispiel eines „energieautarken“ Gross-Einfamilienhauses in Flerden (das n\u00f6rdlichste der oberen Heinzenberger D\u00f6rfer) wird im Tages-Anzeiger vom 7. Januar 2008 zum Anlass genommen, die Frage zu er\u00f6rtern, ob auch die geplanten Hochschulbauten bei der Universit\u00e4t und der ETH energieautark werden sollten.<\/p>\n
Das Beispiel Flerden zeigt die grunds\u00e4tzliche Machbarkeit der Energieunabh\u00e4ngig f\u00fcr wichtige Teilbereiche des Wohnens. Dies ist eine sehr verdienstvolle Leistung sowohl der Bauherrschaft als auch der Planenden – und verdient unbedingt Multiplikation.<\/p>\n
Allerdings ist auf einige nicht unbedeutende Aspekte hinzuweisen. Das freistehende neue Gross-Einfamilienhaus in einer „Randregion“ ist wenig geeignet als Pilotbeispiel. Dies aus verschiedenen Gr\u00fcnden:<\/p>\n
Diese Argumente sprechen nicht grunds\u00e4tzlich gegen das Projekt in Flerden. Es geht darum, darauf hinzuweisen, dass auch mit solchen bereits sehr ambitionierten Projekten die Herausforderungen der 2000-Watt-Gesellschaft noch nicht abschliessend bew\u00e4ltigt sind!<\/p>\n
Das Forum Chriesbach, Hauptgeb\u00e4ude der Eawag (Wasserforschungs-Institut des ETH-Bereichs) zeigt bereits seit 2006, dass auch bei B\u00fcrobauten der Energieverbrauch im Vergleich zu „Normalbauten“ deutlich vermindert werden kann, dass auch zumindest ein Teil der erforderlichen Energien am Geb\u00e4ude selbst bereitgestellt werden kann. Auch dieses Beispiel zeigt die grunds\u00e4tzliche Machbarkeit eines tiefen Energieverbrauchs bei B\u00fcrobauten – auch hier geht es wieder um die Multiplikation.<\/p>\n
Wie soll nun die Politik mit diesen grunds\u00e4tzlichen Machbarkeiten umgehen? Ist die Zeit bereits reif daf\u00fcr, bereits heute gesetzlich verbindlich zu verlangen, dass \u00f6ffentliche Bauherrschaften Vorgaben wie Energieautarkie und h\u00f6chste Energieeffizienz einzuhalten haben, wie dies einzelne Kantonsr\u00e4te f\u00fcr das Hochschulareal w\u00fcnschten? Aus meiner Sicht sind die bis anhin realisierten Beispiele zu speziell, um daraus bereits allgemeine Regeln ableiten zu k\u00f6nnen. Solche Vorgaben treffen zudem Bauherrschaften, deren Verantwortliche zu jenen geh\u00f6ren, die bereits bis anhin erhebliche Anstrengungen unternommen haben, um die erforderlichen Schritte in Richtung 2000-Watt-Gesellschaft einzuleiten. <\/p>\n
Dies l\u00e4sst sich am Beispiel von Heinrich Gugerli, Leiter der Fachstelle f\u00fcr nachhaltiges Bauen der Stadt Z\u00fcrich, illustrieren. Er wird im oben erw\u00e4hnten TA-Artikel nach dem einleitenden Satz „Skepsis \u00fcberwiegt dagegen bei der Stadt Z\u00fcrich“<\/i> zitiert. Nun geh\u00f6rt es zwar historisch betrachtet zum Schicksal von PionierInnen, dass diese im Verlauf der Zeit vergessen gehen. Gerade im Geb\u00e4udebereich ist es allerdings so, dass bereits zu lange die immer gleichen Organisationen und Personen f\u00fcr die Pionierrolle verantwortlich sind. Im Bereich Erneuerung von Wohnbauten auf Stadtgebiet Z\u00fcrich weist die Minergie-Datenbank vor allem Objekte mit Bezug zur Stadt Z\u00fcrich, einzelnen Baugenossenschaften und den B\u00fcros Virid\u00e9n und Partner respektive Beat K\u00e4mpfen auf – erst in neuerer Zeit kommen weitere AkteurInnen dazu. Aus dieser Sicht ist eher Respekt vor der Herausforderung angesichts umfassender Erfahrungen mit bereits ausgef\u00fchrten Beispielen als Skepsis, wenn Experten wie Heinrich Gugerli die Euphorie der Pilotobjekte-Fachleute nicht einfach laut applaudierend in den Jubelchor einstimmen.<\/p>\n
F\u00fcr die Politik heisst dies eigentlich: um dem Experimentalcharakter neuer L\u00f6sungen Rechnung zu tragen, ist statt zwingender Vorgaben f\u00fcr energieautarker Geb\u00e4ude besser eine Entwicklungsklausel vorzusehen, die mit entweder materiellen oder inhaltlichen Anreizen deutlich bessere L\u00f6sungen belohnt. Gleichzeitig ist daf\u00fcr zu sorgen, dass der Unterschied zwischen von Gesetz zugelassenen L\u00f6sungen und den Spitzenprojekten kleiner wird – als Gesetzgeber h\u00e4tte es gerade der Z\u00fcrcher Kantonsrat in der Hand, die gesetzlichen Anforderungen an Neu- und Erneuerungsprojekte schnell und deutlich an die zuk\u00fcnftigen Erfordernisse anzupassen. <\/p>\n
Zu diskutieren ist zus\u00e4tzlich die Frage, ob Energieautarkie eine sinnvolle Anforderung an ein Geb\u00e4ude ist oder ob es nicht auch m\u00f6glich und zweckm\u00e4ssig ist, einen Teil der f\u00fcr das Geb\u00e4ude ben\u00f6tigten Energien \u00fcber z.B. das Stromnetz zu beziehen und durch langfristige Bezugszusicherungen zu gew\u00e4hrleisten, dass die erforderlichen Energiemengen auf menschen- und umweltvertr\u00e4gliche Art aus erneuerbaren Energien bereitgestellt werden. <\/p>\n
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