Weihnachtsmenu

Im Oktober 2005 haben Frankreichs Abgeordnete in seltener Einstimmigkeit die umstrittene gestopfte Gänse- und Entenleber (Foie gras) zum "nationalen Kulturerbe" erklärt (aus einer sda-Meldung).

An Weihnachten - vielleicht viel stärker als das ganze Jahr über - nehmen Menschen wahr, dass Mahlzeiten nicht nur zur Nahrungsaufnahme dienen, sondern auch ein wesentlicher Teil des Zusammenlebens und der Kultur darstellen.

Wenn Frankreich das Bedürfnis hat, Foie gras zum nationalen Kulturerbe zu erklären, hat dies allenfalls mit etwas Verschrobenheit, vielleicht auch mit einem Stück ziemlich veraltetem Nationalstolz als "grande nation" zu tun, ebenso, wenn Norwegen und Japan - mit Bezügen auf längst vergangene Zeiten - das Erlegen von Walen als nationales Anliegen darstellen und damit das Abschlachten hunderter Wale rechtfertigen.

Welche Anforderungen können an Lebensmittel gestellt werden, die es verdienen, Bestandteil eines Weihnachtsmenus zu sein?

  • Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau - in der Schweiz mit Knospe.
  • Fleisch, Eier, Milchprodukte von artgerecht gehaltenen Tieren.
  • mit "nachhaltigen Fangmethoden" gefangener Fisch
  • alle diese Produkte aus gerechtem Handel - für Produkte aus weniger wirtschaftlich entwickelten beispielsweise mit dem Max Havelaar-Siegel ausgezeichnet.
  • gekauft bei Lebensmittel-Läden, die ökologisch und sozial vorbildlich sind
  • möglichst aus lokaler/regionaler Produktion

Zur Illustration einige Zitat aus dem Buch "Die Welt des Konsums - zur Lage der Welt 2004" des Worldwatch-Institutes:

Die Zunahme des internationalen Handels mit Nahrungsmitteln und die steigende Zahl von Fertigprodukten und verpackten Lebensmitteln tragen dazu bei, dass sich die Menschen von dem, was sie essen, immer mehr entfernen, und zwar sowohl geographisch als auch psychologisch.

Da die Menschheit etwa ein Viertel der Landoberfläche - das ist mehr als alle Waldflächen der Erde - zum Anbau von Nahrungsmitteln heranzieht, ist es unmöglich, die Art und Weise der erzeugung von der Gesundheit der Flüsse, Feuchtgebiete, Wälder und unserer lebendigen Umwelt zu trennen: die Auswahl der Lebensmittel und das Transportwesen sind die beiden menschlichen Aktivitäten, die die grössten Auswirkungen auf die Umwelt haben. Ein Vergleich: Eine Mahlzeit mit einem grossen Anteil an Fleisch und importierten Zutaten wird neunmal so viel Kohlenstoff emittiert wie für ein vegetarisches Essen aus heimischen Zutaten. (Zusammenfassung durch twp).

Die "konventionelle" Erzeugung unserer Nahrungsmittel zeichnet sich durch eine starke Abhängigkeit von Chemikalien aus - von Antibiotika und Pestiziden bis zu Kunstdünger und Konservierungsstoffen..

Zum Beispiel vertreten die Befürworter gen-manipulierter Nahrung häufig die Ansicht, diese Produktion sei notwendig, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren und die Kosten der Nahrungsmittelproduktion zu senken. Allerdings wird diese Technologie derzeit nicht gegen den Hunger in der Welt eingesetzt, sondern in erster Linie bei Mais und Sojabohnen, die als Viehfutter dienen, um den wachsenden Appetit der Menschen auf Fleisch zu stillen.
P.S. Fleisch ist das Lebensmittel, das am meisten Ressourcen verbraucht. Zur Erzeugung eines Joule Rinder-, Schweine- oder Geflügelfleisch sind 11 bis 17 Joules Futter notwendig.
95% der weltweiten Sojabohnenernte wird nicht von Menschen konsumiert, sondern von Tieren.
Zur Erzeugung von etwa 250 Gramm Rindfleisch sind 25'000 Liter Wasser erforderlich.
Die Menge der Gase, die von Schlacht- und Weidevieh ausgestossen wird, beläuft sich auf etwa einen Sechstel der jährlichen "Produktion" des starken Treibhausgases Methan.

Verschiedenen Studien gehen davon aus, dass die VerbraucherInnen jährlich Milliarden von Dollar für die Schäden durch Umweltverschmutzung und die anderen Kosten zahlen, die durch die moderne Landwirtschaft entstehen - von der Beiseitigung von Pestiziden aus dem Trinkwasser bis zu den Schäden durch Bodenerosion und das Sterben von Vögeln und anderen Wildtieren. Billige Nahrungsmittel sind nicht immer auch wünschenswert!