Nur kein Atommüll-Tiefenlager ist dauerhaft und sicher genug

Irgendwann in der schwierigen Geschichte der vorgeblich friedlichen Nutzung der Atomenergie wurde erkannt, dass bei dieser Nutzung Atommüll anfällt, der während hunderttausenden von Jahren sorgfältigst zu behandeln ist, soll er nur eine begrenzte Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen. Diese Frist ist länger als jede bis anhin bekannte Hochkultur-Epoche der Menschheit. Dieser Atommüll steht somit exemplarisch für die nicht-nachhaltige Lebensweise der gegenwärtig lebenden Gesellschaft – kann da wirklich von einer Hochkultur gesprochen werden?

Die Schweizerische Gesetzgebung sieht vor, dass Atommüll dauernd und sicher in geologischen Tiefenlagern in der Schweiz zu «entsorgen» ist. Seit 1972 arbeitet die «Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (NAGRA)» daran, ein Konzept für die dauernde und sichere geologische Tiefenlagerung des Atommülls in der Schweiz zu entwickeln. Ende Januar 2015 wurde die Öffentlichkeit informiert, dass sich diese Konzeptüberlegungen neu nur noch auf die zwei Standorte «Jura Ost» und «Zürich Nordost» konzentrieren werden. Die tausenden Seiten von Dokumenten, die nun zu sichten sind, weisen – bei allem Respekt vor der geleisteten Arbeit — darauf hin, dass «dauerhaft und sicher» bei geologischen Atommüll-Tiefenlagern fiktive Zustände zu verstehen sind. Objektiverweise wird sich daran nichts ändern. Es wird nie die absolute Sicherheit bestehen, dass dieses Tiefenlager-Konzept tatsächlich dauernd sicher ist.

Diese Erkenntnis muss dazu führen, dass die gesetzliche Vorgabe zum Umgang mit Atommüll in der bisherigen Form aufgehoben wird.

Die Konsequenzen sind erheblich: Der Betrieb von Atomkraftwerken in der Schweiz ist seit Jahrzehnten nur darum möglich, weil die Politik ganz einfach behauptet, eine solche dauerhafte und sichere Lagerung von Atommüll sei möglich. Mit dieser Behauptung, die sich immer deutlicher als Lüge entlarvt, wird in den gleichen Jahrzehnten eine bestenfalls symbolische Energiepolitik betrieben, weit davon entfernt, nachhaltig zu sein.

«Sicher während hunderttausenden von Jahren» – eine solche Aussage ist angesichts verschiedener Randbedingungen zum Vorneherein ausgeschlossen. Die Dokumentation dieser Erkenntnis an die Geologie zu delegieren, ist gesellschaftspolitisch nicht akzeptabel.

Bei Sondermülldeponien diverser Art etwa wurde häufig in der Konzept- und Planungsphase davon ausgegangen, eine dauerhafte und sichere Lösung realisieren zu können. Diese Einschätzung hat bis anhin bei den meisten derartigen Projekten häufig nicht einmal für zehn Jahre gegolten.

Es wird davon ausgegangen, dass im alten Ägypten Pyramiden gebaut wurden, um den Herrschern für die Ewigkeit Unsterblichkeit zu ermöglichen. Welche Vorstellungen von Ewigkeit und Unsterblichkeit – durchaus als dauerhaft und sicher zu verstehen – die damaligen Menschen hatten, lässt sich kaum ermitteln. Nach etwa 5’000 Jahren lässt sich aber sehr deutlich sagen: Im Sinne der Anforderungen an die dauerhafte und sichere Lagerung von Atommüll können die Pyramiden NICHT als Musterbeispiel gelten! Und dies nach hundertmal weniger Jahren, als dies beim Atommüll erforderlich ist!

Darum als Wiederholung und Zusammenfassung: Nur kein Atommüll-Tiefenlager ist dauerhaft und sicher genug!

Leider gibt es keine plausible Alternative, die den Kriterien dauerhaft und sicher genügt. Es braucht also eine temporäre Lösung, zum Beispiel das Hütekonzept: Eine aktiv überwachte dauernd zugängliche offene Lagerung des Atommülls, verbunden mit menschlichen HüterInnen, die von Generation zu Generation weitergegeben dafür sorgen, dass der Atommüll nicht vergessen geht (wie dies im Gegensatz dazu beim geologischen Tiefenlager-Konzept mit dem Prinzip «aus den Augen, aus dem Sinn» zu erwarten ist). Zwingend dazu gehört, dass so rasch als möglich aus der Atomenergie auszusteigen ist, parallel zum Ausstieg aus den fossilen Energien.

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