400 Zeichen – besser darauf verzichten!

Seit der Auto-Anzeiger, früher Tages-Anzeiger im Newsnetz-Verbund betrieben wird, besteht die Möglichkeit von „Kommentaren“ zu Artikeln. Allerdings ist die Länge von „Kommentaren“ auf 400 Zeichen – 2 1/2 SMS, eine etwas mehr als doppelte Kurznachricht also – begrenzt.

Gerade die „Kommentare“ zu einigen Artikeln während den Festtagen 2008 (z.B. Papst: «Schwule vernichten Gottes Werk», bis 28.12.08 23:12 294 „Kommentare“, Hamas-Chef ruft zu Intifada auf, bis 28.12.08 23:20 394 „Kommentare“) zeigen eines klar: 400 Zeichen für „Kommentare“ würgt die Diskussion auf Stammtischniveau herab, da werden nur noch (in der Regel falsche) Allgemeinplätze dargelegt, da äussert sich nur noch, wer so undifferenziert auf der Ebene von unüberlegten Schlagworten zu argumentieren vermag. Regelmässig wäre es zudem sinnvoll, die abgegebenen „Kommentare“ nicht zu publizieren, dürften diese doch sehr häufig diversen gesetzlichen Vorgaben nicht genügen.

Brauchbare Kommentare der Auto-Anzeiger-, früher Tages-Anzeiger-Redaktion sind deutlich länger. Der kluge Kommentar „Israels tödliche Verzweiflung“ von Luciano Ferrari beispielsweise hat rund 2’100 Zeichen – tja, und viele der darauffolgenden „Kommentare“ sind bestenfalls einfältig, wenn nicht gar dumm, unter anderem, weil es schlicht nicht möglich ist, mit 400 Zeichen, einer Doppel-SMS, eine kluge Argumentation zu erarbeiten.

Es gibt nur zwei sinnvolle Möglichkeiten: entweder wird die Begrenzung auf 400 Zeichen aufgehoben, oder der Auto-Anzeiger, früher Tages-Anzeiger verzichtet auf diese Dampfablass- und Streicheleinheiten-Verteilungs-Angelegenheit.


Nachtrag 14.4.09

Ein weiteres illustratives Beispiel zum Unsinn dieses 400-Zeichen-Stammtisch, da bringt die Auto-Zeitung, früher Tages-Anzeiger am 14.4.09 einen Bericht über die Differenz zwischen dem ersten Osterwetterbericht vom Dienstag, 7. April und dem tatsächlichen Osterwetter (auf der Alpennordseite – die Prognose tönte eher nach ziemlich feucht, die Realität war schlicht und einfach grandioses Osterwetter!). Die 400-Zeichen-Stammtischler mögen sich aufregen über diese Differenz, es ist reinste Realsatire. Da wird etwa verlangt, dass man bei SF Meteo Stellen reduziere – nur stammt der TA-Wetterbericht von meteonews, einer Privatfirma. Oder ein anderer Stammtischler empfiehlt den MeteoSchweiz-Nörglern (auch dieser Staatsbetrieb ist NICHT verantwortlich für die TA-Wetterseiten) den „Wetterbericht von Wick„, obwohl Peter Wick CEO und CFO der für die „falschen“ TA-Wetterberichte verantwortlichen MeteoNews ist. Das ist ja noch einigermassen lustig oder bestenfalls Beleg für die PISA-Fähigkeiten der TA-Stammtischler.

Dramatisch wirds, wenn ein weiterer Stammtischler aufgrund „falscher“ Wetterprognosen Zweifel an den Aussagen zum (Mensch gemachten) Klimawandel anbringt. Einfach zur Aufklärung: Wetter ist das, was gerade jetzt draussen stattfindet, die Wetterprognose ist also eine Aussage über zukünftiges Wetter, wie immer ohne Gewähr respektive mit Unsicherheiten belastet. Klima ist hingegen so quasi das summierte Wetter, beschreibt also die langfristige Wetterentwicklung – und entwickelt daraus Szenarien für die Entwicklung des Klimas (und nicht des Wetters!). Wenn die IPCC Aussagen zum Mensch gemachten Klimawandel macht, ist auch dies mit Unsicherheiten verbunden – aber immerhin mit Wahrscheinlichkeiten, die nahe an 100 % liegen. Verstanden, Herr Auto-Anzeiger-Stammtischler?

Fazit daraus: Liebe Auto-Anzeiger-Verantwortliche vom früheren Tages-Anzeiger, schafft doch endlich diesen 400-Zeichen-Leerlauf ab!

Erste Fassung: 28.12.2008

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