Etwas Hoffnung

Etwa 50 Jahre kann ich mich zurück erinnern. Was ich vor allem in Erinnerung habe, sind Meldung aus den Mittagsnachrichten um halb Eins des Schweizer Radios über Kriegsereignisse aus aller Welt. Was ich bis anhin über kriegerische Handlungen aller Art gehört habe, bestätigt mich darin, dass jede Form von Gewalt, insbesondere Gewalt gegen Menschen, zu ächten ist. Gewaltanwendungen, dazu gehören kriegerische Handlungen, sind brutal, sind unnötig, tragen nichts zur Problemlösung bei.

Immer wieder kommt es etwa zu bewaffneten Konflikten zwischen „Israel“ und „Palästina“ (alfabetische Aufzählung, als Metaphern zu verstehen, nicht als eindeutig definierte Begriffe). Wer genau welche verursachende Wirkung hat und wer genau „berechtigerweise“ Gewalt anwendet, ist schlicht uninteressant – ganz einfach darum, weil die Wiederkehr der Eskalationsspirale eindeutig belegt, dass mit Gewalt keine Lösungen, zumindest keine dauerhaften Lösungen, zu erreichen sind. Der Gazastreifen etwa ist rund vier mal so gross wie die Stadt Zürich, hat etwas mehr als vier Mal so viele Einwohner wie die Stadt Zürich – es ist nicht nachvollziehbar, warum es nicht möglich sein soll, eine menschenrechtskonforme Lösung für dieses objektiv betrachtet Miniaturgebiet zu finden.

Ich befürchte leider, dass es eben gar nicht um eine Lösung der Konfliktsituation geht, sondern dass zu viele Staaten, Unternehmen, Menschen von dieser unregelmässigen, wiederkehrenden Gewalteskalation profitieren – zu viele sind KriegsgewinnlerInnen.

Wegen betriebswirtschaftlichen Überlegungen einzelner Unternehmen hat etwa die „neutrale“ Schweiz keine Mühe damit Waffen aller Art selbst in potenzielle Krisengebiete zu versenden. Waffen, Munition als Geschäftsmodell – das aber nur funktioniert, wenn Waffen und die zugehörige Munition hin und wieder eingesetzt werden.

Kriege sind eine humanistische Herausforderungen – auch verletzte Menschen können als Wirtschaftsfaktor betrachtet werden. Die Reparatur von bei Gewalteinwirkung entstanden in der Regel massiven Schäden an Gebäuden und Infrastruktur erfordert ebenfalls erhebliche Finanzmittel – Kriege als Auslöser eines Wirtschaftswachstums“wunders“, allerdings nicht nachhaltig.

Kriegerische Auseinandersetzungen haben sehr viel mit Macht zu tun, mit der Frage um die Änderung der Spielregeln mitten im Spiel. Häufig stehen dabei die Interessen einzelner machthungriger Personen im Vordergrund. Dies wird zudem verstärkt, wenn diese Machthabenden diktatorische, tyrannische Verhaltensweisen zeigen. Dies zeigt sich, auch hier wieder ohne Parteinahme, etwa beim Konflikt zwischen Russland und Ukraine (alfabetische Reihenfolge).

Wahrscheinlich seit Urzeiten sind kriegerische Auseinandersetzungen den Gesetzes der Manipulation und Propaganda unterworfen. Die Konfliktbeteiligten wollen weltweit gesehen möglichst viele „FreundInnen“ und möglichst wenig „Feinde“. Daran haben auch KriegsreporterInnen und -fotografInnen wenig bis nichts geändert. Anzustreben ist, dass sich hier die Sicht der Dinge ändert: Es braucht in erster Linie BeobachterInnen, ModeratorInnen, MediatorInnen, die alles daran setzen, bei Konflikten Lösungswege ohne die Sackgasse Gewalteskaltion herbeizuführen.

Kriegerische Auseinandersetzungen sind anti-humanitär, sie stehen gegen die Errungenschaften des Humanismus und der Aufklärung. Menschenrechte werden in Kriegen ignoriert, die Interessen der Machthabenden stehen im Vordergrund.

