Abschied ohne Wehmut

Endlich! Endlich ist es so weit: für einen grossen Teil der Anwendungen sind die „klassischen“ Glühlampen nicht mehr zulässig! Wie immer im Umweltbereich hat es eine sinnlos endlose Zeit gebraucht, bis dieser Akt der Vernunft erfolgt ist. Bei allem Respekt vor dem Erfinder Thomas Alva Edison: die Glühbirne ist schon lange nicht mehr zeitgemäss – und dies hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Edison selbst so gesehen. Also: ein Abschied ohne Wehmut ist angesagt.

Etwa 95 % des eingesetzten Stroms wird in meistens unnütze Wärme umgesetzt – ganze fünf Prozent dienen dazu, Licht in die Dunkelheit zu bringen. Ganze fünf Prozent Wirkungsgrad – oder anders: die Glühbirne ist geradezu das Symbol der Verschwendungswirtschaft. (Energie-)Effizienzsteigerungen führen allerdings nicht unbedingt zu einer Verminderung des Energieverbrauchs, sondern wegen des sogenannten Rebound- oder gar Backfire-Effekts häufiger zu einer Nutzungsausweitung (siehe etwa Marcel Hänggi in seinem Buch „Wir Schwätzer im Treibhaus“). Auch neueste Untersuchungen lassen befürchten, dass der unkritische Umgang mit (billigem) LED-Licht zu einer erheblichen Ausweitung des „Lichtverbrauchs“ führen könnten. Da allerdings der Umkehrschluss „Weniger Effizienz, weniger Verbrauch“ nicht zutrifft, braucht es andere flankierende Massnahmen, um den Rebound-Effekt in Griff zu bekommen – etwa kleine Belohnungen im Sinne von Elinor Ostrom für einen rücksichtsvolleren Umgang mit der Allmende Weltklima.

Gerade angesichts der Entwicklungen beim LED-Licht ist durchaus davon auszugehen, dass die sogenannten Stromsparlampen – kompakte Fluoreszenzlampen – nur einen beschränkten Anteil der Lichtversorgung übernehmen werden. Auf jeden Fall wird das partielle Glühlampenverbot nicht zum Rückfall in die undurchdringliche Dunkelheit führen (auch wenn dies für einen dunklen Nachthimmel mit mehr sichtbaren Sternen durchaus hilfreich wäre).

In den letzten 25 Jahren habe ich mich regelmässig gewundert über die absurden Begründungen, warum Menschen keine stromeffizienten Leuchtmittel einsetzen wollten. Dass derzeit Glühlampen gehamstert werden, dass eine nicht spassig gemeinte Widerstandsbewegung entsteht, ist nachvollziehbar, da Menschen lieber das verwenden, was sie kennen. Spannend wirklich die Frage, was Menschen dazu antreibt, sich für etwas einzusetzen, dass wegen des lausigen Wirkungsgrades Symbol der Verschwendungsgesellschaft ist. Ich vermisse diese Hirnkapazität, wenn es darum geht, den Rebound-Effekt zu vermeiden.

Im übrigen: Autos mit Verbrennungsmotoren, angetrieben von fossilen Treibstoffen, können etwa einen Sechstel der Treibstoffenergie in Bewegungsenergie umsetzen – 15 bis 16 Prozent Wirkungsgrad, 84 bis 85 % VERLUSTE. Auch noch so ein Relikt aus alter Zeit, welches endlich ins Museum gehört respektive auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt werden sollte!


Nachtrag 18.4.2011

Es ist immer wieder neckisch, wie tumb die KonsumentInnen sind. Es ist wirklich alles andere als überraschend, dass direkt aus der Fabrikation stammende Produkte mit Elektronikanteil neu sind, also noch gewisse Rückstände aus dem Produktionsprozess aufweisen können. Das ist bei Computern so, das ist auch bei Stromsparlampen nicht anders (möglicherweise war dies auch so bei Glühbirnen). Schadstoff-frei ist durchaus eine mögliche Forderung. Neben der Verminderung der eingesetzten Mengen an chemischen Hilfsstoffen (kommt auch den Arbeitskräften in den Produktionswerken zu gute) könnten solche Dinge auch zuerst einige Tage testweise betrieben werden – was dann möglicherweise zu KonsumentInnenklage führen würde, dass Altwaren als Neuprodukte verkauft werden …

Es ist schon erstaunlich, welches Beharrungsvermögen die Climate Criminals aufweisen. Es gibt wirklich keinen Grund, die leuchtenden Öfen (= Glühbirnen) weiter zu betrieben …


Erste Fassung 31.8.2010