Kann denn Surfen arbeiten sein?

Manchmal sind jene Menschen, die politische Vorstösse aus dem Parlament zu bearbeiten haben, nicht zu beneiden. Ein solches Beispiel ist der Vorstoss des eigenartigen SVP-Ablegers PFZ: Sperrung von Facebook für alle städtischen Mitarbeiter. Städtische Mitarbeitende – auch MagistratInnen wie etwa die Stadtpräsidentin – hätten zu arbeiten und nicht zu surfen. Eine Ausnahme möchten Susi Gut und Markus Schwyn gewähren: PolizistInnen dürfen beim Ermitteln Facebook einsetzen… Wie stellen sich wohl die beiden GemeinderätInnen in der heutigen Zeit genau „Arbeit“ vor? Die Pflege von persönlichen Netzwerken beispielsweise ist in immer mehr Alltagsarbeiten nicht mehr wegzudenken – da geht es beispielsweise um das Sammeln von Informationen, das Einholen von kurzen und schell erfolgenden Feedbacks, das Abgleichen von Daten und Informationen – diese Vernetzung, durchaus auch formlos, erspart manche Sitzung, macht Reisen überflüssig – das digitale Dorf sprengt die geographischen Grenzen selbst grosser Unternehmen und Verwaltungen. Facebook ist zwar noch relativ jung, aber ich meine, dass durchaus vorstellbar ist, dass Facebook oder andere Internet-Applikationen auch im beruflichen Umfeld genau für die Pflege solcher virtueller Netzwerke aus realen Menschen irgendwo in der Stadt, in der Schweiz, in Europa genutzt werden können*. Denn: man muss nicht immer selber nochmals erfinden, was auch schon an anderen Orten genutzt wurde – es lohnt sich beispielsweise bei der Entwicklung von Projekten, nicht nur bei den BüronachbarInnen links und rechts Ausschau zu halten, wo Synergien genutzt werden könnten, sondern eben auch durch das Surfen im Internet rasch viele Informationen über ähnliche und vergleichbare Projektideen zu finden – es geht schliesslich nicht nur darum, nicht alles nochmals neu zu erfinden, sondern es ist beispielsweise im Sinne der Effizienz auch von Vorteil, wenn Fehler nicht mehrfach wiederholt werden. Erfahrungsaustausch, profitieren von anderen Erfahrungen ist ohne Surfen im Internet kaum mehr vorstellbar. Oder anders: wer gerade im Bürobereich nicht surft, macht die Arbeit nicht richtig! *wegen dieses „können“ ist es nachvollziehbar, dass z.B. Facebook an vielen Arbeitsplätzen derzeit nicht genutzt werden kann, selbst dann, wenn für immer mehr Menschen wegen des Herzbluts, dass sie in ihren Job stecken, Arbeit und Freizeit nicht mehr getrennt werden kann. Spätestens, wenn auch den PFZ-VertreterInnen verständlich gemacht werden konnte, dass Surfen Arbeitsleistung zugunsten des Arbeitsgebers bedeutet, werden solche Verbote wieder zur Diskussion stehen. Bekanntlich sind bei sehr vielen Arbeitgebern rigide Filtersysteme im Einsatz, die regelmässig auch Seiteninhalte sperren, die für die tägliche Arbeit erforderlich sind; dies zwingt wiederum die Arbeitnehmenden, einen Teil der Arbeiten in ihrer Freizeit am heimischen Computer zu erledigen. Nur so viel zum Thema Eigenverantwortung und Vertrauen des Arbeitgebers…
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