Universelle Menschenrechte sind zwar formuliert, nach wie aber vor nicht anerkannt. Ebenso ist auch ein breit abgestützter Weltethos formuliert, aber auch dieser Weltethos ist nicht generell akzeptiert.

Wenn in der Schweiz die SVP Unterschriften sammelt, um ihre willkürlichen faschistoiden Vorstellungen über das Völkerrecht zu stellen, ist dies ein ethischer und moralischer Rückfall weit hinter die Vorstellungen der Moderne, weit hinter Gleichheit, Solidarität und Geschwisterlichkeit.

Es ist etwa davon auszugehen, dass der von westlichen Staaten propagierte „Krieg gegen den Terror“ eine Fortführung des „Krieges um Öl“ ist. Westliche Staaten, federführend die USA, setzten den freien Zugang zum endlichen Rohstoff Öl mit allen Mitteln durch. Das Selbstbestimmungsrecht der Völker, die Menschenrechte blieben dabei auf der Strecke. Wegen offensichtlich begrenzten Erfolgschancen dieser Strategie und den damit verbundenen erheblichen Finanzmitteln haben nun allerdings die USA begonnen, durch Fracking den Inlandanteil der fossilen Energien an der Energieversorgung zu erhöhen – mit allerdings verheerenden Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Interessanterweise – und etwa in Europa noch nicht wirklich wahrgenommen – engagieren sich die USA allerdings in beachtlichem Umfang bei der Nutzung erneuerbarer Energien. Die Divestment-Kampagnen zum Ausstieg aus der Kohlenstoffblase starteten 2013 ebenfalls in den USA. Dies ist verbunden mit einer deutlichen Verminderung des bisherigen selbst deklarierten „Weltpolizei-Engagements“ der USA. Es gibt allerdings kaum staatlichen Institutionen in den betroffenen Regionen, die die Kraft und die Möglichkeiten haben, dieses Gestaltungsvakuum zu füllen. Dazu kommt, dass etwa die USA wegen des „Kriegs gegen den Terror“ fundamentale Grundsätze des demokratischen Rechtsstaats aufgehoben hat. Das verheerende Wirken von IS ist direkt mit diesem Vakuum erklärbar.

Religionen aller Art sind meist sehr direkt mit den Machthabenden verknüpft (oder auch umgekehrt, was aber die gleiche Wirkung hat). Da der Gegenwartsbezug von Aussagen der Religionsstifter mehr oder weniger willkürlich interpretierbar ist, ist davon auszugehen, dass es zu jedem Sachverhalt je nach Religion und Religionsrichtung eine Vielzahl von Aussagen gibt. Oder anders: Religionen können Menschenrechte, Weltethos und demokratischen Rechtsstaat nicht ersetzen.

Etwas Hoffnung heisst der Titel dieses Beitrages. Einerseits kommt diese dadurch zu Stande, dass bereits in einigen Ländern über den Ausstieg aus der Atomenergie und/oder den fossilen Energien debattiert wird. Dies vermindert den Druck, den Zugang zu diesen und anderen endlichen Ressourcen mit militärischen Mitteln zu sichern. Energiepolitik von unten ist somit auch ein wichtiger Beitrag zur Friedensförderung.

Eine weitere Hoffnung setzt darauf, dass insbesondere die Bilder von KriegsfotografInnen, selbst unter Berücksichtigung der Nähe zur Propaganda, ihre Wirkung auf Dauer nicht verfehlen. Gewalt ist barbarisch, steht gegen Menschenrechte, gegen das Individuum – und muss daher geächtet werden, dies sehen imme mehr Menschen so.

Gewalt gegen Hitlerdeutschland als Voraussetzung für das Ende des Nationalozialismus ist ein schlechtes Argument für die Fortsetzung von Gewaltanwendungen – die Geschichte zeigt, dass hier an diversen Stellen erhebliche Fehler passiert sind. Und da Lernen aus der Geschichte erwünscht ist, müssen die gleichen Fehler, gerade im Interesse der betroffenen Menschen, nicht dauernd wiederholt werden.

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