Schnell-Ausstieg oder schnellstmöglicher Ausstieg?

Ich habe im Zusammenhang mit den Zürcher Velowegen auch schon die Frage gestellt, was aus politischer Sicht unter „dringlich“ verstanden wird. Derzeit wird über die Bedeutung von Schnell-Ausstieg oder schnellstmöglicher Ausstieg (aus der Atomenergie) diskutiert. Aus ethischer und moralischer Sicht ist nur eine sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke verantwortbar – die Abklingphase, der sichere Rückbau und die Dauerlagerung des Atommülls inklusive Abbruchschutts stellen bereits für sich allein eine unzumutbare Belastung für die Gesellschaft dar. Rein prinzipiell wäre eine sofortige Stilllegung sämtlicher Atomkraftwerke machbar – das wäre eine drastische Kur, etwa das, was im Moment die Japanerinnen und Japaner aus rein stromversorgungstechnischer Sicht durchmachen. Da es sich beim Strom um einen Markt handelt, ist diese Angebotsverknappung auch ökonomisch lösbar. Es wird nicht zu einem Stromausfall kommen, weil eine absehbare Stromknappheit zu einer Steigerung der Strompreise führt – und damit zu Marktreaktionen, z.B. Verzicht auf grosse Stromverbraucher, Realisierung von Projekten zur effizienteren Stromnutzung (als ein Beispiel: Facebook hat für die riesigen Serveranlagen eine Technologie entwickelt, die in Drittel des Stroms und ein Viertel der Kosten einspart – und dieses Know-how liegt für alle verfügbar im Internet vor!) … Weil durch die Steigerung des Strompreises viele Projekte zur Stromproduktion aus erneuerbaren Energien wirtschaftlich noch interessanter werden, wird der Markt sehr schnell auf eine derartige Veränderungen in Angebot und Nachfrage reagieren. Es ist festzustellen, dass trotz der ethisch-moralischen Vorgabe „sofortige AKW-Stilllegung“ offenbar keine politische Kraft ein solches Szenario anstrebt – was sehr schade und fragwürdig ist. Das Initiativprojekt der Grünen – Stilllegung der CH-Atomkraftwerke 40 Jahre nach Inbetriebnahme ist somit bereits ein Slow Motion-Ausstieg – jeder noch langsamere Ausstieg ist durch gar nichts zu begründen!
Im Beitrag „Leichtsinnig und hysterisch?“ habe ich bereits Ueberlegungen präsentiert, die die Vorbehalte gegen Gaskraftwerke als unbegründet aufzeigen: mit entsprechenden flankierenden Massnahmen kann nämlich erreicht werden, dass sowohl der CO2-Ausstoss wie auch der Energieverbrauch vermindert wird. Auch hier wieder: die Politik muss ganz einfach willens sein, eine ernsthafte und glaubwürdige Energie- und Klimaschutzpolitik umzusetzen!
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