Standby-Killer: die Sackgasse

energyday 2008 – ausschalten. Standby – höchst unnötiger Stromverbrauch als Thema einer nationalen Kampagne. Die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich EKZ haben für diesen Anlass ihre Produktinnovation «CLICK – der Standbykiller» vorgestellt – nach Tages-Anzeiger vom 23. Oktober 2008 mit einem Aufwand von 2 Mio Franken. Abgesehen von der absolut unnötigen martialischen Sprache der EKZ ist dies definitiv ein Schritt mehr in eine technologische Sackgasse.

89 Franken soll dieses Gadget ab dem 1. Januar 2009 kosten – allerdings können damit nur Geräte an der gleichen Steckdose ausgeschaltet werden. Hängt zum Beispiel ein LCD-Bildschirm mit gemäss topten einem Standby-Verbrauch von 2 Watt an dieser „Innovation“, so spart dieses Ding Strom im Wert von 3 (drei!) Franken jährlich – dieses Gerät müsste also dreissig! Jahre im Einsatz stehen, um nur schon keine Mehrkosten zu verursachen; selbst bei grösseren Standby-Leistungen sieht die Sache nicht wesentlich günstiger aus. Bei derartigen Verhältnissen stellt sich auch die Frage nach dem Anteil grauer Energie für die Herstellung des Gadgets. Dieser „Standby-Killer“ dient offenbar dazu, der Oeffentlichkeit zu signalisieren, dass Stromsparen eine sehr teure Angelegenheit sei – und ist damit ein idealer Beitrag zur Pro-AKW-Kampagne von axpo, ATEL, SVP, FDP und Co.

Zudem funktioniert das Gerät mit einer Funkverbindung – wegen der unklaren gesundheitlichen Auswirkungen von Funkstrahlungen ist es im Sinne der Vorsorge vorteilhaft, gerade in Räumen auf eine derartige Technologie zu verzichten. Dies umso mehr, als sich das Stromnetz für Datentransfer eignet (siehe zum Beispiel Stichwort HomePlug).

Es ist davon auszugehen, dass der Standby-Killer selbst einen Standby-Verbrauch aufweist – da derzeit keine solchen Geräte verfügbar sind, konnte eine solche Messung noch nicht durchgeführt werden.

Standby ist schlicht unnötig. Technische Einrichtungen wie „Klick – der Standby-Killer“ oder die Stromspar-Schaltermaus (ich bin – gegen erheblichen Widerstand des Herstellers – Erstbesteller dieses Teils) – können bestenfalls kommunikative Hilfsmittel sein, um die Oeffentlichkeit und insbesondere die Hersteller für diese Thematik zu sensibilisieren. Der nachhaltige Weg im Sinne der 2000-Watt-Gesellschaft verlangt, dass elektronische und elektrische Geräte so konstruiert werden, dass sie keinen oder einen sehr kleinen Standby-Verbrauch (unter 0.2 Watt) aufweisen. Dafür braucht es geringfügig teurere Komponenten, z.B. Schalter für Netzspannung statt auf der Niederspannungsseite (damit der Trafo nicht im Leerlaufmodus läuft) und so weiter…

Sowohl „Klick – der Standby-Killer“ als auch die Stromspar-Schaltermaus erfordern die aktive, bewusste Mittun der Geräte-NutzerInnen – es ist gesellschaftspolitisch falsch, für Fehlanwendungen der Technik durch die Hersteller menschliches Potential im Alltagsbetrieb heranzuziehen: Menschen sind zu mehr fähig als zum Ausschalten von technischen Fehlentwicklungen!

Als Gedanke: aus klassischer volkswirtschaftlicher BIP-Optik ist der Weg über höheren Standby-Stromverbrauch und einem Zusatzgadget für das Abschalten von Standby vorteilhafter – da sind dringend andere Massstäbe erforderlich, um sinnvolle ökologische Ansätze auch volkswirtschaftlich korrekt darstellen zu können!

Selbst dann, wenn dieser „Klick“ in irgend einer Form mit „Smart Meters“ (intelligente Stromzähler) zu tun haben sollte, dürfte derart aufwendige und kostspielige Technik nicht die Zukunftslösung sein – also auch hier: Sackgasse!


