Recycling ist gut – „Cradle to Cradle“ besser!

Es gibt Themen, bei denen sollte ich für meinen Blog einen Wiederbenutzungsknopf zur Verfügung haben. Eines dieser Themen heisst „Recycling“. „Urban Mining“, die Benutzung der Müllhalden als „Bergwerke“ für die Rückführung (eines Teiles!) der Ressourcen mag zwar modisch sein (und bei Wegwerfprodukten wie PET-Flaschen Alu-Verpackungen sogar hip sein). Dies reicht bei weitem nicht: es braucht eine Gesellschaft, die weniger Ressourcen braucht – und diese Ressourcen müssen in einem echten Kreislauf gehalten werden: von der Wiege zur Wiege (From Cradle To Cradle“) ist gefordert! Und hier müsste jetzt eben der Wiederbenutzungsknopf für einen Blogbeitrag von Ende 2010 stehen …

Es ist durchaus beachtlich, was die Mitglieder von „Swiss Recycling“ zu berichten haben. Was allerdings gerade an Verpackungsmüll via Recycling als Sekundär-Rohstoff Verwendung findet, ist gemessen an den gesamten Ressourcenflüssen von der Primärressource bis zum „Konsum“ bescheiden, und in der Regel mit einer Nutzungsminderung verbunden (eine PET-Flasche kann nicht wieder zur PET-Flasche werden). Völlig ungelöst ist nach wie vor, wie Ressourcen, die nur in Spuren in einem Produkt vorkommen, im Kreislauf gehalten werden können. Exemplarisches Beispiel ist Indium, ein Seltene-Erden-Metall (und wirklich eine knappe Ressource). Gebraucht wird Indium etwa in LCD-Bildschirmen. Dazu als Copy-Paste eine Passage aus einem neueren EMPA-SWICO-Bericht: Bis heute ist in Europa kein technisches Verfahren verfügbar, welches die Rückgewinnung des Indiums aus Flachbildschirmen ermöglicht. Der ökonomische Wert des gemäss den Modellrechnungen maximal in der Schweiz in die Entsorgung gelangenden Indiums beträgt rund 66’000 USD, bei einem Maximum von 115 kg im Jahre 2017 (Anm. twp: aufsummiert bis 2030 geht die Studie von etwas mehr als 2’000 kg Indium aus). Es stellt sich die Frage, ob dieser Erlös genügend Anreize für die Rückgewinnung des Indiums schafft oder ob die Rückgewinnung des Indiums auf Zuzahlungen angewiesen sein wird. Eine mögliche Lösung, um das Indium für eine spätere Rückgewinnung zur Verfügung zu halten, wäre eine Zwischenlagerung der LCD-Panels. Würden die LCD-Panels von 2012 bis 2020 gelagert, wäre mit einem Bedarf von ca. 15’000 m3 zu rechnen, was bei einer Lagerhöhe von 10 m eine Hallenfläche von 1’800 m2 ergeben würde (inkl. 20% Verkehrsfläche). Bei Fr. 80.-/m2*Jahr ergäben sich jährliche Mietkosten von ca. Fr. 150’000.- oder Fr. 1.35 Mio. über 9 Jahre. Demgegenüber stünden eingesparte Verbrennungskosten über den gesamten Zeitraum von ca. Fr. 0.9 Mio8, sowie mögliche Erlöse aus dem späteren Verkauf der Panels.

Festzuhalten ist, dass nicht zuletzt wegen der Knappheit und der Preisentwicklung Alternativen zu Indium gesucht werden – diese dürften in der Tendenz die Rückgewinnung (=Recycling) der eingesetzten Ressourcen vereinfachen. „Von der Wiege zur Wiege“ sind allerdings diese Alternativen kaum – da machen Ressourcenverwendungen auf Spurenebene wenig Sinn.

Es ist zudem festzuhalten, dass die Öffentlichkeitsaktivitäten der Recycling-Branche einen Hintergrund haben: es geht den Branchen nicht nur bei PET-Flaschen darum, die Einführung von Depotgebühren zu verhindern! Dabei wäre genau dies wichtig, um die Bedeutung des schonungsvollen Umgangs mit Ressourcen zu betonen! Es braucht also spürbare Ressourcendepot-Gebühren für PET-Flaschen, Alu-Verpackungen, Kunststoffe aller Art, LCD-Bildschirme, Batterien, Kupfer, Eisen, Stahl, …

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Ein Gedanke zu „Recycling ist gut – „Cradle to Cradle“ besser!

  1. Hallo Toni,

    bewusster Konsum und ein verändertes Kaufverhalten müssen den Grundstein für mehr Nachhaltigkeit und das Schonen von natürlichen Ressourcen legen, darin gebe ich dir völlig recht. Dabei geht es vor allem darum, Verbrauchern bewusst zu machen, dass unser heutiges Konzept von „Müll“ ein menschliches ist und nicht in der Natur existiert. Denn alles was in der Natur der Abfallstoff eines Organismus ist, ist der Nährstoff eines anderen. Wenn wir folglich dem Cradle-to-Cradle Konzept folgen würden, setzt das voraus, dass wir unsere Auffassung von benutzen Verpackungen und gebrauchten Produkten ändern und sie als Rohstoff für neue Produkte betrachten und somit achtsamer mit ihnen umgehen – ihnen einen Wert zuschreiben.

    Kristina

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