Sommerkomfort – besser klug als Klimatisierung

Hitze war eines der Stichworte des Sommers 2018. Als voraussichtliche Folge des Mensch gemachten Klimawandels ist davon auszugehen, dass warme, dass auch heisse Sommer in Zukunft häufiger auftreten. «Klimaanlagen» scheint die reflexartige Reaktion auf warme, auf heisse Sommer zu sein. Allerdings handelt es sich dabei um Symptombekämpfung. Anderes wäre klüger, zumindest beim Wohnen und in üblichen Bürosituationen.

Als indirekte Folge des heissen Sommers 2003 erschienen vor Jahren einige Publikationen mit dem Titel «Bauen, wenn das Klima wärmer wird» – der Klimawandel war damals erst für einen kleinen Kreis als zukünftige Herausforderung bekannt. Es ist davon auszugehen, dass zukünftige Sommer eher ablaufen wie früher südlich der Alpen oder im Balkan.

Ziel muss es sein, möglichst viel der Sommersonne ausserhalb der Gebäude zu halten, und die kühlere Frühmorgenluft so weit als möglich für das Abkühlen der Räume zu verwenden, am wirkungsvollsten über eine einfache Abluftanlage und gezielt öffenbare Lüftungsöffnungen an den Fassaden. Erfahrungsgemäss funktioniert dies in den meisten Fällen, auch wenn die Nutzerinnen und Nutzer der Räume einen aktiven Beitrag leisten müssen (gezieltes Öffnen und Schliessen von Sonnenstoren und Fenstern beispielsweise). Das Prinzip ist eigentlich bekannt – bei vielen Bauten scheint es für die Planenden einfacher und finanziell interessanter, eine Klimatisierung vorzuschlagen.

Allerdings sind derartige Klimaanlagen simple Symptombekämpfung – und sie sorgen für eine weitere Ankurbelung der Überhitzung von Stadträumen.

Interessant auch ein Artikel in der HauseigentümerInnen-Zeitung mit dem Titel Wird Kühlen wichtiger als Heizen? – die zugrunde liegenden Forschungsarbeiten legen eindeutig viel mehr Gewicht auf die Nicht-Klimatisierung! Oder anders: wenn eine Klimatisierung vorgeschlagen wird, ist dies für die meisten Wohn- und Büroräume eine falsche und alles andere als auf Dauer billige Lösung.

Ganz klar: besser klug als Klimatisierung! Dazu passt der Beitrag Warum Klimaanlagen meist nicht das richtige Rezept sind gegen heisse Sommer, NZZ vom 26. September 2018. In den meisten Fällen ist der Sommerkomfort ohne Klimatisierung möglich – und sorgt dadurch für den Komfortsommer! Bei Planungen und Erneuerungen von Bauten müssen Lösungen ohne Klimatisierung an erster Position sämtlicher Überlegungen zu Konzepten und Planungen stehen.

Diese Aussagen gelten nicht für Räume mit hohen internen Lasten, z. B. aufgrund von sehr hoher Persondendichte oder zahlreichen in Betrieb stehenden elektrischen und elektronischen Geräten im Stil von Rechenzentren.

Mein Hintergrund: ich verfüge über ein Diplom als HLK-Ingenieur (das «K» steht für Klimatechnik), ausgiebige berufliche Praxis zu thermischem Raumkomfort und zur rechnerischen Energie-Simulation von Bauten. Ich war vor Jahren an der Herausgabe des Faltblattes «Bauen, wenn das Klima wärmer wird» beteiligt. Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung ist es mir ein besonderes Anliegen, in Räumen komfortable Raumkonditionen mit möglichst geringem/effizientem Energieeinsatz anzustreben!

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