Ergänzung: Im K-Tipp Nr. 20 vom 26. November 2008 sind unter dem Titel Goodbye Standby „praktische Abschalthilfen“ zusammengestellt. Safe-Experte Jürg Nipkow – und auch EKZ-Verwaltungsrat – bezeichnet die Kriterien für die Aufnahme in diese Liste: Standby-Leistung der Abschalthilfe von unter 1 Watt und Kosten von unter 100 Franken. Der EKZ-Standby-Killer kommt nicht vor – er erfüllt offenbar die Vorgaben von EKZ-Verwaltungsrat Jürg Nipkow nicht!

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8 Gedanken zu „Standby-Killer: die Sackgasse

  1. Da gibt es seit einiger Zeit doch auch die Stromschalter für Räume – das ist vielleicht eine bessere Lösung? Ich hab von denen bisher nur gehört, aber sie sollen im Grunde so funktionieren:
    Neben dem Lichtschalter gibt es für jede Raum auch einen Dtromschalter. Gleich neben der Tür.
    Dieser Stromschalter ermöglicht das bequeme Ein- und Ausschalten des Stroms bei Verlassen des Raums. Für den ganzen Raum.
    Von den Kosten her ist so ein Stromschalter nur minimal teurer als ein Lichtschalter, da mehr als nur 100-200 Watt geschaltet werden müssen.

    Das soll sich in Büroneubauten schon als ein Trend anbahnen… Hab ich gehört.

  2. Wenn der Mensch das Bewusstsein für unnötige Verbrauchte Energie bekommt hat sich das Produkt Click schon bezahlt gemacht.

    Villeicht muss der Autor dieses Beitrags erst lernen das es Menschen sind und nicht Maschienen die die Welt bevölkern.
    Und genau diese Menschen benötigen Erfahrungswerte. Vom nichts tun wird nichts besser !

  3. Da Standby aus technischer Sicht absolut unnötig ist – Standby ist schlicht ein Entwicklungs- und Produktemangel, ist es unsinnig, die wertvollen menschlichen Ressourcen derart zu missbrauchen – gerade der Zwang, bei einer grossen Zahl von Geräten mit Standby aktiv werden zu müssen, zwingt Menschen in eine Maschinenrolle

  4. Nach nun ca. einem Jahr ist die Batterie meines CLICK leer. Wie austauschen?? zu welchen Kosten???

  5. Nun, ich hab immer von dem Ding abgeraten ;-). Die EKZ als Vermarkterin gibt für technische Auskünfte den Kundendienst Nexway GmbH Telefon 041 500 42 55, Öffnungszeiten an Werktagen 08.00 – 17.00 Uhr, E-Mail: support@nexway.ch – an.

  6. Hallo Zusammen

    Das gibts ja nicht, leben wir in den Staaten wo alles immer unter dem Verschwörungsverdacht steht ??

    CLICK richtig eingesetzt ist eine tolle Sache ! Bei meiner Homeentertainmentanlage spart das Ding 50 Watt! Es ist ja selten nur ein TV mit guter Standby-Leistung angeschlossen !!!

    Funkstahlungsbelastung? Technologisch lehnt sich CLICK an Zigbee an, welches stark reglementiert ist im bezug auf Sendeleistung. Euer Harföhn verpasst euch die zigfache Dosis an nichtionisierender Strahlung.

    Batteriewechsel???
    Click hat eine Solarzelle eingebaut, leg das Ding auf dein Fenstersimms und es Funktioniert wieder!

    Hans Statement kann ich voll und Ganz unterstützen. Die Menschen müssen Umdenken.

    Ich gehe mit euch einig, das Stanby-Schaltungen grundsätzlich unnötig sind. Aber im der bequemen Geselschaft in der wir Leben, wo Elektrizität zu wenig kostet, schaltet die Mehrheit die Geräte nicht komplett ab. Deshalb sind Stanbyschaltungen in der jetzigen Zeit serwohl Sinnvoll!

    Gruss vom CLICK-User der hofft, dass wir kein neues AKW brauchen werden.

  7. Danke für die Bestätigung meiner Ausführungen. 50 W Stand-by – bei maximal etwa 2.3 kW schaltbarer Leistung, aber so viel wird nicht einmal eine Homeentertainmentanlage haben – ist schlicht absurd. Dass EKZ neue AKWs will und darum kein wirkliches Interesse an Energieeffizienz hat, ist keine Verschwörungstheorie, sondern schlichte Tatsache.

  8. Das Ding ist Schrott. Meines funktioniert schon seit längerer Zeit nicht mehr richtig, sondern nur bei Tag, sprich direkter Sonneneinstrahlung.

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